Aphorismus #31
If you need somebody you can trust, trust yourself.
Bob Dylan, vom Album “Empire Burlesque” von 1985, aus dem Song “Trust Yourself“.
Bob Dylan, vom Album “Empire Burlesque” von 1985, aus dem Song “Trust Yourself“.
Rio Reiser (1950 - 1996): “Keine Macht für niemand”
Wie ich schon mehrfach angedeutet habe, ist Psychedelic Rock meine Musik, besonders die amerikanische Ursprungsvarainte aus den tiefsten 60ern hat es mir angetan. Ich kann dem Gejaule elektrischer Gitarren in endlosen Soli, dem Gejammere einer näselnden Hammond-Orgel und den seltsamen Texten aus dieser Zeit endlos zuhören. Und das ganz ohne Zuhilfenahme von LSD oder sonstigen bewusstseinserweiternden Substanzen. Ist auch besser so: mancher ist auf einem seiner Trips hängen geblieben und kam nie wieder richtig zurück: Syd Barrett ist ein trauriges Beispiel dafür.
Gar so erschröcklich, wie es der Name vermuten lässt war diese Band nicht. Sie waren in Werk und Vita vielmehr ein typischer Vertreter dieser Zeit: 1967 in Chicago gegründet, wo sie auch ihr selbst benanntes erstes Album aufnahmen, zog es sie im folgenden Jahr ins Mekka der Hippie-Bewegung nach San Francisco. Hier nahmen sie HPL II auf, was schon das Ende der kurzen Bandgeschichte bedeutete. Die Nachfolgeband “Lovecraft” brachte in den frühen 70ern zwei wenig inspirierte Rock-Alben heraus.
Der Acid-Rock von HPL war geprägt durch zweistimmigen Harmonie-Gesang und das ausgefeiltes Hammond- und/oder Cembalo-Spiel.
“The White Ship” von HPL I mit sehr schönem Harmoniegesang
“Electrallentando” von HPL II ein typisches Acid-Rock-Stück
Nicht unbedingt die typische Psychedelic-Band, aber mit den kryptischen Texten Morrisons, der den Sound bestimmenden Hammond-Orgel und ihrer Herkunft aus LA werden sie doch gemeinhin diesem Stil zugerechnet. Was zur Band im Allgemeinen und zu Jim im Besonderen zu sagen ist, ist vielfach geschehen, deswegen enthalte ich mich hier weiterer Worte.
Noch nie gehört? Dann wird es Zeit! Es ist keine 08/15 Psychedelic Band von der Westküste, sondern stammt aus Austin, Texas und hat ihren ganz eigenen Stil und Sound entwickelt. Geprägt von einem “quasi zweiten Bass”, dem electric Jug. Der erzeugt einen schwebenden, vibrierenden Klang, der ganz hervorragend in die psychedelische Welt der 60er passte. Man fragt sich unwillkürlich, warum nicht mehr Bands dieses eigenwillige Instrument einsetzten? Aber hör selbst!
Übrigens: Wer als erster mir sagen kann, welcher Film mit der ersten Hörprobe beginnt, bekommt meine ungeteilte Anerkennung. Ich war auf jeden Fall schwer begeistert und war von diesem Film sofort eingenommen!
Your Gonna Miss Me - Der Jug in Aktion
Baby Blue - ein wunderbares psychedelisches Dylan-Cover
Sie waren die Vorreiter der psychedelischen Musik. Wenn sie auch nicht unbedingt die ersten waren, die psychedelisch spielten, so waren sie doch die ersten die damit außerhalb der Szene von San Francisco bekannt wurden, die ersten die damit im TV auftraten, die ersten die einen Vertrag mit einem Major hatten, die ersten die an der Ostküste und in Europa tourten … Und genau darin lag auch ihr größtes Problem. Mit dem Erfolg wurden sie immer mehr kommerziell, weichgespült und austauschbar.
Aber vorher machten sie geniale Musik und waren der Soundtrack zum Summer of Love 1967. Ihr spezieller Sound war geprägt von der charismatischen Frontfrau Grace Slick, von zwei bestens zusammenspielenden Gitarren und vom perfekt ausbalanzierten Harmoniegesang.
White Rabbit (mein Lieblingsstück) & Somebody To Love
Jefferson Airplane Live at Monterey Pop 1967
Wer sonst? Das Synonym für Psychedelic Rock bis heute. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen. Wikipedia und zahllose Fanseiten haben genug Stoff für jeden, der diese Band näher kennen will. Im Gegensatz zu Jefferson Airplane gingen sie nie den kommerziellen Weg, erlaubten und ermunterten ihre Fans zu Aufnahmen ihrer Live-Konzerte und sorgten so für eine Unmenge an legalen Bootlegs. Mancher Dead-Head soll so locker auf über 2000 Aufnahmen kommen. Sie lebten von den Eintrittsgeldern, den Studioplatten und dem Merchandising: und das bestimmt nicht schlecht! Einen Weg den heute 40 Jahre nach den Deads junge Bands via Internet wieder ganz neu beschreiten. So aktuell kann ein alte Hippie-Konzept sein!
oder zum Stöbern und selbst Downloaden bei archive.org
Edgar Varese, zitiert von Frank Zappa auf seiner ersten Platte mit den Mothers of Invention “Freak Out!”
Geistiges Eigentum ist ein Widerspruch in sich. Etwas Immaterielles kann niemals jemandem gehören. Schon gleich gar nicht einem Rechteverwerter, einer Plattenfirma oder einem Verlag. Das bringt nur der Kapitalismus fertig, in dem alles zur Ware wird. Die ganze Chose mit dem “Urheberrecht” würde schlagartig aufhören, wenn die Rechte allein bei den Urhebern, den Musikern und Autoren blieben.
Höchstens für die Vermarktung werden die Dinosaurier der Verwertungsindustrie noch gebraucht. Aber in den Zeiten des Internet ist auch das fraglich. Wieviel Lobby-, Gesetzes- und Ermittlungsarbeit, wieviel unsinnige Propaganda (sorry: Aufklärung), wieviel nutzlose manpower muss von Industrie, Staat und Gesellschaft geleistet werden, nur um die Interessen von ein paar wenigen durchzusetzen? Und das nur weil sie das Geld haben und an den Schalthebeln der Macht und der Medien sitzen! ” Wer das Geld hat, hat die Macht und wer die Macht hat, hat das Recht!”
Dabei ist dieses System zutiefst undemokratisch: der Weltverband “International Federation of the Phonographic Industry” oder kurz “IFPI” wurde unter Geburtshilfe von Mussolini 1933 in Italien aus der Taufe gehoben. Ziel war die Schaffung eines mächtigen Monopole (sorry: Verbandes), der bestimmen sollte, wo es lang geht, der seine Vorstellungen bei den nationalen Gesetzgebern durchdrückem konnte. Und das ist noch heute so. Auch in der EU und im Bundestag. Und wie das mit Monopolen und Kartellen so ist, ihr Hunger nach mehr ist grenzenlos. Die neueste “Idee”: Das Wegwerfen von CDs verbieten.
Und was steht am Ende? Der geknebelte Konsument, dem vorgeschrieben wird, wann er was wie und wo sehen und hören darf. Der geknebelte Künstler, der nach Gutdünken vom Verwerter mit Brosamen abgespeist wird. Ein paar fette Firmen deren Rendite stimmt und die ihren Aktionäre glücklich machen. Und zu guter letzt eine völlig verarmte, weil auf Einheitsbrei getrimmte “Kulturindustrie”.Dieter Bohlen & Co. für alle!
Da empfehle ich doch lieber meine eigenen Five Faves. Dank youtube haben sie die richtigen Antidots
* Original Gedankenspliiter war ein Forenbeitrag von mir zum 75. Geburtstag der ISPSI auf telepolis.
egründet in der Hochphase der Psychedelic Aera, vom charismatischen Frontmann Syd Barrett angeführt (bis März 1968), der irgendwann von seinen LSD-Trips nicht mehr zurückkam, mutierte die Band zunehmend zu der Prog-Rock Band der 70er. Für mich liegt jedoch ihre stärkste Phase in den Anfängen: Stücke wie „Astronomy Domine“, „Atom Heart Mother Suite“ oder „Echoes“ sind für mich wie Trips, ohne dass man illegale Substanzen nehmen muss: psychedelische Musik at his best! Warum nur hat diese Band diese spannenden Wege der Frühzeit verlassen und später nur noch mit „Schönklang“ auf den kommerziellen Erfolg geschielt? Nach “Wish You Were Here” sind m.E. nur noch wenige Stücke goutierbar.
Die endgültige Definition von Hardrock. Der ins Gigantische gesteigerte Traum von Sex and Drugs and Rock and Roll. Die meisten Texte fallen in die Kategorien vernachlässigbar bis ungenießbar. Schnell noch im Studio hingeschrieben, entstanden sie aus den lyrischen Improvisationen von Robert Plant. Die Melodien sind oft zusammengeklaut, oder stützen sich auf ein einzelnes Riff (z.B. bei Kashmir!) – wirklich nichts künstlerisch Wertvolles. Und doch! So eine Band, die so extrem war, so größenwahnsinnig, so rücksichtslos zu sich selbst und ihrem Publikum – solch eine Band wird es wohl leider nie wieder geben. Waren schon die Studioalben gut (gilt wie so oft nicht für die späteren Sachen), so waren und sind (Auch das Reunion-Konzert 2007 ist ein Kracher!) sie live einfach unschlagbar. Zahllose Bootlegs legen davon Zeugnis ab und natürlich das 3er Live-Album „How the West Was Won“.
… und wenn Schwachmaten es rückwärts abspielen!
Kashmir, London O2 Arena 12/2007
Gibt es bessere Gitarrensoli? Ich könnte Clapton stundenlang zu hören. Aber es ist nicht nur sein Spiel, das die Magie von Cream ausmacht, sondern auch das perfekte Zusammenspiel mit den anderen beiden und die geniale Zusammenarbeit von Jack Bruce als Komponisten mit dem Texter Pete Brown (White Room, I Feel Free …). Daneben die genialen Neuinterpretationen von Blues-Traditionals wie „Spoonfull“ oder „Crossroads“. Damals hat einfach alles gepasst. Bis auf die Chemie in der Gruppe: Bruce und Baker konnten einfach je länger je mehr nicht miteinander. Die Unmengen an Drogen und der andauernde Tourstress taten ein übriges. So zerbrach schließlich diese erste „Supergroup“. Bei den anschließenden Solokarrieren war Clapton der erfolgreichste, auch wenn er nie wieder so gut war. Aber das wollen viele Clapton-Fans einfach nicht wahrhaben.
N.S.U. - Royal Albert Hall 5/2005
Die Mutter aller Indie-Bands. Nahmen in der Zeit ihres Bestehens von 65 bis 69 vieles aus den 70ern und 80ern vorweg und spielten seinerzeit total am herrschenden Zeitgeist vorbei. Notorisch erfolglos, trotz der anfänglichen Protegierung durch Andy Warhol. Vereinten die grandiose Lyrik Reeds mit amerikanischen Rock and Roll und zeitgenössischer europäischer E-Musik (Cale war ausgebildeter klassischer Pianist und Viola-Spieler). Experimentierten sowohl musikalisch (andere Stimmungen der Instrumente, gewollte Kakaphonien, endlose Wiederholungen …) als auch textlich: Reeds Vorbilder waren die Beat-Poeten und ihre Themen. So drehten sich seine Songs um Großstadtthemen wie Drogen, Huren, durchzechte Nächte, die Einsamkeit der Party-People. Sie klangen oft harmlos, und waren doch sarkastisch oder zynisch. Die New Yorker Band war so etwas wie ein desillusioniertes Gegenmodell zu den Hippies der Westküste: schwarz, düster, pessimistisch, ohne Träume. Mit „Heroin“ und „Venus in Furs“ hatten sie zwei der für mich besten Rocksongs überhaupt im Programm. Scheiterten sowohl an der eigenen Erfolglosigkeit als auch an den Egotrips der Bandmitglieder, besonders an denen von Lou Reed.
Andy Warhol’s Exploding Plastic Inevitable
Sollen es die Stones sein? Aber nein. Seit ich sie 1998 live habe spielen sehen, war ich doch sehr ernüchtert und enttäuscht: eine Karikatur ihrer selbst! Wann sagt endlich jemand: „Aber der Kaiser ist ja nackt!“ Und das ungeachtet all ihrer Verdienste und Erfolge!
Vielleicht die Scherben? Da spricht viel dafür, denn Rio hat es ja schon unter meine Top 5 der Musiker geschafft. Aber sind sie wirklich die Nummer 5?
Oder The Mars Volta? Zugegeben das beste, was Prog heute bieten kann. Und nach dem Stillstand der letzten beiden Platten (nach dem Oberhammer „Frances the Mute“) haben sie mit „The Bedlam In Goliath“ wieder eine neue Seite in ihrer glorreichen Diskographie aufgeschlagen.
Und was ist mit U2 oder R.E.M.? Wie wäre es mit Metallica? Oder mit Gong? Den frühen Genesis? Die Beatles? Nein! Definitiv nicht die Beatles! Soviel reine Lehre aus früheren Tagen muss sein! Da nehme ich dann doch lieber die Stones!
Hier meine Liste der Musiker, die ich für die definitiv wichtigsten halte. Sehr subjektiv natürlich, aber wohl begründet, wie ich meine.
5. David Bowie
Ein Monument und ein Chamäleon wie Bob Dylan. Bei ihm bezieht sich das aber mehr auf seine Bühnenfiguren, bei Dylan auf das ganze Leben. Ein monumentales Opus mit viel Licht und Schatten. Manche spätere Pop-Verirrung möge man ihm verzeihen. Sein Frühwerk ist einfach genial! Ich liebe Ziggy Stardust, besonders in der Live-Version. Phantastisch! Und auch im Alter hatte er stets seine Highlights. Neben Dylan angeblich der am meisten gecoverte Musiker, und der reichste, weil er alle Rechte an seinen Songs besitzt.
Viel mehr als nur der “König von Deutschland”. Das beste was Deutschland je an Text, Musik und Gesang zu bieten hatte und hat. Ähnlich wie bei Dylan gab es auch bei ihm den großen Bruch (Ende seiner Band “Ton Steine Scherben” / Beginn der Solokarriere), den viele Fans nicht mitgehen wollten. Er blieb sich aber auch dabei treu. 1996 viel zu früh gestorben: dank des gandenlosen Raubbaus, den sein übermäßiger Alkoholkonsum anrichtete. Trotz Claudia Roth, die nur zu gerne es jedem sagt, dass sie in der Endzeit der Scherben ihre Managerin war, trotz ihr gibt es viele, für die die anarchistischen Texte seiner Ohrwürmer sehr wohl auch heute noch etwas zu sagen haben: “Keine Macht für niemand!”, “Sklavenhändler” , “Der Kampf geht weiter” …. Nachfolger für ihn? In ihren besten Momenten: “Wir sind Helden”. Fragt sich nur, wie sie sich weiterentwickeln. Und da verheißt ihre Begeisterung für den Dalai Lama nichts gutes.
Macht kaputt, was euch kaputt macht
3. Lou Reed
Schon immer der Prototyp des Anti-Stars: dunkel, wankelmütig, nie nach dem Publikumsgeschmack schielend. Er machte im Laufe seiner Karriere wohl mehr Schlagzeilen durch seine offen ausgelebte Heroinabhängigkeit, seine Bisexualität und seine Beziehung zu Bowie. Menschlich soll er ein ziemliches Ekel sein. Sei’s drum. Er schafft immer wieder geniale Musik und ebenso geniale Texte. Was er spielt ist elektrischer Großstadt-Folk vom Allerfeinsten. Er ist der Troubadour New Yorks. Die Spannweite reicht bei ihm vom selbstzerstörerischen „Heroin” bis zum federleichten „Perfect Day”, von träumerischen Cello-Klängen bis zu den Feedback-Gewittern der „Metal Machine Music” [Fast unhörbar, gilt aber inzwischen bei den Neutönern als Meilenstein. Ich kenne aber noch immer keinen, der mehr als eine Plattenseite auf einmal geschafft hat!
].
2. Frank Zappa
Er brachte der Rockmusik die Neue Musik des 20. Jahrhunderts nahe - und umgekehrt. Mit seinen freizügigen Lästertexten brach er zahllose Tabus und hielt den so von ihm geschmähten „plastic people” schonungslos den Spiegel vor die selbstgerechte Fratze. Dabei machte Zappa um alle Skandale, die nichts mit seiner Kunst zu tun hatten, einen weiten Bogen: er verabscheute Drogen, außer seinem Kaffee und seinen Zigaretten. Beides bezeichnete er als “food”. In seiner Begleitband, im Studio und bei sich zuhause durften keinerlei Drogen sein. Da konnte er fuchsteufelswild werden. Leider schon 1993 einem Krebsleiden erlegen. Nachfolger für sein Genie gibt es leider keine, am ehesten noch The Mars Volta. Aber an seine monumentale und einmalige Rolle in der Musik des 20. Jhds werden auch sie im 21. Jhd. nie heranreichen können.
Ein wirklich wichtiges Problem!
Die Sache mit dem gelben Schnee
1. Bob Dylan
Bob is god! Da geht nix drüber: musikalisch, textlich, stilistisch und in seiner ganzen Rätselhaftigkeit. Schon lange ein Fall für den Literaturnobelpreis. Sich immer wieder neu erfindend, seine Zuhörer neuen Zumutungen aussetzend, enigmatisch wie eh und je: für mich DER Musiker schlechthin. Was kann man da mehr sagen, außer: Listen to the Music! Und wer behauptet, Dylan könne nicht singen, der hat einfach keine Ahnung. [Dieses Dogma muss sein. ;-)]
Als Revoluzzer in Newport 1965
Und jetzt hoffe ich auf deinen Kommentar, mit guten Begründungen selbstverständlich und die Liste mit deinen Five Faves!