Aphorismus #496

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Veröffentlicht in: on Mittwoch, 30. September 2009 at 00:02  Hinterlasse einen Kommentar  
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Das jammervolle Geächz der aus der Regierung herausgeworfenen Sozialdemokraten

Eines aber möchten wir in absehbarer Zeit gewiß nicht hören: das jammervolle Geächz der aus der Regierung herausgeworfenen Sozialdemokraten, weil man sie dann grade so behandeln wird, wie sie heute den Reaktionären helfen, die Arbeiter zu behandeln.
Eines Tages wird es soweit sein. Die furchtbare Drohung, sich nunmehr bald an die frische Luft zu verfügen, wird von der Partei wahrgemacht werden, wahrscheinlich eine halbe Minute, bevor man sie auch in aller Förmlichkeit bitten wird, den Tempel zu räumen. Und dann wird sich die Führung besinnen: Jetzt sind wir in der Opposition. Mit einem großen O. Wie macht man doch das gleich …?
Da werden sie dann die Mottenkisten aufmachen, in denen – ach, ist das lange her! – die guten, alten Revolutionsjacken modern, so lange nicht getragen, so lange nicht gebraucht! Werden ihnen zu eng geworden sein. Und dann frisch als Sansculotten maskiert, vor auf die Szene. »Die Partei protestiert auf das nachdrücklichste gegen die Gewaltmaßnahmen …« Herunter! Abtreten! Faule Äpfel! Schluß! Schluß!
Die werden sich wundern. Und sie werden keinen schönen Anblick bieten. Denn nichts ist schrecklicher als eine zu jedem Kompromiß bereite Partei, die plötzlich Unnachgiebigkeit markieren soll. Millionen ihrer Anhänger sind das gar nicht mehr gewöhnt; die Gewerkschaftsbureaukratie auch nicht, für die uns allerdings nicht bange ist: es findet sich da immer noch ein Unterkommen. Wären die Stahlhelm-Industriellen nicht so maßlos unintelligent – sie könnten sich das Leben mit denen da schon heute wesentlich leichter machen. Sie werden es sich leicht machen.
Alles gut und schön. Aber erzählt uns ja nichts von: Recht auf die Straße; Polizeiwillkür; Verfassung; Freiheit … erzählt sonst alles, was ihr lustig seid. Aber dieses eine jemals wieder zu sagen –: das habt ihr verscherzt.

Kurt Tucholsky, Die Weltbühne, 22.09.1931, Nr. 38, S. 454

Der link zum Bild udn zu viel guter Musik

Aphorismus #495

Die Frau muss wissen, dass sie für den Ehemann wie ein Sklave ist. Sie verfügt nicht über sich selbst, noch über seinen Besitz außer mit seiner Erlaubnis… Sie muss immerzu bereit sein, ihn zu erfreuen mit allen Mitteln der Reinlichkeit. Sie soll sich aber nicht vor ihm wegen ihrer Schönheit rühmen, noch ihn für etwas Hässliches tadeln.

Dieser feuchte Männertraum findet sich nicht in der Geschichte der O, sondern in: Ibn al-Djauzi, Buch der Weisungen für Frauen
Dass solchen Müll, geschrieben im 12. Jhd., der deutsche Suhrkamp-Verlag „erstmalig in deutscher Übersetzung“ veröffentlicht, ist schlimm genug, dass jede historisch-kritische Distanzierung fehlt um so schlimmer, aber endgültig unerträglich wird das Ganze mit der völligen Distanzlosigkeit der Herausgeber, wenn sie schreiben: „Im Kitab ahkam al-nisa finden sich alle zu seiner Entstehungszeit zentralen religiösen und rechtlichen Regelungen für die Frauen. Die Vorschriften und Bestimmungen werden vor allem anhand von Zitaten aus dem Koran und durch Aussprüche Muhammads, die Hadithe, begründet. Diese Verbindung mit der Tradition verleiht dem Kitab ahkam al-nisa bis in die Gegenwart Gültigkeit.“ Amen.

Aphorismus #494

Die Orden an der linken Brust sind für den Unterarmverlust.

Josef Alzheimer & CC7 – „Meisterwerke“ 1997. Leider gibt es die Musik dazu nicht auf youtube. :-(

BWE-Gold

Kanzelmärchen #4

Wer glaubt, dem geht es besser

Dieser gern geglaubten und noch lieber kolportierten „Tatsache“ begegnet man in Diskussionen mit so ziemlich allen Gläubigen. Allerdings in vielfacher Ausprägung:

  • Wer glaubt, dem geht es in allen Belangen besser: im Beruf, in der Familie, bei den Finanzen, bei der Karriere…
  • Wer glaubt, hat Gott auf seiner Seite, DER wird es für ihn richten
  • Wer glaubt, der hat eine Anlaufstelle im Leben, wo er sich immer hinwenden kann
  • Wer glaubt, der weiß, dass Gottes Ratschlüsse unergründlich sind: ER weiß besser, was gut ist für den Menschen
  • Wer glaubt, der hat es auf jeden Fall nach dem Tod besser

Zefix! Luja, sog I!

Welches Schweinderl hätten’s denn gern?

Da kann sich jeder aussuchen, was ihm am genehmsten ist. Welches Modell eines „besseren Lebens“ er als wünschens- und glaubenswert erachtet. Die erste und die letzte Position, sie könnten nicht weiter entfernt sein. Und doch berufen sich beide auf dieselbe Bibel, denselben Gott! Es war schon immer Privileg von Theologen und Predigern, ALLES, aber auch wirklich alles aus der Bibel heraus,-, vor allem aber in sie hineinzulesen. Das wundert nicht, wenn der Gegenstand des Glaubens sich nicht wehren kann, da nicht existent. Die Variationen über das bessere Leben der Glaubenden reicht von einem plumpen „Wer glaubt, den schmeißt Gott mit Wohltaten zu!“ bis zu einem „Die Wohltaten gibt es erst nach dem irdischen Jammertal!“. Und alles nennt sich christlich. Alles beruft sich auf denselben Jesus, dieselbe Bibel. Das wäre in etwa so, als würde man mit Grundgesetz Art. 1 „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ sowohl eine aufgeklärte humane Rechtsauffassung als auch die Beschneidung der Grundrechte, Polizeiwillkür und weiße Folter begründen. Upps. Das kriegen unsere Politiker in Zusammenarbeit mit dem Bundesverfassungsgericht ja schon lange hin. Da sind die Kirchen also gar nichts besonderes bei Wortverdrehungen und dem beliebten „Ich baue mir eine Welt, wie sie mir gefällt.“ Oder ist es umgekehrt und die Politik ist bei der Kirche in die Schule gegangen, in die Schule der Gedankenakrobatik und Wortverdreherei?
Schließt man andere Religionen in diese Gedankengänge mit ein, z.B. Hinduismus, Buddhismus oder Islam, dann gibt es noch weit mehr Möglichkeiten, wie  das ach so bessere Leben der Gläubigen aussehen kann, dann spielen kosmische Prinzipien wie Maya, Karma oder Kismet eine Rolle. Und wenn man dann noch die vielen, vielen kleinen und kleinsten Religionen mit einbezieht, wird eines klar: es kann so ziemlich alles als ein gutes Leben definiert und als Ziel des eigenen Glauben definiert werden. Ganz nach dem Motto: Welches Schweinderl hätten’s denn gern? Ich werde mich aber hier auf die christlichen Vorstellungen beschränken. Die sind eigenartig genug.

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Aphorismus #493

Wort zum Sonntag #20

Heute musikalisch vorgetragen

Aphorismus #492

Everything is theoretically impossible, until it is done.

Robert A. Heinlein (1907 – 1988), gefunden hier. Weitere Aphorismen von Heinlein habe ich hier.

Veröffentlicht in: on Samstag, 26. September 2009 at 00:02  Kommentare (1)  
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Aphorismus #491

Ein Wahlaufruf, den man heute vergebens sucht

Die Schmetterlinge: Proletenpassion

Veröffentlicht in: on Freitag, 25. September 2009 at 00:02  Kommentare (3)  
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Aphorismus #490

Unsere soziale Marktwirtschaft muss in der ganzen Welt verankert werden.

Angela Merkel in einem Wahlspot der CDU.
Man kann davon ausgehen, dass sie diese Drohung ernst meint. Am deutschen Wesen soll noch immer die Welt genesen. Und wird es doch nie tun.

Was mal war, soll wieder werden.

Was mal war, soll wieder werden...

Veröffentlicht in: on Donnerstag, 24. September 2009 at 00:02  Hinterlasse einen Kommentar  
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Aphorismus #489

Der Umgang mit Büchern bringt die Leute um den Verstand.

Erasmus von Rotterdam, Der Abt Antronius besucht Magdalia, 61 / Antronius

Da hat die katholische Zensur Erasmus beim Wort genommen:

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Ein auf dem "Index Librorum Prohibitorum" stehendes Werk von Erasmus

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