Aphorismus #892

Wort zum Sonntag #76

Gott heilt- vom Plattfuß bis zum Hirntumor!

Das behaupten jedenfalls lauthals die besonders eifrig Frommen innerhalb und außerhalb der Kirchen. Laut ihren Erzählungen können Lahme wieder gehen, Blinde sehen, Krebs verschwindet, ja sogar Tote wachen wieder auf! WOW! Die Ärzte könnten einpacken, wenn dies alles so zutreffen würde, wie behauptet und geglaubt wird. Hier ein paar Zitate aus einer ganz nüchternen, wissenschaftlichen Betrachtung zum Thema „Faith Healing„. Es geht dabei zwar in erster Linie um eine Kirche in den USA, aber bei den allermeisten Evangelikalen und Fundamentalisten, besonders bei den Charismatikern und Pfingstlern gehört bei allen einzelnen Unterschieden der Glaube an Wunder durch Gebet, Heilung durch Handauflegen und ähnliche Praktiken zum gemeinsamen Glaubenskanon. Die Kritik an einer Kirche ist darum sehr wohl generalisierbar: Sie glauben, dass ihr Glaube und ihr Gebet heilen kann, sie sind der festen Überzeugung, dass Gott eingreift und gesund macht. Und sie alle haben viele Beispiele zur Hand, die das belegen … sollen. Wenn es danach ginge, dürfte eigentlich niemand mehr krank sein. Aber die Realität sieht bekanntlich ganz anders aus:

Hilft Beten gegen Plattfüße?

… a patient who believed his flat feet would be healed (bones would crack and form an arch). Healers poked him, blew a shofar at his feet, and covered him with a blanket when he collapsed on the floor. When he got up, his feet were unchanged. But „his faith was not shaken, he said, because he felt so loved and maybe the physical healing was secondary to the spiritual experience he had.“

Nicht wirklich ein Alternative…

Den Comic in groß gibt es beim Klick auf’s Bild!

„Stehe auf, nimm dein Bett und wandle“ (Markus 2, 9)- und das möglichst publikumswirksam!  Aber was kommt danach?

There are many, many similar reports where follow-up found the patients still just as sick or worse off. Patients who “get up and walk” may not be healed. In one unfortunate case a woman was encouraged to get up out of her wheelchair and discard her braces at church. The faith healer proclaimed her “healed.” Unfortunately her cancer of the spine had weakened her bones, and the activity caused bones in her spine to collapse; she died not long after. The faith healing hastened her death and caused her unnecessary agony. For the faith healer and the witnesses at church and for the patient herself that day, it appeared to be a miraculous healing: they couldn’t have been more wrong! Incidentally, many of the faith healing patients who get up out of a wheelchair and walk had actually walked into church and had been offered wheelchairs they didn’t really need.

Beten, das ist billiger und wirksamer als jede Chemo-Therapie und hilft garantiert! Oder etwa nicht?

The explanations for most alleged cancer cures are: The patient never had cancer. (Was a biopsy done?) A cancer was cured or put into remission by proven therapy, but questionable therapy was also used and erroneously credited for the beneficial result. The cancer is progressing but is erroneously represented as slowed or cured. The patient has died as a result of the cancer (or is lost to follow-up) but is represented as cured. The patient had a spontaneous remission (very rare) or slow-growing cancer that is publicized as a cure.

Zombie-Alarm, oder doch nur ein Irrtum vom Amt?

One patient began to move shortly after she was declared dead, and she made a full recovery. This is uncritically accepted as a triumph of prayer and faith healing, without even considering other possible explanations. Which is more likely: that the doctor who declared her dead made a mistake or that a dead person returned to life? I know which I would bet on.

Glaube vollbringt Wunder- allerdings nur in den Augen der Gläubigen!

These faith healings are never documented properly or investigated, because the people involved want to believe, need to believe. If you challenge the pastor to participate in a formal study to establish that these healings are really occurring, you will get lots of rationalizations and backpedalling with no understanding of how science can go about testing for the truth of a claim. They have no interest in finding out if the healing is “real” because they already “know” it is real for them.

faith healing cartoon Pictures, Images and Photos

Was lernen wir daraus?

Faith healing can comfort, but it can also cause suffering if patients believe a failure to heal was their fault due to insufficient faith. It can be deadly when patients are led to believe they don’t need conventional medical treatment.

Der ganze Artikel sei nicht nur dem Skeptiker, sondern vor allem auch dem Gläubigen empfohlen: Kritisches Denken kann nicht schaden. ;-)

Aphorismus #891

Denn eines kann die legendäre „hochindustrialisierte moderne Gesellschaft“, die fast alles kann, nicht: Erklären, warum sie nicht funktioniert, jedenfalls nicht so, wie ihre Sonntagsredner das immer behaupten – zum Besten der Völker.

Hermann L. Gremliza, Betrug dankend erhalten. 1983 (leider vergriffen)

Aphorismus #890

Nicht ihre Menschenliebe, sondern die Ohnmacht ihrer Menschenliebe hindert die Christen von heute, uns – zu verbrennen.

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900), Jenseits von Gut und Böse, Viertes Hauptstück: Sprüche und Zwischenspiele. #104

Aphorismus #889

Beim Klick auf’s Bild gibt’s das volle Pfund deutscher Atomkraftwerke, zusammengestellt von Greenpeace.

AKWs braucht es nicht nur zur Gewinnmaximierung der Energie-Riesen, zur Versorgung von Politikern nach ihrer aktiven Zeit, AKWs werden auch von der Polizei gebraucht: Ihre permanente Aufrüstung muss schließlich begründet werden.

 

Diese Taktik hat noch nie was geändert:

Aphorismus #888

Das Grundübel unserer Demokratie liegt darin, dass sie keine ist. Das Volk, der nominelle Herr und Souverän, hat in Wahrheit nichts zu sagen.

Dieses Zitate stammt nicht von einem Berufsquerulanten, einem Altrevolutionär oder einem sonstigen Miesmacher, sondern vom angesehenen Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim. Wie Recht er doch hat.  “Unsere“ Bundesregierung ist nach Kräften bestrebt, dies tagtäglich zu belegen.

Und weil es so „schön“ ist, noch ein Zitat vom selben Autor:

Jeder Deutsche hat die Freiheit, Gesetzen zu gehorchen, denen er niemals zugestimmt hat; er darf die Erhabenheit des Grundgesetzes bewundern, dessen Geltung er nie legitimiert hat; er ist frei, Politikern zu huldigen, die kein Bürger je gewählt hat, und sie üppig zu versorgen – mit seinen Steuergeldern, über deren Verwendung er niemals befragt wurde. Insgesamt sind Staat und Politik in einem Zustand, von dem nur noch Berufsoptimisten oder Heuchler behaupten können, er sei aus dem Willen der Bürger hervorgegangen.

Aphorismus #887

… und gleich noch ‘n Lied, diesmal auf Deutsch:

Berlin

Wenn die Sonne fehlt, wenn der Regen läuft,
wenn die Unterschicht das Kindergeld versäuft,
wenn die Hunde wachen, ihre Haufen machen,
ja dann sind wir wieder in Berlin. 

Wenn die Fahrradfahrer, uns vom Bordstein fegen,
die Verrückten in der U-Bahn wieder laut mit sich selber reden,
wenn die Stressercliquen, dann ihr Zeug verticken,
ja dann sind wir wieder in Berlin.

Wenn die Autofahrer kurz am Amok streifen,
und die Hostelhorden durch die Straßen geifern,
wenn die Gullis stinken, und die Pärchen winken,
ja dann sind wir wieder in Berlin.

Wenn die Freiberufler die Cafés besetzen,
und die Laptopposer, sich aufs Neue vernetzen,
mit den Kreativen, und den ganz Naiven,
ja dann sind wir sicher in Berlin.

Wenn die Parkausflügler, dann die Schwäne füttern,
und die Allerblödsten, es gleich weitertwittern,
wenn wir zum Vorglühen, durch die Spätis ziehen,
ja dann sind wir alle in Berlin.

Wenn die Ökoeltern, sich zum Brunchen treffen,
und die Arschlochkinder, durch die Cafés kläffen,
wenn der Service hinkt, und nach Babykotze stinkt,
ja dann sind wir wieder in Berlin.

Wenn die Technoleichen, zur Afterhour schleichen,
und nur die Halbverstrahlten, Contenance behalten,
wenn dir Druffis taumeln, und die Durchis jaulen,
ja dann sind wir wieder in Berlin.

Lalalalalala lalalalala…. ja dann sind wir wieder: in Berlin.

Besonders die Strophe mit den Arschlochkindern hat es mir angetan…
Zu hören ist das gute Stück auf dem neuen Album „Songs Of L. And Hate“ von Christiane Rösinger. Leider kenne ich das Album noch nicht, aber das klingt ja schon mal sehr vielversprechend.

Veröffentlicht in: on Dienstag, 26. Oktober 2010 at 00:02  Kommentare (1)  
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Aphorismus #886

Masters of War

Come you masters of war
You that build the big guns
You that build the death planes
You that build all the bombs
You that hide behind walls
You that hide behind desks
I just want you to know
I can see through your masks. 

You that never done nothin’
But build to destroy
You play with my world
Like it’s your little toy
You put a gun in my hand
And you hide from my eyes
And you turn and run farther
When the fast bullets fly.

Gibt es einen besseren Kommentar zu den Schweinereien im Irak-Krieg, die dank wiki-leaks mal wieder für ein paar Tage in aller Munde sind? Gerne hätte ich auf die Originalfassung von Bob Dylan verlinkt. Aber Sony hat ja bekanntlich alle Dylan-Aufnahmen in Deutschland aus youtube herausgenommen. Darum verlinke ich hier auf ein paar schöne Alternativen:

Los geht es mit einer recht eigenwilligen “ Version des Hip-Hop-Produzenten und Schlagzeugers Questlove zusammen mit „GGALP“ (ein Teil seiner Band The Roots), d.h. Gitarre und Sousaphone (!). Das ergibt eine ganz vorzügliche Mischung in zwei Teilen: Teil 1, Teil 2 . Am Anfang braucht es ein wenig bis die Band in Fahrt kommt. Aber dann ist sie nicht mehr zu stoppen. Und wo sieht man sonst einen Sousaphone-Spieler im Metal-Posing?

Traditioneller gehen Eddie Vedder mit Pearl Jam das Stück an, jedoch dank E-Gitarre mit weit mehr Aggressivität als seinerzeit Dylan.

Wer auf Prog steht- dem sei sowieso deutsche Band RPWL empfohlen-, wird sicher an dieser Variante seine Freude haben.

Aus Dänemark kommt von „Dragontears“ ein psychedelisches Master of War.

Cher allerdings hätte es besser gelassen, Dylan zu singen. Nervig. Zum Glück ist sie aber nicht auf die Schnapsidee mit dem Reggae-Rhythmus gekommen, wie es hier geschehen ist.

Viel Spaß beim Finden der Lieblingsversion. Der Song hat es verdient!

Aphorismus #885

Wort zum Sonntag #75

Öffentlich geförderte Verführung Minderjähriger

Die für den Weltmarkt produzierte Zeichentrickserie „CHI RHO – Das Geheimnis“ ist eine deutsche Koproduktion zwischen der Cross Media Medienproduktion, dem Kinderkanal von ARD und ZDF, der Trickompany und der Beta Film, gefördert mit Mitteln der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) und mit Unterstützung der Evangelischen und Katholischen Kirche in Deutschland.

Wir wollen die Zuschauer faszinieren, sie sollen die Geschichten aus der Bibel erleben und mitfiebern.

Steffen Kottkamp, Programmgeschäftsführer des Kinderkanals (Ki-Ka)

„CHI RHO – Das Geheimnis“ versteht sich als hochwertiges und ansprechendes Angebot, Kindern auf unterhaltsame Art und Weise mit den Mitteln animierter Bilder Geschichten der Bibel näher zu bringen

Dr. David Hober, Geschäftsführer der katholischen Rundfunk- und Fernseharbeit im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz.

Die Vermittlung des christlichen Glaubens an die nächste Generation ist die wohl größte Herausforderung, vor der die Kirchen stehen. Es ist gut, dass sie diese mit CHI RHO in ökumenischer Verbundenheit in Angriff nehmen.

Oberkirchenrat Udo Hahn, Leiter des Referates „Medien und Publizistik“ der Evangelischen Kirche in Deutschland

Man stelle sich vor, statt um die Bibel würde es um den Koran gehen… Was wäre das Geschrei groß. Aber so. Die Bibel gehört ja nun mal zum „allerchristlichsten Abendland“ dazu, wie gebetsmühlenartig seit Jahren verkündet wird. Aber ständige Wiederholung macht Unsinn nicht besser:

Der KI.KA wollte die Serie. Die Programmmacher haben sich gesagt, die biblischen Geschichten sind die Grundlage unserer Kultur. Man kann Kinofilme, Kinderbücher, Politik und vieles mehr nicht verstehen, wenn man nicht die wichtigsten biblischen Geschichten kennt. Das ist noch wichtiger als die Grimmschen Märchen. Deshalb brauchen wir auch im Kinderprogramm ein religiöses Format. Gerade auch für Kinder in Ostdeutschland, die selber nicht mehr mit den biblischen Geschichten aufgewachsen sind. Menschen deuten ihr Leben ja in Erzählungen. Es ist ein wichtiges Phänomen der christlichen und jüdischen Kultur, dass wir unser Leben und Wirklichkeitsempfinden durch biblische Geschichten deuten. Diese Deutung muss unseren Kindern vermittelt werden. Das ist in erster Linie eine Bildungsaufgabe des öffentlichen Rundfunks, aber auch eine Herausforderung für den Kulturauftrag der beiden großen Kirchen.

Prof. Roland Rosenstock (Jahrgang 1966), Vater von drei Kindern, arbeitet als Religions- und Medienpädagoge an der Universität Greifswald und beantwortet unter anderem theologische Fragen von Kindern in der „Sendung mit der Maus“

Was ist mit den vielen anderen politischen, (religions)geschichtlichen und philosophischen Strömungen, die Europa mindestens genauso geprägt haben wie die Bibel? Was ist mit der Renaissance? Mit der Aufklärung? Mit der Moderne? Was mit Voltaire, Kant, Marx und wie sie alle heißen? Was mit Galilei, Newton, Einstein? – Ach ja. Erst muss man die Uhr um mindestens 2000 Jahre zurückdrehen, die Schwächsten, die sich nicht wehren können, anpredigen, denn nur dann werden die so Verführten (so wird es freudigst erwartet) den Popen aus der Hand fressen.
Und das alles gefördert von unseren GEZ-Gebühren und Steuern.
Zum Glück gibt es den Ausschalter.

Hier geht es zur Homepage zur Sendung, für alle, die leidensfähig sind und sich selbst ein Bild machen möchten.
Und hier habe ich den Hinweis darauf gefunden. Dem ausführlichen Kommentar ist nur zuzustimmen.

P.S.: Einen habe ich noch, der ist der absolute Brüller:

Bei CHI RHO – Das Geheimnis wird auf zeitgemäße und kindgerechte Art die Bedeutung von Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Respekt dargestellt.

Nochmal Dr. David Hober
Da macht sich mal wieder der Bock selbst zum Gärtner. Aber das können sie ia. Seit 2000 Jahren.

Aphorismus #884

Entscheidungen fallen auf Basis der eingestandenen Ahnungslosigkeit realistischer aus als aus einer Position der Selbstüberschätzung.

Volker Zotz, Die neue Wirtschaftsmacht am Ganges S.19

Aphorismus #883

883? Da war doch was?

Agit883 war von 6/1967 bis 2/1972 so etwas wie das „Zentralorgan“ der West-Berliner neuen Linken. Wer sich für diese Zeit interessiert, wer wissen will, wie seinerzeit gedacht, argumentiert und gehandelt wurde, hier gibt es die 68er ungefiltert im Originalton. Die RAF veröffentlichte 1971 ihre theoretische Grundschrift „Rote Armee Fraktion – Das Konzept der Stadtguerilla“ in der Agit883. Dass da schon mal ungeladene Gäste von Polizei und Staatsanwaltschaft Hausbesuche abstatteten, ist kein Wunder… 1981, 1983 und 1998 erschienen noch mal jeweils eine Ausgabe, außerdem gab es ein paar Nummern aus Bremen und Hannover. Das war’s dann.

Veröffentlicht in: on Freitag, 22. Oktober 2010 at 00:02  Hinterlasse einen Kommentar  
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