Aphorismus #503
Unter Vorurteilen leiden Psychiatrie-Erfahrene, ihre Angehörigen und mit etwas Einschränkung auch die psychiatrisch Tätigen; Vorurteile gefährden therapeutische Fortschritte und die strukturelle Weiterentwicklung der Psychiatrie. Insofern kann und muss der Kampf gegen Stigmatisierung ein zutiefst gemeinsames Anliegen sein, das nur im echten Dialog gelingen kann. Schließlich sind die Vorurteile von heute die Fehler der Psychiatrie von gestern.
Aphorismus #448
Unwissenheit ist keine Schande. Anderen Leuten die eigene Unwissenheit aufzudrängen ist eine Schande.
Daniel Dennett, amerikanischer Philosoph
Beim Klick auf’s Bild gibt es ein paar schöne Abwandlungen.
Eigentlich spricht es aber auch so Bände….
Aphorismus #419
Sich im Schoß der Propheten auszuruhen, ist bequemer. Vom “Aufstieg der Menschheit” zu sprechen, ist verlockend, und natürlich will niemand den “Abstieg”. Das Paradoxe an unserer Situation ist, dass gerade dieser feste Glaube an den Aufstieg, an den Fortschritt, den Abstieg beschleunigen kann (und bereits zu beschleunigen begonnen hat). Maßgeblich beteiligt an der kritischen Situation, in die sich Homo sapiens manövriert hat, ist seine Überzeugung, etwas Besonderes, der Favorit der Evolution zu sein.
Frank M.Wuketits: Evolution und Fortschritt – Mythen, Illusionen, gefährliche Hoffnungen
Sensationelle Fortschritte im Vogelgesang!
Aphorismus #418
Man kann die Biografie nicht trennen von dem, was auf unseren Genen passiert. Äußere Ereignisse verändern zwar nicht die Gene selbst, aber die Genregulation. Die Wechselwirkung zwischen Veranlagung und äußerer Ursache führt zur Stoffwechselstörung im Hirn.
Prof. Dr. Dr. Florian Holsboer, Leiter des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München in einem lesenswerten Spiegel-Interview (Gibt es ab und zu, auch wenn sich die Redakteurin redlich bemühte, es zu versauen. Der Professor war einfach schlauer!) Gestoßen bin ich auf dieses Interview durch einen link im telepolis-Forum zu einem Artikel mit dem reißerischen Titel „Doch kein Depressionsgen„. Dabei ging es mal wieder um eine neue Metastudie, die bewiesen habe, dass es kein Depressions-Gen gäbe. Ich konnte mich natürlich nicht zurückhalten, habe ausgiebig kommentiert und, was mich sehr freute, der Autor Stephan Schleim stieg in diese Diskussion mit ein. Allerdings stellte sich heraus: Wir konnten zusammen nicht kommen… Interessant war es auf jeden Fall.
Aphorismus #415
Nicht das Bewusstsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewusstsein.
Karl Marx/ Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie. 1845/46 MEW 3, S. 27,
Aphorismus #408
Wenn ich unterstelle, dass die Neurowissenschaften die Mechanismen aufdecken kann, die psychologischen Funktionen zugrunde liegen, dann unterstelle ich damit, dass es in der Tat das Gehirn ist, dass diese Funktionen ausübt – dass die Fähigkeiten des menschlichen Geistes tatsächlich Fähigkeiten des menschlichen Gehirns sind. Diese Annahme und die damit einhergehende Verabschiedung cartesischer, unabhängig vom Gehirn existierenden Seelen, Geister und sonstigen Hokuspokus ist keine verschrobene Idee. Im Gegenteil, sie ist eine höchst wahrscheinliche Hypothese,die sich auf die zur Zeit verfügbaren Erkenntnisse der Physik, Chemie, Neurowissenschaft und Evolutionsbiologie stützt.
Patricia Smith Churchland, Die Neurobiologie des Bewusstseins, in Bewusstsein: Beiträge aus der gegenwartsphilosophie, Thomas Metzinger (Hrsg), zitiert nach dem sehr empfehlenswerten Aufsatz von Ermanno Parvesi: „Von den Neurowissenschaften zur Neurophilosophie „
Aphorismus #394
Die naturalistische Antwort auf das Problem der individuellen Subjektivität lautet: Die »Perspektive der ersten Person« ist ausschließlich ein Darstellungsphänomen, dem nichts in der objektiven Struktur der Welt entspricht. Wir sind nicht auf mysteriöse Weise mit einer besonderen innerweltlichen Person und ihrem Standpunkt identisch, sondern wir besitzen in diesem Sinne überhaupt keine Identität: Wir sind eine intern mehr oder weniger stark korrelierte Menge aus physischen und psychologischen Eigenschaften, die sich durch die Zeit bewegt. Die Einheit des Selbstbewußtseins ist eine repräsentationale Fiktion.
Der Neurophilosoph Thomas Metzinger in: „Niemand sein. Kann man eine naturalistische Perspektive auf die Subjektivität des Mentalen einnehmen?“, S. 151. In: Sybille Krämer: Bewußtsein. Philosophische Beiträge. Frankfurt am Main 1996. 130-154.

