Aphorismus #556

Wort zum Sonntag #29

Jesus ist das Gegenstück eines Genies: Er ist ein Idiot.

Heute ganz kurz, aber ganz zutreffend ein erbauliches Wort von Friedrich Nietzsche, Nachlass, KSA 13: 14[38]
Oder ist es keine Idiotie, keines, wirklich KEINES seiner Ziele zu erreichen?
Mehr dazu in meinen anderen Beiträgen dieser Kategorie!

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14 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. erfolglosigkeit als indiz für unwahrheit (oder wie war das sonst gemeint?) darstellen zu wollen, ist mmn unangebracht.

    Jesus war gemessen an seinen eigenen Maßstäben, i.e. seiner Lehre und Verkündigung- tut Buße, denn das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen (Mk 1,15 e.a. )*- gescheitert! Bis auf ein paar Hippies ;-) taten seine Zeitgenossen keine “Buße” und das Reich Gottes- von Jesus durch und durch apokalyptisch gedacht!- kam nicht.
    Wenn das kein persönliches Scheitern ist?
    Und wenn damit- dem Ausbleiben des “Königreichs der Himmel”- nicht seine Botschaft ad absurdum geführt und also sich als unwahr erwiesen hätte, was brauchst du dann noch zur Anerkenntnis dieser Tatsache?

    Erfolgreich waren die, die sich auf ihn beriefen, indem sie das Reich Gottes mehr und mehr mit dem Reich der Kirche gleichsetzten und dann selbst daran gingen, dieses Reich zu errichten: was jedoch das genaue Gegenteil der zentralen Verkündigung des Nazareners war. Da kommt Gottes Reich allein durch Gottes Tun auf die Erde!
    __________
    * Dies in gebotener Kürze und ohne auf den griechischen Text näher einzugehen. Es wäre zu ermüdend…. für dich wie für mich.

  2. Die Gedanken sind genauso frei wie die Gefühle und der Glauben.

    diese art der freiheit könnte man auch wieder “anders übersetzen”: gedanken sollten sehr wohl “unfrei” sein: die vernunft, die logik oder wie immer du das bezeichnen würdest, was der völligen willkür des gesagten grenzen setzt, macht denken unfrei: allerdings wär das eine sehr schräge definition von unfreiheit: konsistenz, logik und folgerichtigkeit als beunfreier zu bezeichnen käme mir nicht in den sinn, ich nehme mal an: auch dir nicht.

    aber wie gesagt: den obigen satz könnte man, wenn man ihn so wörtlich nähme (und was soll ich anderes tun, als auf die wörtlichkeit deiner worte einzughen) mmn so interpretieren: absolute freiheit der gedanken würde das prinzip des denken schlechthion ab absurdum führen: es gäbe kein: wer A sagt, muss auch B sagen, man könnte den ganzen kuchen gegessen haben und dennoch glauben, dass man noch ein stück übrig hätte usw: was bliebe? der/das reine glaube(n), das behaupten, die apodiktische methode. die vernunft (oder wie immer man dazu sagte) wäre abgeschafft. dem kann ich nicht zustimmen.

    erfolglosigkeit als indiz für unwahrheit (oder wie war das sonst gemeint?) darstellen zu wollen, ist mmn unangebracht. man bedenke: alle “helden” der befreiungsgeschichten, die zu tode gefolter wurden und zunächst anscheinend nichts erreicht haben, würden auf diese weise opfer zynischer verächtlichmachung.

    bitte nicht…

  3. contradictio in objecto
    Das eine ist, was man glaubt, das andere, was man sagt, und das dritte, was man draus macht.
    Du jedenfalls exakt das, was du mir vorwirfst:

    ich versuch nicht, dir was zu unterstellen, sondern glaube, dass man das aus deinen worten rauslesen kann.

    Ich für meinen Teil glaube nicht. Da ist m.E. Fühlen weit objektiver, weil immanent und nachprüfbar: Logik, Nachdenken und Dialektik- das müsstest du aus meinen anderen Beiträgen wissen- haben bei mir den allergrößten Stellenwert. Oder warum sollte ich sonst so gerne Meister Adorno zitieren und mit ihm argumentieren?
    Wenn ich schreibe, dass ich mich missverstanden fühle, heißt das jedenfalls nicht, dass ich mich von Logik etc. verabschiede, sondern, dass ich als persona in toto argumentiere: die Worte les’ ich wohl, allein mir fehlt das Verständnis. Das habe ich schon allein durch die Frage deutlich gemacht. Nicht bloß das Sein bestimmt das Bewusstsein, sondern auch das Fühlen udn das wiederum ebenso das Bewusstsein. Denken an sich gibt es genauso wenig wie absolute Objektivität, oder reine Wahrnehmung. Bedenkt man die Bedingungen des Denkens nicht mit, geht es über kurz oder lang in die Grütze.

    Wenn du meinst, glauben zu müssen, hältst du dir ein Hintertürlein offen, selbst wenn du noch so atheistisch bist. Und das gilt auch, wenn du glauben als meinen verstehst. Konnotation bleibt Konnotation.

    Mir Zynismus vorzuwerfen, sei dir gegönnt. JA, ich bin manchmal zynisch, jedoch ist es kein Zynismus und Hohn gegen die Opfer da unten, sondern immer nur gegen die Täter da oben. Wenn du anderes herausliest, bitteschön. Die Gedanken sind genauso frei wie die Gefühle und der Glauben.
    Meine ich.

  4. Was meinst du mit: „kapitalisto-erfolgsfetischistisch“? Ich habe mich selten so wenig charakterisiert gefühlt wie mit diesem Wort.

    das eine ist, was man “intuitiv meint (evtl: wishful thinking)”, das andere der satz, der faktisch und also kritisierbar da steht und den man nach seinem eigenen “vernünftigen dafürhalten logisch” interpretieren kann: das führt in vielen fällen zum gefühk, “mistverstanden” zu werden: aber das IST diskussion halt. ich versuch nicht, dir was zu unterstellen, sondern glaube, dass man das aus deinen worten rauslesen kann. ich kann mich natürlich irren. ich interpretiere also und und assoziiere: mir erscheint das gesagte wie eine art zynismus den “losern der gesellschaft” gegenüber. als würde der scheinbar ausbleibende erfolg die unrichtigkeit der these indizieren. gerade der kapitalismus fordert von seinen “untergebenen”, im system mitzuspielen und “erfolgreich” zu sein: ansonsten wird die erfolgslose person als loser, im besten fall als armer tropf und spinner abgestempelt. dieses spielchen ist menschenunwürdig, und ich seh in deinen worten sehr wohl eine gewisse verächtlichungmachung: WEIL er “seine ziele nicht erreicht hat”? das ziel, durch sein opfer* die menschen auf ungerechtigkeiten und befreiungsnotwendigkeiten aufmerksam zu machen, scheint er dennoch erreicht zu haben. es am äußeren scheitern zu messen, halte ich eben für: “kapitalisto-systemkonform”. ich wollte dich eben sehr wohl auf einen internen widerspruch (mmn!) aufmerksam machen: es reicht nicht, sich antikapitalistisch zu FÜHLEN, sich als kapitalistenfeind zu bekennen/benennen, man sollte sich konsequent nicht seiner beurteilungskriterien bedienen.

    um es anders zu sagen: ich steh auf exzentrische loser…

    (-;

    *******

    * klingt christlich? ich bin atheist… aber ich respektiere diesen menschen, soweit man dem, was man so sagt, glauben kann. die theorie der gelebten liebe und bis zum äußersten getriebenen opferbereitschaft, wie sie mmn erst- und vll in dieser konsequenz fast einmalig auf die welt kam, fasziniert nicht umsonst seit jahrtausenden antikokonistische menschen.

  5. Es ist dir unbenommen, zuzustimmen oder nicht. Aber das, was du schreibst, kann nicht unwidersprochen bleiben.
    1. Warum muss eigentlich bei der kleinsten oder auch wie hier einer fundamentalen Kritik an Jesus und dem Christentum automatisch der Anti-Islam-Reflex einsetzen? Hat Kritik am christlichen Aberglauben so lange die Klappe zu halten, bis der islamische still/ vernichtet/ ausgelöscht etc ist?
    2. Religiöse wie jede andere Zensur halte ich für einen Generalangriff auf die Freiheit und Menschenwürde. Ich fordere ja auch nicht auf, die Bibel oder den Koran oder Dieter Bohlens Samenergüsse zu verbieten uns zu zensieren, auch wenn es Gründe genug gäbe!
    3. Was meinst du mit: “kapitalisto-erfolgsfetischistisch”? Ich habe mich selten so wenig charakterisiert gefühlt wie mit diesem Wort.
    4. Jesus IST nach seinen eigenen Ansprüchen gescheitert: Er predigte die Ankunft des Reiches Gottes noch zu seinen Lebzeiten oder kurz danach. Er ging dafür in den Tod. Seitdem sind bald 2000 Jahre vergangen. Wenn das kein Scheitern ist! Dazu habe ich mich im Aphorismus #535 näher geäußert.
    5. Was die Kirchen “erreicht” haben, das taten sie in eigener Regie. Trotz, mit und gegen ihn. Auf jeden Fall immer OHNE ihn!
    Wer DAS nicht sieht, der hat ein ideologisches Trugbild der Realität!

  6. ich stimme DIESEM nietzsche-zitat in KEINER weise zu, aber ich brings als frage und beispiel:

    nietzsche beschimpft jesus aufs gröbste! und was passierte damals? sicherlich fandens die leute (damals!!!) skandalös! und warn echt bös! aber: keine morddrohungen, keine attentate! wenn wir das mit den heutigen karikaturenstreitigkeiten etc vgl: was ein unterschied!!!

    haben wir uns zurückentwickelt?

    sollte man derartige sätze aus nietzsche-büchern rausretuschieren?

    was geht eigentlich üh ab!!!
    http://ungenannter.wordpress.com/2009/11/29/aphorismus-556/

    die zusatzbemerkung des “unbekannten” halte ich übrigens für lapidar, kapitalisto-erfolgsfetischistisch und völlig abgehoben, absonderlich und angesondert von der (historischen) realität. man erkennt daran, dass wirklichkeit und deren interpretation völlig auseinanderklaffen können: ich vermute allerdings: dass es sich dabei um die ziemlich groteskeste form einer derartigen ideologistischen realitätsverweigerung handelt, die “denk”bar ist…

    jesus hat nichts erreicht?

    na bitte: er ist zweifellos der auswirkungsreichste mensch der geschichte!

    http://36284.forendienst.de/show_messages.php?mid=4591125

  7. Jesu ist also wie Merkel!

    Gut das zu Wissen. Machen wir sie zur Gottestochter und treten damit in die Fußstapfen der Ägypter.

    Mein Gott, die spinnen doch alle!


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