Aller schlechten Dinge sind drei (Wahlgänge)

Nach dem Bundeshorst also nun den Bundespapst.

Wer war nochmal so naiv zu meinen, es könne nicht schlimmer kommen?

Aphorismus #769

Überhaupt hat man diesbezüglich in den vergangenen Jahrzehnten zu lange abgewartet und weggeblickt, das Religiöse als das Private par excellence erklärt, es als politisch nicht relevant ausgeklammert. Inzwischen ist dieses Versäumnis deutlich geworden, lässt sich das Religiöse nicht mehr ausklammern oder wegsperren. Es klopft umso heftiger an alle Türen. Tabuisierung ist jedenfalls bei großen Fragen nie eine Lösung!

Christian Wulff- „nur“ als Ministerpräsident in einer Rede zum ThemaDer interreligiöse Dialog als Aufgabe unserer Gesellschaft
Sage keiner, er hätte uns nicht gewarnt!

Aphorismus #768

Dass wir heute zwischen einem protestantischen Pfarrer und einem bibeltreuen Christdemokraten [als neuen Bundespräsidenten] wählen müssen, zeigt nicht nur, dass die Interessen der am stärksten wachsenden Bevölkerungsgruppe, nämlich der Konfessionsfreien, ignoriert werden, sondern auch, wie erbärmlich das intellektuelle Niveau der deutschen Politik ist!

Wie recht Michael Schmidt-Salomon, Vorstand der Giordano-Bruno-Gesellschaft, doch hat.

Aphorismus #767

Calling Atheism a religion is like calling bald a hair color.*

Don Hirschberg
____________
* Sehr frei wiedergegeben: „Für wen Atheismus eine Religion ist, für den ist Glatzköpfigkeit auch eine Haarfarbe.“

Aphorismus #766

Wort zum Sonntag #59

Blasphemy the Movie

(Alle Teile bei youtube mit oder ohne die englischen Untertitel)

Nicht nur für alle Fußball-Abstinenten geeignet, sondern überhaupt eine kurzweilige Unterhaltung rund um das Thema „Coming out“- das eines Atheisten in einer katholischen Familie. In einer sehr katholischen Familie. Wer je mit Frommen zu tun hatte, oder gar seine Kindheit in bigotter Umgebung durchleiden durfte, weiß: Nichts ist so lächerlich wie die Wirklichkeit. Und nichts macht Menschen lächerlicher als  Religion. O.K: Fußball und nationale Besoffenheit kriegen das auch hin. Ist ja sowieso für viele Religion.

Aphorismus #765

Satire hat eine Grenze nach oben: Buddha entzieht sich ihr. Satire hat auch eine Grenze nach unten. In Deutschland etwa die herrschenden faschistischen Mächte. Es lohnt nicht – so tief kann man nicht schießen.

Kurt Tucholsky (1890 – 1935), „Schnipsel“, 1973, S. 119

Veröffentlicht in: on Samstag, 26. Juni 2010 at 00:02  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags: , , , , , ,

Aphorismus #764

The words of the prophets are written on the subway walls
And tenement halls.

Simon & Garfunkel, Sounds of Silence

Aphorismus #763

Brot und Spiele braucht das Volk.

Juvenal (60 – 127/138? n.d.Z.)

Veröffentlicht in: on Donnerstag, 24. Juni 2010 at 00:02  Kommentare (1)  
Tags: , , , ,

Aphorismus #762

Der Gedanke, es durch Demut zu irgendeiner abstrakten Vollkommenheit zu bringen, sich über alle andern zu erheben, kann die Frucht entweder des Dünkels oder des Schwachsinns sein und führt in beiden Fällen unvermeidlich zur Heuchelei.

Der russische Literaturkritiker Wissarion Grigorjewitsch Belinski in einem Brief an Nikolai Gogol vom 15. Juli 1847
Der letzte Satz des Wikipedia-Artikels ist sehr erhellend: Die Erwähnung seines Namens war bis 1856 in der russischen Presse verboten.

Aphorismus #761

Die Mehrzahl der Menschen muss zum Erwerb von Gebrauchsgütern ihre Arbeitkraft verkaufen, was bei systemimmanenter und unumkehrbarer Reduktion des Kostenfaktors Arbeit zunehmend schwieriger wird. Dementsprechend groß sind die gesellschaftlichen Bemühungen, diese erbärmlichen Verhältnisse den teilnehmenden Subjekten erfolgreich als Leben zu verkaufen. Ohne das Elend der Arbeit auch nur einem einzigen Menschen zu wünschen, ist dessen Verknappung doch der sichere Weg zur Verschärfung der sozialen Umstände.

Europa ist auch keine Lösung, veröffentlicht unter dem Pseudonym Josip Broz auf: „und…?!“ – Fachzeitschrift zur Unterstützung linksradikaler Diskussionen

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.