Aphorismus #924

Was vor allem erreicht werden muß, sind Gesetze, die die Menschen zwingen, „moralisch“ zu handeln.

Was den Kirchen in 2000 Jahren nicht gelang, versuchen nun die säkularen Religionen und ihre Propheten und Hohepriester zu erreichen, wie hier der selbst ernannte Tierrechtler Helmut F. Kaplan in „Tierbefreiung aktuell„, Juni 2002 (S. 26)

Aphorismus #923

Quelle: http://bakkemoen.posterous.com

Veröffentlicht in: on Montag, 29. November 2010 at 00:02  Hinterlasse einen Kommentar  
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Aphorismus #922

Wort zum Sonntag #80

Eine etwas andere Advents-Geschichte

»Und zu guter Letzt«, sagte Max, das Publikum wieder zum Schweigen bringend, und setzte seine feierliche Miene auf, »zu guter Letzt haben wir, glaub ich, heute abend eine Gruppe frommer Gläubiger hier bei uns, sehr andächtige Gläubige von der Kirche der Wiederkehr des Großen Propheten Zarquon.«
Es waren ungefähr zwanzig. Sie saßen rechts außen am Rand des Saales, waren asketisch gekleidet, nippten nervös an ihrem Mineralwasser und hielten sich aus der allgemeinen Fröhlichkeit heraus. Als der Scheinwerfer auf sie gerichtet wurde, blinzelten sie verärgert.
»Da sind sie«, sagte Max, »und sitzen geduldig da. Er hat gesagt, daß er wiederkommt und hat sie lange warten lassen. Also wollen wir hoffen, daß er sich ein bißchen beeilt Leute, denn er hat bloß noch acht Minuten Zeit!«
Die Gruppe der Anhänger Zarquons saß starr da und lehnte es ab, sich von den Wogen hartherzigen Gelächters, die über sie wegfegten, erschüttern zu lassen.
Max bändigte sein Publikum.
»Nein, im Ernst Leute, nichts für ungut, das sollte keine Beleidigung sein. Nein, ich weiß, man sollte sich über tief empfundene Überzeugungen nicht lustig machen, darum bitte einen herzlichen Applaus für den Großen Propheten Zarquon …«
Das Publikum klatschte höflich Beifall.
»… egal, wo er ist!«

Dieses wunderschöne Beispiel für geduldiges Warten von Gläubigen auf die Wiederkunft ihres Propheten – weil er es versprochen hatte – stammt aus Douglas Adams, „Das Restaurant am Ende des Universums“ (Ende Kapitel 18) und spielt tatsächlich kurz vor dem Ende des Universums. Ob die Christenheit auf den Advent ihres Herrn auch so lange warten wird? Aber immerhin haben sie 2000 Jahre schon hinter sich gebracht. Die paar Milliarden die noch folgen werden, sind da ein Klacks.

Aber Douglas Adams wäre nicht er selbst, wenn er da nicht noch eins drauf gesetzt hätte. Der Prophet erscheint tatsächlich, aber wozu?

»Der Himmel beginnt zu kochen!« schrie er [=Max]. »Die Natur stürzt in die gellende Leere! In zwanzig Sekunden ist das Universum am Ende! Und da, das Licht der Unendlichkeit bricht über uns herein!«
Eine entsetzliche Zerstörungswut tobte um sie her – und in dem Moment hörte man leise und zaghaft eine Trompete wie aus unendlicher Ferne tönen. Maxens Blick drehte sich zur Band. Aber keiner schien Trompete zu spielen. Plötzlich erschien flimmernd und wirbelnd ein Rauchwölkchen neben ihm auf der Bühne. Zu der einen Trompete gesellten sich weitere. Über fünfhundertmal hatte Max die Show geleitet, aber sowas war noch nie passiert. Bestürzt zog er sich von dem wirbelnden Rauch zurück, und während er das tat, materialisierte sich darin langsam eine Gestalt, die Gestalt eines uralten bärtigen Mannes in einem langen Gewand, der in Licht gehüllt war. In seinen Augen kreisten Sterne, und auf dem Kopf trug er eine goldene Krone.
»Was ist denn das?« flüsterte Max mit wildem Blick, »was ist denn jetzt tos?«
Ganz hinten im Restaurant sprangen die Leute mit den versteinerten Gesichtern von der Kirche der Wiederkehr des Großen Propheten Zarquon verzückt auf, stimmten Choräle an und schrien.
Max blinkerte verdutzt mit den Augen. Er schleuderte seine Arme in Richtung Publikum.
»Einen herzlichen Applaus, meine Damen und Herren«, brüllte er, »für den Großen Propheten Zarquon! Er ist da! Zarquon ist wiedergekehrt!«
Donnernder Applaus brach los, als Max über die Bühne schritt und dem Propheten das Mikrofon reichte.
Zarquon hustete. Er ließ den Blick durch die versammelte Menge schweifen. Die Sterne in seinen Augen blinkten verlegen. Mit dem Mikrofon wußte er vor Verwirrung nicht wohin.
»Äh …«, sagte er, »hallo. Äh, tja, ich komme leider ein bißchen spät. Habe ‘ne gräßliche Zeit hinter mir, alle möglichen Dinge tauchen ja immer erst im letzten Moment auf.«
Die erwartungsvolle, ehrfürchtige Stille schien ihn zu ängstigen. Er räusperte sich.
»Äh, wie steht‘s mit der Zeit?« fragte er. »Ich habe bloß eine Min …«
Und so endete das Universum.

Aphorismus #921

Die Wahlphilosophie der Parlamentskandidaten besteht demnach einfach darin, daß sie ihrer linken Hand erlauben, nicht zu wissen, was ihre rechte Hand tut, und so waschen sie beide Hände in Unschuld. Ihre Hosentaschen zu öffnen, keine Fragen zu stellen und an die allgemeine Tugend der Menschheit zu glauben – das dient ihren Absichten am allerbesten.

Diese Einsicht über die wahren Gründe, warum sich das Kapital den Luxus von Parlamenten und Wahlen gönnt, hatte Karl Marx bereits 1859. Es erübrigt sich die Frage, ob sich daran etwas geändert hat. Politiker haben nun mal höchstens ein virtuelles Gewissen. Mehr können sie sich nicht leisten.

Aphorismus #920

Musikalischer west-östlicher Divan

Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.

Johann Wolfgang von Goethe, West-östlicher Divan

Blues zusammen mit mongolischem Obertongesang, geht das? Und ob das geht! In meinem derzeitigen Lieblings-Blog für Garage-, Psychedelic-, Prog- und Folkrock der 60er und 70er* habe ich diese erstaunliche Entdeckung gemacht. – Ich hatte vor Jahren einmal das Vergnügen mongolischen Obertongesang live zu hören. Das ging mir ganz ohne esoterischen Schnickschnack durch Mark und Bein.

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* Richtig interessant wird PHROCKBlog allerdings erst nach kostenloser Anmeldung, dann kann man fleißig mitdiskutieren und die musikalischen Schätze sind nicht nur zum Anschauen da. Wer auf die oben genannten Genres steht, kommt an PHROCKBlog nicht mehr vorbei, vor allem seit ChrisGoesRock wohl auf Dauer offline ist.

Veröffentlicht in: on Freitag, 26. November 2010 at 00:02  Hinterlasse einen Kommentar  
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Aphorismus #917

Wenn man im Namen der Nichtdiskriminierung die katholische Kirche zwingen will, ihre Position zur Homosexualität oder zum Frauenpriestertum zu ändern, dann heißt das, dass sie nicht mehr ihre eigene Identität leben darf, und dass man stattdessen eine abstrakte Negativreligion zu einem tyrannischen Maßstab macht. Das ist dann anscheinend die Freiheit – allein schon deshalb, weil es die Befreiung vom Bisherigen ist.

DAS hat Papst Benedikt XVI. auch in dem Interviewbuch gesagt, das wegen seiner Aussagen zum Gebrauch von Kondomen derzeit medial Furore macht. Aber DAS ist fast nirgends zu lesen.
Dass derjenige intolerant ist, der der katholischen Kirche deren Intoleranz vorhält, und nicht die Mutter Kirche selbst, das ist mal wieder ein  schönes Beispiel katholischer Wortverdrehung. Darin bleibt sich der Papst einfach treu.

Aphorismus #916

Sollte es in Deutschland einen Terroranschlag geben, werden wir eine Hysterie erleben, die bisher ohne Beispiel ist. Dann werden Schubladen geöffnet [im Hinblick auf neue Gesetze]. Wenn sich die Justiz verweigert, wird die Politik in die Bresche springen, am Ende wird es womöglich einen diffusen Tatbestand der Verschwörung geben.*

Der frühere Generalbundesanwalt Kay Nehm auf einer Veranstaltung des Deutschen Anwaltsvereins 2005, zitiert nach Peter-Alexis Albrecht, Das nach-präventive Strafrecht: Abschied vom Recht, S. 7
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* Um die Aussage, pointierter zu formulieren, habe ich die Mischung aus indirekter und direkter Rede der zitierten Stelle vereinheitlicht.

Aphorismus #915

Es sind die Gesunden, die Glatten, die Asketen, die den Terror der Tugend verbreiten. Gemüse ist ihr Fleisch. Aber es muss der Verzicht auf das Steak stets mit der Möglichkeit eines Erdbebens verrechnet werden.

Dieses schöne Wort über die Penetranz der Gesundheitsfetischisten und des neuen Asketentums habe ich einer Kurzbeschreibung des Buchs „Glänzende Zeiten“ von Adam Soboczynski entnommen. – Meine Gedanken zum Thema finden sich in meinem Wort zum Sonntag #64 „Mäßigt euch!“, wo ich auf die religiösen Wurzeln der Askese und ihre zeitgenössischen säkularisierten Erscheinungsformen eingehe.

Aphorismus #914

Im allgemeinen liegt es in der Art aller theologischen und auch metaphysischen Gedankengänge zu versuchen, eine Sinnlosigkeit durch eine andere zu erklären.

Michail Bakunin (1814 – 1876), Gott und der Staat

Veröffentlicht in: on Montag, 22. November 2010 at 00:02  Kommentare (2)  
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Brief eines Denunzianten

An den
Bundesinnenminister Thomas de Maziére,
Bundesministerium des Innern
Alt-Moabit 101D
10559 Berlin

Per e-mail: poststelle@bmi.bund.de

Guten Tag, Herr Innenminister de Maizière,

seit einigen Tagen wird in den Medien berichtet, dass Sie mich brauchen, um den internationalen Terrorismus zu bekämpfen: »Ich möchte die Bevölkerung bitten, in ihrem Umfeld wachsam zu sein und alles, was ihnen verdächtig erscheint, der Polizei zu melden« (NRZ, 09.11.11).

Natürlich will ich Ihrem Appell zur allgemeinen Denunziation sofort Folge leisten. Aber Sie werden sicherlich verstehen, dass ich meine sehr wichtigen und höchst sicherheitsrelevanten Beobachtungen direkt Ihnen mitteile, denn – wer weiß, wie stark der internationale Terrorismus bereits die deutschen Polizeistellen zersetzt hat.

Hier findet sich der Rest dieses wirklich wichtigen Briefs eines aufmerksamen und verantwortungsbewussten Bürgers. Unbedingt lesen und mitmachen!

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