Aphorismus #539

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Aphorismus #538

Die Erinnerung ist das einzige Paradies, woraus wir nicht vertrieben werden können.

Jean Paul (1763 – 1825), Die unsichtbare Loge

Veröffentlicht in: on Mittwoch, 11. November 2009 at 00:02 Kommentare (1)
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Aphorismus #537

Luther erschütterte Deutschland – aber Franz Drake beruhigte es wieder: Er gab uns die Kartoffel.

Heinrich Heine

Veröffentlicht in: on Dienstag, 10. November 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
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Aphorismus #536

Wofür sich ehemalige DDR – Bürger schämen sollten*

Es gab nicht das ganze Jahr über Bananen und Apfelsinen. Zugleich war die Bevölkerung gezwungen, auf Grund jahrzehntelang stabiler Preise für Grundnahrungsmittel und Waren des täglichen Bedarfs auf spannende Preisvergleiche zu verzichten.
Es gab viel zu wenig Autos. Die Menschen mußten sich 20 Pfennig vom Munde absparen, um mit Tram, Bus, S-Bahn oder U-Bahn zu fahren.
Die DDR war ein Unrechtsstaat. Sie besaß eine Institution, die sonst in keinem zivilisierten Land auf der Welt existiert: einen Geheimdienst. Der Akzent liegt auf dem Wort einen, hat doch jede vernünftige Demokratie – von Israel über die USA bis zur BRD – gleich mehrere davon.
Es gab keine Reisefreiheit. Kein Ein-Euro-Jobber (nicht mal einen vermochte man vorzuweisen) konnte – wie heute – problemlos drei- oder viermal im Jahr an die Südsee fliegen.
Post und Eisenbahn, Wasser- und Stromversorgung seit Ewigkeiten in Staatshand wurden um die Vorzüge der Privatisierung betrogen.
Man blockierte die freie Arbeitsplatzwahl, indem man eine Mauer errichtete, um im Osten ausgebildete Fachkräfte daran zu hindern, im Westen für die Kapitalisten tätig zu sein.
Weder Arbeitslose noch Obdachlose, weder Bettler noch hungernde Kinder sorgten für Abwechslung im Straßenbild.
Das Verhältnis zu Ausländern war ungesund gut. Den eigenen Leuten wurde einfach nicht gestattet, ihre nationale Überlegenheit auszuspielen.
Es mangelte an Gewaltverbrechern aller Art, weshalb in Kriminalfilmen nur langweilige „Normaldelikte“ gezeigt werden mußten.
Auch die Freiheit für Kinder und Heranwachsende war drastisch eingeschränkt. In bedauerlicherweise flächendeckend vorhandenen Krippen und Kindergärten wurden die Kleinen gezwungen, ihre Notdurft kollektiv zu verrichten.
Man vergällte Halbwüchsigen mit kostenlosen Zirkeln und Arbeitsgemeinschaften den Spaß an der Langeweile und am Herumlungern.
Es gebrach der DDR an der notwendigen Beschränkung der Frauen auf die bewährten drei Ks: Küche, Kirche, Kinder.
Die Gleichberechtigung wurde drastisch übertrieben. Es gab keine föderale Bildungsvielfalt, bei der jeder Bezirk (heute Bundesland) über ein eigenes Schulsystem verfügt. Da es an reichen Eltern fehlte, mußte auch auf Privatschulen verzichtet werden. Noch schlimmer: Kinder von Arbeitern und Bauern hatten sogar Vorteile bei der Platzvergabe.
Es bestanden nur kümmerliche drei Krankenkassen. Heute weiß man, daß Deutschland mindestens 250 Einrichtungen dieser Art mit entsprechenden Gebäuden, Vorständen, Aufsichtsräten und anderen Attributen braucht.
Zur Gartenpflege oder anderen persönlichen Aufgaben mußte man den gesamten „SVKUrlaub“ in Anspruch nehmen. Er stand jedem Arbeitenden zu und betrug sechs Wochen.
Ein Zwei- oder Drei-Klassen-Gesundheitswesen war leider völlig unbekannt.
Beim Arzt wurde kein Eintrittsgeld erhoben. Zuzahlungen für Medikamente oder Kostenerstattung bei Zahnersatz wurden den Bürgern verwehrt.
Besonders empörend war die flache Einkommenspyramide.Selbst ein Minister verdiente höchstens das Fünffache eines guten Facharbeiters. Und das bei wesentlich längerer Arbeitszeit. Er mußte 20 % Lohnsteuer abführen, während sie für einen Arbeiter nur 5 % betrug. Infolge der indiskutabel niedrigen Mieten –sie betrugen maximal 10 % des Einkommens einer Familie – herrschte lange Zeit Wohnungsmangel. Die Möglichkeit, eine Luxusvilla in vorzüglicher Lage (und, versteht sich, zu entsprechendem Preis) zu erwerben oder zu beziehen, beschränkte der Unrechtsstaat auf Spitzenkünstler.
Die Bevölkerung wurde gezwungen, im Haushalt auf Wegwerfgeräte zu verzichten und statt dessen langlebige Industriegüter zu erwerben.
Knapp ein halbes Jahrhundert hinderte man deutsche Soldaten daran, im scharfen Einsatz und möglichst weit vom eigenen Land entfernt ihre kriegerischen Talente zu erproben.
Besonders verwerflich war die Teilnahme der DDR als unsichtbarer Dritter am Verhandlungstisch bei Tarifkonflikten in der alten Bundesrepublik.
Der deutsche Unrechtsstaat besaß – im Unterschied zum deutschen Rechts-Staat viel zu wenig Einwohner. Er stellte nur 5 % der Bevölkerung des „Ostblocks“ und nicht mal 0,03 % der Weltbevölkerung.
Als gravierendes Manko für die Demokratie erwies sich das völlige Fehlen von Listenwahlen. So konnte sich der Bürger nicht zwischender List der verschiedenen Listen frei entscheiden.
Besonders übel war die Einführung des berüchtigten Plebiszits, mit dem die neue Verfassung der DDR durch allgemeine Volksbefragung 1968 bestätigt wurde. In der BRD ist ein solcher Mißbrauch der Demokratie grundgesetzlich ausgeschlossen.
Als größtes Defizit aber wirkte sich die Tatsache aus, daß man es nicht verstand, allen Bewohnern der DDR die hier geschilderten gravierenden Mißstände nachhaltig ins Bewußtsein zu heben.
Sich dafür zu entschuldigen, besteht jeglicher Anlaß.

Dr.-Ing. Peter Tichauer
Quelle: http://comixfuzzy.de/ddr_buerger.pdf

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* So ganz bin ich nicht mit allem in diesem Text einverstanden, und doch ist er das nötige Antidot gegen die unsäglichen „Wir-Deutschen-feiern-uns-selbst-Jubel-Hymnen“, wie sie schon seit Wochen auf uns medial herabkommen wie der der Novemberregen: unaufhörlich, nervend und völlig nutzlos. Es bleibt nun mal dabei: in der BRD war noch nie alles gut. Und ist es jetzt erst recht nicht.
Und wenn noch jemand von der „friedlichen“ oder gar der „sanften“ Revolution salbadert, soll er sich hinten anstellen: es sind genügend Schläge auf den Hinterkopf für jeden da. Die Deutschen haben noch nie ‘ne anständige Revolution hinbekommen: weder 1848 noch 1918 noch 1989. Wird Zeit, dass sich das ändert. Lenin hatte einfach Recht!

Veröffentlicht in: on Montag, 9. November 2009 at 00:02 Kommentare (3)
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Aphorismus #535

Wort zum Sonntag #26

Jesus Christ Superstar

oder

Wie man es als einfacher Wanderprediger schafft, 2000 Jahre lang verehrt zu werden!

„Wenn die Kirchen machen würden, was Jesus gepredigt hat, die Welt wäre ein besserer Ort!“
„Wenn die Christen immer tun würden, was Jesus gewollt hat, dann könnte ich vielleicht auch glauben!“
„Nächstenliebe, Friedfertigkeit, Barmherzigkeit- alles Dinge, die Jesus wollte, und die Christen nicht tun!“
„Jesus war der erste Hippie! Deswegen musste er sterben!“
„Jesus wurde wegen seiner revolutionären Lehren hingerichtet. DAS hat den Mächtigen nicht gepasst!“

Es ist schon seltsam: mit wem man auch diskutiert, ob mit dem Hardcore-Katholiken, dem „normalen“ Kirchgänger, dem New-Age-Jünger, dem linken Aktivisten, dem Agnostiker oder sogar manchem Atheisten- eines eint sie fast immer: die Bewunderung für diesen Jesus von Nazareth! Das sollte einen doch sofort stutzig machen, oder? Dass Leute mit diametralen Positionen, wie es scheint, einen gemeinsamen Punkt haben: die Bewunderung für eine Person, in deren Namen Großes aber auch Furchtbares vollbracht wurde. Die Gründe für die Bewunderung des Nazareners sind allerdings sehr, sehr unterschiedlich. Ist er für die einen der Sohn Gottes und der kommende Herr und Richter der Welt, so ist er für die andere ganz einfach der Mensch, wie er sein sollte, der Sozialrevolutionär, der Weisheitslehrer, der Guru eines neuen Zeitalters oder oder… So hat jeder sein Bild von Jesus und darum hat er, wie es scheint, immer und überall große Fürsprecher. Aber woher rührt diese ungeteilte Beliebtheit? Warum hat Jesus so eine unverschämt gute Presse? Ich will dieser Frage hier nachgehen in den Kapiteln:

Jesus Riding a Dinosaur Pictures, Images and Photos

„Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd.
Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit.“
Offenbarung 19, 11
Irgendwie habe ich mir das anders vorgestellt…

Seiten: 1 2 3 4 5

Aphorismus #534

The Count Five
Psychotic Reaction

Kommt erst harmlos beatlesk daher, geht aber dann in der Mitte richtig gut ab…
Das alles geschrieben und gespielt 1965!
Bester US-Garage-Punk

Aphorismus #533

Manchmal fällt der Vorhang und alle Fragen sind offen.

Ken Howard als Max Cavanaugh

Veröffentlicht in: on Freitag, 6. November 2009 at 00:02 Kommentare (2)
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Aphorismus #532

Guy Fawkes*- the last man to enter Parliament with honourable intentions.

Britischer Volksmund

* Guy Fawkes wird heute in ganz England wie jedes Jahr tausendfach als Strohpuppe in der „Bonfire Night“ bzw. der „Guy Fawkes Night“ verbrannt zur Erinnerung an jene am 5.11.1605 gescheiterte Pulververschwörung- ein Lehrstück in Sachen Unterdrückung, Freiheitskampf und allseitigem Terror. Als zentrales Motiv aufgenommen und neu interpretiert in dem Comic und gleichnamigen Film“V for Vendetta„.

Veröffentlicht in: on Donnerstag, 5. November 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
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Aphorismus #531

Der wahre Weltuntergang ist die Vernichtung des Geistes,
der andere hängt von dem gleichgültigen Versuch ab, ob nach der Vernichtung des Geistes noch eine Welt bestehen kann.

Karl Kraus, Die Fackel Heft 261 (1908), S. 7

BILD via link

Veröffentlicht in: on Mittwoch, 4. November 2009 at 00:02 Kommentare (3)
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Aphorismus #530

Die Gegenwart ist schon ohne Jesus Christus schlimm genug.

Brian W. Aldiss, Terror (zitiert nach Georg Seeßlen, „James Joyce auf Acid“ in: konkret 11/2009 S. 64)