Eine Heilige Kuh namens “Geistiges Eigentum” *

Geistiges Eigentum ist ein Widerspruch in sich. Etwas Immaterielles kann niemals jemandem gehören. Schon gleich gar nicht einem Rechteverwerter, einer Plattenfirma oder einem Verlag. Das bringt nur der Kapitalismus fertig, in dem alles zur Ware wird. Die ganze Chose mit dem “Urheberrecht” würde schlagartig aufhören, wenn die Rechte allein bei den Urhebern, den Musikern und Autoren blieben.

Höchstens für die Vermarktung werden die Dinosaurier der Verwertungsindustrie noch gebraucht. Aber in den Zeiten des Internet ist auch das fraglich. Wieviel Lobby-, Gesetzes- und Ermittlungsarbeit, wieviel unsinnige Propaganda (sorry: Aufklärung), wieviel nutzlose manpower muss von Industrie, Staat und Gesellschaft geleistet werden, nur um die Interessen von ein paar wenigen durchzusetzen? Und das nur weil sie das Geld haben und an den Schalthebeln der Macht und der Medien sitzen! ” Wer das Geld hat, hat die Macht und wer die Macht hat, hat das Recht!”

http://www.open-access.net/

Dabei ist dieses System zutiefst undemokratisch: der Weltverband “International Federation of the Phonographic Industry” oder kurz “IFPI” wurde unter Geburtshilfe von Mussolini 1933 in Italien aus der Taufe gehoben. Ziel war die Schaffung eines mächtigen Monopole (sorry: Verbandes), der bestimmen sollte, wo es lang geht, der seine Vorstellungen bei den nationalen Gesetzgebern durchdrückem konnte. Und das ist noch heute so. Auch in der EU und im Bundestag. Und wie das mit Monopolen und Kartellen so ist, ihr Hunger nach mehr ist grenzenlos. Die neueste “Idee”: Das Wegwerfen von CDs verbieten.

Und was steht am Ende? Der geknebelte Konsument, dem vorgeschrieben wird, wann er was wie und wo sehen und hören darf. Der geknebelte Künstler, der nach Gutdünken vom Verwerter mit Brosamen abgespeist wird. Ein paar fette Firmen deren Rendite stimmt und die ihren Aktionäre glücklich machen. Und zu guter letzt eine völlig verarmte, weil auf Einheitsbrei getrimmte “Kulturindustrie”.Dieter Bohlen & Co. für alle!

So hätten sie es wohl am liebsten .....

Da empfehle ich doch lieber meine eigenen Five Faves. Dank youtube haben sie die richtigen Antidots :-)

* Original Gedankenspliiter war ein Forenbeitrag von mir zum 75. Geburtstag der ISPSI auf telepolis.

Märchen des Ökonomismus #2

Freie Marktwirtschaft und Demokratie gehören zusammen und sind die Grundlage der westlichen Werte

Es soll Leute geben, die glauben sogar diesen Bullshit. Dazu gehört unsere politische Klasse bis auf ein paar wenige Ausnahmen. Diese Behauptung der gegenseitigen Bedingung von Demokratie und kapitalistischer Wirtschaftsweise, die gerne vom jeweiligen amerikanischen Präsidenten ins Feld geführt wird, wenn mal wieder Krieg zu führen ist, und in Folge davon auch von unseren Politikern und unserer Journaille, ist so halbseiden und fadenscheinig, dass mir unwillkürlich „Des Kaisers neue Kleider” einfällt. Da ist nichts an Argumenten, an historischer und sozioökonomischen Tatsachen: nichts als eine bloße Behauptung bleibt übrig, wenn man mal genauer hinsieht. Alle die diese These im Munde führen, stehen nackt da, geben sich der Lächerlichkeit preis. Nur keiner sagt es ihnen. Und so denken alle: So muss es sein. So gehört sich das. So ist es richtig.

Schaut man jedoch die Geschichte des Kapitalismus an, so sieht man sofort, dass diese These eine glatte Lüge ist. Seine Anfänge im 19. Jahrhundert in England fallen noch in eine mehr oder weniger ständische Gesellschaft mit entsprechender Herrschaftsordnung. An der Macht hatte die neue Klasse des Proletariats keinen Anteil. Den hatten nur der Adel und neu hinzukommend das (die Produktionsmittel besitzende) Bürgertum. Die Arbeiter hatten ausschließlich das Recht für ihre Arbeitsherren zu Hungerlöhnen 16 Stunden täglich zu schuften und durften in Elendsquartieren in den Städten vegetieren. Wer nicht glauiben will, dass dies so war, kann sich heute noch ein Bild davon machen: in Pakistan oder Bangladesh, wo unsere billigen Klamotten herkommen, sieht es nicht anders aus. Und in vielen anderen so genannten Drittwelt- und Schwellenländern auch nicht. Demokratie, d.h. Teilhabe an der Herrschaft, die Möglichkeit über das eigene Schicksal mitzubestimmen, existiert in solchen Verhältnissen nur auf dem Papier.

Alle demokratischen Rechte der Arbeiter, alle Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, allen echten sozialen und politischen Fortschritt mussten sie sich mühsam erstreiten. Oder wurde wie im Rheinischen Kapitalismus ihnen großzügig gewährt, damit sie die Klappe halten und brav Adenauer wählen.

So sieht es nun mal aus im Kapitalismus, da hilft die Tünche \

Insgeheim träumen Geldgeber, Investoren und Shareholder von dieser radikal freien Marktwirtschaft, bei der sie allein bestimmen, und sie möglichst viel Profit machen können. Demokratie, Sozialstaat, eine durchlässige Gesellschaft - alles vernachlässigbar. Wenn man so manche Verlautbarung des BDI oder der INSM liest, merkt man worauf es wirklich für Deutsche Bank, Daimler, Siemens & Co ankommt: Gut ist alles, was Rendite schafft! Das ist ihre ganze Moral.

Im Übrigen ist das Kapital nie zaghaft und zögerlich mit wem es zusammenarbeitet. Im Gegenteil. Dem sozialistischen Chile unter Allende liefen wegen geplanter Verstaatlichungen die Investoren davon. Das durfte natürlich nicht sein. So griffen schließlich die USA ein, halfen Pinochet bei seinem Putsch und anschließend bei Folter und Verschleppung zahlloser Regimekritiker. Kaum war der „sozialistische Spuk” vorbei übernahmen amerikanische Investoren und Berater unter Federführung der marktradikalen „Chicago Boys” - inkl. ihres Übervaters Milton Friedman, dem großen Guru des Neoliberalismus - das Ruder und formten Chile um nach ihren Vorstellungen. Demokratie war da nicht nötig, eher störend: es könnte ja ein zweiter Allende kommen …

Dass eine Diktatur ganz hervorragend mit freier Marktwirtschaft zusammengeht, zeigt die rasante Entwicklung in China. Kein Land hat wohl für Investoren so hervorragende Möglichkeiten. Eingriffe in den freien Markt von Seiten des Staates gibt es zwar. Jedoch meist im Sinne des Kapitals oder im Sinne der chinesischen Weltmachtpolitik. Die Millionen Arbeitssklaven haben zu schuften und den Mund zu halten. Dafür sind sie da: zur Vermehrung der Gewinne weniger ausländischer und chinesischer Firmen. Demokratie? Ein lässlicher Luxus, der nur die Wertschöpfung stören könnte. Wird sich daran etwas ändern? Wohl kaum. Es funktioniert ja ganz hervorragend. Die Sonntagsreden unserer Politiker, die von China Demokratie fordern, sind ein verlogenes Ritual, geschuldet dem heimischen Publikum. Wirklich wichtig ist, dass die Handelsbeziehungen nicht leiden, dass unsere Firmen Großaufträge an Land ziehen können, und dass wir weiter billige DVD-Player und Plastikspielzeug aus China beziehen können.

Die Kette der Beispiele ließe sich noch lange fortsetzen. Auch die Geschichte des europäischen Faschismus, insbesondere der des Nationalsozialismus ist eine Geschichte der Verflechtung von unmenschlicher Politik, die Hand in Hand ging mit den Interessen des Großkapitals. Da stand kein Krupp, Thyssen, Quandt oder Reemtsma auf und begehrte gegen Hitler auf. Nein. Sie unterstützen die Nazis nach anfänglicher Skepsis und konnten selbst während des Krieges noch glänzende Geschäfte machen.

Die freie Marktwirtschaft schafft keine Demokratie. Sie schafft stattdessen eine kleine Elite, die alle Produktionsmittel besitzt, die kräftig dabei verdient, eine Elite, die sich immer mehr abgrenzen muss, einen Geldadel, der unter sich bleibt. Dem gegenüber steht ein Heer von Arbeitssklaven, die nichts haben, was sie verkaufen könnten, nichts außer ihrer Arbeitskraft, ihrer Kreativität, oder ihrer Kenntnisse und Fertigkeiten. Da hat sich seit Marx Beschreibung dieses Verhältnisses nichts geändert.

Wie ich eingangs schon bemerkte: Demokratie und Markt gehören nicht zusammen. Das ist Bullshit. Im Gegenteil: solange noch immer ein paar wenige fast alles besitzen und die allermeisten fast nichts, solange sind wir von wirklicher Demokratie und echter Freiheit Lichtjahre entfernt.

Sensation: Ursachen ALLER Infektionskrankheiten geklärt!


NIE WIEDER IMPFEN - NIE WIEDER EINE TROPFNASE!

Wie ein Sprecher des alternativen “Instituts für ganzheitliche kosmologische Medizin” in Bad Wasser in einer Pressekonferenz vermeldet hat, konnten die dortigen Forschungen in den Akascha-Chroniken nach einer ununterbrochen dauernden 4-wöchigen Seance, endgültig die Ursache von Masern UND allen anderen sog. Viruserkrankungen herausfinden: es sind nicht Viren, oder eine “verwilderte” DNA, die Ansteckung geschähe auch nicht von Mensch zu Mensch, sondern durch eine kosmische Infizierung mit negativem feinstofflichen Sternenstaub aus den dunklen Tiefen eines bisher unbekannten Schwarzen Lochs. (Vielleicht ist dies ja sogar der lang ersehnte Nachweis der sog. “Dunklen Materie”!) Herkömmliche Impfungen würden gegen feinstoffliche Ursachen nichts ausrichten.

Helfen könne nur eine spezielle Art der Meditation (3-Tageskurs all. incl. ab 699,- €, oder ein sog. feinstoffliches Sternenzelt (je nach Ausführung ab 799,- €) oder der tägliche Genuss des feinstofflichen Wassers aus Bad Wasser (der Kasten für 49,- € zuzügl. Versand). Damit, so ein Sprecher, seien Masern und ALLE anderen Infektionskrankheiten ein für allemal besiegt.

Des Weiteren werden folgende Produkte und Dienstleistungen angeboten:

Grobstoffliche Hülle für das feinstoffliche Sternenzelt: je nach Wunsch und Stoffart als (eigentlich völlig unnötiges) Zubehör auf Wunsch lieferbar: ab 199,- €

Installation durch ein qualifiziertes Medium zum Stundensatz von nur 99,- € zzgl. Anfahrt aus Polen oder Rumänien.

Auf Wunsch auch durch einen sibirischen Schamanen mit vorheriger Ausräucherung des Hauses für pauschal 1.999,- €

Alles weitere unter 0900 9988776655 für nur 5,- € à 12 sec oder über unsere Mailbox in der Engelssphäre.

Sie haben noch keine eigene Mailbox? Gerne richten wir ihnen eine solche ein für nur 499,- €

Die grobstoffliche Sternenzeltvariante in einem schicken Blau

Die grobstoffliche Hülle des feinstofflichen Sternenzelts in einem sehr schönen Blau-Ton. Die feinstoffliche Aura hält auch Mücken und anderes Ungeziefer fern! Garantiert!

Veröffentlicht in: on Dienstag, 29. April 2008 at 19:05 Kommentare (0)
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Renitenz statt Resilienz

“In der Physik und in der Technologie wird der Begriff der Resilienz benutzt, um die Eigenschaft eines elastischen Materials oder daraus bestehenden Körpers zu charakterisieren, seine ursprüngliche Form nach einer Deformierung - auf äußere Einwirkung hin - schnell wieder anzunehmen.” War Resilienz in der Psychologie bisher der Gegenbegriff zur Vulnerabilität und damit ein allgemeiner Begriff für die Fähigkeit eines Menschen mit belastenden Situationen klarzukommen, so ist Resilienz in der Arbeitspsychologie die plumpe Übertragung des technischen Modells auf die Psyche: Resilienz meint hier die Fähigkeit des Arbeitnehmers zur Anpassung an alle äußeren Arbeitsbedingungen, und seien diese noch so widrig. Ziel ist nicht wie früher im Arbeitsschutz, die Schaffung von Verhältnissen, die zumutbar sind, sondern die Stärkung des Einzelnen, dass er möglichst lange unzumutbare Arbeitsverhältnisse aushält.

Ehrlicher und offener kann gar nicht gesagt werden, was der Arbeitnehmer in den Augen der Arbeitsherren ist. Nämlich Arbeits-Material, das gewissen Ansprüchen genügen muss: formbar, dehnbar, bearbeitbar, flexibel. Und wenn es nicht mehr geht: hat sich die Arbeitskraft aufzurappeln und weiterzumachen!

Mein Gott, ist das Menschen verachtend. Und die Psychologie macht selbstredend mit. Aber in Wirklichkeit fragt keine alte Sau nach den Opfern als Menschen. Es geht nur um eines: ums Funktionieren, ums
Schaffen von Mehrwert für die Eigentümer, besser den Sklavenhaltern. Heute braucht es keine Peitschen mehr. Da hat es ein weit breiteres Instrumentarium: Wer nicht spurt, der fliegt. Wer nichts mehr leistet, auch. Wer nicht bereit ist für weniger zu arbeiten, erst recht. Und wenn das Hundchen ganz brav war, gibt es ein Leckerchen. Alles damit das Hundchen nur bellt, wenn es soll!

Braves Hündchen. Weiter so!

Wen wundert es, wenn die psychischen Erkrankungen zunehmen?

Wann merkt eigentlich der geneigte Zeitgenosse, wie sehr unser kapitalistische System alles gegen die Wand fährt für die Geldbeutel von ein paar wenigen?
Nur ein paar Stichworte aus den letzten Wochen:

- globale Finanzkrise mit geschätzt fast 1 Billionen $ an vernichteten, besser umgeschichteten Geldern
- Inflation weltweit, die wieder vor allem die Ärmsten trifft
- Spekulation auf den Lebensmittelmärkten
- Hungeraufstände wegen der explodierenden Lebensmittelpreise
- die Zeichen für eine Klimakatastrophe mehren sich

und bei uns in Deutschland zusätzlich:

- Rückgang der Reallöhne
- Zunahme des Niedriglohnsektors
- Unfähigkeit der Politiker den Interessen der Arbeitgeber etwas entgegenzusetzen
- Zunahme von psychischen Erkrankungen aufgrund der Arbeitsbedingungen

Wer meint, das alles hänge nicht zusammen, das habe nichts mit dem entfesselten Kapitalismus zu tun, das ließe sich alles innerhalb des Systems (quasi “sozialdemokratisch”) lösen, der lügt sich entweder selbst in die Tasche, oder glaubt einfach allen Geschichten unserer Medien und ist hoffnungslos naiv.

Was wir heute brauchen ist keine Resilienz, sondern Renitenz, Widerstand, ein Aufbegehren von unten gegen diese zynischen Zustände.


Five Faves: die definitven Bands

5. dazu unten mehr!

4. Pink Floyd

egründet in der Hochphase der Psychedelic Aera, vom charismatischen Frontmann Syd Barrett angeführt (bis März 1968), der irgendwann von seinen LSD-Trips nicht mehr zurückkam, mutierte die Band zunehmend zu der Prog-Rock Band der 70er. Für mich liegt jedoch ihre stärkste Phase in den Anfängen: Stücke wie „Astronomy Domine“, „Atom Heart Mother Suite“ oder „Echoes“ sind für mich wie Trips, ohne dass man illegale Substanzen nehmen muss: psychedelische Musik at his best! Warum nur hat diese Band diese spannenden Wege der Frühzeit verlassen und später nur noch mit „Schönklang“ auf den kommerziellen Erfolg geschielt? Nach “Wish You Were Here” sind m.E. nur noch wenige Stücke goutierbar.

See Emily Play

Antonionis Zabriskie Point

One of These Days

Grantchester Meadows

Wish You Were Here

3. Led Zeppelin

Die endgültige Definition von Hardrock. Der ins Gigantische gesteigerte Traum von Sex and Drugs and Rock and Roll. Die meisten Texte fallen in die Kategorien vernachlässigbar bis ungenießbar. Schnell noch im Studio hingeschrieben, entstanden sie aus den lyrischen Improvisationen von Robert Plant. Die Melodien sind oft zusammengeklaut, oder stützen sich auf ein einzelnes Riff (z.B. bei Kashmir!) – wirklich nichts künstlerisch Wertvolles. Und doch! So eine Band, die so extrem war, so größenwahnsinnig, so rücksichtslos zu sich selbst und ihrem Publikum – solch eine Band wird es wohl leider nie wieder geben. Waren schon die Studioalben gut (gilt wie so oft nicht für die späteren Sachen), so waren und sind (Auch das Reunion-Konzert 2007 ist ein Kracher!) sie live einfach unschlagbar. Zahllose Bootlegs legen davon Zeugnis ab und natürlich das 3er Live-Album „How the West Was Won“.

Dazed and Confused

Immigrant Song (Live @ BBC)

Stairway To Heaven…

… und wenn Schwachmaten es rückwärts abspielen!

Kashmir, London O2 Arena 12/2007

2. Cream

Gibt es bessere Gitarrensoli? Ich könnte Clapton stundenlang zu hören. Aber es ist nicht nur sein Spiel, das die Magie von Cream ausmacht, sondern auch das perfekte Zusammenspiel mit den anderen beiden und die geniale Zusammenarbeit von Jack Bruce als Komponisten mit dem Texter Pete Brown (White Room, I Feel Free …). Daneben die genialen Neuinterpretationen von Blues-Traditionals wie „Spoonfull“ oder „Crossroads“. Damals hat einfach alles gepasst. Bis auf die Chemie in der Gruppe: Bruce und Baker konnten einfach je länger je mehr nicht miteinander. Die Unmengen an Drogen und der andauernde Tourstress taten ein übriges. So zerbrach schließlich diese erste „Supergroup“. Bei den anschließenden Solokarrieren war Clapton der erfolgreichste, auch wenn er nie wieder so gut war. Aber das wollen viele Clapton-Fans einfach nicht wahrhaben. ;-)

Sunshine of Your Love

Spoonful

Crossroads

Anyone for Tennis

N.S.U. - Royal Albert Hall 5/2005

1. The Velvet Underground

Die Mutter aller Indie-Bands. Nahmen in der Zeit ihres Bestehens von 65 bis 69 vieles aus den 70ern und 80ern vorweg und spielten seinerzeit total am herrschenden Zeitgeist vorbei. Notorisch erfolglos, trotz der anfänglichen Protegierung durch Andy Warhol. Vereinten die grandiose Lyrik Reeds mit amerikanischen Rock and Roll und zeitgenössischer europäischer E-Musik (Cale war ausgebildeter klassischer Pianist und Viola-Spieler). Experimentierten sowohl musikalisch (andere Stimmungen der Instrumente, gewollte Kakaphonien, endlose Wiederholungen …) als auch textlich: Reeds Vorbilder waren die Beat-Poeten und ihre Themen. So drehten sich seine Songs um Großstadtthemen wie Drogen, Huren, durchzechte Nächte, die Einsamkeit der Party-People. Sie klangen oft harmlos, und waren doch sarkastisch oder zynisch. Die New Yorker Band war so etwas wie ein desillusioniertes Gegenmodell zu den Hippies der Westküste: schwarz, düster, pessimistisch, ohne Träume. Mit „Heroin“ und „Venus in Furs“ hatten sie zwei der für mich besten Rocksongs überhaupt im Programm. Scheiterten sowohl an der eigenen Erfolglosigkeit als auch an den Egotrips der Bandmitglieder, besonders an denen von Lou Reed.

Andy Warhol’s Exploding Plastic Inevitable

I’ll Be Your Mirror

I’m Waiting For The Man

The Gift

Oh! Sweet Nuthin’

5. Noch steht hier nichts.

Sollen es die Stones sein? Aber nein. Seit ich sie 1998 live habe spielen sehen, war ich doch sehr ernüchtert und enttäuscht: eine Karikatur ihrer selbst! Wann sagt endlich jemand: „Aber der Kaiser ist ja nackt!“ Und das ungeachtet all ihrer Verdienste und Erfolge!

Vielleicht die Scherben? Da spricht viel dafür, denn Rio hat es ja schon unter meine Top 5 der Musiker geschafft. Aber sind sie wirklich die Nummer 5?

Oder The Mars Volta? Zugegeben das beste, was Prog heute bieten kann. Und nach dem Stillstand der letzten beiden Platten (nach dem Oberhammer „Frances the Mute“) haben sie mit „The Bedlam In Goliath“ wieder eine neue Seite in ihrer glorreichen Diskographie aufgeschlagen.

Und was ist mit U2 oder R.E.M.? Wie wäre es mit Metallica? Oder mit Gong? Den frühen Genesis? Die Beatles? Nein! Definitiv nicht die Beatles! Soviel reine Lehre aus früheren Tagen muss sein! Da nehme ich dann doch lieber die Stones! :-)

Veröffentlicht in: on Freitag, 18. April 2008 at 18:11 Kommentare (4)
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Posttraumatische Belastungsstörungen bei Soldaten*

PTBS / PTSD ist so alt wie die Menschheit, genauer: so alt wie sie Kriege führt. Schon in der Antike wusste man das! Nur die Militärs geben sich immer wieder überrascht, dass ihre Kampfmaschinen doch Menschen sind.

Wenn ein Krieg, wie in Afghanistan oder im Irak, so offensichtlich aus anderen Gründen geführt wird, muss der denkende Soldat (Den soll es auch geben!) ins Grübeln und Zweifeln kommen, und schon sieht er die Opfer seines blutigen Handwerks nicht mehr als “gerecht”, oder “notwendig” an, sondern als sinnlos und brutal. Und wenn man dann selbst unter Beschuss gerät, seinen Kameraden in einem Hinterhalt verliert, dann sind Selbstzweifel, Selbsthass, unkontroliierbare Ängste, Panikattacken, Zwänge und andere psychische Störungen nicht weit: kurzum all das, was man gemeinhin eine PTBS nennt.

Das Land, wo die Neurosen blühen, ist das Land der Militärs und der Kriege. Wir Menschen sind von Natur aus eben nicht konstruiert zum gnadenlosen Töten und hingebungsvollen Metzeln, so wie es die Militärs dieser Welt gerne hätten. Dazu müssen wir erst durch Drill und Ideologie gebracht werden. Dadurch verlieren die Gegner ihr menschliches Antlitz, gehören zu einer “minderwertigen Rassen”, gelten als “Ungläubige” oder sind ganz einfach alles potentielle “Terroristen”. Gute Propaganda, “Volksaufklärung” und Erziehung der eigenen Leute gehören seit jeher zum Kriegshandwerk. Oder weswegen sonst erfand die US-Army den “embedded” Journalisten? Das gaukelt Authentizität vor und gibt dem Militär gleichzeitig die Macht über die Bilder und Botschaften.

Von welcher Seite der wahre Terror ausgeht, ist noch nicht abschließend zu beantworten.

Was die Kriege nach ‘45 angeht, wissen wir hinlänglich bescheid über psychische Folgen bei den Soldaten. Und je jünger sie zurückliegen, desto mehr tun wir das. Gibt es über die amerikanischen Feldzug des WK II noch relativ viel Material, so sieht es auf deutscher Seite zu diesem Thema mau aus. Die Nazis selbst hatten keine Interesse an den für sie “verweichlichten” Vertreter der arischen Rasse. Und mit ihrer Ablehnung der “jüdischen” Psychoanalyse wurde mögliche Hilfe ebenfalls verteufelt. Nach der Kapitulation mussten die Heimkehrer aus der Kriegsgefangenenschaft die nächsten Jahre über funktionieren und schuften beim Wiederaufbau, danach mussten sie sich gegen die “bösen” ‘68er rechtfertigen und nun über 60 Jahre später sterben sie nach und nach weg.

Wieviel der Neurosen der Adenauer-Ära verdanken wir wohl dieser kollektiven Verdrängung? Wie sehr wurde die Geschichte der BRD von dieser Tatsache geprägt? Es ist ja kein Zufall, dass Machwerke wie “Dresden” oder “Die Flucht” so begierig ein breites Publikum finden: endlich wurde die deutsche “Opferrolle” und die brutalen Folgen des Krieges, auch die psychischen, thematisiert. Das macht diese Art des “Event-Kinos” zwar auch nicht besser, bedient aber ein Bedürfnis, das latent vorhanden ist: auch unter den Kindern und Enkeln, weil sonst nie oder nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen wurde.

* Dies ist ein Forenbeitrag von mir zu einem Artikel darüber, dass die Zahl von US-Soldaten mit PTBS in den letzten Kriegen stark zugenommen hat.

FAQ

Einmalige Antworten auf frequente Questionen

He du Ungennanter? Bist du feige, oder warum sonst nennst du dich Ungenannter?

Weil ich vielleicht nicht meinen Namen nennen möchte? Nicht dass ich nicht zu meiner Meinung und zu meinen Gedankengängen stehen würde, auch nicht dass ich mich vor eindeutigen Aussagen im realen Leben drücken würde. Es hat ganz einfach sehr persönliche Gründe, die ich hier nicht ausbreiten kann. Reimarus ist also nicht zufällig gewählt. :-)

Aha. Und warum nennst du deinen Blog “Fragmente”? Klingt so nach vorläfig und unabgeschlossen.

Damit liegst du gar nicht so falsch. Wer hat schon alleine für sich die Wahrheit gepachtet? Wer kann Endgültiges sagen zu den Themen, die ich hier verhandeln möchte: Religion, Philosophie, Politik etc. Das bleibt alles immer Fragment. Ich kriege Beklemmungen, wenn einer endgültige Antworten für die Vorläufigkeiten unserer Existenz hat.

OK. Bei Musik ist es etwas anders. Da gibt es definitive Aussagen und absolute Wahrheiten. Und die mache ich. Und sonst keiner. Da lass ich auch nicht mit mir diskutieren. ;-)

Hier gibt es z.B. phantastische psychedelische Musik der 60er.

Und trotzdem hast du manchmal ziemlich dezidierte Meinungen! Wie geht das zusammen?

Für mich schließt das eine (ein klarer Standpunkt) das andere (die Offenheit für den Dialog) nicht aus. Wenn man immer nur wischi-waschi um den heißen Brei herumschwurbelt, kommt nichts Vernünftiges dabei heraus. Das nennt sich dann Polit-Talk-Show und ist zum Gähnen. Lieber mal eine These zugespitzt und es fliegen die Fetzen, als dass alles in Langeweile erstirbt. Diskussionen auf meine Beiträge sind hiermit ausdrücklich von mir erwünscht. Die sind das Salz in der Suppe.

Aber warum kann ich nicht sofort etwas eintragen, sondern du musst es erst absegnen? Ist das nicht Zensur?

Da kann ich dich beruhigen. Ich bin kein Zensor (außer bei Musik natürlich!). Ich habe dieses Verfahren gewählt, um die Seuche des Foren- und Gästebücher-Spammings in meinem Blog einzuschränken. Ich hasse es, dass in manchen Gästebüchern, Blogs oder Foren die eigentlichen Beiträge kaum zu lesen sind vor lauter Spam. Und was es zu Spam zu sagen gibt, hat ja Monty Python definitiv klar gemacht:

Wie steht es denn mit deinen Texten? Darf ich die in meinem Blog oder meiner Seite verwenden?

Klar. Kein Problem. Ein paar Regeln bitte ich aber der Fairness halber einzuhalten:

  • Bitte nenne mich als Quelle und verlinke auf meinen Blog. Das bringt mir und dir hoffentlich zusätzliche Leser. Und das freut bekanntlich jeden Blogger.
  • Gib mir bitte bescheid, wenn du einen meiner Texte ganz oder teilweise bei dir veröffentlichen willst. Dann kann ich mir ein Bild von deiner Seite machen und entscheiden, ob ich da wirklich veröffentlicht werden möchte. Ich habe keinen Bock auf einer faschistisch oder nationalistisch angehauchten Seite als Watschenmann herhalten zu müssen oder als linkes Feigenblättchen. Ebenso wenig möchte ich von irgenwelchen Sektierern, Betschwestern, Weltuntergangspropheten oder sonstwie durchgeknallten Rattenfängern zitiert und benutzt werden für ihre dubiosen Machenschaften.
  • Ich behalte mir also das Recht vor, meine Einwilligung zum Zitieren meiner Texte oder von Teilen daraus zurückzuziehen oder erst gar nicht zu erteilen. Das Copyright und -left habe immer noch ich.

Und wie nehme ich Kontakt mit dir auf?

Du kannst entweder trommeln, laut schreien oder sonstwie auf dich aufmerksam machen. Werde ich aber kaum hören oder sehen. Darum hier meine Mailadresse:

Das FSM hat Post für dich!

Das FSM oder eine andere Grafik von deiner Seite gefallen mir. Was muss ich beachten, wenn ich sie verwenden will?

Schön, wenn du das so siehst. Ich gebe mir auch viel Mühe ansprechende Inhalte zu finden, die zur Seite passen. Achtung und jetzt kommt der entscheidende Satz: Alle Bilder stehen entweder unter einer GNU oder GNU-ähnlichen Lizenz, das ist dann jeweils mit angegeben (Z.B.: über rechte Maustaste - “Eigenschaften”) oder ich habe den Rechteinhaber gefragt und ich habe für meinen Blog die Erlaubnis zur Veröffentlichung (Die entsprechende Quelle ist ebenfalls immer mit angegeben!). Wenn du also so ein Bild für deinen Blog willst, musst du selbst den Rechteinhaber fragen. Führt leider kein Weg dran vorbei.

Und wie ist es mit einem direkten link auf die Grafiken bei dir? Dann werden sie doch immer von deiner Seite geladen und ich verstoße nicht gegen das Urheberrecht?

Böses Foul. Das stimmt leider gar nicht. Dazu hat mich der Schöpfer der schönen linken Karikaturen die ich ab und zu verwende, gebeten Folgendes in meinen Blog aufzunehmen, was ich gerne tue:

“Kann der Traffic-Klau(er) rechtlich belangt werden?
Ja! Zum einen könnte die direkte Verlinkung zu einer Grafik oder einem Musikstück, welches zum Download angeboten wird, gegen das Urheberrecht verstossen. Dann nämlich, wenn es sich um ein geschütztes Werk im Sinne des Paragraphen 2 des UrhG handelt.
Darüber hinaus kann die direkte Einbindung eines Werkes zu einer Schadenersatzklage führen. Der geschädigte Homepagebesitzer, von dessen Seite die Elemente direkt verwendet werden, hat u.U. dadurch finanzielle Verluste. Denn er muss aufgrund des erhöhten Traffic, den er nicht selber zu verantworten hat, an seinen Provider Mehrkosten für das monatliche Transfervolumen entrichten. Diese Kosten kann er an den Verursacher weitergeben. Übrigens ist auch eine anwaltliche Abmahnung für den Traffic-Klau(er) bereits mit hohen Kosten für ihn verbunden!” Nachzulesen ist dies hier.

Wie verhält es sich mit deinen links? Bist du dafür verantwortlich, was dann kommt?

Natürlich nicht. Geht auch gar nicht. Ich kann ja nicht alles fortdauernd überprüfen. Der allerorten zu findende “Disclaimer” ist jedoch von zweifelhaftem Wert. Darum hier der Hinweis auf den wikipedia-Artikel dazu.

Es ist klar: Alle links sind zum aktuellen Zeitpunkt des Verfassens des Textes von mir geprüft. Sie dienen lediglich der Information des Lesers. Eine Verlinkung bedeutet nicht dass ich mit dem fremden Inhalt konform gehe. Auf Abänderungen, die zeitlich nach meinem link erfolgen, habe ich keinen Einfluss. Sollte in den verlinkten Texten zu irgendwelchen strafbaren Handlungen aufgerufen werden, oder sollten die Inhalte selbst strafbar sein, distanziere ich mich hier ausdrücklich davon.

Bei allem, worauf ich verlinke, rechne ich einfach mal mit dem mündigen Leser, der selbst entscheiden kann, was ihm gut tut, was er sehen möchte und wie er sich darüber seine Meinung bilden will.

Und was ist mit meiner Frage, die ist hier nicht beantwortet worden?

Pech gehabt. Nein. Spaß beiseite. Schreib sie mir, ich gebe mir Mühe, sie dir hinreichend und abschließend zu beantworten.

Veröffentlicht in: on Mittwoch, 16. April 2008 at 17:10 Kommentare (0)
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Märchen des Ökonomismus #1

Vorbemerkung

Ökonomismus ist ein Begriff, der sich mir aufdrängte angesichts dessen, was seit einigen Jahren geschieht. Seit dem Scheitern des realsozialistischen Experiments und infolge der so genannten Globalisierung werden immer mehr Lebensbereiche unter rein wirtschaftlichen Aspekten betrachtet und den Gesetzen des Marktes unterworfen. Diese Ideologie, dass alles im Rahmen der Ökonomie gesehen wird, dass der Mensch nur noch als homo oeconomicus verstanden wird, nannte ich für mich „Ökonomismus”. Natürlich waren da schon andere drauf gekommen, wie man via Google leicht feststellen kann. Sei’s drum! Gute Ideen haben nicht nur einen Meister.

In loser Folge möchte ich ein paar der am häufigsten zu hörenden Märchen dieses allgegenwärtigen Ökonomismus richtig stellen.

Der Untergang der Sowjetmacht war der endgültige Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus

Diese Behauptung wird seit dem Mauerfall in Sonntagsreden von Politikern aller Couleur ex Cathedra gebetsmühlenartig fortdauernd wiederholt. Anschließend heißt es: Damit sei erwiesen, dass der Kapitalismus das bessere System sei. Die sozialistische Utopie habe sich ein für allemal erledigt. Diese Schlussfolgerung hat allerdings dieselbe Aussagekraft, wie wenn ein Wissenschaftler feststellen würde, Tomaten seien ungesund, und dann vor dem Genuss jedes Gemüses warnen würde. Aber um Logik geht es hier gar nicht, sondern um Ideologie, um die Herrschaft über das Denken der Untertanen.

Beim Kalten Krieg ging es zwar augenscheinlich darum, wer das bessere System hat, aber Motor des Kalten Krieges war nicht die ideologische Systemdifferenz, sondern das Hegemonialstreben der beiden Großmächte USA und UdSSR. Das ganze Gerede vom Systemunterschied hüben wie drüben diente nur der ideologischen Munitionierung im Kampf um die Köpfe und des Schulterschlusses in den eigenen Reihen. Genauso wenig wie die USA die “westlichen Werte” von Freiheit und Demokratie vertraten (und noch immer nicht vertreten), genauso wenig waren die Sowjetunion und ihre Vasallen wirkliche sozialistische Staaten. Es gab einmal gute Ansätze, aber das meiste hat sich in Bürokratismus, Planwirtschaft und Spitzelstaat verflüchtigt. Dass sich auch die guten, weil freiheitlichen Ansätze der amerikanischen Revolution verabschiedet haben, um der Herrschaft des militärisch-industriellen Komplexes Platz zu machen, ist allerdings ebenso eine Tatsache. Der Kalte Krieg fand nicht zwischen der Freiheit und der Diktatur, nicht zwischen Kapitalismus und Kommunismus, und erst recht nicht zwischen dem Reich des Guten und dem des Bösen statt, sondern zwischen den beiden Nachfolgern des Imperium Romanum, die um die alleinige Weltherrschaft auf den Rücken ihrer unterjochten Völker stritten.

Untergegangen ist das Sowjetreich, wie jedes andere Großmacht untergeht (und wie auch die USA untergehen werden!): an den eigenen inneren Widersprüchen. Sozialismus wurde gepredigt, das hohe Lied von Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit gesungen und vom kommunistischen Paradies geträumt. Praktiziert wurde jedoch nach innen wie nach außen die ganz normale Machtpolitik einer Diktatur, die eben nicht die des Proletariats war. Gorbatschow hatte dies m.E. erkannt, aber Glasnost und Perestroika kamen zu spät. Die alten Herren im Kreml hatten schon längst ihr Volk verloren. Ein Reich, dessen Macht nur auf die der Bajonette und der Panzer beruht, wird irgendwann untergehen: denn Stärkere, bessere oder nur andere gibt es immer! Im Kampf der Systeme hatten die USA nicht nur ihre eigenen Ressourcen, sondern die all der Länder, die mit ihnen verbündet waren und die mit ihnen Handel trieben. Zudem hat ihre Regierungspropaganda es besser verstanden, das eigene Volk hinter sich zu scharen als die des „Ostblocks”. Coca Cola, Jeans, Urlaubsreisen und das eigene Auto sind eben attraktiver als der neue 5-Jahresplan und Solidaritätsadressen an die Befreiungsbewegungen in der 3. Welt. Zudem kam und kommt dem medien-industriellen Komplex- Film, Fernsehen, Zeitung, Radio und mittlerweile Internet- eine immense Bedeutung zu: was weltweit gesehen, gelesen, gehört und dadurch auch gedacht wird, kommt zu einem hohen Prozentsatz aus den USA.

Der Kampf um die Köpfe wird heute weniger denn je in offenen Diskussionen und im kritischen Diskurs gewonnen, sondern quasi ausschließlich via Schlagzeile und Hollywood Blockbuster. In den letzten 20, 30 Jahren wurden unsere Medien weitgehend gleichgeschaltet, gibt es immer stärkere Konzentrationen. FOX in den USA nehmen eindutig Stellung in der Tagespolitik für Bush und die Republikaner. Auch bei uns braucht es kein Reichspropagandaministerium mehr, es genügt das stille, aber effektive Einwirken auf die Redaktionen durch die Eigentümer. Wieviele Redakteure wurden nicht in den letzten Jahren entlassen, weil ihre Texte nicht mehr den Interessen der Eigner entsprachen? Unsere Medienlandschaft verödet immer mehr. Was einer bringt, müssen alle nachbeten. Was einer als Wahrheit verkündet, müssen alle nachplappern. Kritische Stimmen gegen den allgegenwärtigen Ökonomismus, eine alternative Weltsicht gar Ökonomismus ist kaum wahrzunehmen. Heute bestimmen BILD, RTL, Bertelsmann & Co., was für eine Politik in unserem Land gemacht wird.

Unsere Medien als Sprachrohre der herrschenden ökonomischen Machteliten trommeln seit Jahren gegen jede Form des „Sozialismus”, behaupten, dass sich die Marxsche Lehre mit dem Mauerfall ein für allemal erledigt habe. Sie tun dies, nicht weil es wahr ist, oder weil sie es selbst glauben, sondern weil die herrschende Klasse vor nichts mehr Angst hat als von einer neuerlichen sozialistischen Bewegung: die muss schon an der Wurzel verhindert werden. Und wer es trotzdem wagt, anders zu denken und zu reden, der ist ein Spinner, ein weltfremder Romantiker, oder wird wenn er sich im Widerstand engagiert, schnell kriminalisiert und in die linksradikale Ecke gestellt.

Wie schnell ging das mit den Gipfelgegnern in Rostock! Da war nach der ersten Demo nur noch vom „schwarzen Block” die Rede. Von den vielen, vielen Opfern unter den Polizisten (Zahlen die sich schnell als aufgeblasener Popanz herausstellten.) Dass die Provokationen und Gewalttaten auf Seiten des „schwarzen Blocks” nachweislich durch Agents Provocateurs des Verfassungsschutzes ihren Anfang nahmen, dass die von der Polizei erzwungene Route des Demozuges wie „zufällig” über die Straßenbahnschienen von Rostock lief, so dass sich auch wirklich jeder gut mit Steinen aus dem Gleisbett munitionieren konnte, davon war weder bei Springer noch bei Spiegel und Co. zu lesen: nur dass gewalttätige Chaoten es verhindert haben, die „berechtigten” Interessen der friedlichen Demonstranten zur Sprache zu bringen.

Wenn die Anliegen der Globalisierungskritiker berechtigt sind, warum bringt sie dann unsere ach so freie Presse nicht zu Gehör? Warum liest man überall dasselbe, die gleiche neoliberale Sauce, die gleichen ökonomistischen Märchen? Warum wird uns auf 100 Kanälen vorgegaukelt, es gäbe keine Alternative zum derzeitigen raubtier-kapitalistischen System?

Kein Wunder, dass es die herrschende und unwidersprochene Geschichtslegende ist, dass der Untergang des real existierenden Sozialismus der Sieg des westlichen, „freiheitlichen” Kapitalismus amerikanischer Prägung war und ist.

Freiheitsstatue

Gehirndoping

Ein Forumsbeitrag von mir zu einem Artikel über das Zunehmen von Gehirndoping bei “Geistesarbeitern” mit Ritalin, Amphetaminen und Betablockern:

Sollte es einen wundern?

In einer Gesellschaft:
- in der Kosteneffizienz alles ist?
- in der nur Leistung zählt?
- in der das Motto heißt: höher, schneller weiter?
- in der immer und überall die Herren und Damen Kontrolleure mit den Stoppuhren neben uns stehen (und wenn dies nur in unserer Vorstellung so ist)?
- in der vorwurfsvoll nach Eliten gesucht wird, die allein besondere Förderung verdienen?
- in der ein beispielloser Konkurrenzkampf aller gegen alle herrscht?
- in der mit Hartz IV das Schreckgespenst des solzialen Abstiegs nach kürzester Zeit dräut?
- in der uns jeden Tag gesagt wird, wie entbehrlich und ersetzbar wir doch alle sind?
- in der der wir alle bis auf die kleine Schar der Reichen und Superreichen Habenichtse sind, die nichts haben als ihre Arbeits- oder Geisteskraft?
- die zutiefst inhuman und gnadenlos ist mit allen, die unter die Räder kommen?

In einer solchen Gesellschaft ist das “bisschen Gehirndoping” ja das Mindeste, was man von uns erwarten kann!

Die chemische Formel von Kokain

Willkommen in der schönen neuen Welt des Kapitalismus 2.0:
turboschnell, global, verheerend für die ökologischen, sozialen, politischen und humanen Ressourcen.
Weh uns, wenn das ungebremst so weitergeht!

P.S.: Der Kommentar von “achterbahnfahrer” und ein reger Schriftwechsel mit ihm haben mir gezeigt, dass die Gefahr besteht, meine Worte misszuverstehen: Ich meine natürlich nicht den bestimmungsgemäßen Gebrauch von Medikamenten. Für die Kranken sind ihre verordneten Medikamente, egal welche ein Segen und bringen ihnen nachhaltig Linderung, oder Heilung. Das gilt auch für Ritalin, Prozac und andere oft verteufelte Psychopharmaka.

Five Faves: die definitiven Musiker

Hier meine Liste der Musiker, die ich für die definitiv wichtigsten halte. Sehr subjektiv natürlich, aber wohl begründet, wie ich meine.

5. David Bowie

Ein Monument und ein Chamäleon wie Bob Dylan. Bei ihm bezieht sich das aber mehr auf seine Bühnenfiguren, bei Dylan auf das ganze Leben. Ein monumentales Opus mit viel Licht und Schatten. Manche spätere Pop-Verirrung möge man ihm verzeihen. Sein Frühwerk ist einfach genial! Ich liebe Ziggy Stardust, besonders in der Live-Version. Phantastisch! Und auch im Alter hatte er stets seine Highlights. Neben Dylan angeblich der am meisten gecoverte Musiker, und der reichste, weil er alle Rechte an seinen Songs besitzt.

Space Oddity

Rock’n Roll Suicide

Station to Station

I’m Deranged

4. Rio Reiser

Viel mehr als nur der “König von Deutschland”. Das beste was Deutschland je an Text, Musik und Gesang zu bieten hatte und hat. Ähnlich wie bei Dylan gab es auch bei ihm den großen Bruch (Ende seiner Band “Ton Steine Scherben” / Beginn der Solokarriere), den viele Fans nicht mitgehen wollten. Er blieb sich aber auch dabei treu. 1996 viel zu früh gestorben: dank des gandenlosen Raubbaus, den sein übermäßiger Alkoholkonsum anrichtete. Trotz Claudia Roth, die nur zu gerne es jedem sagt, dass sie in der Endzeit der Scherben ihre Managerin war, trotz ihr gibt es viele, für die die anarchistischen Texte seiner Ohrwürmer sehr wohl auch heute noch etwas zu sagen haben: “Keine Macht für niemand!”, “Sklavenhändler” , “Der Kampf geht weiter” …. Nachfolger für ihn? In ihren besten Momenten: “Wir sind Helden”. Fragt sich nur, wie sie sich weiterentwickeln.

Macht kaputt, was euch kaputt macht

Wenn die Nacht am tiefsten …

Der Traum ist aus

Zauberland (Live)

Zuhause

3. Lou Reed

Schon immer der Prototyp des Anti-Stars: dunkel, wankelmütig, nie nach dem Publikumsgeschmack schielend. Er machte im Laufe seiner Karriere wohl mehr Schlagzeilen durch seine offen ausgelebte Heroinabhängigkeit, seine Bisexualität und seine Beziehung zu Bowie. Menschlich soll er ein ziemliches Ekel sein. Sei’s drum. Er schafft immer wieder geniale Musik und ebenso geniale Texte. Was er spielt ist elektrischer Großstadt-Folk vom Allerfeinsten. Er ist der Troubadour New Yorks. Die Spannweite reicht bei ihm vom selbstzerstörerischen „Heroin” bis zum federleichten „Perfect Day”, von träumerischen Cello-Klängen bis zu den Feedback-Gewittern der „Metal Machine Music” [Fast unhörbar, gilt aber inzwischen bei den Neutönern als Meilenstein. Ich kenne aber noch immer keinen, der mehr als eine Plattenseite auf einmal geschafft hat! :-) ].

Heroin

Metal Machine Music

Hang on to Your Emotions

Venus in Furs

Men of Good Fortune

2. Frank Zappa

Er brachte der Rockmusik die Neue Musik des 20. Jahrhunderts nahe - und umgekehrt. Mit seinen freizügigen Lästertexten brach er zahllose Tabus und hielt den so von ihm geschmähten „plastic people” schonungslos den Spiegel vor die selbstgerechte Fratze. Dabei machte Zappa um alle Skandale, die nichts mit seiner Kunst zu tun hatten, einen weiten Bogen: er verabscheute Drogen, außer seinem Kaffee und seinen Zigaretten. Beides bezeichnete er als “food”. In seiner Begleitband, im Studio und bei sich zuhause durften keinerlei Drogen sein. Da konnte er fuchsteufelswild werden. Leider schon 1993 einem Krebsleiden erlegen. Nachfolger für sein Genie gibt es leider keine, am ehesten noch The Mars Volta. Aber an seine monumentale und einmalige Rolle in der Musik des 20. Jhds werden auch sie im 21. Jhd. nie heranreichen können.

Zappas erster Fernsehauftritt

Ein wirklich wichtiges Problem!

Der wahre Bobby Brown

Cosmik Debris

Die Sache mit dem gelben Schnee

1. Bob Dylan

Bob is god! Da geht nix drüber: musikalisch, textlich, stilistisch und in seiner ganzen Rätselhaftigkeit. Schon lange ein Fall für den Literaturnobelpreis. Sich immer wieder neu erfindend, seine Zuhörer neuen Zumutungen aussetzend, enigmatisch wie eh und je: für mich DER Musiker schlechthin. Was kann man da mehr sagen, außer: Listen to the Music! Und wer behauptet, Dylan könne nicht singen, der hat einfach keine Ahnung. [Dieses Dogma muss sein. ;-)]

Als Folkpoet in Newport 1964

Als Revoluzzer in Newport 1965

Der “Jahrhundert”-Song 1966

Rolling Thunder Tour 1975

Modern Times 2006

Und jetzt hoffe ich auf deinen Kommentar, mit guten Begründungen selbstverständlich und die Liste mit deinen Five Faves!