Wort zum Sonntag #80
Eine etwas andere Advents-Geschichte
»Und zu guter Letzt«, sagte Max, das Publikum wieder zum Schweigen bringend, und setzte seine feierliche Miene auf, »zu guter Letzt haben wir, glaub ich, heute abend eine Gruppe frommer Gläubiger hier bei uns, sehr andächtige Gläubige von der Kirche der Wiederkehr des Großen Propheten Zarquon.«
Es waren ungefähr zwanzig. Sie saßen rechts außen am Rand des Saales, waren asketisch gekleidet, nippten nervös an ihrem Mineralwasser und hielten sich aus der allgemeinen Fröhlichkeit heraus. Als der Scheinwerfer auf sie gerichtet wurde, blinzelten sie verärgert.
»Da sind sie«, sagte Max, »und sitzen geduldig da. Er hat gesagt, daß er wiederkommt und hat sie lange warten lassen. Also wollen wir hoffen, daß er sich ein bißchen beeilt Leute, denn er hat bloß noch acht Minuten Zeit!«
Die Gruppe der Anhänger Zarquons saß starr da und lehnte es ab, sich von den Wogen hartherzigen Gelächters, die über sie wegfegten, erschüttern zu lassen.
Max bändigte sein Publikum.
»Nein, im Ernst Leute, nichts für ungut, das sollte keine Beleidigung sein. Nein, ich weiß, man sollte sich über tief empfundene Überzeugungen nicht lustig machen, darum bitte einen herzlichen Applaus für den Großen Propheten Zarquon …«
Das Publikum klatschte höflich Beifall.
»… egal, wo er ist!«
Dieses wunderschöne Beispiel für geduldiges Warten von Gläubigen auf die Wiederkunft ihres Propheten – weil er es versprochen hatte – stammt aus Douglas Adams, “Das Restaurant am Ende des Universums” (Ende Kapitel 18) und spielt tatsächlich kurz vor dem Ende des Universums. Ob die Christenheit auf den Advent ihres Herrn auch so lange warten wird? Aber immerhin haben sie 2000 Jahre schon hinter sich gebracht. Die paar Milliarden die noch folgen werden, sind da ein Klacks.
Aber Douglas Adams wäre nicht er selbst, wenn er da nicht noch eins drauf gesetzt hätte. Der Prophet erscheint tatsächlich, aber wozu?
