Was ist eine Depression?

Bei keiner psychischen Erkrankung meint wohl fast jeder, irgendwie auch mitreden zu können: “Depressiv sind wir doch alle mal!” Und doch hat kaum einer wirklich Ahnung von dieser Krankheit. Als seit Jahren selbst Betroffener möchte ich hier zur Information und Diskussion darüber beitragen. Wer Kontakt mit mir aufnehmen möchte, kann dies gerne tun, entweder über die Kommentarfunktion, oder über meine Email, die es hier gibt (unten im Bild des FSM eingebettet).

Bei meinem letzten Klinikaufenthalt gab es eine sogenannte “Depressionsgruppe”, in der es um Formen, Ursachen, Behandlungsmethoden etc.  der Depression ging. Ziel war es die Patienten zu “Experten ihrer eigenen Krankheit” zu machen. So ein Lernziel habe ich mir natürlich nicht zweimal sagen lassen. ;-) Hier gebe ich wieder, was m.W. derzeitiger anerkannter Stand von Forschung und Behandlung ist. Für Ergänzungen und fundierte Korrekturen bin ich dankbar.

Ein paar nicht ganz ernst gemeinte Ratschläge.

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  • Depression ist eine schwere Krankheit, die neurophysiologische (Stichwort: ein aus dem Gleichgewicht geratene Balance der Neurotransmitter, besonders Serotonin- und Noradrenalinmangel), psychologische (die berühmte schwere Kindheit, prägende negative Erlebnisse, eine PTBS etc) und soziologische (Mobbing am Arbeitsplatz, Druck in der Familie, Zukunftsangst …) Ursachen haben kann. Meist ist dabei nicht nur ein Punkt der Grund für den Ausbruch der Krankheit, sondern mehrere Faktoren treffen zusammen. Die Psychiater gehen heute nicht mehr von der alten Einteilung in endogene und reaktive Depressionen aus, sondern tasten sich von der deskriptiven Diagnose zur Beschreibung der Ursachen und ihrer Behandlung vor. So gibt es auch der ICD-10 der WHO vor.
  • Bewährt haben sich als Behandlungsmethoden die pharmazeutische mit Antidepressiva (neben den klassischen Trizyklika sind dies die selektiven Serotonin- und/oder Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, sog. SSRI und SNRI) und/oder mit kognitiver Verhaltenstherapie. Dabei dient oft die pharmazeutische Behandlung zunächst einmal dazu, den Patienten für eine verhaltenstherapeutische offen und fähig zu machen. Wer je einen schwer depressiven Menschen erlebt hat, weiß, dass er zu fast nichts mehr fähig ist, und sein Denken und Verarbeiten von äußeren Eindrücken schwerst beeinträchtigt ist: dies kann schon fast katatonische Züge annehmen.
  • Depressionen werden unterteil in drei Schweregrade: leichte, mittlere und major depression. Bei erster helfen meist schon Johanniskraut, eine Änderung des Tagesablaufes, wenige Sitzungen Verhaltenstherapie oder auch angenehme Aktivitäten Bei mittleren Depressionen führt meist kein Weg an einer Medikation vorbei und zusätzlich ist Verhaltenstherapie angesagt. Meist sollte die Behandlung in einer Klinik stattfinden, damit eine evtl. Suizidgefährdung nicht zur Tat wird. Dies gilt ausnahmslos für eine major depression. Patienten und Therapeuten brauchen evtl. monatelange Geduld, bis die Behandlung nachhaltig wirkt.
  • Man unterscheidet Depressionen neben dem Schweregrad auch nach der Art und Weise ihrer Dauer:
    • Aus einer einzelnen depressiven Episode entwickelt sich bei ca. 30% der Patienten eine rezidivierende depressive Erkrankung, d.h. bei den Betroffenen wechseln sich meist in unregelmäßigen Abständen depressionsfreie Phasen von mehreren Jahren mit depressiven Episoden ab.
    • Hat der Patient eine andauernde leichte (bis mittlere) Depression, die länger als zwei Jahre andauert und meist in der Jugend beginnt, so bezeichnet man dies als Dysthymie, oder chronische Depression.
    • Treten bei einer Dysthymie rezidivierend Phasen einer  mittel- bis hochgradiger Depression auf, spricht man von einer Doppeldepression.
    • Was man früher Manische Depression genannt hat, wird heute als bipolare Störung bezeichnet und nicht mehr zu den eigentlichen Depressionen gerechnet.

Posttraumatische Belastungsstörungen bei Soldaten*

PTBS / PTSD ist so alt wie die Menschheit, genauer: so alt wie sie Kriege führt. Schon in der Antike wusste man das! Nur die Militärs geben sich immer wieder überrascht, dass ihre Kampfmaschinen doch Menschen sind.

Wenn ein Krieg, wie in Afghanistan oder im Irak, so offensichtlich aus anderen Gründen geführt wird, muss der denkende Soldat (Den soll es auch geben!) ins Grübeln und Zweifeln kommen, und schon sieht er die Opfer seines blutigen Handwerks nicht mehr als “gerecht”, oder “notwendig” an, sondern als sinnlos und brutal. Und wenn man dann selbst unter Beschuss gerät, seinen Kameraden in einem Hinterhalt verliert, dann sind Selbstzweifel, Selbsthass, unkontroliierbare Ängste, Panikattacken, Zwänge und andere psychische Störungen nicht weit: kurzum all das, was man gemeinhin eine PTBS nennt.

Das Land, wo die Neurosen blühen, ist das Land der Militärs und der Kriege. Wir Menschen sind von Natur aus eben nicht konstruiert zum gnadenlosen Töten und hingebungsvollen Metzeln, so wie es die Militärs dieser Welt gerne hätten. Dazu müssen wir erst durch Drill und Ideologie gebracht werden. Dadurch verlieren die Gegner ihr menschliches Antlitz, gehören zu einer “minderwertigen Rassen”, gelten als “Ungläubige” oder sind ganz einfach alles potentielle “Terroristen”. Gute Propaganda, “Volksaufklärung” und Erziehung der eigenen Leute gehören seit jeher zum Kriegshandwerk. Oder weswegen sonst erfand die US-Army den “embedded” Journalisten? Das gaukelt Authentizität vor und gibt dem Militär gleichzeitig die Macht über die Bilder und Botschaften.

Von welcher Seite der wahre Terror ausgeht, ist noch nicht abschließend zu beantworten.

Was die Kriege nach ‘45 angeht, wissen wir hinlänglich bescheid über psychische Folgen bei den Soldaten. Und je jünger sie zurückliegen, desto mehr tun wir das. Gibt es über die amerikanischen Feldzug des WK II noch relativ viel Material, so sieht es auf deutscher Seite zu diesem Thema mau aus. Die Nazis selbst hatten keine Interesse an den für sie “verweichlichten” Vertreter der arischen Rasse. Und mit ihrer Ablehnung der “jüdischen” Psychoanalyse wurde mögliche Hilfe ebenfalls verteufelt. Nach der Kapitulation mussten die Heimkehrer aus der Kriegsgefangenenschaft die nächsten Jahre über funktionieren und schuften beim Wiederaufbau, danach mussten sie sich gegen die “bösen” ‘68er rechtfertigen und nun über 60 Jahre später sterben sie nach und nach weg.

Wieviel der Neurosen der Adenauer-Ära verdanken wir wohl dieser kollektiven Verdrängung? Wie sehr wurde die Geschichte der BRD von dieser Tatsache geprägt? Es ist ja kein Zufall, dass Machwerke wie “Dresden” oder “Die Flucht” so begierig ein breites Publikum finden: endlich wurde die deutsche “Opferrolle” und die brutalen Folgen des Krieges, auch die psychischen, thematisiert. Das macht diese Art des “Event-Kinos” zwar auch nicht besser, bedient aber ein Bedürfnis, das latent vorhanden ist: auch unter den Kindern und Enkeln, weil sonst nie oder nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen wurde.

* Dies ist ein Forenbeitrag von mir zu einem Artikel darüber, dass die Zahl von US-Soldaten mit PTBS in den letzten Kriegen stark zugenommen hat.