Aphorismus #831

Art of War

Afghanistan Stability/COIN Dynamics Security
Slide from a military Power Point presentation (Source: Office of the Joint Chiefs of Staff)

Und das meinen die begeisterten Kritiker:

… striving to create works that are easy to comprehend has never been a strong point for postmodern conceptual artists…
While their work has a strong political dimension, the Joint Chiefs have to their credit avoided the tedious moralizing so common with much of today’s political art. By dispensing with outdated notions of craft, skill, and narrative (at least one that makes any sense), the Chiefs have given us a hardheaded no-nonsense look at what really lies behind America’s “necessary war” - confusion, bewilderment, and stupefaction
.
Mark Vallen, COIN: Pentagon Postmodern

And You Thought Health Care Was Complicated?
Seth Weinberger

When we understand that slide, we have won the war.
Der ehemalige ISAF-Kommandeurs General Stanley A. McChrystal

Es gibt aber auch negative Kritiken, die aber nur zeigen, dass ihre Verfasser NICHTS verstanden haben:

I believe that this is a case of a bad workman blaming his tools.
Joey deVilla, PowerPoint is NOT the Enemy

For headquarters staff, war consists largely of the endless tinkering with PowerPoint slides to conform with the idiosyncrasies of cognitively challenged generals in order to spoon-feed them information. Even one tiny flaw in a slide can halt a general’s thought processes as abruptly as a computer system’s blue screen of death
The commander’s immediate subordinates, usually one- and two-star generals, listen
to the CUA in a semi-comatose state. Each briefer has approximately 1 or 2 minutes to impart either information or misinformation. Usually they don’t do either. Fortunately, none of the information provided makes an indelible impact on any of the generals.
Lawrence Sellin, Ph.D., colonel in the U.S. Army Reserve and a veteran of the conflicts in Afghanistan and Iraq – Bis zu diesem Kommentar.

Aufmerksam geworden bin ich auf dieses grandiose Stück Kriegskunst auf telepolis: Der Krieg und PowerPoint von Florian Rötzer

Aphorismus #830

Ich bin kein Rassist.

Damit hätte Thilo Sarrazin alles geklärt. Warum also die Aufregung?

Veröffentlicht in: on Montag, 30. August 2010 at 00:02  Kommentare (3)  
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Aphorismus #829

Wort zum Sonntag #68

Der tolle Mensch

Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittage eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: „Ich suche Gott! Ich suche Gott!“ — Da dort gerade Viele von Denen zusammen standen, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein grosses Gelächter. Ist er denn verloren gegangen? sagte der Eine. Hat er sich verlaufen wie ein Kind? sagte der Andere. Oder hält er sich versteckt? Fürchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert? — so schrieen und lachten sie durcheinander. Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. „Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getödtet, — ihr und ich! Wir Alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir diess gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was thaten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Giebt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen nicht Laternen am Vormittage angezündet werden? Hören wir noch Nichts von dem Lärm der Todtengräber, welche Gott begraben? Riechen wir noch Nichts von der göttlichen Verwesung? — auch Götter verwesen! Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getödtet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besass, es ist unter unseren Messern verblutet, — wer wischt diess Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? Welche Sühnfeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden müssen? Ist nicht die Grösse dieser That zu gross für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie eine grössere That, — und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser That willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!“ — Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuhörer an: auch sie schwiegen und blickten befremdet auf ihn. Endlich warf er seine Laterne auf den Boden, dass sie in Stücke sprang und erlosch. „Ich komme zu früh, sagte er dann, ich bin noch nicht an der Zeit. Diess ungeheure Ereigniss ist noch unterwegs und wandert, — es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Thaten brauchen Zeit, auch nachdem sie gethan sind, um gesehen und gehört zu werden. Diese That ist ihnen immer noch ferner, als die fernsten Gestirne, — und doch haben sie dieselbe gethan!“ — Man erzählt noch, dass der tolle Mensch des selbigen Tages in verschiedene Kirchen eingedrungen sei und darin sein Requiem aeternam deo angestimmt habe. Hinausgeführt und zur Rede gesetzt, habe er immer nur diess entgegnet: „Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Grüfte und Grabmäler Gottes sind?“

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900), Die fröhliche Wissenschaft: 125 – Der tolle Mensch

Aphorismus #828

If by Godot I had meant God I would have said God, and not Godot.

Womit eine wichtige Frage ein für allemal durch Samuel Beckett (1906 – 1989) selbst geklärt wurde.

Veröffentlicht in: on Samstag, 28. August 2010 at 00:02  Hinterlasse einen Kommentar  
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Aphorismus #827

Das schauerlichste Übel also, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr.

Epikur (342 – 270 v.d.Z.), Brief an Menoikeus

Aphorismus #826

I will survive
as long as i know how to love
I know I will stay alive
I’ve got all my life to live
I’ve got all my love to give
and I’ll survive
I will survive

Aphorismus #825

Die Identifikation eines Nutznießers (das sogenannte cui bono?) ist für viele Zeitgenossen der Lieblingstrick, wenn es darum geht, die Verantwortlichen für politische (oder ökonomische) Ereignisse zu benennen. Dass es sich dabei meist um eine Idiotenmethode handelt, wird klar, wenn man sie konsequent anwendet; dann käme heraus, dass die Bauern den Regen machen und die Pinguine daran schuld sind, dass es in der Antarktis so kalt ist. Der Vorteil dieser Argumentationsvariante: Sie ist leicht zu handhaben und führt immer zum gewünschten Resultat.

Stefan Frank, Die Kanonade von Zchinwali, konret 8/2010 S. 28f

Veröffentlicht in: on Mittwoch, 25. August 2010 at 00:02  Kommentare (3)  
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Aphorismus #824

Einen Aphorismus kann man in keine Schreibmaschine diktieren. Es würde zu lange dauern.

Karl Kraus (1874 – 1936), Sprüche und Widersprüche 1909

Veröffentlicht in: on Dienstag, 24. August 2010 at 00:02  Hinterlasse einen Kommentar  
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Aphorismus #823

Ich ahne, wovon ich spreche, meine Damen und Herren.

Früher hieß es Si tacuisses, philosophus mansisses. Für unsere Politiker heute gilt diese Weisheit nicht mehr, wie es unsere Bundeskanzlerinnendartsellerin Angela M. in einer Rede vor dem Steinkohletag in Essen 2007 in entwaffnender Offenheit zugibt. Konsequent ist sie seitdem ihren alternativlosen Weg von den wenigen Ahnungen zur vollkommenen Ahnungslosigkeit gegangen. Sage niemand, sie hätte uns nicht gewarnt.

Aphorismus #822

Wort zum Sonntag #67

Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.
Karl Marx

Eine kleine Zitatensammlung*

Religion ist eine menschliche Erfindung, die sich schleichend ausbreitet. Man weiß sehr wohl, wie sie beginnt, wie sich schüchtern die ersten Kulte etablieren und dann entwickeln, wie die ersten Götter Gestalt annehmen und diverse Funktionen bekommen, und wie sich ihre Zahl verringert, bis es schließlich nur noch einen gibt.

Umberto Eco

Die Religion hat viel Schlechtes und nur wenig Gutes hervorgebracht.

Claude Adrien Helvétius (1715 – 1771), französischer Philosoph

Gefängnisse werden mit den Steinen des Gesetzes erbaut, Bordelle mit den Backsteinen der Religion.

William Blake (1757 – 1827), englischer Dichter

Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten.

Albert Einstein (1879 – 1955)

Religion ist Feigheit vor dem Schicksal. Nichts weiter.

Rudolf von Delius (1878 – 1946), deutscher Schriftsteller und Philosoph

Die Religion stützt sich vor allen und hauptsächlich auf die Angst.

Ich betrachte die Religion als Krankheit, als Quelle unnennbaren Elends für die menschliche Rasse.

Bertrand Russell (1872 – 1970)

Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen.

Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.

Karl Marx (1818 – 1883)

Der Religion ist nur das Heilige wahr, der Philosophie nur das Wahre heilig.

Ludwig Feuerbach (1804 – 1872)

Die Religion ist eine Krücke für schlechte Staatsverfassungen.

Religionen sind Kinder der Unwissenheit, die ihre Mutter nicht lange überleben.

Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)

Denken Sie an den betrübenden Kontrast zwischen der strahlenden Intelligenz eines gesunden Kindes und der Denkschwäche des durchschnittlichen Erwachsenen. Wäre es so ganz unmöglich, dass gerade die religiöse Erziehung ein großes Teil Schuld an dieser relativen Verkümmerung trägt?

Eine Neurose ist individuelle Religiosität, und Religion ist eine universelle Zwangsneurose.

Religion – den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.

Sigmund Freud (1856 – 1939)

Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz und ihre Ansprüche auf ein halbwegs menschenwürdiges Leben ersäufen.

Lenin (1870 – 1924)

Die Religion der Liebe, die christliche, ist seit mehr als achtzehn Jahrhunderten gegen alle Andersdenkenden eine Religion des Hasses, der Verfolgung, der Unterdrückung gewesen. Keine Religion der Welt hat der Menschheit mehr Blut und Tränen gekostet als die christliche, keine hat mehr zu Verbrechen der scheußlichsten Art Veranlassung gegeben; und wenn es sich um Krieg und Massenmord handelt, sind die Priester aller christlichen Konfessionen noch heute bereit, ihren Segen zu geben, und hebt die Priesterschaft der einen Nation gegen die feindlich ihr gegenüberstehende Nation flehend die Hände um Vernichtung des Gegners zu einem und demselben Gott, dem Gott der Liebe, empor.

August Bebel (1840 – 1913), deutscher sozialistischer Politiker
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* Man möge mir nachsehen, dass ich diesmal nur auf die Wikipedia-Artikel der Autoren verlinke und keine Quellenangaben mache- mehr war aus zeitlichen Gründen leider nicht drin. Jedoch sind es seriös scheinende Quellen aus dem Netz, aus denen die Zitate entnommen sind.

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