Aphorismus #295

Die Wahrheit, dass sie [die Medien] nichts sind als Geschäft, verwenden sie als Ideologie, die den Schund legitimieren soll, den sie vorsätzlich herstellen. Sie nennen sich selbst Industrien, und die publizierten Einkommensziffern ihrer Generaldirektoren schlagen den Zweifel an der gesellschaftlichen Notwendigkeit der Fertigprodukte nieder.

Dieser Satz, schon über 60 Jahre alt, ist der beste Kommentar zu dem Wahnsinn, der seit dem Amoklauf von Winnenden wie ein Tsunami über den arglosen Medienkonsumenten hereingebrochen ist. Er stammt von Adorno und Horkheimer aus dem Kapitel „Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug“ ihres zeitlosen Werkes: Dialektik der Aufklärung. Ich habe mir lediglich erlaubt, das Wörtchen „Medien“ einzusetzen, im Original sind Rundfunk und Kino gemeint, das Fernsehen lag noch in den Anfängen.

Zum Amoklauf der Medien…

… passt es wie die Faust aufs Auge, was mal wieder dran ist an ihren sensationsgeilen Berichten, Exklusivgeschichten und Sensatiönchen von der Amok-Front. Denn dran ist so gut wie nichts. Nüscht. Nada. Nullinger. Tim K. hat seinen Amoklauf in keinem Chat angekündigt. Er war tatsächlich ein Einzel-Gänger. Und die „Amok-Freunde“, die ihn jetzt als großen Helden feiern, beweisen entweder nur schlechten Geschmack oder wollen mit ihrem Fake die ganze Journaille vorführen: wie sie sich wieder eine ganze Subkultur zusammenphantasieren, wie sie sich aufgeilen an der Vorstellung von „dunklen Ecken“ im Netz voller Konspiration und Anarchie, wie sie ihr völliges Unverständnis zu Markte tragen und sich dabei noch toll finden.

Was lehrt uns das mal wieder? Es geht bei den Medien nicht um Information, Hintergreundberichte, Analyse. Das ist verzichtbares schmückendes Beiwerk. Es geht in den Medien um den Verkauf von Sensationen, um das Wecken und Schüren von Emotionen, um die möglichst totale Unterhaltung und die ebenso totale Verschleierung der Realität. That’s it!

Wer es nicht glauben will, dem empfehle ich den Artikel „Vee haff wayz to make you feel stoopid“ auf telepolis. Ist ein guter Augenöffner. – Wie durch schlampige Recherche, oder gar keine, und den Multiplikatoren im Netz, Enten entstehen, das habe ich ja selbst einmal mit erleben „dürfen“. Da nicht so heftig und mit rasendem Tempo, aber immerhin ich hatte meine „fünf Minuten“, zumindest virtuell. ;-)

Nachtrag vom 13.3.2009.

Inzwischen, einen Tag nach der kollektiven Fehlleistung von Medien, Politik und Polizei, wird zurückgerudert. Das Offensichtliche wird zugegeben bzw. als möglich diskutiert. Besonders SPON führt einen Eiertanz sondergleichen auf und versucht die Schuld auf Politik und Polizei abzuwälzen: Ermittler verließen sich auf falsche Spur ins Internet.
Lächerlich!
Wenn die selbst ernannte vierte Gewalt im Staate sich ausschließlich auf das verlässt, was sie von der Exekutive aus Polizei und „Landesvater“ als Futter geliefert bekommt, hat sie keinerlei kritische Funktion und ist reiner Erfüllungsgehilfe der Interessen, aus deren Kritik sie doch eine gehörige Portion ihres Anspruchs und Selbstverständnisses ableitet.

Moral? Ehrenkodex? Distanz zur Herrschaft? Kritische Kommentierung? Fehlanzeige! Auf der ganzen Linie. Wenn es um  Quote geht, dem einzig wirklich wichtigen Kriterium in der Diktatur des Kapitals, fallen alle Hemmungen: Mit Schuldzuweisungen,Schauergeschichten und Emotionen, die geschürt werden müssen, lässt sich nun mal schnell, einfach und billig Quote machen.

Veröffentlicht in: on Donnerstag, 12. März 2009 at 19:12 Kommentare (2)
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Was tun? – Part 3

War der erste Teil ein wütender Rückblick auf den Weg der SPD, die im 19. Jhd. als sozialistische Partei begann und im 21. Jhd. als Kleinkoalitionär der Christdemokraten ihren vorläufigen Tiefpunkt erreichte; so handelte der zweite Teil von der Fehlinterpretation der Marxschen Theorie als „Ökonomismus„, d.h. als Erklärung von allem und jedem ausschließlich aus den ökonomischen Beziehungen von Einzelnen, Gruppen und Völkern nicht nur durch die neoliberalen Gegner, sondern auch durch so manche Linke; so soll es in diesem dritten Teil um einen Aspekt des allgemeinen politischen Klimas inklusive des linken gehen, der m.E. sehr starke Auswirkungen hat, wie es angesichts der aktuellen Krise des Kapitalismus und seines selbst erzeugten Siechtums weitergehen kann. Er handelt von der überhand nehmenden Emotionalisierung aller Lebensbereiche seitens der Medien und die Folgen für linke Politik.

Also: Was tun…? Die dritte!

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Nur der Irre übt Kritik

„Wer nicht mit dem Massenstrom schwimmt, wer sogar noch versucht ist, gegen die Strömung anzuschwimmen, quasi einen Wasserfall von unten nach oben bezwingen möchte, dem macht man es gemeinhin schwer. Schlimmer noch, man erklärt solche Zeitgenossen dann und wann für geistig verwirrt, verschroben, vielleicht psychisch schwer angeschlagen, weswegen er die Segnungen des Massenspektakels nicht beherzigen will. Wenn einer nicht tut was alle tun, dann kann er nicht sein wie alle – und wenn sich diese Allgemeinheit als höchst vernünftig und weltzugewandt bezeichnet, vereinfachend gesagt als „normal“ wahrnimmt, dann muß derjenige, der nicht gerne in der Wanne der Allgemeinheit badet, höchst unvernünftig, weltfremd und damit „unnormal“ sein. Und da man heute vornehm ist, da man niemanden der Idiotie bezichtigen will, strickt man sich daraus das Szenario, wonach der Entgegenschwimmer ein neurotischer Notfall sei, der eigentlich anders wäre, wenn es ihm seine gesundheitlichen Zustände nur erlaubten.“

So beginnt ein- mal wieder ganz hervorragender Artikel von

Aphorismus #138

Ein Land das Medien hat, braucht keine Zensur.

Peter Hacks (1928 – 2003). Dieses Zitat stammt von einem, der nach der Wende selbst erfahren musste, wie sehr es stimmt. Zensiert wurden er und andere unbotmäßige Schriftsteller und Dramatiker aus der einstigen DDR nicht wie vormals durch den Staatsapparat, sondern durch Schweigen. Durch das Verschweigen ihrer Person und ihrer Arbeit in den Medien, den offiziösen Organen der sogenannten Kulturindustrie. Gespielt wurde Hacks allenfalls an Provinzbühnen, nicht als politischer Dramaturg, sondern als „Sprachartist„, zu dem herabzuwürdigen sich die (Kultur-)Journaille nicht entblödete, nur um damit ihre eigene Blödheit noch offensichtlicher zu machen.

Veröffentlicht in: on Montag, 6. Oktober 2008 at 00:02 Kommentar schreiben
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Was tun? – Part 1

Eine wütende Analyse

Was tun? So hat schon Lenin 1901/1902 gefragt. Damals ging es um den Fortgang der russischen Sozialisten, als diese an einen Wendepunkt in ihrem Verhältnis zum zaristischen Russland angelangt waren: Hoffnung auf einen Wandel durch sozialdemokratische Reformen, oder totale Konfrontation und sich daraus ergebende Revolution. Die russischen Sozialisten spalteten sich 1903 darüber. Siegen sollten später Lenins Bolschewiki. Ich will nicht schön reden, was schließlich aus der KPdSU spätestens unter Stalin wurde, wie sie zum Beifalls- und Zustimmungsverein für die Vorgaben des ZK  wurde, wie aus der Diktatur des Proletariats eine ganz profane Diktatur wurde.

Aber auch der sozialdemokratische Weg, Staat und Kapital zu „Reförmchen“ und Zugeständnissen zu bewegen, war ein wiederholtes Scheitern an den eigenen Ansprüchen und ein Verrat an den sozialistischen Idee, die Patin an ihrer Wiege war. Die Liste der Versäumnisse, Fehleinschätzungen und Kollaborationen mit dem Kapital ist lange, viel zu lange, als dass man es ihr nachsehen könnte. Das „Mehr Demokratie wagen“ unter Brandt war nur ein kurzes Aufblühen, dem die Politik des ehemaligen Wehrmachtsoffiziers Helmut Schmidt folgte.

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Das Schlagwort als Waffe in den Medien

Als Waffe nicht nur der Beteiligten am politischen Diskurs, sondern immer mehr auch verwendet von den Journalisten, die doch eigentlich dahinter schauen sollten, statt unkritisch mit einzuhacken am liebsten gegen Links, ja schier ausschließlich gegen Links. Die gern selbst gepriesene Neutralität ist längst aufgegeben. „Wir brauchen offensichtlich keinen Berlusconi in Deutschland. Wir haben ihn schon: Die meisten Medien schaffen die Vereinheitlichung der Meinungsmache auch ohne den Monopoleigentümer. Beachtlich.“

So geschehen z.B. gestern in dem Interview der BamS mit dem Altkanzler Schmidt. Nicht nur er haute dabei mit Schlagworten kräftig um sich (inklusive Nazi-Vergleich, der gerne benutzt wird, wenn es keine echten Argumente mehr gibt), sondern auch in der anschließenden Berichterstattung geschah dies:

  • Schon lange ist Lafontaine grundsätzlich ein Populist.Wer beschließt eigentlich, wer ein Populist ist und wer nicht? Lafontaine, der gegen die Agenda 2010 ist, ist einer. Merkel, die verkündet, der Aufschwung sei bei den Menschen angekommen, was nachweislich NICHT stimmt, jedoch nicht!
  • Lafontaines Ideen sind definitiv nicht finanzierbar. Stimmt, aber nur wenn man weiterhin ausschließlich die unten schröpft, um denen oben zu geben. Wenn man es anders herum probiert, klappt es jedoch prima! Aber das wollen, die oben nicht, und denen gehören die Medien, also sind Lafontaines Ideen grundsätzlich schlecht und nie finanzierbar. So einfach ist die Welt!
  • Damit Deutschland nach vorne kommt, braucht es stattdessen noch mehr Reformen. Das Allheilmittel für alles und jedes. Jedoch NIE mit einem nachprüfbaren Beleg, dass sie tatsächlich bringen, was versprochen wird.
  • So ist die Agenda 2010 grundsätzlich ohne Alternativen. Wenn man keine Alternativen gelten lässt, stimmt das auch. Aber das ist reine Definitionssache. Ausprobiert wird es nicht, soll es auch nicht. Dieses Scheinargument dient lediglich als Schlagwort um die Gegner mundtot zu machen.

Das alles sind keine Wahlkampfparolen der CDU/CSU und der SPD, sondern als „Meldungen“ verkaufte Meinungsmache in den privaten wie öffentlich-rechtlichen Medien. Wer darauf achtet, wird feststellen, wie sehr dies stimmt. Leider.

Werner Müller hat in den Nachdenkseiten wirklich Nachdenkenswertes dazu geschrieben, auf das ich gerne verlinke. (Das Berlusconi-Zitat oben stammt auch aus diesem Artikel.)

Aphorismus #75

Nichts erstaunt jene, die sich mit den menschlichen Angelegenheiten gründlich beschäftigen, in höherem Maße, als die Leichtigkeit, mit welcher sich die Vielen von den Wenigen beherrschen lassen. Wenn wir näher untersuchen, was dieses Wunder bewirkt, finden wir, dass sich die Regierenden gegen die Macht der großen Zahl auf nichts weiter stützen können als auf die Meinung. Darin, in Meinung allein, gründet die Regierung. Diese Maxime erstreckt sich auf despotische und gewalttätige Regierungsformen ebenso wie auf die freien und volkstümlichen.

David Hume (1711-1776) in dem Essay: Of The First Principles Of Government, zitiert nach Freitag 5/2008

Veröffentlicht in: on Montag, 4. August 2008 at 00:01 Kommentar schreiben
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Märchen des Ökonomismus #1

Vorbemerkung

Ökonomismus ist ein Begriff, der sich mir aufdrängte angesichts dessen, was seit einigen Jahren geschieht. Seit dem Scheitern des realsozialistischen Experiments und infolge der so genannten Globalisierung werden immer mehr Lebensbereiche unter rein wirtschaftlichen Aspekten betrachtet und den Gesetzen des Marktes unterworfen. Diese Ideologie, dass alles im Rahmen der Ökonomie gesehen wird, dass der Mensch nur noch als homo oeconomicus verstanden wird, nannte ich für mich „Ökonomismus“. Natürlich waren da schon andere drauf gekommen, wie man via Google leicht feststellen kann. Sei’s drum! Gute Ideen haben nicht nur einen Meister.

In loser Folge möchte ich ein paar der am häufigsten zu hörenden Märchen dieses allgegenwärtigen Ökonomismus richtig stellen.

Der Untergang der Sowjetmacht war der endgültige Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus

Diese Behauptung wird seit dem Mauerfall in Sonntagsreden von Politikern aller Couleur ex Cathedra gebetsmühlenartig fortdauernd wiederholt. Anschließend heißt es: Damit sei erwiesen, dass der Kapitalismus das bessere System sei. Die sozialistische Utopie habe sich ein für allemal erledigt. Diese Schlussfolgerung hat allerdings dieselbe Aussagekraft, wie wenn ein Wissenschaftler feststellen würde, Tomaten seien ungesund, und dann vor dem Genuss jedes Gemüses warnen würde. Aber um Logik geht es hier gar nicht, sondern um Ideologie, um die Herrschaft über das Denken der Untertanen.

Beim Kalten Krieg ging es zwar augenscheinlich darum, wer das bessere System hat, aber Motor des Kalten Krieges war nicht die ideologische Systemdifferenz, sondern das Hegemonialstreben der beiden Großmächte USA und UdSSR. Das ganze Gerede vom Systemunterschied hüben wie drüben diente nur der ideologischen Munitionierung im Kampf um die Köpfe und des Schulterschlusses in den eigenen Reihen. Genauso wenig wie die USA die „westlichen Werte“ von Freiheit und Demokratie vertraten (und noch immer nicht vertreten), genauso wenig waren die Sowjetunion und ihre Vasallen wirkliche sozialistische Staaten. Es gab einmal gute Ansätze, aber das meiste hat sich in Bürokratismus, Planwirtschaft und Spitzelstaat verflüchtigt. Dass sich auch die guten, weil freiheitlichen Ansätze der amerikanischen Revolution verabschiedet haben, um der Herrschaft des militärisch-industriellen Komplexes Platz zu machen, ist allerdings ebenso eine Tatsache. Der Kalte Krieg fand nicht zwischen der Freiheit und der Diktatur, nicht zwischen Kapitalismus und Kommunismus, und erst recht nicht zwischen dem Reich des Guten und dem des Bösen statt, sondern zwischen den beiden Nachfolgern des Imperium Romanum, die um die alleinige Weltherrschaft auf den Rücken ihrer unterjochten Völker stritten.

Untergegangen ist das Sowjetreich, wie jedes andere Großmacht untergeht (und wie auch die USA untergehen werden!): an den eigenen inneren Widersprüchen. Sozialismus wurde gepredigt, das hohe Lied von Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit gesungen und vom kommunistischen Paradies geträumt. Praktiziert wurde jedoch nach innen wie nach außen die ganz normale Machtpolitik einer Diktatur, die eben nicht die des Proletariats war. Gorbatschow hatte dies m.E. erkannt, aber Glasnost und Perestroika kamen zu spät. Die alten Herren im Kreml hatten schon längst ihr Volk verloren. Ein Reich, dessen Macht nur auf die der Bajonette und der Panzer beruht, wird irgendwann untergehen: denn Stärkere, bessere oder nur andere gibt es immer! Im Kampf der Systeme hatten die USA nicht nur ihre eigenen Ressourcen, sondern die all der Länder, die mit ihnen verbündet waren und die mit ihnen Handel trieben. Zudem hat ihre Regierungspropaganda es besser verstanden, das eigene Volk hinter sich zu scharen als die des „Ostblocks“. Coca Cola, Jeans, Urlaubsreisen und das eigene Auto sind eben attraktiver als der neue 5-Jahresplan und Solidaritätsadressen an die Befreiungsbewegungen in der 3. Welt. Zudem kam und kommt dem medien-industriellen Komplex- Film, Fernsehen, Zeitung, Radio und mittlerweile Internet- eine immense Bedeutung zu: was weltweit gesehen, gelesen, gehört und dadurch auch gedacht wird, kommt zu einem hohen Prozentsatz aus den USA.

Der Kampf um die Köpfe wird heute weniger denn je in offenen Diskussionen und im kritischen Diskurs gewonnen, sondern quasi ausschließlich via Schlagzeile und Hollywood Blockbuster. In den letzten 20, 30 Jahren wurden unsere Medien weitgehend gleichgeschaltet, gibt es immer stärkere Konzentrationen. FOX in den USA nehmen eindutig Stellung in der Tagespolitik für Bush und die Republikaner. Auch bei uns braucht es kein Reichspropagandaministerium mehr, es genügt das stille, aber effektive Einwirken auf die Redaktionen durch die Eigentümer. Wieviele Redakteure wurden nicht in den letzten Jahren entlassen, weil ihre Texte nicht mehr den Interessen der Eigner entsprachen? Unsere Medienlandschaft verödet immer mehr. Was einer bringt, müssen alle nachbeten. Was einer als Wahrheit verkündet, müssen alle nachplappern. Kritische Stimmen gegen den allgegenwärtigen Ökonomismus, eine alternative Weltsicht oder gar Sozialismus ist kaum wahrzunehmen. Heute bestimmen BILD, RTL, Bertelsmann & Co., was für eine Politik in unserem Land gemacht wird.

Unsere Medien als Sprachrohre der herrschenden ökonomischen Machteliten trommeln seit Jahren gegen jede Form des „Sozialismus“, behaupten, dass sich die Marxsche Lehre mit dem Mauerfall ein für allemal erledigt habe. Sie tun dies, nicht weil es wahr ist, oder weil sie es selbst glauben, sondern weil die herrschende Klasse vor nichts mehr Angst hat als von einer neuerlichen sozialistischen Bewegung: die muss schon an der Wurzel verhindert werden. Und wer es trotzdem wagt, anders zu denken und zu reden, der ist ein Spinner, ein weltfremder Romantiker, oder wird wenn er sich im Widerstand engagiert, schnell kriminalisiert und in die linksradikale Ecke gestellt.

Wie schnell ging das mit den Gipfelgegnern in Rostock! Da war nach der ersten Demo nur noch vom „schwarzen Block“ die Rede. Von den vielen, vielen Opfern unter den Polizisten (Zahlen die sich schnell als aufgeblasener Popanz herausstellten.) Dass die Provokationen und Gewalttaten auf Seiten des „schwarzen Blocks“ nachweislich durch Agents Provocateurs des Verfassungsschutzes ihren Anfang nahmen, dass die von der Polizei erzwungene Route des Demozuges wie „zufällig“ über die Straßenbahnschienen von Rostock lief, so dass sich auch wirklich jeder gut mit Steinen aus dem Gleisbett munitionieren konnte, davon war weder bei Springer noch bei Spiegel und Co. zu lesen: nur dass gewalttätige Chaoten es verhindert haben, die „berechtigten“ Interessen der friedlichen Demonstranten zur Sprache zu bringen.

Wenn die Anliegen der Globalisierungskritiker berechtigt sind, warum bringt sie dann unsere ach so freie Presse nicht zu Gehör? Warum liest man überall dasselbe, die gleiche neoliberale Sauce, die gleichen ökonomistischen Märchen? Warum wird uns auf 100 Kanälen vorgegaukelt, es gäbe keine Alternative zum derzeitigen raubtier-kapitalistischen System?

Kein Wunder, dass es die herrschende und unwidersprochene Geschichtslegende ist, dass der Untergang des real existierenden Sozialismus der Sieg des westlichen, „freiheitlichen“ Kapitalismus amerikanischer Prägung war und ist.

Freiheitsstatue