Aphorismus #518

Das Christentum predigt nur Knechtschaft und Unterwürfigkeit. Sein Geist ist der Tyrannei zu günstig, als dass sie nicht immer suchen sollte, daraus Gewinn zu ziehen. Die aufrichtigen Christen sind dazu geschaffen, Sklaven zu sein, sie wissen es auch und beunruhigen sich darüber kaum, da dieses kurze Erdenleben einen zu geringen Wert in ihren Augen hat.

Jean Jacques Rousseau (1712 – 1778), Der Gesellschaftsvertrag oder Die Grundsätze des Staatsrechtes (1758) – IV. Buch 8. Die bürgerliche Religion

Aphorismus #514

Wort zum Sonntag #23

Das Wort zum Sonntag diesmal nicht von mir, sondern von einem Philosophen, der bestimmt nicht zu meinen Favoriten zählt, jedoch seine Kirchen- und Religionskritik ist oft sehr zutreffend und kommt in bildgewaltiger Sprache. Wie ich finde: ein Sonntags-Braten ganz eigener Art. Viel Vergnügen!

Von den Priestern

Und einstmals gab Zarathustra seinen Jüngern ein Zeichen und sprach diese Worte zu ihnen:

»Hier sind Priester: und wenn es auch meine Feinde sind, geht mir still an ihnen vorüber und mit schlafendem Schwerte!
Auch unter ihnen sind Helden; Viele von ihnen litten zuviel -: so wollen sie Andre leiden machen.
Böse Feinde sind sie: Nichts ist rachsüchtiger als ihre Demuth. Und leicht besudelt sich Der, welcher sie angreift.
Aber mein Blut ist mit dem ihren verwandt; und ich will mein Blut auch noch in dem ihren geehrt wissen.« -
Und als sie vorüber gegangen waren, fiel Zarathustra der Schmerz an; und nicht lange hatte er mit seinem Schmerze gerungen, da hub er also an zu reden:
Es jammert mich dieser Priester. Sie gehen mir auch wider den Geschmack; aber das ist mir das Geringste, seit ich unter Menschen bin.
Aber ich leide und litt mit ihnen: Gefangene sind es mir und Abgezeichnete. Der, welchen sie Erlöser nennen, schlug sie in Banden: -
In Banden falscher Werthe und Wahn-Worte! Ach dass Einer sie noch von ihrem Erlöser erlöste!
Auf einem Eilande glaubten sie einst zu landen, als das Meer sie herumriss; aber siehe, es war ein schlafendes Ungeheuer!
Falsche Werthe und Wahn-Worte: das sind die schlimmsten Ungeheuer für Sterbliche, – lange schläft und wartet in ihnen das Verhängniss.
Aber endlich kommt es und wacht und frisst und schlingt, was auf ihm sich Hütten baute.
Oh seht mir doch diese Hütten an, die sich diese Priester bauten! Kirchen heissen sie ihre süssduftenden Höhlen.
Oh über diess verfälschte Licht, diese versumpfte Luft! Hier, wo die Seele zu ihrer Höhe hinauf – nicht fliegen darf!
Sondern also gebietet ihr Glaube: »auf den Knien die Treppe hinan, ihr Sünder!«
Wahrlich, lieber sehe ich noch den Schamlosen, als die verrenkten Augen ihrer Scham und Andacht!
Wer schuf sich solche Höhlen und Buss-Treppen? Waren es nicht Solche, die sich verbergen wollten und sich vor dem reinen Himmel schämten?
Und erst wenn der reine Himmel wieder durch zerbrochne Decken blickt, und hinab auf Gras und rothen Mohn an zerbrochnen Mauern, – will ich den Stätten dieses Gottes wieder mein Herz zuwenden.
Sie nannten Gott, was ihnen widersprach und wehe that: und wahrlich, es war viel Helden-Art in ihrer Anbetung!
Und nicht anders wussten sie ihren Gott zu lieben, als indem sie den Menschen an’s Kreuz schlugen!
Als Leichname gedachten sie zu leben, schwarz schlugen sie ihren Leichnam aus; auch aus ihren Reden rieche ich noch die üble Würze von Todtenkammern.
Und wer ihnen nahe lebt, der lebt schwarzen Teichen nahe, aus denen heraus die Unke ihr Lied mit süssem Tiefsinne singt.
Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine jünger aussehen!
Nackt möchte ich sie sehn: denn allein die Schönheit sollte Busse predigen. Aber wen überredet wohl diese vermummte Trübsal!
Wahrlich, ihre Erlöser selber kamen nicht aus der Freiheit und der Freiheit siebentem Himmel! Wahrlich, sie selber wandelten niemals auf den Teppichen der Erkenntniss!
Aus Lücken bestand der Geist dieser Erlöser; aber in jede Lücke hatten sie ihren Wahn gestellt, ihren Lückenbüsser, den sie Gott nannten.
In ihrem Mitleiden war ihr Geist ertrunken, und wenn sie schwollen und überschwollen von Mitleiden, schwamm immer obenauf eine grosse Thorheit.
Eifrig trieben sie und mit Geschrei ihre Heerde über ihren Steg: wie als ob es zur Zukunft nur Einen Steg gäbe! Wahrlich, auch diese Hirten gehörten noch zu den Schafen!
Kleine Geister und umfängliche Seelen hatten diese Hirten: aber, meine Brüder, was für kleine Länder waren bisher auch die umfänglichsten Seelen!
Blutzeichen schrieben sie auf den Weg, den sie giengen, und ihre Thorheit lehrte, dass man mit Blut die Wahrheit beweise.
Aber Blut ist der schlechteste Zeuge der Wahrheit; Blut vergiftet die reinste Lehre noch zu Wahn und Hass der Herzen.
Und wenn Einer durch’s Feuer geht für seine Lehre, – was beweist diess! Mehr ist’s wahrlich, dass aus eignem Brande die eigne Lehre kommt!
Schwüles Herz und kalter Kopf: wo diess zusammentrifft, da entsteht der Brausewind, der »Erlöser«.
Grössere gab es wahrlich und Höher-Geborene, als Die, welche das Volk Erlöser nennt, diese hinreissenden Brausewinde!
Und noch von Grösseren, als alle Erlöser waren, müsst ihr, meine Brüder, erlöst werden, wollt ihr zur Freiheit den Weg finden!
Niemals noch gab es einen Übermenschen. Nackt sah ich Beide, den grössten und den kleinsten Menschen: -
Allzuähnlich sind sie noch einander. Wahrlich, auch den Grössten fand ich – allzumenschlich!

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900), Also sprach Zarathustra

Aphorismus #482

Aphorismus #455

Die Inquisition ist ein genuiner Beitrag der Kirche zum europäischen Rechtsempfinden und Strafvollzug.

Horst Herrmann: 2000 Jahre Folter im Namen Gottes, S. 31

Scheiterhaufen_2

Veröffentlicht in: on Donnerstag, 20. August 2009 at 00:02 Kommentare (2)
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Aphorismus #423

Wort zum Sonntag #10

Und Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie sehen das Reich Gottes kommen mit Kraft.

Markus 9,1

Jesus hat also erwartet, dass das „Reich Gottes“, jene paradiesische βασιλεία τοῦ θεοῦ (basileia tou theou), das Königreich Gottes unmittelbar bevorstünde. Und der Schreiber des Markusevangeliums teilte diese Auffassung 40 Jahre später (das Markus-Evangelium wurde um das Jahr 70 verfasst) mehr oder weniger noch immer. Darum belässt er diese Prophezeiung in seinem Evangelium: das Ende ist nahe, verdammt nahe. Wenn Jesus selbst gesagt hat, dass einige seiner Zuhörer den Anbruch der Königreiches Gottes lebend sehen würden, dann würde es bestimmt nicht mehr lange dauern!
Damit wurde die apokalyptische Tradition des Alten Testamentes (Daniel, Makkabäer), vor allem aber die der zwischentestamentlichen Zeit fortgeführt. Und so gehört seit damals zum christlichen Glauben die Erwartung dazu, dass die Welt schon bald ein fürchterliches Ende nehmen werde, bevor Jesus wiederkehren und dann Gott endgültig herrschen werde. In Not- und Kriegszeiten war diese Tradition lebhafter, in ruhigeren Zeiten ging sie zurück. Die Amtskirche, deren Wurzeln einst auch in der Apokalyptik lagen, wurde mehr und mehr immun gegen diese den Status Quo in Frage stellenden Gedanken. Die Erfüllung der biblischen Prophetie vom „tausendjährigen Reich“ (Offenbarung 20) wurde vom Klerus in Gestalt der Kirche, in der Ausbreitung des Evangeliums und in der Entfaltung des christlichen Abendlandes gesehen. Die konkrete Erwartung des nahen Endes und der totalen Wende wanderte aus der Mitte an die Ränder der Kirche(n) und von dort zu diversen apokalyptischen  Sekten. Hier nun eine klein Auswahl der Termine, die ganz total sicher und 100% das genaue Datum des Weltenendes voraussagten. Die einzelnen Daten verdanke ich dieser Zusammenstellung, die es im Netz in verschiedenen Ausführungen gibt, doch leider durchweg ohne Quellenangaben. Daher habe ich eine Auswahl getroffen, die sich 1. auf die Kirchen und ihre Sekten beschränkt, und 2. anderweitig belegen lässt:

Das Ende ist nah! Kleine Geschichte der verpatzten Weltuntergänge

  • 30-ca. 80 n.d.Z.
    • Jesus und die Urgemeinde: das Neue Testament ist ein beredtes Zeugnis hierzu
  • 100 ff
    • Die Offenbarung des Johannes, viele der sog. Kirchenväter
  • ca. 250
  • 31.12.999 Mitternacht
    • Die Angst, dass dann das 1000-jährige Reich der Kirche  vorbei sei und Jesus zum Jüngsten Gericht wiederkommen würde, hatte fast die gesamte Christenheit befallen, auch den Papst Sylvester II.
  • 1420 ff
  • ca. 1500
  • ca. 1530ff
  • Oktober 1844
  • 1874, 1878, 1881, 1910, 1914, 1918, 1925, 1975, 1984, 1993…
  • Jede Menge weiterer Termine im 20. Jahrhundert
  • 1.1.2000 00:00
    • Da ließen sich nicht nur Sektierer zu einer Prophezeiung hinreißen, sondern auch ITler:  Der Millennium-Bug sollte die Welt in den Abgrund stürzen.
  • 21.12.2012
    • Das neueste Fündlein unter den Esos: der Maya-Kalender!  Wird es bis zum Datum eine Hysterie geben? Und wetten zwei Minuten nach dem Ausbleiben der Katastrophe gibt es schon die nächste Prophezeiung?

Und nach jedem Ausbleiben wird gepredigt, dass es jetzt NOCH NÄHER sei das Ende der Welt! Mit solcher apokalyptischer Drohkulisse lässt sich vortrefflich auf Seelenfang gehen und die Schäflein können mit harter Hand geführt werden. Nach dem Wohlgefallen der religiösen Führer, Weisen, Väter, Meister … Aber alles zum Lobe und zur Ehre Gottes!

Kanzelmärchen #3

Jeder Mensch glaubt!

Jeder glaubt. Ausnahmslos. Jeder! Wenn nicht an einen Gott, dann eben an das Schicksal, die Sterne, die Evolution, an eine Ideologie, an Freitag den 13ten oder an Erdstrahlen… Egal was. Der Mensch glaubt, jeder, auch der Atheist.

Noch nie gehört? Noch nie dem arroganten Grinsen eines Vertreters göttlicher Weisheiten begegnet, der meinte, damit jeglichen Atheismus endgültig ad absurdum führen zu können? Noch nie in trauter Runde nach ein paar Bieren „Einen Glauben braucht ein jeder!“ vernommen?  Wohl kaum. Dass jeder glaubt, ja glauben muss, das ist für die Gläubigen eine Binsenweisheit. Schließlich glauben sie ja selbst! Welch umwerfende Logik! Dass es schlicht Unfug ist, interessiert die Vertreter des organisierten wie des frei fluktuierenden Aberglaubens nicht. Einen Nicht-Gläubigen darf es einfach nicht geben, denn nicht der Unglaube, sondern der Nicht-Glaube stürzt die Verfechter der Glaubenswahrheiten in größte Aporie!
Man könnte sich mit einem entschiedenen „Nein!“ als Kommentar zum Unfug des „Jeder glaubt etwas“ begnügen, aber so einfach möchte ich es in den „Kanzelmärchen“ den Propagandisten göttlicher Wahrheiten nicht machen. Ihre Lehren und „Weisheiten“ kommen hier auf den Prüfstand, ihre Vereinnahmung der Wirklichkeit und ihr Herrschaftsanspruch über den philosophisch-weltanschaulichen Diskurs ebenso. Im Gegensatz zu ihrem Gejammere, dass das Abendland immer unchristlicher werde, haben die Kirchen noch viel zu viel Einfluss in Deutschland. Spätestens an hohen Feiertagen merkt man das, wenn die festlich gewandeten Würdenträger in die dankbar auf sie gerichteten Kameras andachtsvoll hineinglotzen sehen und noch bereitwilliger in jedes ihnen willfährig  vorgehaltene Mikrofon salbadern. Ein schauriges Schauspiel, das sich jedes Weihnachten, jedes Ostern, jedes Pfingsten, jede Bischofskonferenz und jede Generalsynode wiederholt. „Herr erlöse uns vor diesem Übel!“ Das wäre mal ein sinnvolles Gebet, wenn es denn helfen würde. ;-)
Atheismus ist im Gegensatz zu den Religionen keine Angelegenheit für irgendwelche äffischen Zeremonien, für in Scheinheiligkeit erstarrte alte Herren und für ein tumbes Volk, das zu fressen hat, was ihm vorgesetzt wird. Atheismus ist nichts für Denkfaule, für Köhler und für die Gefangenen ihrer simpel gestrickten Weltbilder. Atheismus ist etwas für denkende Menschen, die nachbohren, die nachfragen, die sich nie zufrieden geben mit billigen Antworten. Diesem empirisch und logisch begründeten Atheismus stoßen viele, allzu viele Thesen der vereinten Glaubensfront sauer auf. Schon allein deswegen muss der Atheismus desavouiert werden, z.B. indem die Mär vom Glauben als conditio humana, die Legende vom Jedermann-Glauben erzählt wird und so en passant auch  der Atheismus vereinnahmt wird.

Bild via link

Und was ist jetzt die Narrenkappe?

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Aphorismus #358

Die Weiber sind hauptsächlich dazu bestimmt, die Geilheit der Männer zu befriedigen.

Johannes Chrysostomos (344/349 – 407) Chrysostomos = Goldmund. Dieser Ehrenname wurde ihm zuteil, weil er bei seinen Predigten schon mal einen Volksaufstand anzetteln konnte, z.B. gegen renitente Juden. Einer der „großen Kirchenväter“ der alten Kirche. Nicht nur was Juden angeht, eine folgenschwere Meinung, aondern auch bei den Frauen. Rümpfe noch je ein Christ seine Nase über das Frauenbild des Islam, das ursprünglich christliche ist keinen Deut besser! Geändert hat sich daran erst etwas durch die Moderne und den Bedeutungsverlust der Kirchen. Obwohl, so mancher katholische Priester und Würdenträger stimmt dem Kirchenvater sicher noch heute zu.

Kanzelmärchen #2

Gottlos leben heißt sinnlos leben!?

So tönt es nur zu gerne von den Kanzeln. So lassen es sich die Lohnschreiber unserer Zeitungen und Zeitschriften bereitwillig in die Feder diktieren von den Beauftragten des kirchlichen Wahrheitsministeriums. So versichern es die kirchlichen Amtsinhaber in ihren wöchentlichen Kolumnen der Tageszeitungen, in ihren 3 Minuten „Gedanken zum Tag“ und anderen Propagandasendungen im Radio*. So bekommt man es wie selbstverständlich vom Fernsehen aufgetischt: angefangen beim unvermeidlichen Wort zum Sonntag, über „Kerners Pfaffen“, Meischbergers Betroffenheitsgurus und all dem anderen Plaudertaschen mit geistlichem Beistand.
Gottlos = sinnlos, das ist ein beliebtes Mantra, ja mehr als das. Es ist ein Panier, hinter dem sich viele nur zu gerne einreihen: sowohl der Papst und seine Bischöfe, als auch ein verhinderter Fernsehprediger wie der evangelikale Peter Hahne** und die vielen  anderen, die mal mehr mal weniger für ihre Kirche, für eine allgemeine Religiosität oder bei den „Gebildeten unter ihren Bewunderern“ für den Dalai Lama „Zeugnis ablegen“. Aber wie so oft stellt sich die Frage:

Muss es automatisch wahr sein, wenn alle es sagen?

Nein, natürlich nicht. Jeder Atheist, der ein erfülltes Leben hat, der diesem höchstselbst einen Sinn abgewinnen kann, und das ganz ohne Gott und Glaube; jeder Gottlose, der weiß, dass diese „Wahrheit“ vom ach so sinnlosen Leben der Gottlosen, Stuss ist, beweist das Gegenteil. Aber es hilft ja nichts, manchmal ist es nötig, dem Gegenüber in seinem arroganten- ich hab die Wahrheit!- Bekehrungseifer seine Behauptungen argumentativ zu zerlegen. Dazu braucht es erst einmal Fakten, Fakten, Fakten, und dann gilt es, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dieser Text will beides an die Hand geben. Er kann aber eigenes Nachdenken nicht ersetzen. Atheismus kann manchmal ganz schön anstrengend sein, man kann ja nicht, wenn es brenzlig wird, solche universellen Joker wie „Gott“, „Wahrheit“ und „Glaube“ aus den Ärmeln holen. Man muss selbst denken. Und sollte sich nicht auf andere verlassen.

Dieser Text richtet sich ausdrücklich NICHT an gläubige Menschen, außer sie sind bereit, herabzusteigen von ihrem persönlichen Berg Horeb, der aufgetürmt ist aus tatsächlicher Arroganz und behaupteter Offenbarung. Herabzusteigen in die Niederungen von Fakten und Argumenten! 

Cogito ergo impius! – Ich denke, also bin ich gottlos.

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*  Dieses ganz besondere Genre „Radio-Andacht“ oszilliert in seinem Erscheinungsbild meist irgendwo wischen Lächerlichkeit, Anbiederung und frommer Überheblichkeit, wie z.B. auf NDR 2 das tägliche Quantum Trost namens „Moment mal!“ oder auf  Bayern 3 die nicht minder mediokre Reihe „Auf ein Wort“. Schlägt das drumherum gesendete gruselige Musikangebot noch um Längen! Und das will was heißen…

** Bücher von ihm heißen z.B: „Was wirklich wichtig ist.“ oder „Leid, warum lässt Gott das zu?“- Das frage ich mich auch, wie es Gott zulassen kann, solch einen Rohrkrepierer als Sprachrohr für seine Anliegen zu haben! Allein das ist schon ein Beweis gegen die Existenz eines intelligenten und liebenden Gottes! Und noch was. So ein Frömmler wie er hat natürlich kein Problem damit, in der BamS seine eigene Kolumne zu haben. Aber vielleicht meint er ja, sein Mist würde weniger stinken in dem ganzen Dreck drumherum?

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Kanzelmärchen #1

Von gottloser Unmoral und ethischer Beliebigkeit

Bischof Mixa hat Ostern 2009 in seiner Predigt mal wieder das getan, was so gerne von den Würdenträgern des organisierten Aberglaubens getan wird: er hat ein Märchen erzählt. Diesmal keines aus der Bibel, sondern eines aus der Gegenwart. Eines über den Lieblingsgegner der römischen Krägen, über den Ursprung alles Bösen seit der Aufklärung, über den vermaledeiten Atheismus. Der erhebt je länger je mehr keck sein Haupt und vergrault dem Klerus die Kundschaft. Dagegen muss angegangen werden. Mit allen Mitteln. Und seien diese noch so idiotisch und noch so leicht zu durchschauen! Getreu dem Motto: Du musst deinen Gegner nur lange genug mit Dreck bewerfen, es wird bestimmt etwas haften bleiben. Das Rauschen im Blätterwald nach dem bischöflichen Ausraster war zwar diesmal heftiger als gewohnt, jedoch wird das weder ihn noch die anderen Kanzeldemagogen von ihrer plumpen plumpen Dämonisierung des Atheismus abhalten.
Hier nun ein wenig Futter für die ach so „spaßigen“ Diskussionen mit den Frommen und Frömmlern dieser Erde. Denn nichts macht es den Glaubensaposteln leichter, als wenn die Ungläubigen sich nicht zu wehren wissen. Es braucht schon ein wenig mehr als nur ein billiges „Jesus hat nie gelebt!“, will man in einem Disput mit den frommen Hansguckindielufts bestehen. Dieser Text ist die Nummer 1 einer kleinen von mir geplanten Reihe, in der ich einige ihrer beliebtesten Vorwürfe gegen den Atheismus einerseits und ihre angeblich ewigen Wahrheiten andererseits  genauer unter die Lupe nehmen möchte. Wer der Meinung ist, dass ich dabei zu schroff bin, mich dabei einer zu herben Sprache bediene, und doch bitteschön mehr Respekt vor den Glauben anderer zeigen sollte, dem kann ich nur entgegnen: vor meinem Nichtglauben, vor meinem Pochen auf den Vorrang der Vernunft zeigt das fromme Bodenpersonal auch keinen Respekt. Quid pro quo, meine Herren, meist sind es ja Herren, die in den Hierarchien bestimmen. aber das bekommt man nicht von Leuten, die meinen Gott stünde auf ihrer Seite.

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Aphorismus #321

I have recently been examining all the known superstitions of the world, and do not find in our particular superstition [christianity] one redeeming feature. They are all alike founded on fables and mythology.

Thomas Jefferson (1743 – 1826), 3. Präsident der USA, vehementer Verfechter der Trennung von Kirche und Staat und Befürworter von absoluter Meinungs- und Religionsfreiheit.

t_jefferson