Sensation: Ursachen ALLER Infektionskrankheiten geklärt!


NIE WIEDER IMPFEN - NIE WIEDER EINE TROPFNASE!

Wie ein Sprecher des alternativen “Instituts für ganzheitliche kosmologische Medizin” in Bad Wasser in einer Pressekonferenz vermeldet hat, konnten die dortigen Forschungen in den Akascha-Chroniken nach einer ununterbrochen dauernden 4-wöchigen Seance, endgültig die Ursache von Masern UND allen anderen sog. Viruserkrankungen herausfinden: es sind nicht Viren, oder eine “verwilderte” DNA, die Ansteckung geschähe auch nicht von Mensch zu Mensch, sondern durch eine kosmische Infizierung mit negativem feinstofflichen Sternenstaub aus den dunklen Tiefen eines bisher unbekannten Schwarzen Lochs. (Vielleicht ist dies ja sogar der lang ersehnte Nachweis der sog. “Dunklen Materie”!) Herkömmliche Impfungen würden gegen feinstoffliche Ursachen nichts ausrichten.

Helfen könne nur eine spezielle Art der Meditation (3-Tageskurs all. incl. ab 699,- €, oder ein sog. feinstoffliches Sternenzelt (je nach Ausführung ab 799,- €) oder der tägliche Genuss des feinstofflichen Wassers aus Bad Wasser (der Kasten für 49,- € zuzügl. Versand). Damit, so ein Sprecher, seien Masern und ALLE anderen Infektionskrankheiten ein für allemal besiegt.

Des Weiteren werden folgende Produkte und Dienstleistungen angeboten:

Grobstoffliche Hülle für das feinstoffliche Sternenzelt: je nach Wunsch und Stoffart als (eigentlich völlig unnötiges) Zubehör auf Wunsch lieferbar: ab 199,- €

Installation durch ein qualifiziertes Medium zum Stundensatz von nur 99,- € zzgl. Anfahrt aus Polen oder Rumänien.

Auf Wunsch auch durch einen sibirischen Schamanen mit vorheriger Ausräucherung des Hauses für pauschal 1.999,- €

Alles weitere unter 0900 9988776655 für nur 5,- € à 12 sec oder über unsere Mailbox in der Engelssphäre.

Sie haben noch keine eigene Mailbox? Gerne richten wir ihnen eine solche ein für nur 499,- €

Die grobstoffliche Sternenzeltvariante in einem schicken Blau

Die grobstoffliche Hülle des feinstofflichen Sternenzelts in einem sehr schönen Blau-Ton. Die feinstoffliche Aura hält auch Mücken und anderes Ungeziefer fern! Garantiert!

Veröffentlicht in: on Dienstag, 29. April 2008 at 19:05 Kommentare (0)
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Renitenz statt Resilienz

“In der Physik und in der Technologie wird der Begriff der Resilienz benutzt, um die Eigenschaft eines elastischen Materials oder daraus bestehenden Körpers zu charakterisieren, seine ursprüngliche Form nach einer Deformierung - auf äußere Einwirkung hin - schnell wieder anzunehmen.” War Resilienz in der Psychologie bisher der Gegenbegriff zur Vulnerabilität und damit ein allgemeiner Begriff für die Fähigkeit eines Menschen mit belastenden Situationen klarzukommen, so ist Resilienz in der Arbeitspsychologie die plumpe Übertragung des technischen Modells auf die Psyche: Resilienz meint hier die Fähigkeit des Arbeitnehmers zur Anpassung an alle äußeren Arbeitsbedingungen, und seien diese noch so widrig. Ziel ist nicht wie früher im Arbeitsschutz, die Schaffung von Verhältnissen, die zumutbar sind, sondern die Stärkung des Einzelnen, dass er möglichst lange unzumutbare Arbeitsverhältnisse aushält.

Ehrlicher und offener kann gar nicht gesagt werden, was der Arbeitnehmer in den Augen der Arbeitsherren ist. Nämlich Arbeits-Material, das gewissen Ansprüchen genügen muss: formbar, dehnbar, bearbeitbar, flexibel. Und wenn es nicht mehr geht: hat sich die Arbeitskraft aufzurappeln und weiterzumachen!

Mein Gott, ist das Menschen verachtend. Und die Psychologie macht selbstredend mit. Aber in Wirklichkeit fragt keine alte Sau nach den Opfern als Menschen. Es geht nur um eines: ums Funktionieren, ums
Schaffen von Mehrwert für die Eigentümer, besser den Sklavenhaltern. Heute braucht es keine Peitschen mehr. Da hat es ein weit breiteres Instrumentarium: Wer nicht spurt, der fliegt. Wer nichts mehr leistet, auch. Wer nicht bereit ist für weniger zu arbeiten, erst recht. Und wenn das Hundchen ganz brav war, gibt es ein Leckerchen. Alles damit das Hundchen nur bellt, wenn es soll!

Braves Hündchen. Weiter so!

Wen wundert es, wenn die psychischen Erkrankungen zunehmen?

Wann merkt eigentlich der geneigte Zeitgenosse, wie sehr unser kapitalistische System alles gegen die Wand fährt für die Geldbeutel von ein paar wenigen?
Nur ein paar Stichworte aus den letzten Wochen:

- globale Finanzkrise mit geschätzt fast 1 Billionen $ an vernichteten, besser umgeschichteten Geldern
- Inflation weltweit, die wieder vor allem die Ärmsten trifft
- Spekulation auf den Lebensmittelmärkten
- Hungeraufstände wegen der explodierenden Lebensmittelpreise
- die Zeichen für eine Klimakatastrophe mehren sich

und bei uns in Deutschland zusätzlich:

- Rückgang der Reallöhne
- Zunahme des Niedriglohnsektors
- Unfähigkeit der Politiker den Interessen der Arbeitgeber etwas entgegenzusetzen
- Zunahme von psychischen Erkrankungen aufgrund der Arbeitsbedingungen

Wer meint, das alles hänge nicht zusammen, das habe nichts mit dem entfesselten Kapitalismus zu tun, das ließe sich alles innerhalb des Systems (quasi “sozialdemokratisch”) lösen, der lügt sich entweder selbst in die Tasche, oder glaubt einfach allen Geschichten unserer Medien und ist hoffnungslos naiv.

Was wir heute brauchen ist keine Resilienz, sondern Renitenz, Widerstand, ein Aufbegehren von unten gegen diese zynischen Zustände.


Five Faves: die definitven Bands

5. dazu unten mehr!

4. Pink Floyd

egründet in der Hochphase der Psychedelic Aera, vom charismatischen Frontmann Syd Barrett angeführt (bis März 1968), der irgendwann von seinen LSD-Trips nicht mehr zurückkam, mutierte die Band zunehmend zu der Prog-Rock Band der 70er. Für mich liegt jedoch ihre stärkste Phase in den Anfängen: Stücke wie „Astronomy Domine“, „Atom Heart Mother Suite“ oder „Echoes“ sind für mich wie Trips, ohne dass man illegale Substanzen nehmen muss: psychedelische Musik at his best! Warum nur hat diese Band diese spannenden Wege der Frühzeit verlassen und später nur noch mit „Schönklang“ auf den kommerziellen Erfolg geschielt? Nach “Wish You Were Here” sind m.E. nur noch wenige Stücke goutierbar.

See Emily Play

Antonionis Zabriskie Point

One of These Days

Grantchester Meadows

Wish You Were Here

3. Led Zeppelin

Die endgültige Definition von Hardrock. Der ins Gigantische gesteigerte Traum von Sex and Drugs and Rock and Roll. Die meisten Texte fallen in die Kategorien vernachlässigbar bis ungenießbar. Schnell noch im Studio hingeschrieben, entstanden sie aus den lyrischen Improvisationen von Robert Plant. Die Melodien sind oft zusammengeklaut, oder stützen sich auf ein einzelnes Riff (z.B. bei Kashmir!) – wirklich nichts künstlerisch Wertvolles. Und doch! So eine Band, die so extrem war, so größenwahnsinnig, so rücksichtslos zu sich selbst und ihrem Publikum – solch eine Band wird es wohl leider nie wieder geben. Waren schon die Studioalben gut (gilt wie so oft nicht für die späteren Sachen), so waren und sind (Auch das Reunion-Konzert 2007 ist ein Kracher!) sie live einfach unschlagbar. Zahllose Bootlegs legen davon Zeugnis ab und natürlich das 3er Live-Album „How the West Was Won“.

Dazed and Confused

Immigrant Song (Live @ BBC)

Stairway To Heaven…

… und wenn Schwachmaten es rückwärts abspielen!

Kashmir, London O2 Arena 12/2007

2. Cream

Gibt es bessere Gitarrensoli? Ich könnte Clapton stundenlang zu hören. Aber es ist nicht nur sein Spiel, das die Magie von Cream ausmacht, sondern auch das perfekte Zusammenspiel mit den anderen beiden und die geniale Zusammenarbeit von Jack Bruce als Komponisten mit dem Texter Pete Brown (White Room, I Feel Free …). Daneben die genialen Neuinterpretationen von Blues-Traditionals wie „Spoonfull“ oder „Crossroads“. Damals hat einfach alles gepasst. Bis auf die Chemie in der Gruppe: Bruce und Baker konnten einfach je länger je mehr nicht miteinander. Die Unmengen an Drogen und der andauernde Tourstress taten ein übriges. So zerbrach schließlich diese erste „Supergroup“. Bei den anschließenden Solokarrieren war Clapton der erfolgreichste, auch wenn er nie wieder so gut war. Aber das wollen viele Clapton-Fans einfach nicht wahrhaben. ;-)

Sunshine of Your Love

Spoonful

Crossroads

Anyone for Tennis

N.S.U. - Royal Albert Hall 5/2005

1. The Velvet Underground

Die Mutter aller Indie-Bands. Nahmen in der Zeit ihres Bestehens von 65 bis 69 vieles aus den 70ern und 80ern vorweg und spielten seinerzeit total am herrschenden Zeitgeist vorbei. Notorisch erfolglos, trotz der anfänglichen Protegierung durch Andy Warhol. Vereinten die grandiose Lyrik Reeds mit amerikanischen Rock and Roll und zeitgenössischer europäischer E-Musik (Cale war ausgebildeter klassischer Pianist und Viola-Spieler). Experimentierten sowohl musikalisch (andere Stimmungen der Instrumente, gewollte Kakaphonien, endlose Wiederholungen …) als auch textlich: Reeds Vorbilder waren die Beat-Poeten und ihre Themen. So drehten sich seine Songs um Großstadtthemen wie Drogen, Huren, durchzechte Nächte, die Einsamkeit der Party-People. Sie klangen oft harmlos, und waren doch sarkastisch oder zynisch. Die New Yorker Band war so etwas wie ein desillusioniertes Gegenmodell zu den Hippies der Westküste: schwarz, düster, pessimistisch, ohne Träume. Mit „Heroin“ und „Venus in Furs“ hatten sie zwei der für mich besten Rocksongs überhaupt im Programm. Scheiterten sowohl an der eigenen Erfolglosigkeit als auch an den Egotrips der Bandmitglieder, besonders an denen von Lou Reed.

Andy Warhol’s Exploding Plastic Inevitable

I’ll Be Your Mirror

I’m Waiting For The Man

The Gift

Oh! Sweet Nuthin’

5. Noch steht hier nichts.

Sollen es die Stones sein? Aber nein. Seit ich sie 1998 live habe spielen sehen, war ich doch sehr ernüchtert und enttäuscht: eine Karikatur ihrer selbst! Wann sagt endlich jemand: „Aber der Kaiser ist ja nackt!“ Und das ungeachtet all ihrer Verdienste und Erfolge!

Vielleicht die Scherben? Da spricht viel dafür, denn Rio hat es ja schon unter meine Top 5 der Musiker geschafft. Aber sind sie wirklich die Nummer 5?

Oder The Mars Volta? Zugegeben das beste, was Prog heute bieten kann. Und nach dem Stillstand der letzten beiden Platten (nach dem Oberhammer „Frances the Mute“) haben sie mit „The Bedlam In Goliath“ wieder eine neue Seite in ihrer glorreichen Diskographie aufgeschlagen.

Und was ist mit U2 oder R.E.M.? Wie wäre es mit Metallica? Oder mit Gong? Den frühen Genesis? Die Beatles? Nein! Definitiv nicht die Beatles! Soviel reine Lehre aus früheren Tagen muss sein! Da nehme ich dann doch lieber die Stones! :-)

Veröffentlicht in: on Freitag, 18. April 2008 at 18:11 Kommentare (4)
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Posttraumatische Belastungsstörungen bei Soldaten*

PTBS / PTSD ist so alt wie die Menschheit, genauer: so alt wie sie Kriege führt. Schon in der Antike wusste man das! Nur die Militärs geben sich immer wieder überrascht, dass ihre Kampfmaschinen doch Menschen sind.

Wenn ein Krieg, wie in Afghanistan oder im Irak, so offensichtlich aus anderen Gründen geführt wird, muss der denkende Soldat (Den soll es auch geben!) ins Grübeln und Zweifeln kommen, und schon sieht er die Opfer seines blutigen Handwerks nicht mehr als “gerecht”, oder “notwendig” an, sondern als sinnlos und brutal. Und wenn man dann selbst unter Beschuss gerät, seinen Kameraden in einem Hinterhalt verliert, dann sind Selbstzweifel, Selbsthass, unkontroliierbare Ängste, Panikattacken, Zwänge und andere psychische Störungen nicht weit: kurzum all das, was man gemeinhin eine PTBS nennt.

Das Land, wo die Neurosen blühen, ist das Land der Militärs und der Kriege. Wir Menschen sind von Natur aus eben nicht konstruiert zum gnadenlosen Töten und hingebungsvollen Metzeln, so wie es die Militärs dieser Welt gerne hätten. Dazu müssen wir erst durch Drill und Ideologie gebracht werden. Dadurch verlieren die Gegner ihr menschliches Antlitz, gehören zu einer “minderwertigen Rassen”, gelten als “Ungläubige” oder sind ganz einfach alles potentielle “Terroristen”. Gute Propaganda, “Volksaufklärung” und Erziehung der eigenen Leute gehören seit jeher zum Kriegshandwerk. Oder weswegen sonst erfand die US-Army den “embedded” Journalisten? Das gaukelt Authentizität vor und gibt dem Militär gleichzeitig die Macht über die Bilder und Botschaften.

Von welcher Seite der wahre Terror ausgeht, ist noch nicht abschließend zu beantworten.

Was die Kriege nach ‘45 angeht, wissen wir hinlänglich bescheid über psychische Folgen bei den Soldaten. Und je jünger sie zurückliegen, desto mehr tun wir das. Gibt es über die amerikanischen Feldzug des WK II noch relativ viel Material, so sieht es auf deutscher Seite zu diesem Thema mau aus. Die Nazis selbst hatten keine Interesse an den für sie “verweichlichten” Vertreter der arischen Rasse. Und mit ihrer Ablehnung der “jüdischen” Psychoanalyse wurde mögliche Hilfe ebenfalls verteufelt. Nach der Kapitulation mussten die Heimkehrer aus der Kriegsgefangenenschaft die nächsten Jahre über funktionieren und schuften beim Wiederaufbau, danach mussten sie sich gegen die “bösen” ‘68er rechtfertigen und nun über 60 Jahre später sterben sie nach und nach weg.

Wieviel der Neurosen der Adenauer-Ära verdanken wir wohl dieser kollektiven Verdrängung? Wie sehr wurde die Geschichte der BRD von dieser Tatsache geprägt? Es ist ja kein Zufall, dass Machwerke wie “Dresden” oder “Die Flucht” so begierig ein breites Publikum finden: endlich wurde die deutsche “Opferrolle” und die brutalen Folgen des Krieges, auch die psychischen, thematisiert. Das macht diese Art des “Event-Kinos” zwar auch nicht besser, bedient aber ein Bedürfnis, das latent vorhanden ist: auch unter den Kindern und Enkeln, weil sonst nie oder nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen wurde.

* Dies ist ein Forenbeitrag von mir zu einem Artikel darüber, dass die Zahl von US-Soldaten mit PTBS in den letzten Kriegen stark zugenommen hat.

Märchen des Ökonomismus #1

Vorbemerkung

Ökonomismus ist ein Begriff, der sich mir aufdrängte angesichts dessen, was seit einigen Jahren geschieht. Seit dem Scheitern des realsozialistischen Experiments und infolge der so genannten Globalisierung werden immer mehr Lebensbereiche unter rein wirtschaftlichen Aspekten betrachtet und den Gesetzen des Marktes unterworfen. Diese Ideologie, dass alles im Rahmen der Ökonomie gesehen wird, dass der Mensch nur noch als homo oeconomicus verstanden wird, nannte ich für mich „Ökonomismus”. Natürlich waren da schon andere drauf gekommen, wie man via Google leicht feststellen kann. Sei’s drum! Gute Ideen haben nicht nur einen Meister.

In loser Folge möchte ich ein paar der am häufigsten zu hörenden Märchen dieses allgegenwärtigen Ökonomismus richtig stellen.

Der Untergang der Sowjetmacht war der endgültige Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus

Diese Behauptung wird seit dem Mauerfall in Sonntagsreden von Politikern aller Couleur ex Cathedra gebetsmühlenartig fortdauernd wiederholt. Anschließend heißt es: Damit sei erwiesen, dass der Kapitalismus das bessere System sei. Die sozialistische Utopie habe sich ein für allemal erledigt. Diese Schlussfolgerung hat allerdings dieselbe Aussagekraft, wie wenn ein Wissenschaftler feststellen würde, Tomaten seien ungesund, und dann vor dem Genuss jedes Gemüses warnen würde. Aber um Logik geht es hier gar nicht, sondern um Ideologie, um die Herrschaft über das Denken der Untertanen.

Beim Kalten Krieg ging es zwar augenscheinlich darum, wer das bessere System hat, aber Motor des Kalten Krieges war nicht die ideologische Systemdifferenz, sondern das Hegemonialstreben der beiden Großmächte USA und UdSSR. Das ganze Gerede vom Systemunterschied hüben wie drüben diente nur der ideologischen Munitionierung im Kampf um die Köpfe und des Schulterschlusses in den eigenen Reihen. Genauso wenig wie die USA die “westlichen Werte” von Freiheit und Demokratie vertraten (und noch immer nicht vertreten), genauso wenig waren die Sowjetunion und ihre Vasallen wirkliche sozialistische Staaten. Es gab einmal gute Ansätze, aber das meiste hat sich in Bürokratismus, Planwirtschaft und Spitzelstaat verflüchtigt. Dass sich auch die guten, weil freiheitlichen Ansätze der amerikanischen Revolution verabschiedet haben, um der Herrschaft des militärisch-industriellen Komplexes Platz zu machen, ist allerdings ebenso eine Tatsache. Der Kalte Krieg fand nicht zwischen der Freiheit und der Diktatur, nicht zwischen Kapitalismus und Kommunismus, und erst recht nicht zwischen dem Reich des Guten und dem des Bösen statt, sondern zwischen den beiden Nachfolgern des Imperium Romanum, die um die alleinige Weltherrschaft auf den Rücken ihrer unterjochten Völker stritten.

Untergegangen ist das Sowjetreich, wie jedes andere Großmacht untergeht (und wie auch die USA untergehen werden!): an den eigenen inneren Widersprüchen. Sozialismus wurde gepredigt, das hohe Lied von Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit gesungen und vom kommunistischen Paradies geträumt. Praktiziert wurde jedoch nach innen wie nach außen die ganz normale Machtpolitik einer Diktatur, die eben nicht die des Proletariats war. Gorbatschow hatte dies m.E. erkannt, aber Glasnost und Perestroika kamen zu spät. Die alten Herren im Kreml hatten schon längst ihr Volk verloren. Ein Reich, dessen Macht nur auf die der Bajonette und der Panzer beruht, wird irgendwann untergehen: denn Stärkere, bessere oder nur andere gibt es immer! Im Kampf der Systeme hatten die USA nicht nur ihre eigenen Ressourcen, sondern die all der Länder, die mit ihnen verbündet waren und die mit ihnen Handel trieben. Zudem hat ihre Regierungspropaganda es besser verstanden, das eigene Volk hinter sich zu scharen als die des „Ostblocks”. Coca Cola, Jeans, Urlaubsreisen und das eigene Auto sind eben attraktiver als der neue 5-Jahresplan und Solidaritätsadressen an die Befreiungsbewegungen in der 3. Welt. Zudem kam und kommt dem medien-industriellen Komplex- Film, Fernsehen, Zeitung, Radio und mittlerweile Internet- eine immense Bedeutung zu: was weltweit gesehen, gelesen, gehört und dadurch auch gedacht wird, kommt zu einem hohen Prozentsatz aus den USA.

Der Kampf um die Köpfe wird heute weniger denn je in offenen Diskussionen und im kritischen Diskurs gewonnen, sondern quasi ausschließlich via Schlagzeile und Hollywood Blockbuster. In den letzten 20, 30 Jahren wurden unsere Medien weitgehend gleichgeschaltet, gibt es immer stärkere Konzentrationen. FOX in den USA nehmen eindutig Stellung in der Tagespolitik für Bush und die Republikaner. Auch bei uns braucht es kein Reichspropagandaministerium mehr, es genügt das stille, aber effektive Einwirken auf die Redaktionen durch die Eigentümer. Wieviele Redakteure wurden nicht in den letzten Jahren entlassen, weil ihre Texte nicht mehr den Interessen der Eigner entsprachen? Unsere Medienlandschaft verödet immer mehr. Was einer bringt, müssen alle nachbeten. Was einer als Wahrheit verkündet, müssen alle nachplappern. Kritische Stimmen gegen den allgegenwärtigen Ökonomismus, eine alternative Weltsicht gar Ökonomismus ist kaum wahrzunehmen. Heute bestimmen BILD, RTL, Bertelsmann & Co., was für eine Politik in unserem Land gemacht wird.

Unsere Medien als Sprachrohre der herrschenden ökonomischen Machteliten trommeln seit Jahren gegen jede Form des „Sozialismus”, behaupten, dass sich die Marxsche Lehre mit dem Mauerfall ein für allemal erledigt habe. Sie tun dies, nicht weil es wahr ist, oder weil sie es selbst glauben, sondern weil die herrschende Klasse vor nichts mehr Angst hat als von einer neuerlichen sozialistischen Bewegung: die muss schon an der Wurzel verhindert werden. Und wer es trotzdem wagt, anders zu denken und zu reden, der ist ein Spinner, ein weltfremder Romantiker, oder wird wenn er sich im Widerstand engagiert, schnell kriminalisiert und in die linksradikale Ecke gestellt.

Wie schnell ging das mit den Gipfelgegnern in Rostock! Da war nach der ersten Demo nur noch vom „schwarzen Block” die Rede. Von den vielen, vielen Opfern unter den Polizisten (Zahlen die sich schnell als aufgeblasener Popanz herausstellten.) Dass die Provokationen und Gewalttaten auf Seiten des „schwarzen Blocks” nachweislich durch Agents Provocateurs des Verfassungsschutzes ihren Anfang nahmen, dass die von der Polizei erzwungene Route des Demozuges wie „zufällig” über die Straßenbahnschienen von Rostock lief, so dass sich auch wirklich jeder gut mit Steinen aus dem Gleisbett munitionieren konnte, davon war weder bei Springer noch bei Spiegel und Co. zu lesen: nur dass gewalttätige Chaoten es verhindert haben, die „berechtigten” Interessen der friedlichen Demonstranten zur Sprache zu bringen.

Wenn die Anliegen der Globalisierungskritiker berechtigt sind, warum bringt sie dann unsere ach so freie Presse nicht zu Gehör? Warum liest man überall dasselbe, die gleiche neoliberale Sauce, die gleichen ökonomistischen Märchen? Warum wird uns auf 100 Kanälen vorgegaukelt, es gäbe keine Alternative zum derzeitigen raubtier-kapitalistischen System?

Kein Wunder, dass es die herrschende und unwidersprochene Geschichtslegende ist, dass der Untergang des real existierenden Sozialismus der Sieg des westlichen, „freiheitlichen” Kapitalismus amerikanischer Prägung war und ist.

Freiheitsstatue

Gehirndoping

Ein Forumsbeitrag von mir zu einem Artikel über das Zunehmen von Gehirndoping bei “Geistesarbeitern” mit Ritalin, Amphetaminen und Betablockern:

Sollte es einen wundern?

In einer Gesellschaft:
- in der Kosteneffizienz alles ist?
- in der nur Leistung zählt?
- in der das Motto heißt: höher, schneller weiter?
- in der immer und überall die Herren und Damen Kontrolleure mit den Stoppuhren neben uns stehen (und wenn dies nur in unserer Vorstellung so ist)?
- in der vorwurfsvoll nach Eliten gesucht wird, die allein besondere Förderung verdienen?
- in der ein beispielloser Konkurrenzkampf aller gegen alle herrscht?
- in der mit Hartz IV das Schreckgespenst des sozialen Abstiegs nach kürzester Zeit dräut?
- in der uns jeden Tag gesagt wird, wie entbehrlich und ersetzbar wir doch alle sind?
- in der der wir alle bis auf die kleine Schar der Reichen und Superreichen Habenichtse sind, die nichts haben als ihre Arbeits- oder Geisteskraft?
- die zutiefst inhuman und gnadenlos ist mit allen, die unter die Räder kommen?

In einer solchen Gesellschaft ist das “bisschen Gehirndoping” ja das Mindeste, was man von uns erwarten kann!

Die chemische Formel von Kokain

Willkommen in der schönen neuen Welt des Kapitalismus 2.0:
turboschnell, global, verheerend für die ökologischen, sozialen, politischen und humanen Ressourcen.
Weh uns, wenn das ungebremst so weitergeht!

P.S.: Der Kommentar von “achterbahnfahrer” und ein reger Schriftwechsel mit ihm haben mir gezeigt, dass die Gefahr besteht, meine Worte misszuverstehen: Ich meine natürlich nicht den bestimmungsgemäßen Gebrauch von Medikamenten. Für die Kranken sind ihre verordneten Medikamente, egal welche ein Segen und bringen ihnen nachhaltig Linderung, oder Heilung. Das gilt auch für Ritalin, Prozac und andere oft verteufelte Psychopharmaka.

Five Faves: die definitiven Musiker

Hier meine Liste der Musiker, die ich für die definitiv wichtigsten halte. Sehr subjektiv natürlich, aber wohl begründet, wie ich meine.

5. David Bowie

Ein Monument und ein Chamäleon wie Bob Dylan. Bei ihm bezieht sich das aber mehr auf seine Bühnenfiguren, bei Dylan auf das ganze Leben. Ein monumentales Opus mit viel Licht und Schatten. Manche spätere Pop-Verirrung möge man ihm verzeihen. Sein Frühwerk ist einfach genial! Ich liebe Ziggy Stardust, besonders in der Live-Version. Phantastisch! Und auch im Alter hatte er stets seine Highlights. Neben Dylan angeblich der am meisten gecoverte Musiker, und der reichste, weil er alle Rechte an seinen Songs besitzt.

Space Oddity

Rock’n Roll Suicide

Station to Station

I’m Deranged

4. Rio Reiser

Viel mehr als nur der “König von Deutschland”. Das beste was Deutschland je an Text, Musik und Gesang zu bieten hatte und hat. Ähnlich wie bei Dylan gab es auch bei ihm den großen Bruch (Ende seiner Band “Ton Steine Scherben” / Beginn der Solokarriere), den viele Fans nicht mitgehen wollten. Er blieb sich aber auch dabei treu. 1996 viel zu früh gestorben: dank des gandenlosen Raubbaus, den sein übermäßiger Alkoholkonsum anrichtete. Trotz Claudia Roth, die nur zu gerne es jedem sagt, dass sie in der Endzeit der Scherben ihre Managerin war, trotz ihr gibt es viele, für die die anarchistischen Texte seiner Ohrwürmer sehr wohl auch heute noch etwas zu sagen haben: “Keine Macht für niemand!”, “Sklavenhändler” , “Der Kampf geht weiter” …. Nachfolger für ihn? In ihren besten Momenten: “Wir sind Helden”. Fragt sich nur, wie sie sich weiterentwickeln. Und da verheißt ihre Begeisterung für den Dalai Lama nichts gutes.

Macht kaputt, was euch kaputt macht

Wenn die Nacht am tiefsten …

Der Traum ist aus

Zauberland (Live)

Zuhause

3. Lou Reed

Schon immer der Prototyp des Anti-Stars: dunkel, wankelmütig, nie nach dem Publikumsgeschmack schielend. Er machte im Laufe seiner Karriere wohl mehr Schlagzeilen durch seine offen ausgelebte Heroinabhängigkeit, seine Bisexualität und seine Beziehung zu Bowie. Menschlich soll er ein ziemliches Ekel sein. Sei’s drum. Er schafft immer wieder geniale Musik und ebenso geniale Texte. Was er spielt ist elektrischer Großstadt-Folk vom Allerfeinsten. Er ist der Troubadour New Yorks. Die Spannweite reicht bei ihm vom selbstzerstörerischen „Heroin” bis zum federleichten „Perfect Day”, von träumerischen Cello-Klängen bis zu den Feedback-Gewittern der „Metal Machine Music” [Fast unhörbar, gilt aber inzwischen bei den Neutönern als Meilenstein. Ich kenne aber noch immer keinen, der mehr als eine Plattenseite auf einmal geschafft hat! :-) ].

Heroin

Metal Machine Music

Hang on to Your Emotions

Venus in Furs

Men of Good Fortune

2. Frank Zappa

Er brachte der Rockmusik die Neue Musik des 20. Jahrhunderts nahe - und umgekehrt. Mit seinen freizügigen Lästertexten brach er zahllose Tabus und hielt den so von ihm geschmähten „plastic people” schonungslos den Spiegel vor die selbstgerechte Fratze. Dabei machte Zappa um alle Skandale, die nichts mit seiner Kunst zu tun hatten, einen weiten Bogen: er verabscheute Drogen, außer seinem Kaffee und seinen Zigaretten. Beides bezeichnete er als “food”. In seiner Begleitband, im Studio und bei sich zuhause durften keinerlei Drogen sein. Da konnte er fuchsteufelswild werden. Leider schon 1993 einem Krebsleiden erlegen. Nachfolger für sein Genie gibt es leider keine, am ehesten noch The Mars Volta. Aber an seine monumentale und einmalige Rolle in der Musik des 20. Jhds werden auch sie im 21. Jhd. nie heranreichen können.

Zappas erster Fernsehauftritt

Ein wirklich wichtiges Problem!

Der wahre Bobby Brown

Cosmik Debris

Die Sache mit dem gelben Schnee

1. Bob Dylan

Bob is god! Da geht nix drüber: musikalisch, textlich, stilistisch und in seiner ganzen Rätselhaftigkeit. Schon lange ein Fall für den Literaturnobelpreis. Sich immer wieder neu erfindend, seine Zuhörer neuen Zumutungen aussetzend, enigmatisch wie eh und je: für mich DER Musiker schlechthin. Was kann man da mehr sagen, außer: Listen to the Music! Und wer behauptet, Dylan könne nicht singen, der hat einfach keine Ahnung. [Dieses Dogma muss sein. ;-)]

Als Folkpoet in Newport 1964

Als Revoluzzer in Newport 1965

Der “Jahrhundert”-Song 1966

Rolling Thunder Tour 1975

Modern Times 2006

Und jetzt hoffe ich auf deinen Kommentar, mit guten Begründungen selbstverständlich und die Liste mit deinen Five Faves!

Zufall und Notwendigkeit

So ist das Bild in der Sixtinischen Kapelle ...

Als 1970 der französische Nobelpreisträger Jacques Monod unter diesem Titel (im Original: Le hasard et la nécessité) einen Essay veröffentlichte, ging ein Rauschen durch den Blätterwald. Da hatte endlich ein Naturwissenschaftler den Mut, die Ergebnisse seiner Forschungen (aus Genetik und Biologie) auf Philosophie und Religion anzuwenden. Wäre er bei seinen Leisten, sprich der Evolution bzw. Mikroevolution auf DNA-Ebene geblieben, wäre sein Buch kaum aufgefallen. Aber so traten die Gralshüter aller religiösen und quasireligiösen Sinnstiftungssysteme auf den Plan und versuchten Monod zu widerlegen. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie sich 10 Jahre später ein Evang. Theologie-Professor ereiferte über diese „Engführung“, der doch das Entscheidende fehlte: die religiöse Dimension. Es gehe nicht an, dass die Biologie solche weitreichenden Aussagen treffe. Um dem Menschen sagen zu können, wer er wirklich sei und was der Sinn des Lebens sei, brauche es eben die Theologie.

Warum nicht so?

So finde ich das Bild viel ansprechender!

Ich denke, dies kann, ja muss man anders sehen! Gerade die von philosophischen wie religiösen Scheuklappen befreite naturwissenschaftliche Sicht kann uns helfen, zu begreifen, wer oder was wir tatsächlich sind.

Schon Aristoteles bezeichnete den Menschen als „vernunftbegabtes Tier“ (gr. zoon logikon; lat. animal rationale). Bei ihm war das freilich noch in sein metaphysisches Weltbild eingebunden: der Mensch einerseits aus der Natur kommend, andererseits aber göttlich beseelt. Ihm war es nicht vorstellbar, dass das große Unterscheidungsmerkmal von Mensch und Tier, die Vernunft (gr. logos, lat. ratio) allein aus der Natur heraus zu begreifen sei. Sie musste einfach göttlichen Ursprungs sein. Monod hat auf dem Hintergrund der Evolutionstheorie nur konsequent weitergedacht. Der Mensch ist Teil der Natur, Teil des evolutionären Prozesses. Dieser wird angetrieben durch die Kräfte von Mutation und Selektion, von zufälligen Veränderungen und notwendiger Anpassung. (Zufall und Notwendigkeit sind ebenfalls ein altgriechisches Begriffspaar, das von Demokrit, dem Begründer der „Atomlehre“ stammt.) Alle Formenvielfalt des irdischen Lebens, wie sie auf unserem Planeten entstanden ist, geht allein auf diese beiden Kräfte zurück. Dazu braucht es keine göttlichen Schöpfer hinter diesen Naturgesetzen, keine göttlichen Eingriffe von außen und auch kein Ziel dieser Entwicklung, weil sie unaufhörlich weiter geht. Der Mensch ist nur eines von vielen Gliedern in einer langen, langen Kette.

Aristoteles

Es ist ernüchternd, sich selbst so zu betrachten, statt als „Krone der Schöpfung“ oder „Gottes Ebenbild“. Viele Zeitgenossen erleben eine solche nüchterne Sicht als narzisstische Kränkung. In der Geschichte der Naturwissenschaften spricht man von den drei großen narzisstischen Kränkungen:

  1. Die Kopernikanische, die die Erde und damit den Menschen aus dem Mittelpunkt des Universums rückte.
  2. Die Darwinsche, die den Menschen als Teil der Natur und nicht als ihren Herren begriff.
  3. Die Freudsche, die dem Menschen es absprach, ausschließlich vernunftbegabt zu handeln.

Es ist Monods Verdienst, die ersten beiden Kränkungen auf den Punkt gebracht zu haben, wenn es bei ihm heißt: „Wenn er diese Botschaft in ihrer vollen Bedeutung aufnimmt, dann muss der Mensch [...] seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen. Er weiß nun, dass er seinen Platz wie ein Zigeuner am Rande des Universums hat, das für seine Musik taub ist und gleichgültig gegen seine Hoffnungen, Leiden oder Verbrechen.”

Der Blick nach oben, ist unsinnig und kontraproduktiv. Da ist niemand. Viel wichtiger ist es, auf sich zu sehen und neben sich, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Die bekannten Figuren der Osterinsel.

Wie sinnlos eine inbrünstige Religiosität ist, der sich alles unterzuordnen hat, sieht man an der Geschichte der Osterinsel „rapa nui. Lange Zeit war es unklar, wer die berühmten Felsenköpfe hergestellt hatte und warum mitten in der Bauphase der größten und mächtigsten Köpfe plötzlich abgebrochen worden war. Eine mir sehr einleuchtende These besagt, dass es zu einem verhängnisvollen Rückkopplungsprozess kam, bei dem die Religion die tragende Rolle spielte, und die der Insel ihren Baumbestand, ihre Fruchtbarkeit und den Ureinwohnern ihre Lebensgrundlagen entzog: Wie in vielen Religionen üblich gab es auf rapa nui auch Standbilder der Götter. Als es nun zu einer langen Dürre und mit folgenden Missernten kam (evtl. ausgelöst durch die mittelalterliche kleine Eiszeit), fielen diese Idole auf Geheiß der Priester immer größer und protziger aus. Dazu mussten immer mehr Bauern von der Feldarbeit abgezogen werden zum „Gottesdienst“ in die Steinbrüche. Außerdem wurden immer mehr Palmen abgeholzt zum Transport der mächtigen Figuren. Dies führte beschleunigte die Bodenerosion und machte die Lage noch dramatischer. Da die Ernten über Jahre kümmerlich blieben, wurde mehr und mehr Kraft und Zeit zur Besänftigung der Götter aufgebracht, bis schließlich die letzte Palme gefällt war und niemand mehr die letzten und größten Standbilder fertig stellen und zum Strand zu bringen konnte. (So wie wir dies heute noch vorfinden!) Zwangsläufig wurde aufgegeben werden und eine ganze Kultur ging unter, nur wegen des religiösen Eifers ihrer Führer und der Inbrunst der Gläubigen und ihrer Priester.

In den Schulen wird, wen wundert es beim Einfluss der Kirchen, immer noch ausschließlich gelehrt, dass die großen Reiche untergingen, weil sie dekadent geworden sind, die Bürger nicht mehr zusammenstanden, die Bindung zu Gott verloren haben etc. Diese Sicht der romantischen Geschichtswissenschaft aus dem 19. Jahrhundert wird nach wie vor den Schülerinnen und Schülern als „Tatsache“ vermittelt. Aber auch ein Zuviel an Religion kann ein Volk kaputt machen: die USA sind auf dem besten Weg dazu!

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Wer dauernd, auf göttliche Hilfe hoffend, nach oben sieht, wer einen Gutteil seiner Zeit mit Handlungen vergeudet, die als Gottes-Dienst gelten, wer damit beschäftigt ist Gottes Gebote möglichst genau zu befolgen, und seien sie noch so unsinnig, dessen Blick geht an den tatsächlichen Ursachen der Probleme der Menschheit vorbei, der stolpert blind für das Wesen der menschlichen Natur durchs Leben und behauptet doch, alle anderen, die nicht dieselbe religiöse Form der Blindheit hätten wie er, alle anderen seien die wahren Blinden. Und wenn mal wieder im deutschen Feuilleton davon fabuliert wird, wir hätten keine Werte mehr, es bräuchte mehr Religiosität, den Naturwissenschaften fehle die Ethik, die Menschen würden immer materialistischer werden, dann stehen leider viel zu wenige auf und halten dagegen: stattdessen gibt es Applaus von allen Seiten, besonders von der konservativen natürlich.

Ein Blick in die Tiefen des Alls mit Hubble

Als „Zigeuner am Randes des Universums“ sind wir nicht alleine unterwegs, sondern als Menschheit gemeinsam. Auch ohne Gott und Religion ist nicht alles gleichgültig und alles erlaubt. Auch ohne 10 Gebote muss unser Zusammenleben nicht in einem einzigen Hauen und Stechen untergehen.

Wir haben nur ein Leben, also sollten wir das Beste daraus machen. Und da die Spezies homo ein Rudel- oder Herdentier ist, folgert daraus nicht grenzenloser Egoismus und Rücksichtslosigkeit gegen die anderen, wie es immer wieder von den Kanzeln schallt. Schon für Aristoteles ist der Mensch nicht nur ein zoon logikon, sondern auch ein zoon politikon, ein politisches Wesen: ein städtisches, ein bürgerliches, ein soziales Wesen.

„Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu. Um diese goldene Regel einzuhalten, braucht es keinen Gott. Sie ist in vielen, vielen Religionen quer durch die Zeiten, genauso wie in vielen philosophischen Systemen zu finden. Sie ist so etwas wie eine universelle Ethik der Menschheit. Sie gehört quasi zu unserer Gen-Ausstattung: es ist für das Überleben der eigenen Gene sehr sinnvoll, die eigene Brut und das eigene Rudel zu beschützen und zu verteidigen. Dummerweise geht es in den modernen Gesellschaften nicht mehr um die 30 Mitglieder des eigenen Clans, sondern um Tausende, um zahllose Fremde, denen ich jeden Tag begegne, die ja vielleicht sogar Konkurrenten für meine eigenen Gene sind.

Seit Monods Bahn brechendem Essay von 1970 ist die Wissenschaft weitergegangen. In der Biologie wurde das menschliche Genom vollständig beschrieben, in der Neurobiologie haben die so genannten Bild gebenden Verfahren eine Revolution ausgelöst: wir können inzwischen der menschlichen Vernunft beim Arbeiten zusehen. Davon ausgehend haben einige Neurobio- und –physiologen die dritte narzisstische Kränkung, die Freudsche zugespitzt: sie sprechen uns den freien Willen ab, reden von ihm als einem „kulturellen Konstrukt“. Nicht wir denken und handeln mit unserem Gehirn, sondern es denkt, fühlt und handelt mit uns.

Der bekannte Neurophysiologe Wolf Singer sagt pointiert: „Was wir tun oder lassen, entscheidet nicht unser unabhängiger Wille, es hängt vielmehr ab von angeborenen Möglichkeiten, Erziehung und anderen Umweltfaktoren, die Strukturen und Verschaltungen in unserem Gehirn prägen. Was wir tun, ist Folge des unmittelbar vorausgehenden Zustands unseres Gehirns, von dem wir nur wenige Variable bewusst kontrollieren. Plus ein bisschen thermisches Rauschen.“

Also von Zufall und Notwendigkeit.

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Mag es für manchen eine grausame Vorstellung sein, nicht über seinen Kopf und seinen freien Willen zu bestimmen, so ist jedem, der eine psychische Erkrankung hat, dies unmittelbar einleuchtend: da will der Kopf nicht so, wie man selbst will, da spielt er verrückt, nur weil ein paar Neurotransmitter verrückt spielen. Da erlebt man sich hilflos ausgeliefert an das eigene Gehirn, das nicht mehr richtig tickt. Für den Depressiven versinkt die Welt in einem tiefen Novembergrau bis hin zu zwanghaften Suizidphantasien. Da hört der Psychotiker Stimmen und gehorcht ihren Anweisungen, und seien diese noch so absurd. Und der Borderliner verspürt solch einen inneren Druck, den er nicht anders loswerden kann, als nur durch Schneiden.

Mit dem Gefasel vom freien Willen kommt man da nicht weit: in all diesen Fällen macht das Gehirn mit dem Menschen, was es will, nicht umgekehrt! Und was wir bei psychischen Erkrankungen wie unter einem starken Vergrößerungsglas sehen, gilt auch für unser ansonsten gesundes Leben: das Gehirn denkt mit uns, nicht wir mit dem Gehirn! Wir sind ein Produkt von Zufall und Notwendigkeit.

Wenn es aber keinen freien Willen gibt, was ist dann mit dem Verbrecher, der sich darauf beruft, nicht anders handeln zu können? Singer sagt dazu: „Ob wir nun glauben, jemand sei ‘böse’ und habe einen Mord begangen, weil es seine freie Entscheidung war, oder ob wir ihn als armen Kerl am Rande des Spektrums menschlicher Möglichkeiten sehen, der aufgrund vieler ungünstiger Einflüsse nur eine niedrige Tötungshemmung entwickelt hat - in jedem Fall ist solch ein Mensch eine Gefahr und muss für lange Zeit daran gehindert werden, in Freiheit zu agieren, und wenn möglich auch therapiert werden.“

In der griechischen Mythologie schaute Narziss in einen Fluss und verliebte sich unsterblich in sein Spiegelbild.

Narziss - unser Spiegelbild.

Im Laufe der Geschichte schaute der Mensch immer wieder in diesen Fluss und entdeckte sich im Wellengekräusel anfangs stolz als Gottes Ebenbild, später musste er feststellen, dass er „nur“ ein klein wenig über das Tierreich hinausgehoben war durch seine Vernunft. Am vorläufigen Ende dieser Entwicklung erkennen wir, dass wir nicht anders als die Tiere um uns herum sind, bestimmt durch Zufall und Notwendigkeit, Tiere freilich, die sich genau darüber Gedanken machen. Bewusste Tiere, die sich die Verantwortung für diesen Planeten aufgebürdet haben, die die Natur, deren Teil sie sind, unterjocht haben, die nun auf niemand anderem mehr die Verantwortung schieben können und die von außen keine Hilfe zu erwarten haben: Zigeuner am Rande des Universums eben.

Es gilt gemeinsam das Beste daraus zu machen.

Hatte die RAF vielleicht doch Recht?

Vorbemerkung: Ich rede hier nicht einer kritiklosen Verherrlichung der RAF oder einer “klammheimlichen” Zustimmung ihrer Taten das Wort. Hier geht es um exakt zwei Gedankengänge ihres ideologischen Überbaus und Selbstverständnisses. Das muss nicht nur erlaubt sein. Das ist m.E. auch dringend nötig, weil es im Jubiläumsjahr “Deutscher Herbst” viel zu selten passiert ist: da wurde psychologisiert und die Motive nur im privaten, biographischen Bereich gesucht. Der Mühe einer politischen Auseinandersetzung unterzogen sich nur die wenigsten. Leider. Wieder eine Chance vertan.

Die RAF hatte bei ihrem bewaffneten Kampf, die unterschiedlichsten Ziele: eine revolutionäre Avantgarde bilden, eine Rote Armee in der BRD aufbauen, die Linke hinter sich bringen und zum bewaffneten Kampf führen … Zwei weitere, und um diese geht es mir, waren:

  • a) Sie wollte das wahre Wesen des bundesrepublikanischen Staates herbeischießen und –bomben: i.e. den verborgenen Faschismus der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft ans Licht bringen, indem der Staat die angebliche Freiheit mit Notstands- und Antiterrorgesetzen zu Tode schützen würde.
  • b) Dadurch sollte die Arbeiterklasse und alle fortschrittlichen Kräfte zum bewaffneten Kampf mobilisiert werden.

der Stern der Roten Armee und eine MP

Dass letzteres nicht geklappt hat, ist hinlänglich bekannt. Zu satt, zu zufrieden, bestens alimentiert mit Reihenhaus, Italienurlaub und vermögenswirksamen Leistungen waren die einen, zum System übergelaufen wie die Grünen waren beim Marsch durch die Institutionen die anderen. Der erzwungene Klassenkampf ist ausgeblieben, dank Bildhetze, einem wie geschmiert funktionierenden Justiz- und Polizeiapparat, dank Rasterfahndung und Isolationshaft.

Du musst dem Kleinbürger nur lange genug einreden, dass die „Baader-Meinhof-Bande“ sein Häuschen kaputt machen und ihm ans Leder will, voilà er applaudiert der politischen Klasse, die ihn vor den bösen Buben schützt.

Das hat in den 70ern funktioniert und das klappt auch noch heute.

Was nach dem unseligen 11. September alles an Gesetzen auf den Weg gebracht wurde, ist ein Horrorkabinett des faschistischen Überwachungsstaates: großer Lauschangriff, Vorratsdatensicherung, biometrischer Pass, Überwachungskameras aller Orten, eine sprunghafte Zu- und damit Überhandnahme von Abhörmaßnahmen und was es dergleichen mehr gibt. Durch die Anschläge der islamistischen Selbstmordattentäter ist in vielen westlichen Staaten genau das passiert,was die RAF erreichen wollte: sie zeigen inzwischen mehr oder weniger deutlich ihr latentes faschistoides Gesicht. Allen voran die USA und ihr Schoßhund GB, der durch den Antiterrorkampf gegen die IRA hinlänglich Erfahrung gesammelt hat. Und ein Ende ist kaum abzusehen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, sprich von ein, zwei Aufsehen erregenden Attentaten wie 9/11 (z.B. eine schmutzige Bombe, verseuchtes Trinkwasser, ein Anschlag auf die UNO …. ) bis härtere Mittel angewandt werden: in solchen Zeiten kann dann unmöglich eine Wahl durchgeführt werden, die in den USA sowieso eine Farce ist. Auch wenn uns etwas anderes weisgemacht wird: die eigentlich Herrschenden sind nicht Obama oder Clinton, sondern diejenigen, die ihre Millionen-Dollar-Wahkkämpfe finanzieren. Und wenn dann ein neuer Hoffnungsträger tatsächlich gewinnt, wird er schnell merken, dass andere das Sagen haben: all das, was man gemeinhin den militärisch-industrielle Komplex nennt.

auf Litfaßsäulen, in Kneipen, beim Bäcker.

Auch bei uns gibt es nicht wirkliche Alternativen zur Politik der Herrschenden, zur Politik des Kapitals. Ob SPD, CDU, FDP oder Grüne drauf steht – der Inhalt ist immer dasselbe: eine Politik der Restriktion, der Beschneidung der Bürgerrechte und der sog. Reformen, des Abbaus von Sozialstandards und der Umverteilung von unten nach oben. Selbst dort, wo die Linke mitregiert, trägt sie die gleiche neoliberale Soße mit, die sie sonst lauthals bekämpft. Nur für ein paar Schönheitskorrekturen ist sie dann gut.

Die Linke hat die Rolle des pseudofortschrittlichen Feigenblattes von den Grünen geerbt. Wenn erst einmal in den USA und/oder in GB der Damm in Richtung offener Diktatur gebrochen ist, werden garantiert innerhalb kurzer Zeit überall in Europa „waschechte“ Demokraten regieren: mit (Not-)Verordnungen, einer bis an die Zähne bewaffneten Polizei und einer Armee, die im Krieg gegen den Terror selbstverständlich auch im Inneren eingesetzt wird. Und dann werden im Bundestag alle zustimmen: die CDU/CSU sowieso und auch die SPD (sie hat da seit den Kriegskrediten für Wilhelm II. eine gute Tradition), die FDP um der “Freiheit” willen und auch die Grünen sehen die „historische Notwendigkeit“ ein (bis auf Christian Ströbele natürlich). Nur die PDS fährt einen in den Medien ungehörten Kreuzzug gegen diesen Wahnsinn. Was sie bei einer nicht mehr stattfindenden Wahl prompt unter 5% treiben würde, ihre Sitze im Geheimdienstausschuss kostet und viele aktive Parteimitglieder in Schutzhaft bringen würde. Aber das ist nur der Anfang…

Und der Kleinbürger? Der hat schon lange sein Reihenhaus und seinen Italienurlaub verloren. Dank gestrichenen Kündigungsschutz, Hartz IV und der irrsinnigen Reformpolitik der letzten Jahre, dank RTL und Bild hat er alles verloren, auch seine Kraft und seinen Willen gegen die Ketten zu kämpfen, die ihn fesseln. Er ist es gewohnt alles zu schlucken, was ihm vorgesetzt wird: Gammelfleisch und Oettinger, den Penisbruch von Dieter Bohlen oder den Hype um Knut, dass der Schutz der Freiheit nur durch faschistische Gesetze möglich ist, dass die 68er mit ihrer Unmoral alles verdorben haben. Und und und…

Die RAF hatte also damit Recht, dass durch Terror und Anschläge die westlichen Staaten, ihr wahres, ihr faschistisches Antlitz zeigen würden. Aber wie 1977 hatten und haben sie mit dem zweiten Teil ihrer These nicht recht: auch heute würde kein breiter Widerstand gegen einen faschistischen Staat entstehen.

Schließlich haben wir uns daran gewöhnt, nichts machen zu können.