Ist Europa noch zu retten?

Ganz kurz gesagt: Nein!

Etwas ausführlicher: DIESES Europa: Nein!

Mit dieses Europa meine ich das Europa der Kommission, des Ministerrates, des Molochs Euro-Bürokratie und des machtlosen und im babylonischen Stimmenwirrwarr untergehenden Parlamentes. Dieses Europa des Lissaboner Vertrages, des Abbaus von sinnvollen nationalen Regelungen und Standards, der Ökonomisierung fast aller Lebensbereiche,  des sozialen Kahlschlages und der undurchschaubaren Entscheidungsfindungen: DIESES Europa ist nicht mehr zu retten. Es wird hoffentlich an sich selbst zu Grunde gehen. Unter der Last seines eigenen Wasserkopfes zusammenbrechen. Ansonsten droht ein undemokratischer Superstaat, dessen Regierungsarbeit schließlich nur noch durch klandestines Antichambrieren und pekuniär bestens ausgestattete Lobby-Arbeit bestimmt wird und nicht durch demokratische Willensbildung.

Darum braucht es ein NEUES Europa.

Endlich muss ein Schlussstrich gezogen werden unter die Politik der letzten Jahrzehnte. Sie ist schon lange eine Einbahnstraße, die zuletzt in eine Sackgasse geführt hat: Nichts geht mehr. Weder vor noch zurück. Was es braucht, ist der Mut zu einem kompletten Neuanfang. Ein Europa nicht mehr der Regierungen oder einzelner Nationen, nicht mehr der Verbände oder Lobbys, nicht mehr der Verordnungen und der Bürokratie, nicht mehr der Kommissare und ihres Machtanspruchs, sondern allein ein Europa der Menschen, des einen gemeinsamen europäischen Volkes.

Einheit entsteht nicht von oben, nicht durch Verträge oder Sonntagsreden, Einheit entsteht durch Teilhabe, durch Mitbestimmung, durch die Erfahrung: Jeder hat etwas zu sagen in diesem neuen Europa. Jeder Einzelne, ob Deutscher, Pole, Engländer oder Ire. Jede Stimme zählt. Keiner wird an die Wand gedrückt und benachteiligt.

Wie das erreicht werden kann?

  1. Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung. Diese setzt sich aus einer Mischung von Stimmen pro Land und Stimmen pro Einwohnerzahl zusammen. (Wenn es daran scheitern sollte, dann ist wirklich alles zu spät!) Die Vorbereitungen dazu sind das einzige, wozu die alten Strukturen noch gebraucht werden!
  2. Arbeit an dieser Verfassung. Dafür sollte genügend Zeit sein, bzw. die Versammlung wird sie sich selbst nehmen. In der Zwischenzeit ruhen alle anderen Aktivitäten der EU. Alles wird auf dem Status Quo vor der Wahl festgeschrieben. Für ein paar Jahre müsste dies m.E. funktionieren.
  3. Währenddessen und erst recht wenn das Ergebnis vorliegt, erfolgt eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit. Erst dann kommt es zur Abstimmung durch das europäische Volk. Diese sollte in doppelter Weise gezählt werden: Zustimmung je Nation (bei mehr als 50% ist dieses Land in der neuen EU dabei, wenn nicht, ist es erst einmal außen vor, kann aber jederzeit seinen Beitritt beantragen. Der nach einer neuerlichen Abstimmung der Wähler erfolgt.) und Zustimmung nach einzelnen Stimmen. Ist letztere EU-weit höher als 50% ist diese angenommen, wenn nicht, wird die EU stante pede aufgelöst. Das war’s dann und zwar für immer! Der Wille der Wähler ist unbedingt ernst zu nehmen.
  4. Kommt eine solche EU zustande, so wäre sie nicht nur demokratisch legitimiert, sondern sie wäre auch die EU der Bürger: eine wirkliche Demokratie.
  5. Danach bräuchte es m.E. Gemeinsamkeiten jenseits des Binnenmarktes und der gemeinsamen Außengrenzen, wie z.B. eine gemeinsame Sprache. Und da böte sich Englisch an, weil es die Sprache ist, die EU-weit am meisten als Fremdsprache beherrscht wird. Jedes Land behält selbstverständlich seine Sprache(n), aber ab dem Kindergarten gehört Englisch zur Pflicht, so dass in 20 Jahren sich jeder EU-Bürger mit jedem anderen unterhalten kann. Das schafft Verbindung und Gemeinschaft! usw

Ob dies realistisch ist? Ich befürchte nein. Zu sehr wollen die politische Kaste und das Kapital ihr Europa durchdrücken: mit allen Mitteln.

Aber träumen wird man ja noch dürfen!

Veröffentlicht in: on Donnerstag, 3. Juli 2008 at 18:12 Kommentare (1)
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Märchen des Ökonomismus #4

Die Meisterung von Krisen kann man getrost dem Markt überlassen

Nach einer kurzen Schrecksekunde, in der sogar ein Ackermann nach dem Staat rief, haben sich die Hüter der reinen marktradikalen Lehre wieder gefangen: “Business as usual” heißt die Devise. Dabei ist die Krise des Kapitalismus mit Händen greifbar. Man muss sich nur die Nachrichten aufmerksam verfolgen und von die neoliberalen Deutungsmustern, die und stets frei haus mitgeliefert werden, frei machen. Dann wird eines klar: Der Kapitalismus fährt derzeit so ziemlich alles mit Karacho gegen die Wand.

Angefangen bei den kleineren innerdeutschen und innereuropäischen Problemen:

  • die Verschleuderung des öffentlichen Eigentums
  • die durch diverse Steuersenkungen verarmten und überschuldeten öffentlichen Haushalte
  • die Privatisierung aller Gewinne der Kapitaleigner und die Sozialisierung ihrer Verluste (wie wieder einmal bei der US-Immobilienkrise geschehen)
  • die Unfähigkeit der Politik eigenständig und souverän zu handeln hervorgerufen durch eine maßlose Lobbyarbeit und die undurchschaubare Verflechtung von Politik und Wirtschaft
  • die allgegenwärtige neoliberale Ideologie, die einseitig angebotsorientiert ist und die Nachfrage überhaupt nicht im Blick hat
  • die Ökonomisierung aller Bereichen des Lebens von der Wiege bis zur Bahre immer verbunden durch einen irrwitzigen Sparzwang
  • das Sinken der Realeinkommen, gegen das nichts unternommen wird. Im Gegenteil: die Unternehmen werden einseitig auf Kosten der Lohnabhängigen entlastet
  • die gewollte Verarmung ganzer Bevölkerungsteile mit Hartz IV und der Agenda 2010

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Diese Liste kann gerne noch weitergeführt werden. Tag für Tag erleben es wir, wie unser LAnd fest im Würgegriff einer Elite ist, di ekein anderes Ziel kennt, als die eigenen Gewinne zu maximieren. Und dabei verliert sie alle Skrupel. (Erinnert sei hier noch einmal daran.)

Weltweit ist die Krise des Kapitalismus weit dramatischer und fordert immer mehr Opfer. Sie zeichnet sich aus durch:

  • die Unfähigkeit Konflikte jenseits des Rechtes des Stärkeren zu lösen. Das hat allein im Irak 100.000en Zivilisten das Leben gekostet.
  • die Unfähigkeit ein weltweites, gemeinsames, den Erfordernissen des Klimawandels (und nicht denen der Industrie) angemessenes Vorgehen zu finden, sich gegen die drohende Klimakatastrophe zu stellen. Nicht die USA unter George Bush sind die bösen Bremser. Auch sie sind nur Handlanger des Kapitals.
  • die Unfähigkeit der grassierenden globalen Spekulation Einhalt zu gebieten. Sie treibt die Preise für Energie und für Nahrungsmittel mehr in die Höhe als alle Nachfrage. Spekulation ist Teil des kapitalistischen Systems, aber sie ist inhuman und brutal, sie tötet Menschen und deswegen muss sie ein Ende finden!
  • das Fehlen der grundlegenden Menschenrechte in großen Teilen der Welt, als da sind: der elementare Schutz von Leib und Leben, genügend Nahrung, Wohnraum, Zugang zu sauberem Wasser, zu elementarer Bildung und zu einem funktionierenden Gesundheitssystem. Das dies auch anders geht als in Haiti oder in zahllosen Ländern Afrikas sieht man an Kuba.

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Es scheint so, als wenn der Kapitalismus mit dem “Turbolader” Globalisierung und dem “Nachbrenner” Neoliberalismus derzeit mehr und mehr seine eigene Krise beschleunigt und damit seinen Niedergang selbst produziert. Die dotcom-Blase platzte 2000, die Immobilienblase 2008. Wann kommt die nächste Blase, die platzt? Wie kommen wir aus dieser verhängnisvollen Abhängigkeit von der Börse und besonders von den institutionellen Anlegern frei? Geht das überhaupt?

Eine systemimmanente Lösung der Probleme gibt es m.E. nicht, da das derzeitige System auf völlig falschen Grundannahmen basiert: dass der Markt alles alleine regeln kann, dass Wirtschaftswachstum zwangsläufig Wohlstand für alle bedeutet, dass durch die Marktmechanismen ein gerechtes System entsteht usw.

Aber das wird nichts, das kann nichts werden. Ein falsches und Menschen verachtendes System, das nur wenige Gewinner, aber ein Gros an Verlierern kennt, kann niemals von selbst etwas dauerhaft  Positives hervorbringen.

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Was ist der freie Wille?

Auf jeden Fall keine statische und abstrakte Größe. Das zeigt sich schon allein dadurch, dass sich “Wille” im Gehirn nicht in einem bestimmten Areal festmachen lässt. Freier Wille oder Entscheidungsfreiheit ist die von uns bewusst erlebte Entscheidung, die uns einem inneren oder äußeren Handlungsimpuls nachgeben lässt oder nicht, die uns in einem Experiment einen Knopf drücken lässt oder nicht, die uns beim Klingeln der Glocke aufstehen lässt oder nicht, die uns einen Seitensprung machen lässt oder nicht, die uns den Abzug einer Waffe drücken lässt oder nicht.

Ein ganzes Bündel an vor- und unterbewussten Vorentscheidungen gehen dem voraus, ohne dass wir dies merken. Ein ganzes prägendes und geprägtes Leben liegt da hinter uns, ohne das wir uns im Moment der Entscheidung dessen bewusst sind. Ein ganzer Normenkatalog, den wir von den frühesten Kindertagen an erlernt haben,  zwingt uns da bereits in eine ganz bestimmte Richtung. Das wusste schon Freud, er hat sich in seiner Theorie für unseren modernen Geschmack zu “mythisch” ausgedrückt. Aber er hat zu Recht den Fokus auf die nicht bewussten Anteile unserer Verhaltensimpulse gelegt.

Auf physiologischer Ebene manifestiert sich der ganze Prozess der Entscheidungsfindung im Feuern der Neuronen in den unterschiedlichen Hirnregionen, im Ausschütten von verschiedenen Botenstoffen und in anderen physischen und chemischen Prozessen, die wir erst allmählich verstehen lernen. Alles ein Konglomerat aus Physik und Chemie einerseits und den Korrelaten Gefühl und Bewusstheit andererseits. Noch ist dieser äußerst komplexe Vorgang nicht enträtselt. Aber immerhin wissen wir, dass das Drehen an einer der Stellschrauben die unterschiedlichsten Auswirkungen haben kann: bei den Wirkungen von Psychopharmaka und Drogen auf die Neurotransmitter ist dies am besten erforscht. Bei direkter Einflussnahme auf die Gefühle und damit am Verhalten und Denken via Verhaltenstherapie, Gruppendynamik, Konfrontationstherapie etc ebenfalls.

Die Schwierigkeit aber besteht noch immer darin, diese unterschiedlichen Faktoren zusammenzubringen. Dass die sich dadurch ergebenden Fragen wie die nach dem freien Willen, nach Determiniertheit oder dem Bewusstsein uns in unserem Selbstbild unmittelbar betreffen, ist logisch. Und das macht die Antwortsuche noch zusätzlich so verflixt: Der Gegenstand der Neurowissenschaften ist zugleich untersuchtes Objekt UND untersuchendes Subjekt. Dessen sollten sich alle Forscher bewusst sein. Wenn ein gekränktes Ego (Ich bin nicht frei) die eigene Gekränktheit auf alle anderen überträgt (Ihr seid nicht frei), indem es seine Forschungsergebnisse narzisstisch überhöht (ICH habe es herausgefunden!) dann kann allein dieser Umstand die ganzen Ergebnisse stark verfälschen.

Auf jeden Fall liegt inzwischen eines mehr als nahe: Bewusstsein und Gefühl sind nicht Emanationen einer transzendenten Seele, sondern Ergebnis rein physiologischer Prozesse. Aber das wollen alle religiösen oder metaphysischen Weltdeuter nicht gerne hören.

Kriminelle USA

In einem Beitrag auf telepolis, dem Onlinemagazin schlechthin, ging es um die Anklage gegen verschiedene mutmaßliche Beteiligte an den Anschlägen auf das World-Trade-Center am 11.9.2201. Darin hieß es über einen Gefangenen: “Ein im Jahr 2006 freigegebenes Verhör-Tagebuch dokumentiert jedoch andere brutale Formen von Folter und Misshandlung, einschließlich langwährender (Isolations-)Haft, Schlafentzug, der Bedrohung mit Hunden, sowie der Anwendung extremer Temperaturen, sensorischer Angriffe (Lärm, Licht auch bei Nacht). Al Qahtani wurde außerdem 48 Tage lang bis zu 20 Stunden täglich verhört, zum Tragen von Frauenkleidern gezwungen und wie ein Hund an einer Leine herumgeführt.”

Bei solch einer Aufzählung bleibt einem mitdenkenden und mitfühlenden Leser erst einmal die Luft weg. Was da steht, unterscheidet sich kaum von den Schilderungen aus den Foltergefängnissen eines Pinochet oder Franco, Aber es ist keine Militärdiktatur, die das zu verantworten hat, sondern die, wie sie sich selbst sieht freiheitlichste Nation der Erde, die gegen die Achse des Bösen das Banner von Freiheit und Demokratie überall in der Welt hoch hält. So kann man sich täuschen!

Wird sich etwas nach der Wahl ändern? Wohl kaum!

Unter der Überschrift “Sollte es einen wundern?” habe ich folgendes geschrieben, das ich für hier ein wenig überarbeitet habe:

Die USA sind in jeder Hinsicht maßlos: als Gesellschaft und als Staat. Angefangen beim “american way of life”, für den seit Jahrzehnten der Rest der Welt teuer bezahlen muss. Das geht weiter bei der unersättlichen Gier nach Rohstoffen für die eigene Wirtschaft, besonders dem nach Öl. Weiter über ihr Großmachtgehabe als alleiniger selbsternannter Weltpolizist. Weiter über ihre als “war on drugs”, “war on terror” oder als vorgeblichen Kampf für Freiheit und Demokratie kaum verschleierte Hegemonialpolitik. Bis hin zu ihrem brutalen und Menschen verachtendem Umgang mit Kriminellen und solchen, die dazu gemacht werden nach der Devise “Beim dritten mal bist du raus!”

Die USA sind m.E. eine weithin brutalisierte Gesellschaft. Nicht durch irgendwelche bösen Kriminelle, sondern durch die von der weißen Mittelschicht geforderten und beförderten Gegenmaßnahmen: drakonische Strafen selbst für kleinste Vergehen, demütigender Umgang mit Gefangenen und Verurteilten (Braucht es wirklich immer und überall diese Fußfesseln?), Menschen verachtenden Boot-Camps für jugendliche Straftäter, die dort den brutalen Methoden durch vom Militär ausgebildete drill-instructors ausweglos unterworfen sind, einen offen zu Tage tretenden Rassismus (man sehe sich nur Strafmaße für Weiße und für Farbig oder Latinos an!) und nicht zuletzt mit der maßlosesten und brutalsten aller Strafen: der Todesstrafe.

Kann es da einen wundern, dass ganz selbstverständlich Folter auch zum Katalog der Unmenschlichkeiten in Justiz, Militär und Politik gehört?

Wenn die sogenannten Verbündeten der USA einen Arsch in der Hose hätten, dann würden sie endlich ihre verdammte Appeasement-Politik aufgeben und damit drohen, Amerika in ALLEN internationalen Gremien kalt zu stellen, und die eigenen Truppen aus allen Kriegsgebieten zurückziehen, in denen sie auf Druck der USA involviert sind. Das wäre mal echte FRIEDENS-Politik und ein wirklicher Kampf für FREIHEIT und DEMOKRATIE!

Aber das ist mal wieder zuviel verlangt. Wie immer, wenn es um die USA geht.

http://comixfuzzy.de

Eine Heilige Kuh namens “Geistiges Eigentum” *

Geistiges Eigentum ist ein Widerspruch in sich. Etwas Immaterielles kann niemals jemandem gehören. Schon gleich gar nicht einem Rechteverwerter, einer Plattenfirma oder einem Verlag. Das bringt nur der Kapitalismus fertig, in dem alles zur Ware wird. Die ganze Chose mit dem “Urheberrecht” würde schlagartig aufhören, wenn die Rechte allein bei den Urhebern, den Musikern und Autoren blieben.

Höchstens für die Vermarktung werden die Dinosaurier der Verwertungsindustrie noch gebraucht. Aber in den Zeiten des Internet ist auch das fraglich. Wieviel Lobby-, Gesetzes- und Ermittlungsarbeit, wieviel unsinnige Propaganda (sorry: Aufklärung), wieviel nutzlose manpower muss von Industrie, Staat und Gesellschaft geleistet werden, nur um die Interessen von ein paar wenigen durchzusetzen? Und das nur weil sie das Geld haben und an den Schalthebeln der Macht und der Medien sitzen! ” Wer das Geld hat, hat die Macht und wer die Macht hat, hat das Recht!”

http://www.open-access.net/

Dabei ist dieses System zutiefst undemokratisch: der Weltverband “International Federation of the Phonographic Industry” oder kurz “IFPI” wurde unter Geburtshilfe von Mussolini 1933 in Italien aus der Taufe gehoben. Ziel war die Schaffung eines mächtigen Monopole (sorry: Verbandes), der bestimmen sollte, wo es lang geht, der seine Vorstellungen bei den nationalen Gesetzgebern durchdrückem konnte. Und das ist noch heute so. Auch in der EU und im Bundestag. Und wie das mit Monopolen und Kartellen so ist, ihr Hunger nach mehr ist grenzenlos. Die neueste “Idee”: Das Wegwerfen von CDs verbieten.

Und was steht am Ende? Der geknebelte Konsument, dem vorgeschrieben wird, wann er was wie und wo sehen und hören darf. Der geknebelte Künstler, der nach Gutdünken vom Verwerter mit Brosamen abgespeist wird. Ein paar fette Firmen deren Rendite stimmt und die ihren Aktionäre glücklich machen. Und zu guter letzt eine völlig verarmte, weil auf Einheitsbrei getrimmte “Kulturindustrie”.Dieter Bohlen & Co. für alle!

So hätten sie es wohl am liebsten .....

Da empfehle ich doch lieber meine eigenen Five Faves. Dank youtube haben sie die richtigen Antidots :-)

* Original Gedankenspliiter war ein Forenbeitrag von mir zum 75. Geburtstag der ISPSI auf telepolis.

Renitenz statt Resilienz

“In der Physik und in der Technologie wird der Begriff der Resilienz benutzt, um die Eigenschaft eines elastischen Materials oder daraus bestehenden Körpers zu charakterisieren, seine ursprüngliche Form nach einer Deformierung - auf äußere Einwirkung hin - schnell wieder anzunehmen.” War Resilienz in der Psychologie bisher der Gegenbegriff zur Vulnerabilität und damit ein allgemeiner Begriff für die Fähigkeit eines Menschen mit belastenden Situationen klarzukommen, so ist Resilienz in der Arbeitspsychologie die plumpe Übertragung des technischen Modells auf die Psyche: Resilienz meint hier die Fähigkeit des Arbeitnehmers zur Anpassung an alle äußeren Arbeitsbedingungen, und seien diese noch so widrig. Ziel ist nicht wie früher im Arbeitsschutz, die Schaffung von Verhältnissen, die zumutbar sind, sondern die Stärkung des Einzelnen, dass er möglichst lange unzumutbare Arbeitsverhältnisse aushält.

Ehrlicher und offener kann gar nicht gesagt werden, was der Arbeitnehmer in den Augen der Arbeitsherren ist. Nämlich Arbeits-Material, das gewissen Ansprüchen genügen muss: formbar, dehnbar, bearbeitbar, flexibel. Und wenn es nicht mehr geht: hat sich die Arbeitskraft aufzurappeln und weiterzumachen!

Mein Gott, ist das Menschen verachtend. Und die Psychologie macht selbstredend mit. Aber in Wirklichkeit fragt keine alte Sau nach den Opfern als Menschen. Es geht nur um eines: ums Funktionieren, ums
Schaffen von Mehrwert für die Eigentümer, besser den Sklavenhaltern. Heute braucht es keine Peitschen mehr. Da hat es ein weit breiteres Instrumentarium: Wer nicht spurt, der fliegt. Wer nichts mehr leistet, auch. Wer nicht bereit ist für weniger zu arbeiten, erst recht. Und wenn das Hundchen ganz brav war, gibt es ein Leckerchen. Alles damit das Hundchen nur bellt, wenn es soll!

Braves Hündchen. Weiter so!

Wen wundert es, wenn die psychischen Erkrankungen zunehmen?

Wann merkt eigentlich der geneigte Zeitgenosse, wie sehr unser kapitalistische System alles gegen die Wand fährt für die Geldbeutel von ein paar wenigen?
Nur ein paar Stichworte aus den letzten Wochen:

- globale Finanzkrise mit geschätzt fast 1 Billionen $ an vernichteten, besser umgeschichteten Geldern
- Inflation weltweit, die wieder vor allem die Ärmsten trifft
- Spekulation auf den Lebensmittelmärkten
- Hungeraufstände wegen der explodierenden Lebensmittelpreise
- die Zeichen für eine Klimakatastrophe mehren sich

und bei uns in Deutschland zusätzlich:

- Rückgang der Reallöhne
- Zunahme des Niedriglohnsektors
- Unfähigkeit der Politiker den Interessen der Arbeitgeber etwas entgegenzusetzen
- Zunahme von psychischen Erkrankungen aufgrund der Arbeitsbedingungen

Wer meint, das alles hänge nicht zusammen, das habe nichts mit dem entfesselten Kapitalismus zu tun, das ließe sich alles innerhalb des Systems (quasi “sozialdemokratisch”) lösen, der lügt sich entweder selbst in die Tasche, oder glaubt einfach allen Geschichten unserer Medien und ist hoffnungslos naiv.

Was wir heute brauchen ist keine Resilienz, sondern Renitenz, Widerstand, ein Aufbegehren von unten gegen diese zynischen Zustände.


Posttraumatische Belastungsstörungen bei Soldaten*

PTBS / PTSD ist so alt wie die Menschheit, genauer: so alt wie sie Kriege führt. Schon in der Antike wusste man das! Nur die Militärs geben sich immer wieder überrascht, dass ihre Kampfmaschinen doch Menschen sind.

Wenn ein Krieg, wie in Afghanistan oder im Irak, so offensichtlich aus anderen Gründen geführt wird, muss der denkende Soldat (Den soll es auch geben!) ins Grübeln und Zweifeln kommen, und schon sieht er die Opfer seines blutigen Handwerks nicht mehr als “gerecht”, oder “notwendig” an, sondern als sinnlos und brutal. Und wenn man dann selbst unter Beschuss gerät, seinen Kameraden in einem Hinterhalt verliert, dann sind Selbstzweifel, Selbsthass, unkontroliierbare Ängste, Panikattacken, Zwänge und andere psychische Störungen nicht weit: kurzum all das, was man gemeinhin eine PTBS nennt.

Das Land, wo die Neurosen blühen, ist das Land der Militärs und der Kriege. Wir Menschen sind von Natur aus eben nicht konstruiert zum gnadenlosen Töten und hingebungsvollen Metzeln, so wie es die Militärs dieser Welt gerne hätten. Dazu müssen wir erst durch Drill und Ideologie gebracht werden. Dadurch verlieren die Gegner ihr menschliches Antlitz, gehören zu einer “minderwertigen Rassen”, gelten als “Ungläubige” oder sind ganz einfach alles potentielle “Terroristen”. Gute Propaganda, “Volksaufklärung” und Erziehung der eigenen Leute gehören seit jeher zum Kriegshandwerk. Oder weswegen sonst erfand die US-Army den “embedded” Journalisten? Das gaukelt Authentizität vor und gibt dem Militär gleichzeitig die Macht über die Bilder und Botschaften.

Von welcher Seite der wahre Terror ausgeht, ist noch nicht abschließend zu beantworten.

Was die Kriege nach ‘45 angeht, wissen wir hinlänglich bescheid über psychische Folgen bei den Soldaten. Und je jünger sie zurückliegen, desto mehr tun wir das. Gibt es über die amerikanischen Feldzug des WK II noch relativ viel Material, so sieht es auf deutscher Seite zu diesem Thema mau aus. Die Nazis selbst hatten keine Interesse an den für sie “verweichlichten” Vertreter der arischen Rasse. Und mit ihrer Ablehnung der “jüdischen” Psychoanalyse wurde mögliche Hilfe ebenfalls verteufelt. Nach der Kapitulation mussten die Heimkehrer aus der Kriegsgefangenenschaft die nächsten Jahre über funktionieren und schuften beim Wiederaufbau, danach mussten sie sich gegen die “bösen” ‘68er rechtfertigen und nun über 60 Jahre später sterben sie nach und nach weg.

Wieviel der Neurosen der Adenauer-Ära verdanken wir wohl dieser kollektiven Verdrängung? Wie sehr wurde die Geschichte der BRD von dieser Tatsache geprägt? Es ist ja kein Zufall, dass Machwerke wie “Dresden” oder “Die Flucht” so begierig ein breites Publikum finden: endlich wurde die deutsche “Opferrolle” und die brutalen Folgen des Krieges, auch die psychischen, thematisiert. Das macht diese Art des “Event-Kinos” zwar auch nicht besser, bedient aber ein Bedürfnis, das latent vorhanden ist: auch unter den Kindern und Enkeln, weil sonst nie oder nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen wurde.

* Dies ist ein Forenbeitrag von mir zu einem Artikel darüber, dass die Zahl von US-Soldaten mit PTBS in den letzten Kriegen stark zugenommen hat.

Gehirndoping

Ein Forumsbeitrag von mir zu einem Artikel über das Zunehmen von Gehirndoping bei “Geistesarbeitern” mit Ritalin, Amphetaminen und Betablockern:

Sollte es einen wundern?

In einer Gesellschaft:
- in der Kosteneffizienz alles ist?
- in der nur Leistung zählt?
- in der das Motto heißt: höher, schneller weiter?
- in der immer und überall die Herren und Damen Kontrolleure mit den Stoppuhren neben uns stehen (und wenn dies nur in unserer Vorstellung so ist)?
- in der vorwurfsvoll nach Eliten gesucht wird, die allein besondere Förderung verdienen?
- in der ein beispielloser Konkurrenzkampf aller gegen alle herrscht?
- in der mit Hartz IV das Schreckgespenst des sozialen Abstiegs nach kürzester Zeit dräut?
- in der uns jeden Tag gesagt wird, wie entbehrlich und ersetzbar wir doch alle sind?
- in der der wir alle bis auf die kleine Schar der Reichen und Superreichen Habenichtse sind, die nichts haben als ihre Arbeits- oder Geisteskraft?
- die zutiefst inhuman und gnadenlos ist mit allen, die unter die Räder kommen?

In einer solchen Gesellschaft ist das “bisschen Gehirndoping” ja das Mindeste, was man von uns erwarten kann!

Die chemische Formel von Kokain

Willkommen in der schönen neuen Welt des Kapitalismus 2.0:
turboschnell, global, verheerend für die ökologischen, sozialen, politischen und humanen Ressourcen.
Weh uns, wenn das ungebremst so weitergeht!

P.S.: Der Kommentar von “achterbahnfahrer” und ein reger Schriftwechsel mit ihm haben mir gezeigt, dass die Gefahr besteht, meine Worte misszuverstehen: Ich meine natürlich nicht den bestimmungsgemäßen Gebrauch von Medikamenten. Für die Kranken sind ihre verordneten Medikamente, egal welche ein Segen und bringen ihnen nachhaltig Linderung, oder Heilung. Das gilt auch für Ritalin, Prozac und andere oft verteufelte Psychopharmaka.