Evolution is just a theory
- kind of like gravity!
Die Amis haben uns manchmal sehr viel voraus. Z.B. die locker flockigen Sprüche, mit denen die Gottlosen in den USA gegen die Religionsverdummung angehen.
Die Amis haben uns manchmal sehr viel voraus. Z.B. die locker flockigen Sprüche, mit denen die Gottlosen in den USA gegen die Religionsverdummung angehen.
Ja, richtig gelesen:
Die Kreationisten haben Recht!
Sie haben im Gegensatz zu den vielen anderen weit weniger radikalen Gläubigen erkannt, dass der Glaube an einen Schöpfergott sich mit der Evolutionstheorie beißt, dass beides im Grunde nicht zusammenpasst. Es gibt ihn eben noch immer: den alten Antagonismus aus empirischer, wissenschaftlicher Weltbeschreibung und dem Glauben an transzendente Mächte. Wird Zeit, dass der seitens der Wissenschaft stärker herausgearbeitet wird.
Die von Darwin begründete und bis heute unzählige Male empirisch, statistisch und genetisch verifizierte Evolutionstheorie hat u.a. folgende unverzichtbare Axiome:
So ungefähr lauten die wichtigsten Axiome der Evolutionstheorie. In der heutigen Biologie gilt sie als die grundlegende Einsicht in die Natur des Lebendigen und ist Basis für alles weitere.
Philosophisch weitergeführt hat diese Thesen der Biologe und Nobelpreisträger Jacques Monod in seinem Essay „Zufall und Notwendigkeit„. Er hat diese Mechanismen als Grundprinzip nicht nur des Lebens, sondern als das alles Seienden zusammengefasst in dem berühmten Wortpaar „Zufall und Notwendigkeit“. Das gesamte Universum von den kleinsten Einheiten des Mikrokosmos bis hin zum Ganzen des Makrokosmos folgt diesem Prinzip von einer Kombination aus Bedingungen, Naturgesetzen und Notwendigkeiten auf der einen Seite und den großen und kleinen Zufällen, den Kontingenzen und dem allgegenwärtigen „Quantenrauschen“ auf der anderen.
Der Zufall als Gestaltungsprinzip für alles Natürliche? Das widerspricht nicht nur einer wissenschaftlichen Herangehensweise an die Dinge: „Zufall“ lässt sich eben gerade nicht fassen, nicht in Formeln oder Theoreme bannen. Höchstens Wahrscheinlichkeiten können angegeben werden. Bei der Quantenmechanik ist dies weithin akzeptiert, trotz Einsteins Verdikt, dass „Gott nicht würfle“. Beim Lottospielen auch. In der Chaosforschung ebenfalls. Aber sobald es um Biogenese i.A. und Anthropogenese im Besonderen geht, ist es aus mit der Akzeptanz, besser dem Aushalten der Zufälligkeit von allem und jedem. Am allerwenigsten gibt es Bereitschaft diese Erkenntnisse auf die eigene Existenz anzuwenden. Da muss plötzlich alles „Sinn“ und „Ziel“ haben, da gilt der Zufall als obsolet, nicht weil er an dieser Stelle wissenschaftlich falsch wäre, sondern weil er „Unbehagen“ bereite, eine ontologische Kapitulation bedeute und keine befriedigende Antwort auf die Sinnfrage gebe.
Unter dieser Überschrift findet sich auf SPON ein Interview mit Dr. Dittmar Graf, Professor für Didaktik der Biologie an der TU Dortmund, über die Ergebnisse einer (inzwischen zweiten!) Studie, die belegt, dass knapp 15 % der Studierenden im ersten Semester fürs Lehramt (!) grundlegende Elemente der Evolutionstheorie nicht verstehen und ablehnen! Und dies auch unter Biologie Studierenden!
Was werden die einmal den Schülerinnen und Schülern erzählen? Dass Darwin auch „nur“ so eine Theorie ist? Dass Gott die Erde vor 10.000 Jahren geschaffen hat? Dass die Schöpfungsgeschichten der Bibel (Genesis 1 und 2) oder des Koran (Buch 32 Sure 4 und andere), weil göttliche Offenbarung, mehr Wahrheitsgehalt haben? Grausen könnte es einem über soviel Ignoranz und Hinter-dem-Mond-Sein!
Zu hoffen ist nur, dass Graf und seine Kollegen den Studierenden ihren Aberglauben bis zum Examen mit dem Geist der Aufklärung gehörig austreiben können: „Kreationistisches Denken ist gleichzeitig auch antiwissenschaftliches Denken und die Aufgabe der Universität ist natürlich, Wissenschaft zu vermitteln, insofern ist Kreationismus schädlich und muss auch intensiv bedacht und angegangen werden. Es ist ja so, dass Kreationisten vielfach von sich selber behaupten, sie würden Wissenschaft betreiben. Wenn man aber genauer hinschaut, ist es alles andere als Wissenschaft. Es ist Pseudowissenschaft.“
Eine Frage stelle ich mir allerdings schon noch: Wie dürftig ist das, was Gymnasiasten im Unterricht lernen? Ach ja: es wird inzwischen ja, Bertelsmann sei Dank, alles auf Effizienz getrimmt! Könnte diese Ignoranz gegenüber echter Wissenschaft. nicht auch eine Folge des Abiturs nach 12 Jahren sein?
Und da warten Charles Darwin, dessen 200. Geburtstag wir heute feiern, und die ihm nachfolgenden Wissenschaftler vergeblich darauf, dass diese Wette von den zahllosen großmäuligen und lautstarken Gegnern, Kreationisten, ID-lern etc angenommen worden wäre. Seit dem Erscheinen von „Origin of Species“ (1859) gibt es keine grundsätzlichen und fundamentalen Erkenntnisse, die seine Theorie von der Entstehung der Arten über den Haufen geworfen hätten.
Diese Woche ist auf 3sat aus Anlass des Darwin-Jahrs 2009 ein Programmschwerpunkt „Der Darwin-Code“. Und was ich bisher gesehen habe, war sehr informativ und aufschlussreich: auch in Sachen Evolutionstheorie bleibt die Forschung nicht stehen, sie verfeinert die Merhodik, macht neue Entdekungen, bringt neue Erklärungen. Hier in Stichworten die Themen, für die ich mich am meiste interessierte, abgerundet mit Links zum Nachlesen und Nachsehen:
Immer wenn man der Meinung ist, die Forschung auf diesem oder jenem Gebiet habe nicht mehr viel Aufregendes zu bieten, wird man eines besseren belehrt! – Wir leben in interessanten Zeiten. Und das meine ich ganz positiv!
Charles Darwin’s 1837 sketch, his first diagram of an evolutionary tree from his First Notebook on Transmutation of Species (1837) on view at the Museum of Natural History in Manhattan.
Diese Zeichnung leitete die bis dato wohl größte Revolution in der Wissenschaftsgeschichte ein!
Diskutiert man in Foren über Themen wie die Ergebnisse der neueren Neurowissenschaften und ihre Implikationen für eine zeitgemäße, wissenschaftliche Antwort auf die Frage danach, was der Mensch ist, so bricht leicht ein Sturm der Entrüstung inklusive hemmungsloser Verunglimpfungen, Beleidigungen und diverser Schläge unter der Gürtellinie los. „Die Gehirnforscher wissen nichts!“ „Das ist alles Mist“ „Da kannst du dir gleich einen Strick nehmen!“ ….
Ähnliches passiert auch regelmäßig, wenn es um das Thema Speziesismus bzw. Antispeziesismus geht: da schmeißen sich die Teilnehmer die wüstesten Beschimpfungen an den Kopf: die Veganer bezeichnen andere gerne mal als Mörder, Tierhasser, Verbrecher, mitschuldig an den Geflügel-KZs …. Die Gegenseite wiederum wirft den Tierrechtlern bodenlose Dummheit und Naivität vor, ja dass sie selbst halbe Affen seien mit ihren verrückten Thesen.
Hilfreich ist das alles nicht. Im Gegenteil. Solche Diskussionen hinterlassen meist einen breiten Flurschaden: zurück bleiben Ärger, Wut aber auch Überheblichkeit und Arroganz. Da ich mitten drin war in solchen Debatten, habe ich mich gefragt, woran dies liegen könnte? Ich bin dabei auf die These gekommen, die diesen Beitrag als Überschrift dient: Der homo sapiens eine narzisstische Spezies?
Als 1970 der französische Nobelpreisträger Jacques Monod unter diesem Titel (im Original: Le hasard et la nécessité) einen Essay veröffentlichte, ging ein Rauschen durch den Blätterwald. Da hatte endlich ein Naturwissenschaftler den Mut, die Ergebnisse seiner Forschungen (aus Genetik und Biologie) auf Philosophie und Religion anzuwenden. Wäre er bei seinen Leisten, sprich der Evolution bzw. Mikroevolution auf DNA-Ebene geblieben, wäre sein Buch kaum aufgefallen. Aber so traten die Gralshüter aller religiösen und quasireligiösen Sinnstiftungssysteme auf den Plan und versuchten Monod zu widerlegen. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie sich 10 Jahre später ein Evang. Theologie-Professor ereiferte über diese „Engführung“, der doch das Entscheidende fehlte: die religiöse Dimension. Es gehe nicht an, dass die Biologie solche weitreichenden Aussagen treffe. Um dem Menschen sagen zu können, wer er wirklich sei und was der Sinn des Lebens sei, brauche es eben die Theologie.
So finde ich das Bild viel ansprechender!
Ich denke, dies kann, ja muss man anders sehen! Gerade die von philosophischen wie religiösen Scheuklappen befreite naturwissenschaftliche Sicht kann uns helfen, zu begreifen, wer oder was wir tatsächlich sind.