Aphorismus #508

Der Splitter in deinem Auge ist das beste Vergrößerungsglas.

Theodor W. Adorno, Minima Moralia Nr. 29

Veröffentlicht in:  on Montag, 12. Oktober 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
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Aphorismus #463

Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben.

Theodor W. Adorno (1903 – 1969) Minima Moralia #72

Stopp-Schild via link

Veröffentlicht in:  on Freitag, 28. August 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
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Aphorismus #446

Eine emanzipierte Gesellschaft jedoch wäre kein Einheitsstaat, sondern die Verwirklichung des Allgemeinen in der Versöhnung der Differenzen. Politik, der es darum im Ernst noch ginge, sollte deswegen die abstrakte Gleichheit der Menschen nicht einmal als Idee propagieren. Sie sollte statt dessen auf die schlechte Gleichheit heute, die Identität der Film- mit den Waffeninteressenten deuten, den besseren Zustand aber denken als den, in dem man ohne Angst verschieden sein kann.

Mal wieder etwas von Theodor W. Adorno (1903 – 1969): Minima Moralia „66 – Melange“. Mehrmaliges Lesen lohnt durchaus.

Aphorismus #380

Freiheit wäre, nicht zwischen schwarz und weiß zu wählen, sondern aus solcher vorgeschriebenen Wahl herauszutreten.

Theodor W. Adorno, Minima Moralia

Noch einmal etwas anlässlich der Europawahl: Solches Heraustreten wäre allzu verlockend, wenn man dadurch nicht den idiótes das Feld überlassen würde, die beherzt zwischen schwarz und weiß, gut und böse wählen wollen und wählen können.
Dazu ergänzend ein Bemerkung von Adorno in der Negativen Dialektik- die ich leider nur dem Sinne nach wiedergeben kann. Er  spricht davon, dass bereits das Aufstellen von Wahlmöglichkeiten eine Einschränkung der Freiheit sei. Wie wahr, wie wahr. Genau so komme ich mir derzeit vor. Und wahrscheinlich ein nicht unerheblicher Teil meiner Leser ebenfalls.

Aphorismus #362

Denken braucht sich an seiner eigenen Gesetzlichkeit nicht genug sein zu lassen; es vermag gegen sich selber zu denken, ohne sich preiszugeben; wäre eine Definition von Dialektik möglich, so wäre das als eine solche vorzuschlagen.

Theodor W. Adorno (1903 – 1969) , Negative Dialektik 1966

Veröffentlicht in:  on Dienstag, 19. Mai 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
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Aphorismus #348

Das Ganze ist das Unwahre.

Nach zweimal Wittgenstein heute Theodor W. Adorno: mehr als nur ein Fazit. Zu finden in „Minima Moralia- Reflexionen aus dem beschädigten Leben.“

Veröffentlicht in:  on Dienstag, 5. Mai 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
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Aphorismus #342

Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach.

Theodor W. Adorno, Negative Dialektik

Es bleibt dem TV-Konsumenten nichts erspart

Aber nach dem enormen Erfolg seiner dünnen Bücher, dünn ist vor allem der Inhalt aus Allgemeinplätzen aufgeblasen zur eklektischen Philosophie light,  nach seinen zahllosen Besuchen in Morgens-, Mittags, Abends- und Mitternachtsmagazinen, nach seiner medialen Omnipräsenz in den letzten Wochen (ich weiß gar nicht mehr wie viel Sendungen mit ihm ich weggezappt habe!) nun das: eine eigene Sendung für Herrn Dr. Richard David Precht, studierter Germanist und Philosoph. Promoviert nicht in Philosophie, sondern in Germanistik. Das befähigt einen nun mal viel besser im Verkauf von Philosophie im Buchhandel und im Fernsehen. Sloterdijk und Safranski, die meist schlechtere Hälfte des philosophischen Quartetts, machten es vor: beiden promovierten mit sprachwissenschaftlichen Arbeiten und verkaufen sich als große Philosophen, die sie einfach nicht sind.
Nun also Precht. Zuerst nur eine Pilotsendung. Aber es wird schon jetzt eine regelmäßige Sendung mit ihm angedroht. Und es geht darin genau über die Themen, um die sich Precht bisher erfolgreich gedrückt hat- bis auf die autobiographische Version in „Lenin kam nur bis Lüdenscheid“. Es geht um Gesellschaft und Politik . Das kann ja heiter werden. Eher langweilig und vor allem flach. So flach wie die norddeutsche Tiefebene. So flach wie der Rest seiner literarischen Produktion. Und politisch wie soziologisch wirklich Wichtiges wird auch nichts abfallen. Aber schön sagt er das. So gebildet. So adrett anzusehen und zu hören.

Wer wirkliche Philosophie will, bekommt die dummerweise nicht als Instant-Pulver zum Aufbrühen. Ein wenig, manchmal sogar verdammt viel Mühe muss man sich schon machen, will man in die Gedankenwelt der Philosophie einsteigen. Zum eigenen Quellenstudium gibt es nicht wirklich eine Alternative. Aber man wird, so man zu den richtigen Büchern greift, reich belohnt durch neue Erkenntnisse und einen geschärften Blick auf die Welt. Meine Empfehlung ist für den regelmäßigen Leser dieses Blogs sicher keine Überraschung: Adorno/ Horkheimer: Dialektik der Aufklärung und natürlich Marx und Engels, alles online zu haben, obwohl „richtige Philosophen“ waren die ja nicht. Vermutlich sind sie aber daher so aktuell. Noch früher geht es auch: die Aufklärer, die Römer, die Griechen. Alles keine schlechte Wahl. Hauptsache man macht um Nietzsche und Heidegger einen weiten Bogen. Übermenschen und allertiefste Seinsgründe sind verzichtbare Phantasmen deutschen Ungeistes.

Eine ganz entzückende, will heißen bitterböse Kritik über Prechts neuestes Elaborat: „Liebe. Ein unordentliches Gefühl“ ist in konkret 5/2009 erschienen und auch online verfügbar.

Moderne Inquisition

Zwar nicht mehr mit glühenden Zangen, Daumenschrauben und anderen ausgesuchten Quälereien, aber es gibt sie immer noch: die „gute alte Inquisition“. Sobald man sich als Atheist zu erkennen gibt, sobald man sagt, dass jenseits dieser Welt die große Leere ist, treten sie auf den Plan, die neuen Inquisitoren (lat. Aufspürer, Verfolger), jene unduldsamen Zeitgenossen, mit ihren Glaubenssystemen, die ohne jede Einladung oder Aufforderung Antworten einklagen auf die Fragen, die sie stellen. Rechtfertigen soll sich der Atheist, dass er so ist, wie er ist. Wie kommt er dazu, gottlos zu sein? Was erlaubt er sich den allg. religiösen Konsens aufzukündigen? Wie kann er sich erdreisten, zu behaupten der Glaube sei im Unrecht?

Diese aufdringliche Fragerei, die damit verbundenen Unterstellungen und Verdrehungen, die ganze inquisitorische Art der Diskussion, die dem Atheisten die Pistole auf die Brust setzt, die ihm einen metaphysischen Begründungszusammenhang aufnötigt, den er nicht teilt- all dies geht mir- und ich vermute mal: nicht nur mir!- mächtig auf die Nerven. Ständig soll ich meinen Atheismus beweisen und mich dafür rechtfertigen. Wo sie selbst keinen Beweise haben für ihre kollektive Psychose, nur Hirngespinste, Phantasmorgien. Ständig soll ich ihre aberwitzigen Lehrgebäude widerlegen. Wo doch nur ein Wort reicht: lächerlich. Ständig wird von mir verlangt, ein geschlossenes und widerspruchsfreies Weltbild darzulegen, während sie selbst bei jeder Gelegenheit ihren deus ex machina hervorholen. Davon habe ich allmählich die Nase gestrichen voll. Dieses hohle Spektakel metaphysischer Phrasendrescherei mache ich nicht mehr mit. Und es kotzt mich regelrecht an, wenn die Hüter des Hl. Grals transzendentaler Unlogik, mir vorwerfen, was sie selbst sind: Eingekerkert in Systeme voller Dogmen, Tabus und Denkverbote. Unfähig zu eigenständigem kritischen Denken. Ohne jeden klaren Blick auf die Realität. Die Welt immer nach ihren ver-rückten Maßstäben messend erklären sie alles andere für falsch, oberflächlich, unethisch und materialistisch! Sie sehen, so sicher wie das Amen in der Kirche, im anderen das, was sie selbst sind! DAS verbindet sie mit allen Ideologien aller Zeiten.

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Aphorismus #295

Die Wahrheit, dass sie [die Medien] nichts sind als Geschäft, verwenden sie als Ideologie, die den Schund legitimieren soll, den sie vorsätzlich herstellen. Sie nennen sich selbst Industrien, und die publizierten Einkommensziffern ihrer Generaldirektoren schlagen den Zweifel an der gesellschaftlichen Notwendigkeit der Fertigprodukte nieder.

Dieser Satz, schon über 60 Jahre alt, ist der beste Kommentar zu dem Wahnsinn, der seit dem Amoklauf von Winnenden wie ein Tsunami über den arglosen Medienkonsumenten hereingebrochen ist. Er stammt von Adorno und Horkheimer aus dem Kapitel „Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug“ ihres zeitlosen Werkes: Dialektik der Aufklärung. Ich habe mir lediglich erlaubt, das Wörtchen „Medien“ einzusetzen, im Original sind Rundfunk und Kino gemeint, das Fernsehen lag noch in den Anfängen.