Aphorismus #316

Evolution is just a theory
- kind of like gravity!

Die Amis haben uns manchmal sehr viel voraus. Z.B. die locker flockigen Sprüche, mit denen die Gottlosen in den USA gegen die Religionsverdummung angehen.

Und die Kreationisten haben doch Recht!

Ja, richtig gelesen:
Die Kreationisten haben Recht!
Sie haben im Gegensatz zu den vielen anderen weit weniger radikalen Gläubigen erkannt, dass der Glaube an einen Schöpfergott sich mit der Evolutionstheorie beißt, dass beides im Grunde nicht zusammenpasst. Es gibt ihn eben noch immer: den alten Antagonismus aus empirischer, wissenschaftlicher Weltbeschreibung und dem Glauben an transzendente Mächte. Wird Zeit, dass der seitens der Wissenschaft stärker herausgearbeitet wird.

Evolution als offener Prozess aus „Zufall und Notwendigkeit“

Die von Darwin begründete und bis heute unzählige Male empirisch, statistisch und genetisch verifizierte Evolutionstheorie hat u.a. folgende unverzichtbare Axiome:

  • Komplexere Arten sind aus einfacheren entstanden. Es gibt einen evolutionären Stammbaum.
  • Bei der Vererbung von einer Generation zur anderen kommt es immer wieder zu zufälligen Veränderungen.
  • Die Mechanismen dabei sind Rekombimation, Mutation, Selektion und Gendrift.
  • Erfolgreich sind diejenigen Arten, die sich veränderten Umweltbedingungen am besten anpassen.
  • Die Evolution geht unaufhörlich weiter. Wir sind nicht die „Krone der Schöpfung“.
  • Die Evolution ist kein teleologischer Prozess: sie entwickelt sich nicht auf ein irgendwie geartetes Ziel hin.

So ungefähr lauten die wichtigsten Axiome der Evolutionstheorie. In der heutigen Biologie gilt sie als die grundlegende Einsicht in die Natur des Lebendigen und ist Basis für alles weitere.
Philosophisch weitergeführt hat diese Thesen der Biologe und Nobelpreisträger  Jacques Monod in seinem Essay „Zufall und Notwendigkeit„. Er hat diese Mechanismen als Grundprinzip nicht nur des Lebens, sondern als das alles Seienden zusammengefasst in dem berühmten Wortpaar „Zufall und Notwendigkeit“. Das gesamte Universum von den kleinsten Einheiten des Mikrokosmos bis hin zum Ganzen des Makrokosmos folgt diesem Prinzip von einer Kombination aus Bedingungen, Naturgesetzen und Notwendigkeiten auf der einen Seite und den großen und kleinen Zufällen, den Kontingenzen und dem allgegenwärtigen „Quantenrauschen“ auf der anderen.

Der Zufall als Gestaltungsprinzip für alles Natürliche? Das widerspricht nicht nur einer wissenschaftlichen Herangehensweise an die Dinge: „Zufall“ lässt sich eben gerade nicht fassen, nicht in Formeln oder Theoreme bannen. Höchstens Wahrscheinlichkeiten können angegeben werden. Bei der Quantenmechanik ist dies weithin akzeptiert, trotz Einsteins Verdikt, dass „Gott nicht würfle“. Beim Lottospielen auch. In der Chaosforschung ebenfalls. Aber sobald es um Biogenese i.A. und Anthropogenese im Besonderen geht, ist es aus mit der Akzeptanz, besser dem Aushalten der Zufälligkeit von allem und jedem. Am allerwenigsten gibt es Bereitschaft diese Erkenntnisse auf die eigene Existenz anzuwenden. Da muss plötzlich alles „Sinn“ und „Ziel“ haben, da gilt der Zufall als obsolet, nicht weil er an dieser Stelle wissenschaftlich falsch wäre, sondern weil er „Unbehagen“ bereite, eine ontologische Kapitulation bedeute und keine befriedigende Antwort auf die Sinnfrage gebe.

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„Der Trend zum Kreationismus ist ungebrochen“

Unter dieser Überschrift findet sich auf SPON ein Interview mit Dr. Dittmar Graf, Professor für Didaktik der Biologie an der TU Dortmund, über die Ergebnisse einer (inzwischen zweiten!) Studie, die belegt, dass knapp 15 % der Studierenden im ersten Semester fürs Lehramt (!) grundlegende Elemente der Evolutionstheorie nicht verstehen und ablehnen! Und dies auch unter Biologie Studierenden!
Was werden die einmal den Schülerinnen und Schülern erzählen? Dass Darwin auch „nur“ so eine Theorie ist? Dass Gott die Erde vor 10.000 Jahren geschaffen hat? Dass die Schöpfungsgeschichten der Bibel (Genesis 1 und 2) oder des Koran (Buch 32 Sure 4 und andere), weil göttliche Offenbarung, mehr Wahrheitsgehalt haben? Grausen könnte es einem über soviel Ignoranz und Hinter-dem-Mond-Sein!
Zu hoffen ist nur, dass Graf und seine Kollegen den Studierenden ihren Aberglauben bis zum Examen mit dem Geist der Aufklärung gehörig austreiben können: „Kreationistisches Denken ist gleichzeitig auch antiwissenschaftliches Denken und die Aufgabe der Universität ist natürlich, Wissenschaft zu vermitteln, insofern ist Kreationismus schädlich und muss auch intensiv bedacht und angegangen werden. Es ist ja so, dass Kreationisten vielfach von sich selber behaupten, sie würden Wissenschaft betreiben. Wenn man aber genauer hinschaut, ist es alles andere als Wissenschaft. Es ist Pseudowissenschaft.“
Eine Frage stelle ich mir allerdings schon noch: Wie dürftig ist das, was Gymnasiasten im Unterricht lernen? Ach ja: es wird inzwischen ja, Bertelsmann sei Dank, alles auf Effizienz getrimmt! Könnte diese Ignoranz gegenüber echter Wissenschaft. nicht auch eine Folge des Abiturs nach 12 Jahren sein?

Aphorismus #266

If it could be demonstrated that any complex organ existed, which could not possibly have been formed by numerous, successive, slight modifications, my theory would absolutely break down. But I can find out no such case.

Und da warten Charles Darwin, dessen 200. Geburtstag wir heute feiern,  und die ihm nachfolgenden Wissenschaftler vergeblich darauf, dass diese Wette von den zahllosen großmäuligen und lautstarken Gegnern, Kreationisten, ID-lern etc angenommen worden wäre. Seit dem Erscheinen von „Origin of Species“ (1859) gibt es keine grundsätzlichen und fundamentalen Erkenntnisse, die seine Theorie von der Entstehung der Arten über den Haufen geworfen hätten.

british_two_pound_coin_2009_charles_darwin1Britische Gedenkmünze zum Darwinjahr
Sie hätte ihm gefallen

Mal wieder was gelernt!

Diese Woche ist auf 3sat aus Anlass des Darwin-Jahrs 2009 ein Programmschwerpunkt „Der Darwin-Code“. Und was ich bisher gesehen habe, war sehr informativ und aufschlussreich: auch in Sachen Evolutionstheorie bleibt die Forschung nicht stehen, sie verfeinert die Merhodik, macht neue Entdekungen, bringt neue Erklärungen. Hier in Stichworten die Themen, für die ich mich am meiste interessierte, abgerundet mit Links zum Nachlesen und Nachsehen:

  • Epigenetik: der „kurze und schnelle Weg der Evolution“. Dabei geht es um die Erkenntnis, dass äußere Umstände das Erbgut verändern können, indem bestimmte Eiweißbausteine einzelne Gene ein- oder ausschalten. Dieses Phänomen ist bekannt. Es gibt aber inzwischen statistische (beim Menschen) und experimentelle (z.B. bei Drosophila) Hinweise, die darauf schließen lassen, dass epigenetische Veränderungen bei der Zeugung mit vererbt werden! Lamarck könnte also ein bisschen Recht haben! Noch will kein Wissenschaftler sich zu weit aus dem Fenster lehnen, aber vieles spricht für die Thesen der Epigenetiker. Die Sendung gibt es hier zum Anschauen. Zum Nachlesen habe ich gleich zwei Beiträge beim Deutschlandradio gefunden: einer von 2006 als pdf und ein zweiter von 2007. Und wer vor Fachbegriffen und einem Exzerpt-Stil (Power-Point) nicht zurückschreckt, kann sich hier über neue Thesen zu „Epigenetische Regulationsmechanismen psychischer Erkrankungen“ informieren.
  • Das zweite spannende Thema, wie ich finde, waren die neuesten Ergebnisse zur Herkunft unseres sozialen und ethischen Verhaltens. Diese Thesen der Forscher stehen im krassen Widerspruch zur christlichen Lehre von der sog. Erbsünde, aber auch zum bisherigen entwicklungspsychologisch begründeten Postulat von der „kleinen Egoisten“. Beides ist ganz falsch. Als soziale Wesen, die wir sind, ist uns ein Teil unseres Sozialverhaltens angeboren. Dieses Erbe teilen wir auch mit den Schimpansen. Für mich sehr eindrucksvoll war das Experiment mit dem heruntergefallenen Gegenstand des Experimentators: wie ein 18 Monate altes Kind genauso wie der Schimpanse spontan aufsteht, hingeht, den Gegenstand aufhebt und dem Experimentator gibt! Weder hatten Kind und Schimpanse einen Vorteil davon, noch gab es eine Belohnung. Und auch beim zweiten- und drittenmal klappte das Experiment! – Um ein Missverständnis von vorneherein auszuschließen: natürlich halte ich nicht die gesamte menschliche Ethik für angeboren. Aber die Keime unseres Sozialverhaltens sind uns in den Genen mitgegeben. Darauf baut alle philosophische wie religiöse Ethik auf, bzw. schafft es letztere, dass wir lernen gegen sie zu verstoßen, indem wir Andersgläubige hassen, unsinnige Vorschriften befolgen etc
  • Im Zusammenhang mit unserem Sozialverhalten wird inzwischen die These aufgestellt, dass besonders unser soziales Verhalten die Gehirne der Hominiden so rasch anwachsen ließ. Zum Video, zum Text.
  • Auch zur Evolution allgemein, nicht nur zu der des Menschen, wurden eindrucksvolle Bilder und ebenso eindrucksvolle Forschungsfelder präsentiert. So z.B. über die Evolution des Auges mit einem Exkurs zum Sehen überhaupt. Dass wir z.B. nicht die Wirklickeit sehen, sondern nur das, was unser Gehirn wahrnehmen kann (eben kein ultraviolettes Licht) und was das Gehirn „durchlässt“, was es für wichtig erachtet.  Wie der Mensch massiv und kontraproduktiv selbst zum Selektionsfaktor wird, wurde am Beispiel des Angelns gezeigt.

Immer wenn man der Meinung ist, die Forschung auf diesem oder jenem Gebiet habe nicht mehr viel Aufregendes zu bieten, wird man eines besseren belehrt! – Wir leben in interessanten Zeiten. Und das meine ich ganz positiv!

Aphorismus #236

I think

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Charles Darwin’s 1837 sketch, his first diagram of an evolutionary tree from his First Notebook on Transmutation of Species (1837) on view at the Museum of Natural History in Manhattan.

Diese Zeichnung leitete die bis dato wohl größte Revolution in der Wissenschaftsgeschichte ein!

Danke Darwin!

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Der homo sapiens als narzisstische Spezies

Diskutiert man in Foren über Themen wie die Ergebnisse der neueren Neurowissenschaften und ihre Implikationen für eine zeitgemäße, wissenschaftliche Antwort auf die Frage danach, was der Mensch ist, so bricht leicht ein Sturm der Entrüstung inklusive hemmungsloser Verunglimpfungen, Beleidigungen und diverser Schläge unter der Gürtellinie los. „Die Gehirnforscher wissen nichts!“ „Das ist alles Mist“ „Da kannst du dir gleich einen Strick nehmen!“ ….

Ähnliches passiert auch regelmäßig, wenn es um das Thema Speziesismus bzw. Antispeziesismus geht: da schmeißen sich die Teilnehmer die wüstesten Beschimpfungen an den Kopf: die Veganer bezeichnen andere gerne mal als Mörder, Tierhasser, Verbrecher, mitschuldig an den Geflügel-KZs …. Die Gegenseite wiederum wirft den Tierrechtlern bodenlose Dummheit und Naivität vor, ja dass sie selbst halbe Affen seien mit ihren verrückten Thesen.

Hilfreich ist das alles nicht. Im Gegenteil. Solche Diskussionen hinterlassen meist einen breiten Flurschaden: zurück bleiben Ärger, Wut aber auch Überheblichkeit und Arroganz. Da ich mitten drin war in solchen Debatten, habe ich mich gefragt, woran dies liegen könnte? Ich bin dabei auf die These gekommen, die diesen Beitrag als Überschrift dient: Der homo sapiens eine narzisstische Spezies?

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Zufall und Notwendigkeit

So ist das Bild in der Sixtinischen Kapelle ...

Als 1970 der französische Nobelpreisträger Jacques Monod unter diesem Titel (im Original: Le hasard et la nécessité) einen Essay veröffentlichte, ging ein Rauschen durch den Blätterwald. Da hatte endlich ein Naturwissenschaftler den Mut, die Ergebnisse seiner Forschungen (aus Genetik und Biologie) auf Philosophie und Religion anzuwenden. Wäre er bei seinen Leisten, sprich der Evolution bzw. Mikroevolution auf DNA-Ebene geblieben, wäre sein Buch kaum aufgefallen. Aber so traten die Gralshüter aller religiösen und quasireligiösen Sinnstiftungssysteme auf den Plan und versuchten Monod zu widerlegen. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie sich 10 Jahre später ein Evang. Theologie-Professor ereiferte über diese „Engführung“, der doch das Entscheidende fehlte: die religiöse Dimension. Es gehe nicht an, dass die Biologie solche weitreichenden Aussagen treffe. Um dem Menschen sagen zu können, wer er wirklich sei und was der Sinn des Lebens sei, brauche es eben die Theologie.

Warum nicht so?

So finde ich das Bild viel ansprechender!

Ich denke, dies kann, ja muss man anders sehen! Gerade die von philosophischen wie religiösen Scheuklappen befreite naturwissenschaftliche Sicht kann uns helfen, zu begreifen, wer oder was wir tatsächlich sind.

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