Aphorismus #282

Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Heinrich Heine (1797 – 1856), Deutschland ein Wintermärchen

Aphorismus #281

Million Dollar Bash

Krise, welche Krise? Gefeiert muss werden. DAS Leben muss weitergehen.

Den ganzen Text zu diesem wunderbar knarzigen und textlich, nun ja: verschrobenen Song von Bob Dylan, gibt es hier hier. Mehr zu den „Basement Tapes“ hier. Und noch viel mehr im Buch dazu von Greil Marcus.

Faszination Darm, treten Sie ein!

Verdauungsorgan auf Reisen: Ein begehbares Darmmodell sorgt in vielen Städten für Aufsehen. Das wulstige Riesenobjekt dient der Aufklärung – in seinem rosafarbenen Inneren wird gezeigt, wie Krebs entsteht. Ein Besuch im Darm.

Mit diesen Worten beginnt bei SPON ein auf den ersten Blick skurriler Bericht zu einer noch skurrileren Ausstellung über den Darm. Skurril, besser ungewöhnlich,  ist das „begehbare Darm(modell)“ nur im ersten Moment, denn um was es geht, ist weniger skurril und ungewöhnlich: um Darmerkrankungen, bsesonders Darmkrebs und um die Vorsorge dagegen. – Da fällt mir ein: ich müsste mal wieder zur Darmspiegelung…

Veröffentlicht in: on Donnerstag, 26. Februar 2009 at 11:33  Kommentare (2)  
Tags: , , , ,

Aphorismus #280

Upps. Ein so langer Text als „Aphorismus“? Ja, weil er sich lohnt!

Vom Nutzen des Drachen

Auf dem Planeten Abrasien lebt ein riesiger Drache, der weniger dem herkömmlichen Bild vom Drachen ähnelt, vielmehr einem riesigen Bergkamm, der durch seine Ausscheidungen, Ausdünstungen und Bewegungen weite Teile der Anrainerstaaten in Mitleidenschaft zieht. „Von Zeit zu Zeit bläht er sich auf und überschwemmt die Grenzgebiete mit den Resten der verbrauchten Artikel, und bei Schlechtwetter stinkt er tausend Kilometer weit.“ Niemand  weiß mehr, wie der Drache entstanden ist, aber die gesamte Wirtschaftsstruktur des Planeten ist auf die Mästung des Untiers ausgerichtet. Pro Tag verschlingt es 1.800.000 Tonnen Lebensmittel, die in Güterzügen und Pipelines angeliefert werden. Ein ganzer akademischer Apparat ist mit der Erforschung der Stoffwechselvorgänge befasst- in der Hoffnung, dass sich durch eine noch besser abgestimmte Diät  die Geruchsbelästigung reduzieren und das Wohlverhalten des Drachens fördern ließe. Immerhin hängen 146.00 Arbeitsplätze an den drachenrelevanten Industrien.
Die naive Frage des Forschungsreisenden, warum man das Getüm nicht einfach verhungern lasse und die Mittel zum direkten Nutzen der Bevölkerung einsetze, weist ein führender Drachenforscher als hoffnungslos rückständig und unpraktikabel zurück: „Stellen Sie sich die Ausdünstungen vor, die von einem solchen Kadaver ausgingen. Zweitens würden die Banken zusammenkrachen – Zusammenbruch des monetarischen Systems. Es käme zu einer schrecklichen Katastrophe, Fremdling.“ Die moderne Strategie im Umgang mit dem Drachen ziele demnach auf „Domestifikation und Pazifikation“ ab: „In jüngster Zeit werden ihm riesige Mengen Süßigkeiten verabreicht. Süßigkeiten hat er sehr gern.“ Im Übrigen sei der Drachen längst zur historischen Notwendigkeit geworden, zur Staatsräson: „Ein wichtiger Faktor, der unseren vereinten Anstrengungen einen festen Sinn gibt.“

Kommt einem irgendwie bekannt vor, hochaktuell sozusagen. Aber die Geschichte „Vom Nutzen des Drachen“ von Stanislaw Lem stammt nicht aus unseren Tagen der Krise, sondern erschien im gleichnamigen Erzählband bereits 1990 auf Deutsch.

Diese verblüffende Entdeckung verdanke ich einem Beitrag von Holm Friebe in konkret 3/2009 S. 27,  der ich bei der Wiedergabe weitgehend gefolgt bin.

Children of Evolution

Darwin & The Nakes Apes

Tag der Evolution statt Christi Himmelfahrt! Endlich einen Feiertag für die Atheisten und Agnostiker in der Bundesrepublik, die bisher leer ausgehen! Schließlich machen sie ca. 1/3 der Bevölkerung aus! Diese Forderung erhebt die Giordano-Bruno-Stiftung, ein Anliegen, für das ich gerne Werbung mache.

P.S.: Der Song muss zum Darwinjahr unbedingt in die heavy rotation bei den weichgespülten Formatsendern. Dann hat wenigstens 1 Lied Substanz!

Aphorismus #279

Die mystischen Erklärungen gelten für tief; die Wahrheit ist, dass sie noch nicht einmal oberflächlich sind.

Auch bei Nietzsche findet sich die eine oder andere Perle. Dieser Weisheit aus „Die fröhliche Wissenschaft“ kann ich ohne Bedenken zustimmen. Ergänzend jedoch muss ich hinzufügen: Das sagt der „Richtige“!

Aphorismus #278

Die Lösung

Wenn was nicht klappt,
dann wird vor allem mal nicht berappt.
Wir setzen frisch und munter
die Löhne, die Löhne herunter -
immer runter!
Wir haben bis über die Ohren
bei unsern Geschäften verloren…
Unser Geld ist in allen Welten:
Kapital und Zinsen und Zubehör.
So lassen wir denn unser großes Malheur
nur einen, nur einen entgelten:
Den, der sich nicht mehr wehren kann.
Den Angestellten, den Arbeitsmann;
den Hund, den Moskau verhetzte,
dem nehmen wir nun das Letzte.
Arbeiterblut muß man keltern.
Wir sparen an den Gehältern -
immer runter!
Unsre Inserate sind nur noch ein Hohn.
Was braucht denn auch die deutsche Nation
sich Hemden und Stiefel zu kaufen?
Soll sie doch barfuß laufen!
Wir haben im Schädel nur ein Wort:
Export! Export!
Was braucht ihr eigenen Hausstand?
Unsre Kunden wohnen im Ausland!
Für euch gibts keine Waren.
Für euch heißts: sparen! sparen!
Nicht wahr, ein richtiger Kapitalist
hat verdient, als es gut gegangen ist.
Er hat einen guten Magen.
Wir mußten das Risiko tragen…
Wir geben das Risiko traurig und schlapp
inzwischen in der Garderobe ab.
Was macht man mit Arbeitermasen?
Entlassen! Entlassen! Entlassen!
Wir haben die Lösung gefunden:
Krieg den eigenen Kunden!
Dieweil der deutsche Kapitalist
Gemüt hat und Exportkaufmann ist.
Wußten Sie das nicht schon früher -?
Gott segne die Wirtschaftsführer!

Wieder ein echter Tucholsky, ein guter zudem! Könnte erst gestern geschrieben worden sein…

Aphorismus #277

Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen »Dies gehört mir« und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wieviel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: »Hütet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört«.

Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778), Discours sur l’origine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes (= Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen) von 1755

Veröffentlicht in: on Montag, 23. Februar 2009 at 00:01  Kommentare (4)  
Tags: , , , , , ,

„Der Trend zum Kreationismus ist ungebrochen“

Unter dieser Überschrift findet sich auf SPON ein Interview mit Dr. Dittmar Graf, Professor für Didaktik der Biologie an der TU Dortmund, über die Ergebnisse einer (inzwischen zweiten!) Studie, die belegt, dass knapp 15 % der Studierenden im ersten Semester fürs Lehramt (!) grundlegende Elemente der Evolutionstheorie nicht verstehen und ablehnen! Und dies auch unter Biologie Studierenden!
Was werden die einmal den Schülerinnen und Schülern erzählen? Dass Darwin auch „nur“ so eine Theorie ist? Dass Gott die Erde vor 10.000 Jahren geschaffen hat? Dass die Schöpfungsgeschichten der Bibel (Genesis 1 und 2) oder des Koran (Buch 32 Sure 4 und andere), weil göttliche Offenbarung, mehr Wahrheitsgehalt haben? Grausen könnte es einem über soviel Ignoranz und Hinter-dem-Mond-Sein!
Zu hoffen ist nur, dass Graf und seine Kollegen den Studierenden ihren Aberglauben bis zum Examen mit dem Geist der Aufklärung gehörig austreiben können: „Kreationistisches Denken ist gleichzeitig auch antiwissenschaftliches Denken und die Aufgabe der Universität ist natürlich, Wissenschaft zu vermitteln, insofern ist Kreationismus schädlich und muss auch intensiv bedacht und angegangen werden. Es ist ja so, dass Kreationisten vielfach von sich selber behaupten, sie würden Wissenschaft betreiben. Wenn man aber genauer hinschaut, ist es alles andere als Wissenschaft. Es ist Pseudowissenschaft.“
Eine Frage stelle ich mir allerdings schon noch: Wie dürftig ist das, was Gymnasiasten im Unterricht lernen? Ach ja: es wird inzwischen ja, Bertelsmann sei Dank, alles auf Effizienz getrimmt! Könnte diese Ignoranz gegenüber echter Wissenschaft. nicht auch eine Folge des Abiturs nach 12 Jahren sein?

Aphorismus #276

Wer A sagt, muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.

Bertolt Brecht (1898 – 1956)

Veröffentlicht in: on Sonntag, 22. Februar 2009 at 00:01  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags: , ,
Follow

Get every new post delivered to your Inbox.