Posttraumatische Belastungsstörungen bei Soldaten*

PTBS / PTSD ist so alt wie die Menschheit, genauer: so alt wie sie Kriege führt. Schon in der Antike wusste man das! Nur die Militärs geben sich immer wieder überrascht, dass ihre Kampfmaschinen doch Menschen sind.

Wenn ein Krieg, wie in Afghanistan oder im Irak, so offensichtlich aus anderen Gründen geführt wird, muss der denkende Soldat (Den soll es auch geben!) ins Grübeln und Zweifeln kommen, und schon sieht er die Opfer seines blutigen Handwerks nicht mehr als “gerecht”, oder “notwendig” an, sondern als sinnlos und brutal. Und wenn man dann selbst unter Beschuss gerät, seinen Kameraden in einem Hinterhalt verliert, dann sind Selbstzweifel, Selbsthass, unkontroliierbare Ängste, Panikattacken, Zwänge und andere psychische Störungen nicht weit: kurzum all das, was man gemeinhin eine PTBS nennt.

Das Land, wo die Neurosen blühen, ist das Land der Militärs und der Kriege. Wir Menschen sind von Natur aus eben nicht konstruiert zum gnadenlosen Töten und hingebungsvollen Metzeln, so wie es die Militärs dieser Welt gerne hätten. Dazu müssen wir erst durch Drill und Ideologie gebracht werden. Dadurch verlieren die Gegner ihr menschliches Antlitz, gehören zu einer “minderwertigen Rassen”, gelten als “Ungläubige” oder sind ganz einfach alles potentielle “Terroristen”. Gute Propaganda, “Volksaufklärung” und Erziehung der eigenen Leute gehören seit jeher zum Kriegshandwerk. Oder weswegen sonst erfand die US-Army den “embedded” Journalisten? Das gaukelt Authentizität vor und gibt dem Militär gleichzeitig die Macht über die Bilder und Botschaften.

Von welcher Seite der wahre Terror ausgeht, ist noch nicht abschließend zu beantworten.

Was die Kriege nach ‘45 angeht, wissen wir hinlänglich bescheid über psychische Folgen bei den Soldaten. Und je jünger sie zurückliegen, desto mehr tun wir das. Gibt es über die amerikanischen Feldzug des WK II noch relativ viel Material, so sieht es auf deutscher Seite zu diesem Thema mau aus. Die Nazis selbst hatten keine Interesse an den für sie “verweichlichten” Vertreter der arischen Rasse. Und mit ihrer Ablehnung der “jüdischen” Psychoanalyse wurde mögliche Hilfe ebenfalls verteufelt. Nach der Kapitulation mussten die Heimkehrer aus der Kriegsgefangenenschaft die nächsten Jahre über funktionieren und schuften beim Wiederaufbau, danach mussten sie sich gegen die “bösen” ‘68er rechtfertigen und nun über 60 Jahre später sterben sie nach und nach weg.

Wieviel der Neurosen der Adenauer-Ära verdanken wir wohl dieser kollektiven Verdrängung? Wie sehr wurde die Geschichte der BRD von dieser Tatsache geprägt? Es ist ja kein Zufall, dass Machwerke wie “Dresden” oder “Die Flucht” so begierig ein breites Publikum finden: endlich wurde die deutsche “Opferrolle” und die brutalen Folgen des Krieges, auch die psychischen, thematisiert. Das macht diese Art des “Event-Kinos” zwar auch nicht besser, bedient aber ein Bedürfnis, das latent vorhanden ist: auch unter den Kindern und Enkeln, weil sonst nie oder nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen wurde.

* Dies ist ein Forenbeitrag von mir zu einem Artikel darüber, dass die Zahl von US-Soldaten mit PTBS in den letzten Kriegen stark zugenommen hat.

Die URI zum TrackBack dieses Beitrags lautet: http://ungenannter.wordpress.com/2008/04/18/posttraumatische-belastungsstorungen-bei-soldaten/trackback/

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag.

Ein Kommentar Leave a comment.

  1. On Freitag, 9. Mai 2008 at 21:06 schlammschwimmer Said:

    Die Diagnose “PTSD” und eine offizielle gesellschaftliche Anerkennung der Folgeschäden eines militärischen Einsatzes gibt es übrigens erst seit dem Vietnam-Krieg.

Leave a Comment