Aphorismus #647

Wort zum Sonntag #42

Hungerkünstler Teil I

Alle Jahre wieder, wenn die nervigste aller Jahreszeiten, die fünfte, erfolgreich mit dem Aschermittwoch ihr Ende genommen hat- R.I.P.!-, wenn kalendarisch das Frühjahr droht, wenn in den Schränken schon wieder die Sachen eingegangen sind, wenn also auch der letzte Dorftrottel gemerkt hat, dass Essen dick und zu viel Essen viel zu dick macht, alljährlich in dieser schweren Zeit “entdeckt” das Feuilleton mal wieder so schöne Sachen wie “Heilfasten”, “7 Wochen ohne” (Prost Fr. Käßmann!), die “uralte Tradition des Fastens”, FdH und andere Formen der spiriutellen Ökotrophologie und der diätetischen Religiosität.
Das allein kann einem gründlich den Appetit verderben. Was da Jahr für Jahr an hanebüchenem Unsinn, halbgarem “Expertenwissen” und esoterischem Unfug an den arglosen Medienkonsumenten gebracht werden soll, changiert irgendwo zwischen Lächerlichkeit, Rattenfängerei, Proselytenmacherei und offenem Betrug.
Aber es verkauft sich gut. Es bringt Quote. Es ist ein prima Geschäft. Das bekommt auch nur der Kapitalismus hin, aus dem Nichtkonsum Fasten ein Geschäft zu machen! Statt für Nahrung wird dann genauso viel oder noch mehr Geld ausgegeben für Fastenkuren, Fastenratgeber (Bei amazon sind es allein über 7.800 Treffer bei Büchern zum Stichwort “Fasten”!), Fastengruppen, Fastenkursen, Fastentees etc. pp.
Fragt sich nur: Wozu soll der ganze Schabernack gut sein?

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