Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.
Heinrich Heine (1797 – 1856), Deutschland ein Wintermärchen
Heinrich Heine (1797 – 1856), Deutschland ein Wintermärchen
Krise, welche Krise? Gefeiert muss werden. DAS Leben muss weitergehen.
Den ganzen Text zu diesem wunderbar knarzigen und textlich, nun ja: verschrobenen Song von Bob Dylan, gibt es hier hier. Mehr zu den „Basement Tapes“ hier. Und noch viel mehr im Buch dazu von Greil Marcus.
Upps. Ein so langer Text als „Aphorismus“? Ja, weil er sich lohnt!
Auf dem Planeten Abrasien lebt ein riesiger Drache, der weniger dem herkömmlichen Bild vom Drachen ähnelt, vielmehr einem riesigen Bergkamm, der durch seine Ausscheidungen, Ausdünstungen und Bewegungen weite Teile der Anrainerstaaten in Mitleidenschaft zieht. „Von Zeit zu Zeit bläht er sich auf und überschwemmt die Grenzgebiete mit den Resten der verbrauchten Artikel, und bei Schlechtwetter stinkt er tausend Kilometer weit.“ Niemand weiß mehr, wie der Drache entstanden ist, aber die gesamte Wirtschaftsstruktur des Planeten ist auf die Mästung des Untiers ausgerichtet. Pro Tag verschlingt es 1.800.000 Tonnen Lebensmittel, die in Güterzügen und Pipelines angeliefert werden. Ein ganzer akademischer Apparat ist mit der Erforschung der Stoffwechselvorgänge befasst- in der Hoffnung, dass sich durch eine noch besser abgestimmte Diät die Geruchsbelästigung reduzieren und das Wohlverhalten des Drachens fördern ließe. Immerhin hängen 146.00 Arbeitsplätze an den drachenrelevanten Industrien.
Die naive Frage des Forschungsreisenden, warum man das Getüm nicht einfach verhungern lasse und die Mittel zum direkten Nutzen der Bevölkerung einsetze, weist ein führender Drachenforscher als hoffnungslos rückständig und unpraktikabel zurück: „Stellen Sie sich die Ausdünstungen vor, die von einem solchen Kadaver ausgingen. Zweitens würden die Banken zusammenkrachen – Zusammenbruch des monetarischen Systems. Es käme zu einer schrecklichen Katastrophe, Fremdling.“ Die moderne Strategie im Umgang mit dem Drachen ziele demnach auf „Domestifikation und Pazifikation“ ab: „In jüngster Zeit werden ihm riesige Mengen Süßigkeiten verabreicht. Süßigkeiten hat er sehr gern.“ Im Übrigen sei der Drachen längst zur historischen Notwendigkeit geworden, zur Staatsräson: „Ein wichtiger Faktor, der unseren vereinten Anstrengungen einen festen Sinn gibt.“
Kommt einem irgendwie bekannt vor, hochaktuell sozusagen. Aber die Geschichte „Vom Nutzen des Drachen“ von Stanislaw Lem stammt nicht aus unseren Tagen der Krise, sondern erschien im gleichnamigen Erzählband bereits 1990 auf Deutsch.
Diese verblüffende Entdeckung verdanke ich einem Beitrag von Holm Friebe in konkret 3/2009 S. 27, der ich bei der Wiedergabe weitgehend gefolgt bin.
Darwin & The Nakes Apes
Tag der Evolution statt Christi Himmelfahrt! Endlich einen Feiertag für die Atheisten und Agnostiker in der Bundesrepublik, die bisher leer ausgehen! Schließlich machen sie ca. 1/3 der Bevölkerung aus! Diese Forderung erhebt die Giordano-Bruno-Stiftung, ein Anliegen, für das ich gerne Werbung mache.
P.S.: Der Song muss zum Darwinjahr unbedingt in die heavy rotation bei den weichgespülten Formatsendern. Dann hat wenigstens 1 Lied Substanz!
Auch bei Nietzsche findet sich die eine oder andere Perle. Dieser Weisheit aus „Die fröhliche Wissenschaft“ kann ich ohne Bedenken zustimmen. Ergänzend jedoch muss ich hinzufügen: Das sagt der „Richtige“!
Wieder ein echter Tucholsky, ein guter zudem! Könnte erst gestern geschrieben worden sein…
Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778), Discours sur l’origine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes (= Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen) von 1755
Unter dieser Überschrift findet sich auf SPON ein Interview mit Dr. Dittmar Graf, Professor für Didaktik der Biologie an der TU Dortmund, über die Ergebnisse einer (inzwischen zweiten!) Studie, die belegt, dass knapp 15 % der Studierenden im ersten Semester fürs Lehramt (!) grundlegende Elemente der Evolutionstheorie nicht verstehen und ablehnen! Und dies auch unter Biologie Studierenden!
Was werden die einmal den Schülerinnen und Schülern erzählen? Dass Darwin auch „nur“ so eine Theorie ist? Dass Gott die Erde vor 10.000 Jahren geschaffen hat? Dass die Schöpfungsgeschichten der Bibel (Genesis 1 und 2) oder des Koran (Buch 32 Sure 4 und andere), weil göttliche Offenbarung, mehr Wahrheitsgehalt haben? Grausen könnte es einem über soviel Ignoranz und Hinter-dem-Mond-Sein!
Zu hoffen ist nur, dass Graf und seine Kollegen den Studierenden ihren Aberglauben bis zum Examen mit dem Geist der Aufklärung gehörig austreiben können: „Kreationistisches Denken ist gleichzeitig auch antiwissenschaftliches Denken und die Aufgabe der Universität ist natürlich, Wissenschaft zu vermitteln, insofern ist Kreationismus schädlich und muss auch intensiv bedacht und angegangen werden. Es ist ja so, dass Kreationisten vielfach von sich selber behaupten, sie würden Wissenschaft betreiben. Wenn man aber genauer hinschaut, ist es alles andere als Wissenschaft. Es ist Pseudowissenschaft.“
Eine Frage stelle ich mir allerdings schon noch: Wie dürftig ist das, was Gymnasiasten im Unterricht lernen? Ach ja: es wird inzwischen ja, Bertelsmann sei Dank, alles auf Effizienz getrimmt! Könnte diese Ignoranz gegenüber echter Wissenschaft. nicht auch eine Folge des Abiturs nach 12 Jahren sein?