Aphorismus #349

„Welche Nationalität haben sie?“

„Ich bin Trinker.“

Rick Blaine (H. Bogart), Casablanca

Aphorismus #303

Wenn die nationale Borniertheit überall widerlich ist, so wird sie namentlich in Deutschland ekelhaft, weil sie hier mit der Illusion, über die Nationalität und über alle wirklichen Interessen erhaben zu sein, denjenigen Nationalitäten entgegengehalten wird, die ihre nationale Borniertheit und ihr Beruhen auf wirklichen Interessen offen eingestehen.

Dieses treffende Wort über deutsches Nationalgefühl stammt von den zwei notorisch antideutschen Internationalisten Karl Marx und Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3 S. 458

Veröffentlicht in:  on Samstag, 21. März 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
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Was tun? – Part 3

War der erste Teil ein wütender Rückblick auf den Weg der SPD, die im 19. Jhd. als sozialistische Partei begann und im 21. Jhd. als Kleinkoalitionär der Christdemokraten ihren vorläufigen Tiefpunkt erreichte; so handelte der zweite Teil von der Fehlinterpretation der Marxschen Theorie als „Ökonomismus„, d.h. als Erklärung von allem und jedem ausschließlich aus den ökonomischen Beziehungen von Einzelnen, Gruppen und Völkern nicht nur durch die neoliberalen Gegner, sondern auch durch so manche Linke; so soll es in diesem dritten Teil um einen Aspekt des allgemeinen politischen Klimas inklusive des linken gehen, der m.E. sehr starke Auswirkungen hat, wie es angesichts der aktuellen Krise des Kapitalismus und seines selbst erzeugten Siechtums weitergehen kann. Er handelt von der überhand nehmenden Emotionalisierung aller Lebensbereiche seitens der Medien und die Folgen für linke Politik.

Also: Was tun…? Die dritte!

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Aphorismus #268

Jeder der in irgendeine Form Rechte unterstützt, sollte an Dresden denken. So wird Deutschland wieder aussehen, sollten noch einmal Nationalisten an die Macht kommen.

Martin Blumentritt als Überschrift eines Offenen Briefes an J. Elsässer über die dreifache Dresdenlüge. Was Elsässers neue national gesinnten Mitstreiter der Volksinitiative gegen Finanzkapital (Geht es plakativer? Geht es regressiver? Geht es völkischer?) wohl dazu sagen werden? Scheint mal wieder ein ehemals Linker, heim ins Reich geholt zu werden.

Anmerkung: Diesen Satz sehe ich selbstredend nicht als Drohung, sondern als Aufzeigen der Konsequenz, die einem erneuten deutsch-nationalistischen Abenteuer unweigerlich folgen würde: die Katastrophe und Zerstörung eines verlorenen Krieges.

Aphorismus #96

Der Antisemitismus ist dem Nationalismus blutsverwandt und dessen bester Alliierter.

Carl von Ossietzky ( 1889 – 1938 ) „Antisemiten“ in:  Die Weltbühne, 19. Juli1932 S. 88

Gleiches Recht für alle!

So lautet in etwa die Argumentatiom Russlands beim Konflikt mit Georgien über die beiden abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien. „Abtrünnig“ werden sie fast immer in unseren Medien genannt. Die gleichen Medien, die das Ausscheren des Kosovo aus Rest-Jugoslawien (der klägliche Rest, der dank europäischer und besonders deutscher Außenpolitik noch übrig ist!) fast einhellig bejubelt haben und die den vorgeblichen Freiheitskampf des Dalai Lama und seiner selbst ernannten Tibet-Befreier Tag für Tag mit Ergebenheit zelebrieren. Denn von objektiver Berichterstattung kann schon lange keine Rede mehr sein, wenn es um das Shangri-La auf dem Dach der Welt geht. Aber das nur nebenbei.

Worum es derzeit im Kaukasus geht, wird spätestens klar, wenn man die beteiligten Politiker betrachtet, die mal mehr oder weniger diplomatisch unterwegs sind in dieser Angelegenheit: es geht um den Einfluss des Westens vor Russlands Haustüre. Lange genug musste Russland nach dem Zusammenbruch der UdSSR hilflos mit ansehen, wie das eigene Reich zerbrach, musste eine Demütigung nach der anderen erdulden, bis hin zur vertragswidrigen Ausweitung der NATO nach Osten und dem Beharren der USA auf den „Raketenschutzschild“. Nun hatte der Kreml verständlicherweise die Kette an Demütigungen satt. Der georgische Truppenaufmarsch in den beiden mehrheitlich von Russen bewohnten Provinzen war willkommener Anlass. Es hat im Kaukasus gewaltig gerummst. Die bisherige Salami-Taktik von USA, EU und NATO ging nicht mehr auf. Jetzt hat man ein echtes Problem. Um nicht ein endgültige neue Eiszeit zwischen dem Westen und Russland einzuleiten, muss die Diplomatie ran. Aber mit leeren Händen! Außer Bitten auszusprechen, ist da nichts. Und Drohungen wie von der amerikanischen Außenministerin sind vollkommen konraproduktiv.  Russland hat alle Trümpfe in der Hand: eine russische Mehrheit in den beiden Provinzen, einen autokratischen Herrscher in Georgien und den Kosovo als Präzedenzfall. Die üblichen Worthülsen von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten taugen in diesem Konflikt nicht. Dumm gelaufen, würde ich mal sagen. :-P

Die Sache mit dem Kosovo hat sich also letztlich schneller als Danaergeschenk erwiesen, als selbst von den größten Kritikern befürchtet wurde: jetzt kann wirklich JEDE Minderheit, die mit der Zentralregierung nicht klar kommt, die weg möchte, die sich kulturell, ethnisch oder sonstwie anders sieht, mit Fug und Recht für sich dieselben Rechte beanspruchen. Solange sich solche Unabhängigkeit instrumentalisieren lässt für die eigenen Ziele, ist sie ja sehr praktisch, aber wehe, wehe es richtet sich wie derzeit im Kaukasus einmal gegen die eigenen Interessen, dann sind die Gesichter lang und die Möglichkeiten etwas dagegen zu tun, mehr als nur beschränkt: sie tendieren gegen Null.

Gleiches Recht für alle! Das könnte nun auch Belgien auseinanderbrechen lassen: ein je eigener Statt für Flamen und Wallonen. Die Regierungskrise zieht sich ja nun schon lange hin. Dementsprechende Stimmen werden immer lauter. Schon witzig die Vorstellung, dass der Sitz der europäischen Einigungsbestrebungen und Einheitsbürokratie auf einmal dem nationalen Spaltpilz des 19. Jahrhunderts zum Opfer fällt!

Gleiches Recht für alle! Das wäre mal wieder Wasser auf die Mühlen der Separatisten Spaniens und Frankreichs: Catalanen und Basken. Für besonderen Sprengstoff wäre dadurch gesorgt, dass die Basken auch Teile Frankreichs für sich beanspruchen. Würde es da am Ende gar zu einem Waffengang zwischen Frankreich und Spanien kommen?

Gleiches Recht für alle! Würde dies auch gelten, wenn die reichen Südländer der Republik keinen Bock mehr haben, den armen Norden und Osten mit durchzufüttern und eine eigenen gemeinsamen „Freistaat“ gründen würden? Das GG sieht dies nicht vor, aber das Völkerrecht, was sagt es dazu?

Gleiches Recht für alle! Last but not least: wie wäre es denn, wenn es zu einer neuerlichen Sezession in den USA käme? Wenn z.B. aus religiösen Gründen sich ein paar der frommen Südstaaten zusammentäten, sich eine neue Verfassung geben würden und die Vereinigten Christlichen Staaten von Amerika ausrufen würden? Gäbe es dann einen neuerlichen Bürgerkrieg, oder müsste Washington zähneknirschend Ruhe geben?

Der Kosovo, zuerst als angeblicher Erfolg gefeiert, aber nun nur noch ein Menetekel für eine Diplomatie, die sich an der eigenen Macht und dem eigenen Hegemoniestreben berauscht hatte. Was jetzt im Kaukasus passiert, könnte das erste Vorzeichen einer langen Kette von Katastrophen sein, die uns alle noch sehr teuer zu stehen kommen könnten.

Veröffentlicht in:  on Freitag, 15. August 2008 at 13:44 Kommentare (2)
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Auto-Corso*

Ich mag Fußball, tue mir sogar solche Spiele wie Türkei gegen Kroatien oder Italien gegen Spanien an. Aber was dann hinterher in den Innenstädten kommt, geht mir gehörig auf den Sack Geist. Das verleidet einem den ganzen Spaß.

Bei den ganzen nationalen Besoffenheiten, die es dieser Tage zu durchleiden gilt, sobald man in das öffentliche Leben eintritt, frage ich mich natürlich: Was das ganze sol?

  1. ist es ein Geschäft. Und welcher Kapitalist ließe sich ein Geschäft entgehen? Das begann im Vorfeld mit den neuesten Flachfernsehern. Flach bezieht sich dabei auch auf das Programm! Denn das verkennen die Käufer meist, dass auch die neueste Technik das Programm keinen Deut besser macht! Dann für den zünftigen Abend mit Freunden braucht es Bier, jede Menge Bier, mit dem man gleich noch den Regenwald schützt. So kann wenigstens der letzte Säufer seinen Beitrag zur Rettung der Erde leisten! (Danke Günther Jauch!). Dazu noch Berge an Grillgut, Snacks und anderes Hüftgold: Sport macht durstig und hungrig. Besonders beim Zuschauen. Damit man seine Verbundenheit mit den Helden in der Arena vor jedermann glaubwürdig bezeugen kann, braucht es noch die richtige Fan-Ausrüstung, Fähnchen, Schminke, Trikots, Schals, Tröten und Fanfaren. Letztere sind besonders kommunikativ: Die Nachbarn könnten ja versäumt haben, dass die eigene Mannschaft ein Tor geschossen hat! Beim Kauf ist immer darauf zu achten, dass man auf jeden Fall den aller-aller-lautesten Tinnitus-Generator hat, besonders wenn man zum Public Viewing geht.
  2. ist es eine tolle Party. Und welcher Depp ließe sich die Möglichkeit zum Besäufnis entgehen? Zu den traditionellen Gelegenheiten des öffentlichen Besaufens wie Karneval, Volksfeste etc kommen jetzt nach den Meisterfeiern der Bayern (und ab und zu der anderen Mannschaften, wenn die Bayern mal wieder so gnädig sind, andere gewinnen zu lassen) nun dank des Public Viewing zu JEDEM Spiel das volle Programm: Saufen, Grölen, Autokorso ….
  3. ist zu befürchten, dass es eine konzertierte Aktion unserer Meinungsmacher ist (fälschlich auch als Medien oder gar als 4. Gewalt bezeichnet), die dem tumben Volke den angeblich ach so „gesunden“ Patriotismus (NIE, NIE Nationalismus sagen, könnte ja jemand auf die richtigen Schlüsse kommen, aus welch trüben Quellen sich solcherlei Gedankengänge IMMER speisen!) schmackhafter machen will. Je brutaler, ausgrenzender, asozialer und Menschen verachtender unsere Gesellschaft wird, desto mehr braucht es Ersatzbefriedigungen, wie eine Fußball-EM oder gar einen Titel, und eben diesen neuerlichen Rückfall in den „Patriotismus“. Und das Stimmvieh macht bereitwillig mit. Muss ja richtig sein. BILD ist schwarz-rot-gold beflaggt, bei ALDI gibt’s die Fähnchen, Public-Viewing ist sowieso überall angesagt, Bier fließt in Strömen und hinterher berichtet das Fernsehen von den tollen Auto-Corsos …..

Gott geht mir das auf den Zeiger! Und da ist es mir auch egal, ob die Fahnen, die geschwenkt werden, rot sind oder rot-gelb-rot, oder weiß-blau-rot oder eben schwarz-rot-gold … Ist alles derselbe Scheiß. Jeder Nationalismus ist einer zu viel!

Nur einmal wäre ich auch mit einem Fähnchen losgezogen: Wenn Ballack nicht so einen geilen Freistoß geschossen hätte. Dann allerdings mit rot-weiß-rot.

*Dieser Beitrag beruht auf einem Foren-Post von mir in telepolis auf folgenden sehr lesenswerten Artikel: „Strafvereitelung im Amt?“

Veröffentlicht in:  on Montag, 23. Juni 2008 at 12:08 Kommentar schreiben
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Aphorismus #18

Für alle, denen die allgemeine patriotische Besoffenheit und das Beflaggen von Autos, Kinderwägen, Dächern, Schweineställen etc. zur Fußball-EM auf den Zwirn geht, hier ein etwas anderer Link.

Von dessen Inhalt ich mich selbstverständlich auf’s allerschärfste distanziere. So gehört sich das in unserem Land mit seiner freiheitlich demokratischen Grundordnung.

Veröffentlicht in:  on Samstag, 7. Juni 2008 at 00:05 Kommentar schreiben
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