Aphorismus #539

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Aphorismus #524

Das stärkste Argument gegen Gott wäre -
der Beweis seiner Existenz.

Motto des Romanes „Stollbergs Inferno“ von Michael Schmidt-Salomon

Aphorismus #500

Wort zum Sonntag #21

Von Hexen, sprechenden Toten und anderen Ungeheuerlichkeiten

1. Samuel 28, 7ff

7 Da sprach Saul zu seinen Getreuen: Sucht mir eine Frau, die Tote beschwören kann, dass ich zu ihr gehe und sie befrage. Seine Männer sprachen zu ihm: Siehe, in En-Dor ist eine Frau, die kann Tote beschwören. 8 Und Saul machte sich unkenntlich und zog andere Kleider an und ging hin und zwei Männer mit ihm und sie kamen bei Nacht zu der Frau.

Aufgeklärte Kirchenleute machen uns gerne weiß, dass der Glaube an Hexen, Séancen, Gesprächen mit den Toten und anderer Unsinn nichts mit dem Christentum oder der Bibel zu tun habe. Das sei mittelalterliche Verirrung und dem Zeitgeist geschuldeter Wahnglaube. Schön wär’s. Ist es aber nicht. In einer für die Davids-Tradition zerntralen Stellen wird diese merkwürdige Geschichte erzählt: König Saul von Gott und allen guten Geistern verlassen besucht eine Wahrsagerin, die „Hexe von En-dor“.  Weil sein Hausprophet Samuel final abgetreten ist, und er so der göttlichen Einflüsterungen verlustig ging, versucht er es auf den inoffiziellen Weg: bei einer Totenbeschwörerin. Der Weg von den Weisungen des Herrn, von persönlichen Offenbarungen, von der inneren Gewissheit durchs Gebet zu einer stinknormalen Séance und anderem esoterischen Unsinn war schon immer kurz. Der Mensch möchte nun mal gerne wissen, was auf ihn zukommt. Da können alle möglichen Scharlatane ein gutes Geschäft damit machen. Ob Tarot-Hotline, Wahrsage-Sendungen, sündhaft teure persönliche Horoskope, Channeling, Kontakte mit Engeln oder wie der Blödsinn auch noch heißen mag: Mensch ist versucht noch dem dümmsten Geraune Glauben zu schenken, wenn es denn nur verspricht ein klein wenig den Schleier, der auf der Zukunft liegt, ein wenig zu lüpfen. Auf jeden Fall ist es ein gutes Geschäft. Damals wie heute. Und offiziell wird es natürlich von den Kirchen verpönt und verteufelt. Und das vor allem aus finanziellen Gründen. Wer zum „Lebensberater“ geht, der hat kein Geld mehr für die nächste Kollekte. Wer sich meditativ in höchste Sphären versteigt, den lässt die wöchentliche Opferung des Heilands in der Messe kalt. Die Kirchenoberen  haben nicht deswegen etwas gegen den ganzen Esoterik-Markt, gegen die zahllosen Sekten und Kulte, die dem Leichtgläubigen das Blaue vom Himmel versprechen, nein! Sie sind nicht aus Sorge um ihre Schäfchen dagegen, sondern wegen der ausfallenden Spenden und Kirchensteuern. Deswegen gibt es die diversen „Weltanschauungs- und Sektenbeauftragten“. Beratungs- und Forschungsstellen: nicht wegen der verlorenen  Schäflein an sich, sondern wegen der ausbleibenden Scherflein. Da läppert sich nämlich mit der Zeit gewaltig etwas zusammen. Wenn die Kirchen mal wieder bei irgendetwas Alarm schlagen, seien es „Psychosekten“, die Verführung der Jugend oder bedenklicher Seelenfänger, so mag dies sachlich absolut korrekt sein, doch darf man nicht vergessen, dass sie nahezu dasselbe tun, und das natürlich voll in Ordnung ist: Seelenfängerei, Verführung der Jugend, Abhängig-Machen usf.

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Kanzelmärchen #4

Wer glaubt, dem geht es besser

Dieser gern geglaubten und noch lieber kolportierten „Tatsache“ begegnet man in Diskussionen mit so ziemlich allen Gläubigen. Allerdings in vielfacher Ausprägung:

  • Wer glaubt, dem geht es in allen Belangen besser: im Beruf, in der Familie, bei den Finanzen, bei der Karriere…
  • Wer glaubt, hat Gott auf seiner Seite, DER wird es für ihn richten
  • Wer glaubt, der hat eine Anlaufstelle im Leben, wo er sich immer hinwenden kann
  • Wer glaubt, der weiß, dass Gottes Ratschlüsse unergründlich sind: ER weiß besser, was gut ist für den Menschen
  • Wer glaubt, der hat es auf jeden Fall nach dem Tod besser

Zefix! Luja, sog I!

Welches Schweinderl hätten’s denn gern?

Da kann sich jeder aussuchen, was ihm am genehmsten ist. Welches Modell eines „besseren Lebens“ er als wünschens- und glaubenswert erachtet. Die erste und die letzte Position, sie könnten nicht weiter entfernt sein. Und doch berufen sich beide auf dieselbe Bibel, denselben Gott! Es war schon immer Privileg von Theologen und Predigern, ALLES, aber auch wirklich alles aus der Bibel heraus,-, vor allem aber in sie hineinzulesen. Das wundert nicht, wenn der Gegenstand des Glaubens sich nicht wehren kann, da nicht existent. Die Variationen über das bessere Leben der Glaubenden reicht von einem plumpen „Wer glaubt, den schmeißt Gott mit Wohltaten zu!“ bis zu einem „Die Wohltaten gibt es erst nach dem irdischen Jammertal!“. Und alles nennt sich christlich. Alles beruft sich auf denselben Jesus, dieselbe Bibel. Das wäre in etwa so, als würde man mit Grundgesetz Art. 1 „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ sowohl eine aufgeklärte humane Rechtsauffassung als auch die Beschneidung der Grundrechte, Polizeiwillkür und weiße Folter begründen. Upps. Das kriegen unsere Politiker in Zusammenarbeit mit dem Bundesverfassungsgericht ja schon lange hin. Da sind die Kirchen also gar nichts besonderes bei Wortverdrehungen und dem beliebten „Ich baue mir eine Welt, wie sie mir gefällt.“ Oder ist es umgekehrt und die Politik ist bei der Kirche in die Schule gegangen, in die Schule der Gedankenakrobatik und Wortverdreherei?
Schließt man andere Religionen in diese Gedankengänge mit ein, z.B. Hinduismus, Buddhismus oder Islam, dann gibt es noch weit mehr Möglichkeiten, wie  das ach so bessere Leben der Gläubigen aussehen kann, dann spielen kosmische Prinzipien wie Maya, Karma oder Kismet eine Rolle. Und wenn man dann noch die vielen, vielen kleinen und kleinsten Religionen mit einbezieht, wird eines klar: es kann so ziemlich alles als ein gutes Leben definiert und als Ziel des eigenen Glauben definiert werden. Ganz nach dem Motto: Welches Schweinderl hätten’s denn gern? Ich werde mich aber hier auf die christlichen Vorstellungen beschränken. Die sind eigenartig genug.

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Aphorismus #482

Kanzelmärchen #3

Jeder Mensch glaubt!

Jeder glaubt. Ausnahmslos. Jeder! Wenn nicht an einen Gott, dann eben an das Schicksal, die Sterne, die Evolution, an eine Ideologie, an Freitag den 13ten oder an Erdstrahlen… Egal was. Der Mensch glaubt, jeder, auch der Atheist.

Noch nie gehört? Noch nie dem arroganten Grinsen eines Vertreters göttlicher Weisheiten begegnet, der meinte, damit jeglichen Atheismus endgültig ad absurdum führen zu können? Noch nie in trauter Runde nach ein paar Bieren „Einen Glauben braucht ein jeder!“ vernommen?  Wohl kaum. Dass jeder glaubt, ja glauben muss, das ist für die Gläubigen eine Binsenweisheit. Schließlich glauben sie ja selbst! Welch umwerfende Logik! Dass es schlicht Unfug ist, interessiert die Vertreter des organisierten wie des frei fluktuierenden Aberglaubens nicht. Einen Nicht-Gläubigen darf es einfach nicht geben, denn nicht der Unglaube, sondern der Nicht-Glaube stürzt die Verfechter der Glaubenswahrheiten in größte Aporie!
Man könnte sich mit einem entschiedenen „Nein!“ als Kommentar zum Unfug des „Jeder glaubt etwas“ begnügen, aber so einfach möchte ich es in den „Kanzelmärchen“ den Propagandisten göttlicher Wahrheiten nicht machen. Ihre Lehren und „Weisheiten“ kommen hier auf den Prüfstand, ihre Vereinnahmung der Wirklichkeit und ihr Herrschaftsanspruch über den philosophisch-weltanschaulichen Diskurs ebenso. Im Gegensatz zu ihrem Gejammere, dass das Abendland immer unchristlicher werde, haben die Kirchen noch viel zu viel Einfluss in Deutschland. Spätestens an hohen Feiertagen merkt man das, wenn die festlich gewandeten Würdenträger in die dankbar auf sie gerichteten Kameras andachtsvoll hineinglotzen sehen und noch bereitwilliger in jedes ihnen willfährig  vorgehaltene Mikrofon salbadern. Ein schauriges Schauspiel, das sich jedes Weihnachten, jedes Ostern, jedes Pfingsten, jede Bischofskonferenz und jede Generalsynode wiederholt. „Herr erlöse uns vor diesem Übel!“ Das wäre mal ein sinnvolles Gebet, wenn es denn helfen würde. ;-)
Atheismus ist im Gegensatz zu den Religionen keine Angelegenheit für irgendwelche äffischen Zeremonien, für in Scheinheiligkeit erstarrte alte Herren und für ein tumbes Volk, das zu fressen hat, was ihm vorgesetzt wird. Atheismus ist nichts für Denkfaule, für Köhler und für die Gefangenen ihrer simpel gestrickten Weltbilder. Atheismus ist etwas für denkende Menschen, die nachbohren, die nachfragen, die sich nie zufrieden geben mit billigen Antworten. Diesem empirisch und logisch begründeten Atheismus stoßen viele, allzu viele Thesen der vereinten Glaubensfront sauer auf. Schon allein deswegen muss der Atheismus desavouiert werden, z.B. indem die Mär vom Glauben als conditio humana, die Legende vom Jedermann-Glauben erzählt wird und so en passant auch  der Atheismus vereinnahmt wird.

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Und was ist jetzt die Narrenkappe?

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Aphorismus #377

Der gern geäußerte Vorwurf , beim Atheismus handle es sich auch nur um eine weitere Religion, entspringt der Vorstellung, auch derjenige sei abergläubisch, der keine Angst vor schwarzen Katzen hat.

Fritzi Busch, Contra Reli in konkret 6/2009 S. 43

Atheist

Veröffentlicht in:  on Mittwoch, 3. Juni 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
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Aphorismus #351

You can’t convince a believer of anything; for their belief is not based on evidence, it’s based on a deep seated need to believe.

Carl Sagan (1934 – 1996) war laut Wikipedia: US-amerikanischer Astronom, Astrophysiker, Exobiologe, Fernsehmoderator, Sachbuchautor, Schriftsteller und Visionär. Aus seinem bekanntesten Buch, dem Roman „Contact„.

Aphorismus #335

The beauty of religious mania is that it has the power to explain everything. Once God (or Satan) is accepted as the first cause of everything which happens in the mortal world, nothing is left to chance… Logic can be happily tossed out the window.

Stephen King, der gehört zwar nicht zu meiner regulären Lektüre, aber Recht hat er trotzdem!

harmagedon

Aphorismus #325

Fragt man sich doch überhaupt, warum der Herr nur seinen Jüngern erschien und nicht auch seinen Anklägern und Richtern, vor denen er den Glauben an seine Auferstehung ja viel wirksamer hätte begründen können.

Karlheinz Deschner, dt. Autor u. Historiker (*1924)