Aphorismus #708

Ich wollte ja eigentlich kein Kunstwerk daraus machen. Der Ausdruck ‘Readymade’ tauchte erst im Jahre 1915 auf, als ich nach Amerika ging. Er interessierte mich alsd Wort, aber als ich ein Fahrrad-Rad mit der Gabel nach unten auf einen Schemel montierte, dachte ich dabei weder an ein Readymade noch an irgendetwas anderes, ich wollte mir so nur die Zeit vertreiben. Es gab keinen bestimmten Grund dafür, ich wollte es nicht ausstellen und nicht beschreiben. Nichts dergleichen.

Marcel Duchamp (1887 – 1968)

Veröffentlicht in: on Freitag, 30. April 2010 at 00:02  Hinterlasse einen Kommentar  
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Aphorismus #707

Aphorismus #706

Die unablässige Heiligsprechung der Ökonomie negiert das konkrete Individuum, bewirkt den Schlaf seiner Vernunft, verkrüppelt seine Emotionalität und nährt so die Ungeheuer der Misere, die als soziale und ökologische Katastrophe die Basis der gelebten menschlichen Existenz verschwinden lassen.

Raoul Vaneigem, An die Lebenden! Streitschrift gegen die Welt der Ökonomie


Aphorismus #705

Neil Young & Crazy Horse – Hurricane

Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten.

Gustav Mahler (1860 – 1911)

Aphorismus #704

Wenn der Mensch zuviel weiß, wird das lebensgefährlich.
Das haben nicht erst die Kernphysiker erkannt, das wusste schon die Mafia.

Norman Mailer (1923 – 2007)
Obwohl mehrfach auf Deutsch im Netz zitiert, habe ich davon das englische Original nicht finden können. Für sachdienliche Hinweise bin ich dankbar. ;.)
Natürlich muss ich diesem Zitat aufs Heftigste widersprechen, wenn es um Grundlagenforschung und -wissen geht, aber wenn es um die technische Umsetzung geht, gebe ich ihm recht: Atomkraft ist das beste Beispiel dafür.

Veröffentlicht in: on Montag, 26. April 2010 at 00:02  Kommentare (1)  
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Aphorismus #703

Wort zum Sonntag #50

Was würde Jesus dazu sagen?

Eine immer wieder gestellte Frage, nicht nur von gläubigen Christen. Und die Vorgänge in der katholischen Kirche um prügelnde und missbrauchende Priester fordern sie  heraus. Jedoch sie zu stellen ist müßig:

  • Wir können Jesus schließlich nicht mehr selbst fragen.
  • Wir wissen nicht mit Sicherheit, welche von denen in der Bibel ihm zugeschriebenen Worte wirklich von ihm stammen.
  • Zwischen ihm, der Bibel und uns liegt der „garstige breite Graben“ der Geschichte von 2000 Jahren, und der lässt sich nicht wirklich überbrücken. [1]
  • Jesu konkrete Antworten auf die Probleme seiner Zeit sind nicht wirklich auf die in unserer hochkomplexen und technisierten Welt übertragbar.
  • Es stellt sich die Frage, ob er mit seinen Antworten nicht schon damals gescheitert ist.
  • Und hat er berhaupt noch irgendeine Relevanz für die Menschen des 21. Jahrhunderts?

Weil aber die Frage nach dem, „was Jesus dazu sagen würde“, immer noch gerne gestellt wird und weil die Kirchen insgesamt und einzelne Christen sich noch immer auf ihn berufen, darum schiebe ich für einen Augenblick die grundsätzlichen Einwände des denkenden und (darum) nicht glaubenden Menschen beiseite und vergleiche die Taten und Lehren der Kirche(n) mit dem, was Jesus sagte, oder auch nur von den Evangelien in den Mund gelegt wurde.
Schlagen wir also die Schläger mit ihren eigenen Waffen!
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[1] Gotthold Ephraim Lessing, Über den Beweis des Geistes und der Kraft, S. 13: „… das ist der garstige breite Graben, über den ich nicht kommen kann, so oft und ernstlich ich auch den Sprung versucht habe.“

Seiten: 1 2 3 4 5

Aphorismus #702

I often say that when you can measure what you are speaking about, and express it in numbers, you know something about it; but when you cannot measure it, when you cannot express it in numbers, your knowledge is of a meagre and unsatisfactory kind; it may be the beginning of knowledge, but you have scarcely in your thoughts advanced to the state of Science, whatever the matter may be.

Lord Kelvin (1824 – 1907), Electrical Units of Measurement

Aphorismus #701

Betende Hände 2010

Aphorismus #700

Es geht auch anders:

Die Idee von al-Andalus [1] als einem Ort des Miteinanders, der convivencia, ist mehr als ein Mythos; sie war, zumindest zeitweise, konkrete historische Realität. Die besondere Kraft dieses Ideals speist sich gerade daraus, daß er eben nicht nur gedankliches Konstrukt, kein Hirngespinst maurophiler Romantiker ist, sondern pralle Lebenswirklichkeit. Im Zeitalter der Taifa-Königreiche [2] entstand eine andalusische Kultur, ein andalusisches Lebensgefühl, das die Religionsgrenzen überstieg und ein – keineswegs immer harmonisches, aber doch insgesamt kooperatives – Zusammenleben von Muslimen, Juden und Christen ermöglichte.

Und das machte religiöser Eifer daraus:

Das al-Andalus der Taifa-Zeit wurde zerrieben zwischen christlichem und islamischem Fundamentalismus. Die Konfrontation zwischen den Religionen hat die Oberhand behalten, es kam zum gnadenlosen Kampf zwischen einem europäisch radikalisierten Christentum und einem afrikanisch radikalisierten Islam; Kreuzzug stand gegen Djihäd.

Georg BossongGeschichte und Kultur des maurischen Spanien, zitiert nach „Convivencia: Al-Andalus, ein Mythos?“ auf hagalil.com

Und diese sehenswerte Dokumentation hat mich auf das Thema gebracht: Spanien unter dem Halbmond

Und dass es noch heute geht- ein befruchtendes Miteinander- beweist dieses bemerkenswerte Video. Ich bin weder ein Fan vom Gestampfe des Flamenco noch vom Gejammere der Sufi-Musik. ;-) Aber beides zusammen ist einfach fantastisch. Und dass am Ende eine unverschleierte Frau ihre entfesselte Version des Sufi-Tanzes aufführt, ist grandios!
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[1] Al-Andalus (arabisch ‏الأندلس‎) ist der arabische Name für die zwischen 711 und 1492 muslimisch beherrschten Teile der Iberischen Halbinsel.
[2] Als Taifa-(König-)Reiche (spanisch: reinos de taifas) bzw. Taifas (von arabisch ‏طائفة‎, DMG tāʾifa, „Schar, Gruppe, Partei“; Plural: ‏طوائف‎ / tawāʾif) bezeichnet man jene muslimischen Kleinkönigreiche und -fürstentümer in al-Andalus, dem von Muslimen beherrschten Teil der Iberischen Halbinsel, die durch den Zerfall des Kalifats von Córdoba in den ersten Jahrzehnten des 11. Jahrhunderts entstanden waren.

Aphorismus #699

Soap and education are not as sudden as a massacre, but they are more deadly in the long run.

Mark Twain, eigentlich Samuel Langhorne Clemens, der heute vor 100 Jahren gestorben ist.

Veröffentlicht in: on Mittwoch, 21. April 2010 at 00:02  Hinterlasse einen Kommentar  
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