Was gibt’s hier und was nicht?
Schön, dass du hierher gefunden hast. Und nun fragst du dich vielleicht, woher dieser Blog (Ich habe mich für die männliche Form von Blog entschieden und nicht für die sächliche: laut Duden ist beides möglich.) seinen seltsamen Namen hat. Er hat eine lange Vorgeschichte und obwohl diese Vorgeschichte mehr als 200 Jahre alt ist, ist sie dennoch aktueller als uns das lieb sein könnte.
Unter dem Titel „Fragmente eines Ungenannten“ hatte einst der große Aufklärer Lessing posthum die gesammelten biblischen Studien des Gymnasialprofessors und Orientalisten Reimarus herausgebracht. Er musste dies selbst nach dessen Tod zum Schutz seiner Familie anonym tun, so brisant waren die Fragmente des Reimarus. Sie gelten heute als die Geburtsstunde der historisch-kritischen Bibelwissenschaft und markieren den Einzug der Aufklärung in die verstaubten Studierzimmer der protestantisch-orthodoxen Gottesgelehrsamkeit. Ein Sturm der Entrüstung brach los, der sogenannte „Fragmentenstreit„, als dessen Ergebnis Lessing seinen „Nathan der Weise“ mit der berühmten Ringparabel verfasste. Meine Texte sehe ich in dieser aufklärerischen Tradition. In Zeiten der neoliberalen Meinungsherrschaft und der um sich greifenden Reaktion in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens halte ich die Zeit reif für „Neue Fragmente eines Ungenannten“. Dabei habe ich natürlich nicht den Anspruch, einem Reimarus oder Lessing das Wasser reichen zu wollen. Das ist auch nicht nötig. Sie und die anderen Aufklärer haben hervorragend vorgearbeitet für die Freiheit des Geistes und des Denkens. In Anlehnung an sie will ich in meinem kleinen Blog gegen die allgegenwärtige Denkfaulheit und grasierende Geistlosigkeit meine Stimme erheben. Beim Lesen wünsche ich die eine oder andere neue Erkenntnis und Mut für diese „interessanten Zeiten“, in denen wir leben
Der Ungenannte
Die Kategorien:
- Feed Your Brain, der tägliche Aphorismus, mal witzig, mal ernst, mal bekannt, mal nicht. Er soll Gedankenfutter anbieten für alle, die nicht bloß denken lassen. Den Name dieser Kategorie habe ich in Anlehnung an „White Rabbit“ von Jefferson Airplane gewählt (und damit indirekt von Carrolls „Alice im Wunderland“): „Remember what the dormouse said: FEED YOUR HEAD!“ – Ging es bei Jefferson Airplane um Bewusstseinserweiterung durch Drogen, so muss man heute bescheidener sein: es geht um Bewusstseinserhaltung gegen den ganzen medialen Müll der tagtäglich auf uns niederregnet. Darum auch „Feed Your Brain“.
- Religion und Philosophie. Wer sich hier ein wenig umsieht wird schnell merken, welche Religion- keine!- und welche Philosophie- den Marxismus- ich bevorzuge. Aber keine Angst stumpfsinniges Nachplappern von irgendwelchen Thesen gibt es hier nicht.
- Ach du heilige Scheiße! Atheismus ist m.E. der einzig wahre Blick auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest
- Écrasez l’infâme! Voltaires Schlachtruf gegen die katholische Kirche ist heute aktuell wie damals. Nur dass er auch gegen die protestantische Kirchen, gegen den Islam in seinen zahllosen Emanationen und allen anderen Formen des organisierten religiösen Wahns erhoben werden muss.
- Der Pfaffen Märchenstunde, die gibt es viel zu oft zu hören, und die hat es vor allem viel zu lange zu hören gegeben. Hier gibt es Munition gegen die christliche Meinungshoheit in den Medien.
- Wort zum Sonntag, alle 7 Tage die unheilige Beschäftigung mit Heiligen Texten. Ob Bibel, Koran, Mormon, Steiners Werke oder sonstwas vom Himmel Gefallenes- alle kriegen ihr verdientes Fett ab. Und immer wieder stellt sich die Frage: Warum glauben Menschen so einen Scheiß?
- Musik. Nicht irgendeine, sondern solche, die mir gefällt, da bin ich gnadenlos subjektiv. Und welche das ist? Einfach erst mal gucken, dann hören.
- Five Faves. Wer High Fidelity von Nick Hornby kennt, weiß Bescheid: die besten 5 …. oder auch die schlechtesten 5 ….
- Musikalische Perlen am Wegesrand, die Gefahr laufen vergessen zu werden. Der Kenner schnalzt mit der Zunge, dem Banause graut es.
und dem einen oder anderen verhelfe ich hoffentlich so zur Erweiterung seines musikalischen Horizonts.
- Politik. Man braucht sicher nicht lange, um zu merken, dass ich ein „Linker“ bin. Nicht im Sinne der gleichnamigen Partei, sondern im guten alten emanzipatorischen und marxistischen Denkens. Nicht staatskommunistisch, nicht antiimperialistisch, nicht dogmatisch, nicht reformistisch, sondern einfach nur links. An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die freie Entwicklung aller ist. Dieser Satz aus dem Kommunistischen Manifest umfasst für mich komplett, was links/ sozialistisch/ kommunistisch ist. Nicht mehr und vor allem auch nicht weniger!
- Ökonomismus. Texte wider die Diktatur des Ökonomischen in allen Lebensbereichen, also Texte wider den herrschenden Zeitgeist.
- Antisemitismus. Wird es je ein Deutschland ohne Antisemitismus geben? Nein! Was darf es dann nie wieder geben? Ein starkes Deutschland, das vollendet, was Hitler begonnen hatte.
- Ein Blick hinter den Vorhang? Verschwörungstheorien gehören zum Internet wie der Schweißfuß zum Turnschuh. Viele sind einfach nur bescheuert. Viele werden von allzu vielen für wahr gehalten. Und manche sind in ihrer klar antisemitischen Haltung endgültig gefährlich. Gegen die allgemeine Paranoia gepaart mit einer naiven Weltsicht, die nicht nach dem System, sondern nur nach den Machern fragt (= Verschwörungstheorie), hilft nur glasklares Denken, die echten Fakten und marxistische Systemkritik.
- Gehirn und Geist. Ich finde die Ergebnisse der neueren Hirnforschung unglaublich spannend und für unser Selbstbild dermaßen wichtig und teilweise auch revolutionär, dass ich darum eigens eine eigene Kategorie eingerichtet habe.
- Leben mit der Depression. Die persönlichste Kategorie. Weil ich selbst davon betroffen bin, viele Erfahrungen damit sammeln „durfte“ und ich um die Vorurteile, Unwissenheit und diffusen Ängste zum Thema Depression im Besonderen und zur Psychiatrie i.A. weiß, gebe ich von meinen Erfahrungen weiter, was mir hilfreich war und ist.
- Satyrisches. Kein Schreibfehler, sondern ein Wortspiel aus Satire und Satyr. Lachhaftes, Lächerliches und Lachen Entlockendes. Viel Vergnügen!
- Übrigens… versammelt Kurioses, Bemerkenswertes, Überraschendes etc., das ich im Netz oder anderen Medien gefunden habe.
Die Nicht-Kategorien oder: Was es hier nicht gibt:
- Ein Tagebuch über die Widrigkeiten und Höhepunkte meines persönlichen Lebens: das behalte ich lieber für mich
- Antisemitismus, Faschismus, Nationalismus, Sexismus, Fundamentalismus etc. Verbietet sich für einen denkenden Menschen von selbst. Wenn ich drastisch werde, wenn ich spotte oder wenn ich vom feingeistigen Florett zum groben Bihänder übergehe, dann mag sich zwar mancher auf den Schlips getreten fühlen, aber manchmal muss es einfach sein. Religiöse Gefühle respektiere ich ausdrücklich NICHT! Wieso sollte ich einen himmlischen Popanz und für ihn grölende Massen respektieren, wo sie es schlicht den ganzen Hokuspokus nicht gibt?
- Belangloses Gelaber: dazu ist mir meine Zeit zu schade und außerdem will ich keinem die Zeit stehlen
Ich versuche mich bei allem, was ich hier zum besten gebe, an die Ratschläge/ Gesetze eines weit Größeren, Larry Niven, zu halten, die er einem Schreiber mit auf den Weg gibt:
Niven’s Laws For Writers
- Writers who write for other writers should write letters.
- Never be embarrassed or ashamed about anything you choose to write. (Think of this before you send it to a market.)
- Stories to end all stories on a given topic, don’t.
- It is a sin to waste the reader’s time.
- If you’ve nothing to say, say it any way you like. Stylistic innovations, contorted story lines or none, exotic or genderless pronouns, internal inconsistencies, the recipe for preparing your lover as a cannibal banquet: feel free. If what you have to say is important and/or difficult to follow, use the simplest language possible. If the reader doesn’t get it then, let it not be your fault.
- Everybody talks first draft.
FAQ
He du Ungenannter? Bist du feige, oder warum sonst nennst du dich Ungenannter?
Nicht dass ich nicht zu meiner Meinung und zu meinen Gedankengängen stehen würde, auch nicht dass ich mich vor eindeutigen Aussagen im realen Leben drücken würde. Es hat ganz einfach sehr persönliche Gründe, die ich hier nicht ausbreiten kann. Reimarus ist nicht zufällig gewählt.
Aha. Und warum nennst du deinen Blog „Fragmente“? Klingt so nach vorläufig und unfertig.
Damit liegst du gar nicht so falsch. Wer hat schon alleine für sich die Wahrheit gepachtet? Wer kann Endgültiges sagen zu den Themen, die ich hier verhandeln möchte? Das bleibt alles immer Fragment. Ich kriege Beklemmungen, wenn einer endgültige Antworten für die Vorläufigkeiten unserer Existenz hat.
OK. Bei Musik ist es etwas anders. Da gibt es definitive Aussagen und absolute Wahrheiten. Und die mache ich. Da lass ich auch nicht mit mir diskutieren.
Hier gibt es z.B. phantastische psychedelische Musik der 60er.
Und trotzdem hast du manchmal ziemlich dezidierte Meinungen! Wie geht das zusammen?
Für mich schließt das eine (ein klarer Standpunkt) das andere (die Offenheit für den Dialog) nicht aus. Wenn man immer nur wischi-waschi um den heißen Brei herumschwurbelt, kommt nichts Vernünftiges dabei heraus. Das nennt sich dann Polit-Talk-Show und ist zum Gähnen. Lieber mal eine These zugespitzt und es fliegen die Fetzen, als dass alles in Langeweile erstirbt. Diskussionen auf meine Beiträge sind hiermit ausdrücklich erwünscht. Die sind das Salz in der Suppe.
Aber warum kann ich hier nicht sofort meinen Kommentar veröffentlichen, sondern du musst ihn erst absegnen? Ist das nicht Zensur?
Gegenfrage: Wie würdest du es in deinem Blog halten? Es ist ganz einfach meine Seite, auf manche „Kommentare“ habe ich einfach keine Lust (mehr) und manches ist mir zu doof. Die Seuche des Foren- und Gästebücher-Spammings in meinem Blog kann ich so ebenfalls besser einschränken. Ich hasse es, dass in manchen Gästebüchern, Blogs oder Foren die eigentlichen Beiträge kaum zu lesen sind vor lauter Spam. Und was es zu Spam zu sagen gibt, hat ja Monty Python definitiv klar gemacht:
Wie steht es denn mit deinen Texten? Darf ich die in meinem Blog oder meiner Seite verwenden?
Klar. Kein Problem. Ein paar Regeln bitte ich aber der Fairness halber einzuhalten:
- Bitte nenne mich als Quelle und verlinke auf meinen Blog. Das bringt mir und dir hoffentlich zusätzliche Leser. Und das freut bekanntlich jeden Blogger.
- Eine kurze Email an mich, dass du was von mir veröffentlichen willst, wäre nett, bzw. guter Stil.
- Das Copyright und -left für meine Texte habe weiterhin ausschließlich ich.
Und wie nehme ich Kontakt mit dir auf?
Du kannst entweder trommeln, laut schreien oder sonstwie auf dich aufmerksam machen. Werde ich aber kaum hören oder sehen. Darum hier meine Mailadresse:
Das FSM oder eine andere Grafik von deiner Seite gefallen mir. Was muss ich beachten, wenn ich sie verwenden will?
Schön, wenn du das so siehst. Ich gebe mir auch viel Mühe ansprechende Inhalte zu finden, die zur Seite passen. Die allermeisten Bilder stehen entweder unter einer GNU oder GNU-ähnlichen Lizenz. Bei manchen habe ich auch auf die Fundstelle verlinkt. Gehen wir also davon aus, dass dort die Rechte liegen…
Wie verhält es sich mit deinen links? Bist du dafür verantwortlich, was dann kommt?
Natürlich nicht. Geht auch gar nicht. Ich kann ja nicht alles fortdauernd überprüfen. Der allerorten zu findende „Disclaimer“ ist jedoch von zweifelhaftem Wert. Darum hier der Hinweis auf den wikipedia-Artikel dazu.
Es ist klar: Alle links sind zum aktuellen Zeitpunkt des Verfassens des Textes von mir geprüft. Sie dienen lediglich der Information des Lesers. Eine Verlinkung bedeutet nicht dass ich mit dem fremden Inhalt konform gehe. Auf Abänderungen, die zeitlich nach meinem link erfolgen, habe ich keinen Einfluss. Sollte in den verlinkten Texten zu irgendwelchen strafbaren Handlungen aufgerufen werden, oder sollten die Inhalte selbst strafbar sein, distanziere ich mich hier ausdrücklich davon.
Bei allem, worauf ich verlinke, rechne ich einfach mal mit dem mündigen Leser, der selbst entscheiden kann, was ihm gut tut, was er sehen möchte und wie er sich darüber seine Meinung bilden will.
Und was ist mit meiner Frage, die ist hier nicht beantwortet worden?
Pech gehabt. Nein. Spaß beiseite. Schreib sie mir, ich gebe mir Mühe, sie dir hinreichend und abschließend zu beantworten.


Lieber Ungenannter
Deine Ideologie könnte nicht weiter von meiner entfernt sein, deinen Atheismus halte ich für eine Religion und deine Musik ist für mich ein Greuel.
Was ich von deinen politischen Ansichten halte, wage ich gar nicht zu schreiben.
Aber dein Blog gefällt mir und daher habe ich dich in meine Blogroll aufgenommen.
traumperlentaucher