Aphorismus #541

Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Václav Havel
Mit diesem Wort war die Todesanzeige von Theresa Enke für ihren Mann Robert Enke überschrieben.

Ein öffentlicher Selbstmord und die Folgen

Natürlich hat mich in den letzten Tagen der Suizid Robert Enkes sehr beschäftigt.
Natürlich habe ich viel darüber gelesen, gehört und gesehen.
Natürlich habe ich die anschließende öffentliche Diskussion aufmerksam verfolgt.
Meine erste Reaktion darauf war die bittere Persiflage „Depressionen sind völlig überbewertet!
Von mir geschrieben aus der Erfahrung vergangener Diskussionen, also in Erwartung des üblichen tumben Gelalles der üblichen Bescheidwisser.
Überraschend ist- zumindest in meiner Wahrnehmung- das Vorurteilskarussell  stehen geblieben.
Was bin ich darüber froh! Da steht endlich endlich überall nachzulesen, dass Depression eine Krankheit ist, die jeden treffen kann, dass 90% aller Suizide auf einer Depression beruhen, dass das Thema in unserer Leistungsgesellschaft noch immer tabuisiert ist, dass Depression nichts mit Schwäche, Feigheit oder Faulheit zu tun hat, sondern eine ernste, potentiell tödliche Krankheit ist,j a sogar davon ist die Rede, dass Depression nicht nur eine psychische, sondern auch eine körperliche Krankheit ist, die man gut mit Medikamenten in den Griff bekommen kann.
Alles lauter gute und wichtige Dinge, die mich freuen. Auf die andere und ich immer wieder hinweisen und die wir uns dafür manch Unschönes anhören müssen! Endlich wird es ausgesprochen! Endlich!

Und gleichzeitig macht mich das traurig.
Muss erst ein bekannter Fußballspieler seiner Krankheit erliegen, damit dieses so wichtige Thema öffentlich diskutiert wird?

Es hat mehr als nur 1000 Selbstmorde vorher gegeben, die es genauso wert gewesen wären, sie zum Anlass einer breiten Diskussion über die Geißel der Depression zu machen!

Muss erst seine tapfere Witwe vor die Presse treten und in bewegenden Worten schildern, wie es ihr in all den Jahren ging, damit endlich gesehen wird, was die Partner der Erkrankten auf sich nehmen, wie sie nach außen hin heile Welt spielen, wie schwer es ihnen fällt, zum Depressiven zu stehen und und und?

Es gibt Tag für Tag in unserem Land zehn- nein hunderttausende, die im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrem kranken Partner mitleiden, die den Laden am Laufen halten, die den schönen Schein wahren, die den Menschen, den sie lieben, nicht mehr wieder erkennen und trotzdem an ihm festhalten und ihn tragen!

Muss erst eine erschütterte Reaktion durch den Blätterwald gehen darüber, dass KEINER was gemerkt hat?

Statt sich darüber zu wundern, was war, sollte jeder lieber in Zukunft genauer hinschauen beim Partner, Nachbarn, Kollegen- oder auch bei sich selbst! Jeder Depressive kennt das, dass niemand etwas merkt, wenn man es nicht merken lassen will. Viel nennen es ihre „Maske“: Depressive haben es gelernt Contenance zu bewahren, denn wir sind es leid, uns erklären zu müssen, auf Verständnis zu hoffen und vor allem wollen wir nicht, was (fast) immer kommt: diese beschissene Betroffenheit, dieses peinliche Schweigen, dieses grausame Spiel des „Das will ich jetzt aber überhört haben!“!! Da vergeht es einem, sich zu öffnen, sich zu zeigen, wie man ist, zu sagen: ich bin innerlich leer, ich bin am Ende, ich leide an einer schweren Depression. Robert Enke hat nichts anderes gemacht. Und wenn wer genau hingeschaut hätte, er hätte es sehen können. Zumindest Depressive können das untereinander. [1]

Müssen erst durch diese Erschütterung des Selbstverständnisses im Sport und in der Gesellschaft, die Medien und Verbände aufmerksam gemacht werden dafür, dass es jenseits des Rampenlichts, der Erfolge und der großen Gelder immer noch Menschen sind, die da stehen? Menschen, die krank werden können, Menschen, die bei Misserfolg vom System ausgekotzt werden und auf der Strecke bleiben?

Robert Enke ist alles andere als ein tragischer Einzelfall: es gibt hunderttausende, deren Leben durch die Depression aus den Fugen geraten ist: verlorener Job, Berufsunfähigkeit gar, kaputte Ehe, finanzieller Ruin, ja und auch Suizidversuche! Unsere Gesellschaft ist zutiefst menschenverachtend. Das Leistungsprinzip dient nur denen, die oben stehen. Und auf dem Weg dorthin lassen sie viele, viele als Opfer zurück. Die meisten arrangieren sich damit. Manche können es nicht. Und dann gibt es noch die, die krank werden.
Liebe Presse, redet auch mal, nein nicht nur einmal, redet viel und oft über die Ausgesonderten, die vom System Ausgekotzten, die kaputt Gemachten! Nicht nur Enke war krank, nicht nur Depressive sind krank: nein, diese Gesellschaft ist zutiefst krank. Und genau deswegen, werden auch weiterhin Depressive ihre Masken aufsetzen, werden die Partner den Laden am Laufen halten, werden die Kollegen jede Schwäche ausnutzen, werden Kranke sich ihrer Krankheit schämen [2], geht die alte Knochenmühle weiter und wird Tag für Tag neue Opfer finden!

Muss erst jetzt Depression zur Sprache kommen als Thema, erst als ein Suizid alle Welt erschüttert?

Wo es doch seit Jahren das Kompetenznetz Depression gibt! Und dazu das Bündnis gegen Depression, wo gute Öffentlichkeitsarbeit gemacht wird mit Vorträgen und Schulungen, mit Aktionen und Anschubhilfe für lokale Initiativen! Seit Jahren gibt es das. Und es wird da gute Arbeit geleistet. Und doch gibt es noch so viele, die vom Thema Depression oder gar Suizid keine Ahnung haben, aber doch über’n Zaun, im Büro oder am Stammtisch klug daherreden können.

Musste Robert Enke sterben?
Nein natürlich nicht. Aber wie viel anders müsste eine Bundesliga-Mannschaft, ein Fußballverein, eine Sportberichterstattung, eine Gesellschaft aussehen, dass es nie so weit gekommen wäre?
Das wünsche ich mir, dass es nicht bei der gegenwärtigen Erschütterung und Aufgeregtheit bliebe, sondern dass sich wirklich etwas bewegen würde! Nicht nur für mich und die Millionen anderer Erkrankter, sondern auch für die „Gesunden“. Es gibt 1000 mal wichtigeres als Geld und noch mehr Geld, Erfolg und noch mehr Erfolg- und das ist schlicht

Leben!

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[1] Mich hat es nicht sehr überrascht, als es hieß, er sei wegen einer Depression seit Jahren in Behandlung. Es hat gepasst zu seiner für mich manchmal irritierenden Art in den Interviews, gepasst zu seiner Maske.
[2] Welch Irrsinn! Sich seiner Krankheit schämen! Keiner mit Krebs, keiner mit einem gebrochenen Bein, keiner mit einer Allergie käme auf die Idee sich für seine Krankheit zu schämen! Depressive tun es, weil sie sich selbst als schwach und unfähig empfinden und eine gnadenlose Gesellschaft ihnen das einredet.

Aphorismus #540

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, Im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse, November 1905

Depressionen sind völlig überbewertet!

Wer meint, Depressionen ließen sich mit Psychopharmaka und dem weiteren Arsenal des Grauens der „modernen“ Psychiatrie behandeln oder gar bessern, ist auf dem Holzweg. Schließlich ist die Psychiatrie seit jeher die „Wissenschaft“, die Krankheiten behandelt, von denen sie keine Ahnung hat, mit Medikamenten deren Wirkungsweise sie nicht kennt. Da ändern auch keine Serotonin-Hypothesen und anderer neumodischer Schnickschnack etwas. Menschen sind schließlich keine Laborratten. Ob eine Ratte ängstlich durch ein Labyrinth schleicht, oder forsch und mit Entdeckerdrang, nur weil ein angebliches Depressions-Gen an- oder abgeschaltet ist, beweist noch lange nicht, dass es beim Menschen genauso ist. Schließlich hat der Mensch nicht nur einen Leib, sondern auch eine Seele (manche sagen auch Geist oder Geistseele), die den Körper steuert, die uns fröhlich oder traurig stimmt, und die nach dem Tod weiterleben wird. Ob im Himmel oder als Reinkarnation hier auf Erden, darüber sind sich die heiligen Traditionen der Weltreligionen nicht einig. Aber das wird noch.
Hier ein paar ganz wichtige Tipps, wie man mit Menschen umgehen sollte, die sich für „depressiv“ halten…

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Aphorismus #528

Wort zum Sonntag #25

Depression in der esoterischen Mangel

0. Warum jetzt schon wieder Eso?

Wie bei meinem letzten Wort zum Sonntag möchte ich mich heute noch einmal auf das weite Feld der Esoterik begeben. Nicht aus Masochismus, sondern aus Ärger. Aus einem ziemlich argen Ärger heraus. Sozusagen aus Arger-Ärger heraus.  Woher der kommt? Nun, sobald in irgendeinem Forum, das sich nicht ausschließlich um Technik dreht, die Sprache auf Depressionen kommt, wird es wahrhaft esoterisch. Da meint jeder, der eine Tastatur bedienen kann, ER wisse Bescheid, ER kenne die Ursachen, ER brauche keine medizinischen Experten, um zu begreifen was eine Depression sei, wie man ihr beikommen könne, was der Betroffene unbedingt zu tun und zu lassen habe. Und dann wird’s esoterisch. Da ist von Energieblockaden die Rede, von unbewältigten Konflikten aus der Kindheit oder gar aus früheren Leben, von der Flucht vor den Aufgaben, die das Schicksal einen stellt usw. usf. Was nach diesen Bescheidwissern auf jeden Fall IMMER falsch ist, das sind Psychopharmaka und die Standardtherapien der modernen Psychiatrie: da würde eben nicht auf psychischer oder geistiger Ebene geheilt, sondern nur auf materieller und darum eben nicht wirklich. Blablabla…
Dagegen scheint kein Kraut gewachsen zu sein. Die Dummheit und Leichtgläubigkeit der menschlichen Spezies ist schier unendlich. Weil ich mich darüber immer wieder ärgere, weil ich es leid bin, immer wieder und wieder denselben Stuss zu widerlegen, darum behandle ich hier an Hand von „geistigen“ Aussagen über Depression dieses Thema vorläufig definitiv.  ;-) Wer mehr über den derzeitigen Stand zum Thema Depression aus naturwissenschaftlicher Sicht erfahren will, findet in meinem Blog reichlich Material.
Ich habe aus dem breiten Angebot esoterischer Dampfplauderei einiges ausgewählt, was ich entweder für typisch halte, abstrus oder gemeingefährlich. den Link zur jeweiligen Seite gibt es beim Klick auf die Kapitelüberschrift. Und noch was: wenn ich von Depression rede, meine ich auch eine solche, nicht bloß ein wenig Winterblues, Melancholie oder Weltschmerz. Was dagegen hilft, bzw. was einem da wohl tut, verpufft bei einer Depression und lässt den Betroffenen eher noch depressiver mit der Frage zurück: Was mache ich falsch? Nichts, möchte ich sagen, gar nichts. Höchstens einem Schwätzer auf dem Leim gegangen zu sein.

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Aphorismus #525

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Depression.

Von einem unbekannten Autor, gefunden hier.

Veröffentlicht in:  on Donnerstag, 29. Oktober 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
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Aphorismus #498

Gleiches zieht Gleiches an und wird durch Gleiches verstärkt. Ungleiches stößt einander ab.

Das persönliche Verhalten bestimmt die persönlichen Verhältnisse und die gesamten Lebensumstände. Deine Negativität zieht Negatives, Dunkles an und kann zu Depression und Tod führen.

Dieser Schwachsinn, das Prinzip der Resonanz, ist das vierte der sog. 7 kosmischen Gesetze, die in vielfacher Art durch das Internet geistern. Man könnte mit einem süffisanten Lächeln zur Tagesordnung übergehen. Wenn, ja wenn nicht so viele dieses transzendentale Geraune glauben würden. Und wenn ein Depressiver dies tut, wird es endgültig kriminell: seine Krankheit ist es ja, dass er nicht positiv denken geschweige denn sein kann! Da kann er noch so sehr zum Reiki-Meister rennen, sich „Heilsteine“ auf die Brust legen lassen, fasten, schmanische Rituale vollführen oder auf einem Bein um den Äquator hüpfen. Nützt alles nichts. Schade um Geld und Zeit. Wie man heute eine Depression behandelt, findet sich hier  in der Kategorie „Leben mit der Depression„. Dass solch hanebüchener Unsinn nicht nur esoterisch daherkommt, beweisen die Theorien des Psychologen Irving Kirsch, der behauptet, Antidepressiva würden nur wie Placebos wirken: weil man Positives erwartet, wird es auch geschehen. Als Psychologe ist er ja der richtig ausgebildete Fachmann, um Medikamente und ihre Wirkung zu beurteilen. Demnächst lass ich mir vom Klempner die Zähne ziehen. Lächerlich! In einer major depression erwartet man NICHTS mehr, auch nicht von Medikamenten. Höchstens den eigenen Tod erwartet man.  Und den möglichst bald. -  Ich weiß im Gegensatz zu diesem wissenschaftlichen Schwergewicht, wovon ich rede. Schlimm genug, was er da alles verzapft. Schlimmer noch ist, dass telepolis diesem Unsinn mal wieder eine Plattform gibt. Psychopharmaka-Bashing ist, so scheint es, eines der Hobbys des Redakteurs. Langsam vergeht mir die Lust als „Wächter der Nacht“ dort zu schreiben und immer wieder und wieder die gleichen Vorurteile zu widerlegen.

Aphorismus #483

Depression ist eher Grauen als Traurigkeit. Ja, eher wie Grauen. Es ist, als passiert gleich was Schreckliches, das Schrecklichste, was man sich vorstellen kann – nein, schlimmer als alles, was man sich vorstellen kann, weil da dieses Gefühl ist, dass man sofort was machen muss, um es zu stoppen, aber man weiß nicht, was man machen muss, und dann passiert es auch, die ganze schreckliche Zeit, es passiert gleich und es passiert jetzt, alles zur selben Zeit.

David F. Wallace (1962 – 2008), Unendlicher Spaß

Antidepressiva wirken nicht!

Wirklich?

Seit einigen Jahren machen immer wieder neue Studien von sich reden, in denen behauptet wird, dass die neueren Antidepressiva (AD) insgesamt oder eine bestimmte Gruppe von ihnen im Vergleich zu Placebos oder zu älteren Medikamenten nur bedingt oder gar nicht wirkten. Da ist dann das Geschrei derer groß, die sich für ausgewiesene Experten in Sachen Depression halten und z.B. meinen, diese Krankheit ließe sich auch so, ohne ADs,  in den Griff bekommen. Und für die Kritiker der ach so bösen Pharmaindustrie ist mal wieder ausgemacht, dass diese nur eines will: möglichst viel Geld machen. [1] Und die esoterischen Spinner mit ihrem okkulten Hokuspokus fühlen sich ebenfalls bestätigt. Schamanische Rituale, Rückführungen in angeblich vergangene Leben, das komplette Umkrempeln der Wohnung nach Feng Shui usw. usf. : das alles sei viel wirksamer als die Gifte aus den Chemieküchen der Pharmas. Die machten sowieso mehr krank. als dass sie helfen könnten. Und außerdem würden durch Psychopharmaka die Patienten zu willenlosen Zombies gemacht. – Umpf!- Was für ein Wahnsinn! Was für eine hirnrissige und gefährliche Weltsicht. Nur einen Tag müssten solche Sprücheklopfer eine major depression durchleiden und diese Blödmänner und vor allem Blödfrauen würden schön die Klappe halten! SIE müssen ja NICHT mit den Konsequenzen ihrer Quacksalberei leben! Warum gibt es eigentlich keine Haftung für die Kunstfehler von selbst ernannten „Lebensberatern“, „Heilern“, „ganzheitlichen Therapeuten“  und wie sie sich alle nennen, die ihr knallhartes Geschäft mit den Ahnungs-, Hilf- und Ratlosen machen? Ihr Schimpfen auf die „Schulmedizin“ hat einen handfesten Grund: to make money. Je mehr man die anderen anschwärzt, desto mehr Kundschaft kommt zu einem selbst.

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[1] Warum wird eigentlich von manchen Leuten ausschließlich den Pharmas vorgeworfen, was- weil unverzichtbare Grundlage des Kapitalismus- allen Unternehmen vorzuwerfen wäre, von der Imbissbude bis zum Rüstungskonzern, von der Änderungsschneiderei bis zu den Energie-Riesen? Wenn Kritik an der kapitalistischen Wirtschaftsweise geübt werden soll, dann richtig: am gesamten System. Pharmas wie Banken, wie Autobauer etc. tun nur, was ihre Rolle ist: möglichst viel Gewinn erzielen für die Aktionäre. Dass ihnen dabei fast alles recht ist, ist nicht böser Einzelfall, sondern hat Methode und ist der grundsätzliche Designfehler am kompletten System.  Hier, da, dort, da auch und dort ebenso gibt es mehr dazu in meinem Blog .

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Kanzelmärchen #2

Gottlos leben heißt sinnlos leben!?

So tönt es nur zu gerne von den Kanzeln. So lassen es sich die Lohnschreiber unserer Zeitungen und Zeitschriften bereitwillig in die Feder diktieren von den Beauftragten des kirchlichen Wahrheitsministeriums. So versichern es die kirchlichen Amtsinhaber in ihren wöchentlichen Kolumnen der Tageszeitungen, in ihren 3 Minuten „Gedanken zum Tag“ und anderen Propagandasendungen im Radio*. So bekommt man es wie selbstverständlich vom Fernsehen aufgetischt: angefangen beim unvermeidlichen Wort zum Sonntag, über „Kerners Pfaffen“, Meischbergers Betroffenheitsgurus und all dem anderen Plaudertaschen mit geistlichem Beistand.
Gottlos = sinnlos, das ist ein beliebtes Mantra, ja mehr als das. Es ist ein Panier, hinter dem sich viele nur zu gerne einreihen: sowohl der Papst und seine Bischöfe, als auch ein verhinderter Fernsehprediger wie der evangelikale Peter Hahne** und die vielen  anderen, die mal mehr mal weniger für ihre Kirche, für eine allgemeine Religiosität oder bei den „Gebildeten unter ihren Bewunderern“ für den Dalai Lama „Zeugnis ablegen“. Aber wie so oft stellt sich die Frage:

Muss es automatisch wahr sein, wenn alle es sagen?

Nein, natürlich nicht. Jeder Atheist, der ein erfülltes Leben hat, der diesem höchstselbst einen Sinn abgewinnen kann, und das ganz ohne Gott und Glaube; jeder Gottlose, der weiß, dass diese „Wahrheit“ vom ach so sinnlosen Leben der Gottlosen, Stuss ist, beweist das Gegenteil. Aber es hilft ja nichts, manchmal ist es nötig, dem Gegenüber in seinem arroganten- ich hab die Wahrheit!- Bekehrungseifer seine Behauptungen argumentativ zu zerlegen. Dazu braucht es erst einmal Fakten, Fakten, Fakten, und dann gilt es, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dieser Text will beides an die Hand geben. Er kann aber eigenes Nachdenken nicht ersetzen. Atheismus kann manchmal ganz schön anstrengend sein, man kann ja nicht, wenn es brenzlig wird, solche universellen Joker wie „Gott“, „Wahrheit“ und „Glaube“ aus den Ärmeln holen. Man muss selbst denken. Und sollte sich nicht auf andere verlassen.

Dieser Text richtet sich ausdrücklich NICHT an gläubige Menschen, außer sie sind bereit, herabzusteigen von ihrem persönlichen Berg Horeb, der aufgetürmt ist aus tatsächlicher Arroganz und behaupteter Offenbarung. Herabzusteigen in die Niederungen von Fakten und Argumenten! 

Cogito ergo impius! – Ich denke, also bin ich gottlos.

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*  Dieses ganz besondere Genre „Radio-Andacht“ oszilliert in seinem Erscheinungsbild meist irgendwo wischen Lächerlichkeit, Anbiederung und frommer Überheblichkeit, wie z.B. auf NDR 2 das tägliche Quantum Trost namens „Moment mal!“ oder auf  Bayern 3 die nicht minder mediokre Reihe „Auf ein Wort“. Schlägt das drumherum gesendete gruselige Musikangebot noch um Längen! Und das will was heißen…

** Bücher von ihm heißen z.B: „Was wirklich wichtig ist.“ oder „Leid, warum lässt Gott das zu?“- Das frage ich mich auch, wie es Gott zulassen kann, solch einen Rohrkrepierer als Sprachrohr für seine Anliegen zu haben! Allein das ist schon ein Beweis gegen die Existenz eines intelligenten und liebenden Gottes! Und noch was. So ein Frömmler wie er hat natürlich kein Problem damit, in der BamS seine eigene Kolumne zu haben. Aber vielleicht meint er ja, sein Mist würde weniger stinken in dem ganzen Dreck drumherum?

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