Aphorismus #524

Das stärkste Argument gegen Gott wäre -
der Beweis seiner Existenz.

Motto des Romanes „Stollbergs Inferno“ von Michael Schmidt-Salomon

Aphorismus #514

Wort zum Sonntag #23

Das Wort zum Sonntag diesmal nicht von mir, sondern von einem Philosophen, der bestimmt nicht zu meinen Favoriten zählt, jedoch seine Kirchen- und Religionskritik ist oft sehr zutreffend und kommt in bildgewaltiger Sprache. Wie ich finde: ein Sonntags-Braten ganz eigener Art. Viel Vergnügen!

Von den Priestern

Und einstmals gab Zarathustra seinen Jüngern ein Zeichen und sprach diese Worte zu ihnen:

»Hier sind Priester: und wenn es auch meine Feinde sind, geht mir still an ihnen vorüber und mit schlafendem Schwerte!
Auch unter ihnen sind Helden; Viele von ihnen litten zuviel -: so wollen sie Andre leiden machen.
Böse Feinde sind sie: Nichts ist rachsüchtiger als ihre Demuth. Und leicht besudelt sich Der, welcher sie angreift.
Aber mein Blut ist mit dem ihren verwandt; und ich will mein Blut auch noch in dem ihren geehrt wissen.« -
Und als sie vorüber gegangen waren, fiel Zarathustra der Schmerz an; und nicht lange hatte er mit seinem Schmerze gerungen, da hub er also an zu reden:
Es jammert mich dieser Priester. Sie gehen mir auch wider den Geschmack; aber das ist mir das Geringste, seit ich unter Menschen bin.
Aber ich leide und litt mit ihnen: Gefangene sind es mir und Abgezeichnete. Der, welchen sie Erlöser nennen, schlug sie in Banden: -
In Banden falscher Werthe und Wahn-Worte! Ach dass Einer sie noch von ihrem Erlöser erlöste!
Auf einem Eilande glaubten sie einst zu landen, als das Meer sie herumriss; aber siehe, es war ein schlafendes Ungeheuer!
Falsche Werthe und Wahn-Worte: das sind die schlimmsten Ungeheuer für Sterbliche, – lange schläft und wartet in ihnen das Verhängniss.
Aber endlich kommt es und wacht und frisst und schlingt, was auf ihm sich Hütten baute.
Oh seht mir doch diese Hütten an, die sich diese Priester bauten! Kirchen heissen sie ihre süssduftenden Höhlen.
Oh über diess verfälschte Licht, diese versumpfte Luft! Hier, wo die Seele zu ihrer Höhe hinauf – nicht fliegen darf!
Sondern also gebietet ihr Glaube: »auf den Knien die Treppe hinan, ihr Sünder!«
Wahrlich, lieber sehe ich noch den Schamlosen, als die verrenkten Augen ihrer Scham und Andacht!
Wer schuf sich solche Höhlen und Buss-Treppen? Waren es nicht Solche, die sich verbergen wollten und sich vor dem reinen Himmel schämten?
Und erst wenn der reine Himmel wieder durch zerbrochne Decken blickt, und hinab auf Gras und rothen Mohn an zerbrochnen Mauern, – will ich den Stätten dieses Gottes wieder mein Herz zuwenden.
Sie nannten Gott, was ihnen widersprach und wehe that: und wahrlich, es war viel Helden-Art in ihrer Anbetung!
Und nicht anders wussten sie ihren Gott zu lieben, als indem sie den Menschen an’s Kreuz schlugen!
Als Leichname gedachten sie zu leben, schwarz schlugen sie ihren Leichnam aus; auch aus ihren Reden rieche ich noch die üble Würze von Todtenkammern.
Und wer ihnen nahe lebt, der lebt schwarzen Teichen nahe, aus denen heraus die Unke ihr Lied mit süssem Tiefsinne singt.
Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine jünger aussehen!
Nackt möchte ich sie sehn: denn allein die Schönheit sollte Busse predigen. Aber wen überredet wohl diese vermummte Trübsal!
Wahrlich, ihre Erlöser selber kamen nicht aus der Freiheit und der Freiheit siebentem Himmel! Wahrlich, sie selber wandelten niemals auf den Teppichen der Erkenntniss!
Aus Lücken bestand der Geist dieser Erlöser; aber in jede Lücke hatten sie ihren Wahn gestellt, ihren Lückenbüsser, den sie Gott nannten.
In ihrem Mitleiden war ihr Geist ertrunken, und wenn sie schwollen und überschwollen von Mitleiden, schwamm immer obenauf eine grosse Thorheit.
Eifrig trieben sie und mit Geschrei ihre Heerde über ihren Steg: wie als ob es zur Zukunft nur Einen Steg gäbe! Wahrlich, auch diese Hirten gehörten noch zu den Schafen!
Kleine Geister und umfängliche Seelen hatten diese Hirten: aber, meine Brüder, was für kleine Länder waren bisher auch die umfänglichsten Seelen!
Blutzeichen schrieben sie auf den Weg, den sie giengen, und ihre Thorheit lehrte, dass man mit Blut die Wahrheit beweise.
Aber Blut ist der schlechteste Zeuge der Wahrheit; Blut vergiftet die reinste Lehre noch zu Wahn und Hass der Herzen.
Und wenn Einer durch’s Feuer geht für seine Lehre, – was beweist diess! Mehr ist’s wahrlich, dass aus eignem Brande die eigne Lehre kommt!
Schwüles Herz und kalter Kopf: wo diess zusammentrifft, da entsteht der Brausewind, der »Erlöser«.
Grössere gab es wahrlich und Höher-Geborene, als Die, welche das Volk Erlöser nennt, diese hinreissenden Brausewinde!
Und noch von Grösseren, als alle Erlöser waren, müsst ihr, meine Brüder, erlöst werden, wollt ihr zur Freiheit den Weg finden!
Niemals noch gab es einen Übermenschen. Nackt sah ich Beide, den grössten und den kleinsten Menschen: -
Allzuähnlich sind sie noch einander. Wahrlich, auch den Grössten fand ich – allzumenschlich!

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900), Also sprach Zarathustra

Aphorismus #493

Wort zum Sonntag #20

Heute musikalisch vorgetragen

Aphorismus #479

Wort zum Sonntag #18

Göttliche Logik

Auch steht in eurem Gesetz geschrieben, dass zweier Menschen Zeugnis wahr sei. Ich bin’s, der von sich selbst zeugt; und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt auch von mir. Da fragten sie ihn: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater; wenn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen Vater.

Jesus im Johannesevangelium 8, 17-19

Wer immer noch meint, dass christlicher Glaube i.A., die Bibel im Besonderen und das Johannes-Evangelium speziell irgendetwas mit Logik zu tun hat, mit nachvollziehbaren Gedankengängen, mit dem normalen Leben normaler Menschen, wer das noch glaubt, ist entweder unwissend, blind, oder komplett Gehirn gewaschen. Anders kann man solchen Stuss nicht ernst nehmen. Und wer jetzt etwas von göttlicher Logik faselt, die über die des Menschen übersteigt, der hat zwar einen prima „deus ex machina“ immer griffbereit dabei, aber sinnvoll wird diese Aussage dadurch auch nicht. Wenn nach allgemein christlicher wie jüdischer Vorstellung Gott den Menschen mit Vernunft ausgestattet hat, um die Welt zu bestellen und zu regieren, warum um alles in der Welt ist es das erste, was der Allmächtige himself von seinen „Statthaltern“ fordert: eben diese Vernunft aufzugeben? Und zwar gründlich.
In den anderen Worten zum Sonntag und in weiteren Beiträgen in meinem Blog habe ich ja schon reichlich Material dazu gesammelt. Da ist die Kreiszahl Pi nicht 3,14…  sondern genau 3! Da dürfen Zicklein nicht in der Milch ihrer Mutter gekocht werden. Da sind Hasen Wiederkäuer. Da wollen notgeile Menschen Engel ficken. Da  ist die Welt in 6 Tagen + 1 Ruhetag geschaffen worden. Da konnte Moses von seinem eigenen Tod berichten. Da hat Jesus die Opfer der Sintflut mal eben zwischen Karfreitag und Ostern im Totenreich besucht usw. usf. Wenn es ein Buch gibt, dass vielfach absoluten Blödsinn erzählt, dann ist es die Bibel. Ach ja, der Koran ist nicht besser, das Buch Mormon sowieso und all die anderen „Heiligen“ Schriften der Menschheit sind ebenso voller unheiligem Müll. Die paar guten Stellen, die es dazwischen auch gibt, sind versteckt unter einem Wust von Drohungen, unglaublichen Geschichten und jeder Menge der jeweiligen Zeit geschuldetem pseudowissenschaftlichen Geschwätz; was dann in späteren Tagen die Apologeten der jeweiligen Bücher vor große Probleme gestellt hat und noch immer stellt. Die fundamentalistische Methode: alles ohne wenn und aber zu Gottes Wort zu erklären, ist zugleich die primitivste, die garantiert ohne eigenes Denken auskommt. Da zeugt dann irgendwie der Sohn und der Vater, obwohl der gar nicht da ist und die Hörer weder ihn noch Jesus kennen… Alle anderen Versuche, noch die besten Teile der Bibel für Glauben und Kirche zu retten, sind schon einiges intelligenter, aber redlicher, intellektuell redlicher sind sie nicht. Denn bei jeder Art des Buchglaubens kommt irgendwann der Punkt eines sacrificium intellectus, was einer totalen Kapitulation der Vernunft vor den Ansprüchen des verfassten, institutionalisierten Glaubens gleich kommt. Und darum geht es ja den Glaubensgemeinschaften, um die Macht über staatliche Institutionen und über die Menschen, die diesen Staat bilden. Ob sie wollen oder nicht.!

Über 200 Jahre nach der Aufklärung ist es endlich an der Zeit,

  • dass alle Kreuze mit und ohne Corpus aus Behörden, Gerichtssälen und Schulzimmern verbannt werden;
  • dass das Schwören vor Gericht auf die Bibel komplett abgeschafft wird (auch wenn es „nur“ optional und freiwillig ist);
  • dass alle staatlichen Gelder für kirchliche Institutionen (vom Kindergarten bis zur Hochschule) gestrichen werden, wenn die Träger nicht vorbehaltlos die staatlichen Regeln bei der Personaleinstellung, -führung und -beurteilung befolgen. Mit anderen Worten: keine Mitarbeiterin eines katholischen Kindergartens soll mehr Angst davor haben müssen, gekündigt zu werden, wenn sie in „wilder“ Ehe lebt oder sich gar scheiden lässt! Und auch Atheisten sollen nicht länger ausgesperrt werden.
  • dass in einem darauf folgenden Schritt, die Kirchen ganz aus den Einrichtungen verschwinden, die sie in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen bringt;
  • dass der Religionsunterricht allenfalls ein Wahlfach wird, wie in Berlin, oder ganz abgeschafft wird. Wie kommt der Staat dazu, die Mitgliederwerbung für die Kirchen zu bezahlen und zu fördern?

DAS wäre eine logische Konsequenz, das wäre ein Verweigern des sacrificium intellectus seitens des Staates. Das wird hoffentlich kein Traum bleiben. Wenn in den Kirchen plötzlich eine regimekritische Bewegung heranreifte, wenn man dort offen gegen das kapitalistische System Partei ergriffe, wenn also die Kirchen in der Gesamt-BRD das täten, was sie in der DDR taten, dann, ja dann sähen sich die Politiker ganz schnell dazu gezwungen, eine nachhaltige Trennung von Kirche und Staat durchsetzen, weil dann die Kirche ihren System stabilisierenden Charakter und ihre gesellschaftlich relevante Position verlöre und zum subversiven Beginn des Christentums zurückfände . Das Abendland, es ginge davon nicht unter. Das ist nur billige Propaganda der Kirchen. Sie werden alles dafür tun, dass die Hand, die sie füttert, ja nicht gebissen wird.

Vielleicht sollten alle (linken Atheisten) einen langen Marsch durch die Institutionen der Kirche antreten, diese von innen her politisch radikalisieren und so dafür sorgen, dass das öffentliche Leben weitgehend aufgeklärt und glaubensfrei wird.

Man wird ja noch träumen dürfen…

Aphorismus #430

Wort zum Sonntag #11

Noch mal zum Nachlesen: Islam in 30 Sekunden

  • Glaube an einen Gott, der allmächtig ist, der Schöpfer, Lenker und Herrscher des ganzen Universums
  • Er hat die Menschen erschaffen, damit sie ihm dienen
  • Er hat Gesandte und Bücher geschickt:Wer an die Gesandten glaubt und den Büchern folgt, wird ins Paradies gehen
  • Wer nicht, wird in die Hölle gehen
  • Der letzte Bote Gottes: Mohammed mit dem Koran, der letzten Botschaft Gottes
  • Das hast du zu glauben

Pierre Vogel, der Meister dieser 30 Sekunden, ist Konvertit und Prediger eines reaktionären aber nicht als aggressiv bekannten Spielart des Islam, auch mit dem entsprechenden Frauenbild. Ziel seiner Arbeit ist es, möglichst viele vor allem junge Menschen zu Allah zu bekehren, ein islamischer Erweckungsprediger also.  Auch wenn für manchen sein „Islam in 30 Sekunden“ die Sache total verkürzen mag, hat diese Darstellung doch den Vorteil, dass sie die zentralen Punkte eines orthodoxen Islam auf den Punkt bringt, und dies jenseits des üblichen 5 Säulen-Geblubbers, das nur den äußeren Kultus beschreibt und kaum den Inhalt. Zudem lässt sich an seinem Verhalten und seinen Worten sehr schön nicht nur die „Psychopathologie“ eines islamischen Erweckungspredigers erkennen, sondern auch die seiner christlichen Kollegen: die Strukturen sind gleich, nur die Etiketten sind andere.

Soweit das Vorspiel, kommen wir zum Eigentlichen, dem 30-Sekunden-Islam.

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Kanzelmärchen #3

Jeder Mensch glaubt!

Jeder glaubt. Ausnahmslos. Jeder! Wenn nicht an einen Gott, dann eben an das Schicksal, die Sterne, die Evolution, an eine Ideologie, an Freitag den 13ten oder an Erdstrahlen… Egal was. Der Mensch glaubt, jeder, auch der Atheist.

Noch nie gehört? Noch nie dem arroganten Grinsen eines Vertreters göttlicher Weisheiten begegnet, der meinte, damit jeglichen Atheismus endgültig ad absurdum führen zu können? Noch nie in trauter Runde nach ein paar Bieren „Einen Glauben braucht ein jeder!“ vernommen?  Wohl kaum. Dass jeder glaubt, ja glauben muss, das ist für die Gläubigen eine Binsenweisheit. Schließlich glauben sie ja selbst! Welch umwerfende Logik! Dass es schlicht Unfug ist, interessiert die Vertreter des organisierten wie des frei fluktuierenden Aberglaubens nicht. Einen Nicht-Gläubigen darf es einfach nicht geben, denn nicht der Unglaube, sondern der Nicht-Glaube stürzt die Verfechter der Glaubenswahrheiten in größte Aporie!
Man könnte sich mit einem entschiedenen „Nein!“ als Kommentar zum Unfug des „Jeder glaubt etwas“ begnügen, aber so einfach möchte ich es in den „Kanzelmärchen“ den Propagandisten göttlicher Wahrheiten nicht machen. Ihre Lehren und „Weisheiten“ kommen hier auf den Prüfstand, ihre Vereinnahmung der Wirklichkeit und ihr Herrschaftsanspruch über den philosophisch-weltanschaulichen Diskurs ebenso. Im Gegensatz zu ihrem Gejammere, dass das Abendland immer unchristlicher werde, haben die Kirchen noch viel zu viel Einfluss in Deutschland. Spätestens an hohen Feiertagen merkt man das, wenn die festlich gewandeten Würdenträger in die dankbar auf sie gerichteten Kameras andachtsvoll hineinglotzen sehen und noch bereitwilliger in jedes ihnen willfährig  vorgehaltene Mikrofon salbadern. Ein schauriges Schauspiel, das sich jedes Weihnachten, jedes Ostern, jedes Pfingsten, jede Bischofskonferenz und jede Generalsynode wiederholt. „Herr erlöse uns vor diesem Übel!“ Das wäre mal ein sinnvolles Gebet, wenn es denn helfen würde. ;-)
Atheismus ist im Gegensatz zu den Religionen keine Angelegenheit für irgendwelche äffischen Zeremonien, für in Scheinheiligkeit erstarrte alte Herren und für ein tumbes Volk, das zu fressen hat, was ihm vorgesetzt wird. Atheismus ist nichts für Denkfaule, für Köhler und für die Gefangenen ihrer simpel gestrickten Weltbilder. Atheismus ist etwas für denkende Menschen, die nachbohren, die nachfragen, die sich nie zufrieden geben mit billigen Antworten. Diesem empirisch und logisch begründeten Atheismus stoßen viele, allzu viele Thesen der vereinten Glaubensfront sauer auf. Schon allein deswegen muss der Atheismus desavouiert werden, z.B. indem die Mär vom Glauben als conditio humana, die Legende vom Jedermann-Glauben erzählt wird und so en passant auch  der Atheismus vereinnahmt wird.

Bild via link

Und was ist jetzt die Narrenkappe?

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Aphorismus #377

Der gern geäußerte Vorwurf , beim Atheismus handle es sich auch nur um eine weitere Religion, entspringt der Vorstellung, auch derjenige sei abergläubisch, der keine Angst vor schwarzen Katzen hat.

Fritzi Busch, Contra Reli in konkret 6/2009 S. 43

Atheist

Kanzelmärchen #1

Von gottloser Unmoral und ethischer Beliebigkeit

Bischof Mixa hat Ostern 2009 in seiner Predigt mal wieder das getan, was so gerne von den Würdenträgern des organisierten Aberglaubens getan wird: er hat ein Märchen erzählt. Diesmal keines aus der Bibel, sondern eines aus der Gegenwart. Eines über den Lieblingsgegner der römischen Krägen, über den Ursprung alles Bösen seit der Aufklärung, über den vermaledeiten Atheismus. Der erhebt je länger je mehr keck sein Haupt und vergrault dem Klerus die Kundschaft. Dagegen muss angegangen werden. Mit allen Mitteln. Und seien diese noch so idiotisch und noch so leicht zu durchschauen! Getreu dem Motto: Du musst deinen Gegner nur lange genug mit Dreck bewerfen, es wird bestimmt etwas haften bleiben. Das Rauschen im Blätterwald nach dem bischöflichen Ausraster war zwar diesmal heftiger als gewohnt, jedoch wird das weder ihn noch die anderen Kanzeldemagogen von ihrer plumpen plumpen Dämonisierung des Atheismus abhalten.
Hier nun ein wenig Futter für die ach so „spaßigen“ Diskussionen mit den Frommen und Frömmlern dieser Erde. Denn nichts macht es den Glaubensaposteln leichter, als wenn die Ungläubigen sich nicht zu wehren wissen. Es braucht schon ein wenig mehr als nur ein billiges „Jesus hat nie gelebt!“, will man in einem Disput mit den frommen Hansguckindielufts bestehen. Dieser Text ist die Nummer 1 einer kleinen von mir geplanten Reihe, in der ich einige ihrer beliebtesten Vorwürfe gegen den Atheismus einerseits und ihre angeblich ewigen Wahrheiten andererseits  genauer unter die Lupe nehmen möchte. Wer der Meinung ist, dass ich dabei zu schroff bin, mich dabei einer zu herben Sprache bediene, und doch bitteschön mehr Respekt vor den Glauben anderer zeigen sollte, dem kann ich nur entgegnen: vor meinem Nichtglauben, vor meinem Pochen auf den Vorrang der Vernunft zeigt das fromme Bodenpersonal auch keinen Respekt. Quid pro quo, meine Herren, meist sind es ja Herren, die in den Hierarchien bestimmen. aber das bekommt man nicht von Leuten, die meinen Gott stünde auf ihrer Seite.

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Wer glaubt, spinnt!

Unter diesem schönen, griffigen und ach so wahren Titel ist in telepolis eine Kritik über den neuen Larry Charles’ und Bill Mahers Film „Religolous“ zu lesen. Wie immer von Rüdiger Suchsland, dessen Urteil ich zu vielen Filmen (wiewohl nicht immer) zu schätzen gelernt habe. Eine Doku-Komödie, die Religion in allen möglichen Varianten sich selbst lächerlich machen lässt. Klingt vielversprechend.

Interessant ist auch die anschließend heftige Diskussion, wie immer bei religiösen Themen, wenn sich die „Fromme Armee Fraktion“ auf den Schlips getreten fühlt. Ich habe auch als „Wächter der Nacht“ ein paar Steine ins Wasser geworfen und „durfte“ merken, dass mein Artikel über „Moderne Inquisition“ absolut nicht übertrieben war. Mit Religionsphantasten lässt sich nicht reden. Definitiv nicht.

religolous

Moderne Inquisition

Zwar nicht mehr mit glühenden Zangen, Daumenschrauben und anderen ausgesuchten Quälereien, aber es gibt sie immer noch: die „gute alte Inquisition“. Sobald man sich als Atheist zu erkennen gibt, sobald man sagt, dass jenseits dieser Welt die große Leere ist, treten sie auf den Plan, die neuen Inquisitoren (lat. Aufspürer, Verfolger), jene unduldsamen Zeitgenossen, mit ihren Glaubenssystemen, die ohne jede Einladung oder Aufforderung Antworten einklagen auf die Fragen, die sie stellen. Rechtfertigen soll sich der Atheist, dass er so ist, wie er ist. Wie kommt er dazu, gottlos zu sein? Was erlaubt er sich den allg. religiösen Konsens aufzukündigen? Wie kann er sich erdreisten, zu behaupten der Glaube sei im Unrecht?

Diese aufdringliche Fragerei, die damit verbundenen Unterstellungen und Verdrehungen, die ganze inquisitorische Art der Diskussion, die dem Atheisten die Pistole auf die Brust setzt, die ihm einen metaphysischen Begründungszusammenhang aufnötigt, den er nicht teilt- all dies geht mir- und ich vermute mal: nicht nur mir!- mächtig auf die Nerven. Ständig soll ich meinen Atheismus beweisen und mich dafür rechtfertigen. Wo sie selbst keinen Beweise haben für ihre kollektive Psychose, nur Hirngespinste, Phantasmorgien. Ständig soll ich ihre aberwitzigen Lehrgebäude widerlegen. Wo doch nur ein Wort reicht: lächerlich. Ständig wird von mir verlangt, ein geschlossenes und widerspruchsfreies Weltbild darzulegen, während sie selbst bei jeder Gelegenheit ihren deus ex machina hervorholen. Davon habe ich allmählich die Nase gestrichen voll. Dieses hohle Spektakel metaphysischer Phrasendrescherei mache ich nicht mehr mit. Und es kotzt mich regelrecht an, wenn die Hüter des Hl. Grals transzendentaler Unlogik, mir vorwerfen, was sie selbst sind: Eingekerkert in Systeme voller Dogmen, Tabus und Denkverbote. Unfähig zu eigenständigem kritischen Denken. Ohne jeden klaren Blick auf die Realität. Die Welt immer nach ihren ver-rückten Maßstäben messend erklären sie alles andere für falsch, oberflächlich, unethisch und materialistisch! Sie sehen, so sicher wie das Amen in der Kirche, im anderen das, was sie selbst sind! DAS verbindet sie mit allen Ideologien aller Zeiten.

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