Aphorismus #514
Wort zum Sonntag #23
Das Wort zum Sonntag diesmal nicht von mir, sondern von einem Philosophen, der bestimmt nicht zu meinen Favoriten zählt, jedoch seine Kirchen- und Religionskritik ist oft sehr zutreffend und kommt in bildgewaltiger Sprache. Wie ich finde: ein Sonntags-Braten ganz eigener Art. Viel Vergnügen!
Von den Priestern
Und einstmals gab Zarathustra seinen Jüngern ein Zeichen und sprach diese Worte zu ihnen:
»Hier sind Priester: und wenn es auch meine Feinde sind, geht mir still an ihnen vorüber und mit schlafendem Schwerte!
Auch unter ihnen sind Helden; Viele von ihnen litten zuviel -: so wollen sie Andre leiden machen.
Böse Feinde sind sie: Nichts ist rachsüchtiger als ihre Demuth. Und leicht besudelt sich Der, welcher sie angreift.
Aber mein Blut ist mit dem ihren verwandt; und ich will mein Blut auch noch in dem ihren geehrt wissen.« -
Und als sie vorüber gegangen waren, fiel Zarathustra der Schmerz an; und nicht lange hatte er mit seinem Schmerze gerungen, da hub er also an zu reden:
Es jammert mich dieser Priester. Sie gehen mir auch wider den Geschmack; aber das ist mir das Geringste, seit ich unter Menschen bin.
Aber ich leide und litt mit ihnen: Gefangene sind es mir und Abgezeichnete. Der, welchen sie Erlöser nennen, schlug sie in Banden: -
In Banden falscher Werthe und Wahn-Worte! Ach dass Einer sie noch von ihrem Erlöser erlöste!
Auf einem Eilande glaubten sie einst zu landen, als das Meer sie herumriss; aber siehe, es war ein schlafendes Ungeheuer!
Falsche Werthe und Wahn-Worte: das sind die schlimmsten Ungeheuer für Sterbliche, – lange schläft und wartet in ihnen das Verhängniss.
Aber endlich kommt es und wacht und frisst und schlingt, was auf ihm sich Hütten baute.
Oh seht mir doch diese Hütten an, die sich diese Priester bauten! Kirchen heissen sie ihre süssduftenden Höhlen.
Oh über diess verfälschte Licht, diese versumpfte Luft! Hier, wo die Seele zu ihrer Höhe hinauf – nicht fliegen darf!
Sondern also gebietet ihr Glaube: »auf den Knien die Treppe hinan, ihr Sünder!«
Wahrlich, lieber sehe ich noch den Schamlosen, als die verrenkten Augen ihrer Scham und Andacht!
Wer schuf sich solche Höhlen und Buss-Treppen? Waren es nicht Solche, die sich verbergen wollten und sich vor dem reinen Himmel schämten?
Und erst wenn der reine Himmel wieder durch zerbrochne Decken blickt, und hinab auf Gras und rothen Mohn an zerbrochnen Mauern, – will ich den Stätten dieses Gottes wieder mein Herz zuwenden.
Sie nannten Gott, was ihnen widersprach und wehe that: und wahrlich, es war viel Helden-Art in ihrer Anbetung!
Und nicht anders wussten sie ihren Gott zu lieben, als indem sie den Menschen an’s Kreuz schlugen!
Als Leichname gedachten sie zu leben, schwarz schlugen sie ihren Leichnam aus; auch aus ihren Reden rieche ich noch die üble Würze von Todtenkammern.
Und wer ihnen nahe lebt, der lebt schwarzen Teichen nahe, aus denen heraus die Unke ihr Lied mit süssem Tiefsinne singt.
Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine jünger aussehen!
Nackt möchte ich sie sehn: denn allein die Schönheit sollte Busse predigen. Aber wen überredet wohl diese vermummte Trübsal!
Wahrlich, ihre Erlöser selber kamen nicht aus der Freiheit und der Freiheit siebentem Himmel! Wahrlich, sie selber wandelten niemals auf den Teppichen der Erkenntniss!
Aus Lücken bestand der Geist dieser Erlöser; aber in jede Lücke hatten sie ihren Wahn gestellt, ihren Lückenbüsser, den sie Gott nannten.
In ihrem Mitleiden war ihr Geist ertrunken, und wenn sie schwollen und überschwollen von Mitleiden, schwamm immer obenauf eine grosse Thorheit.
Eifrig trieben sie und mit Geschrei ihre Heerde über ihren Steg: wie als ob es zur Zukunft nur Einen Steg gäbe! Wahrlich, auch diese Hirten gehörten noch zu den Schafen!
Kleine Geister und umfängliche Seelen hatten diese Hirten: aber, meine Brüder, was für kleine Länder waren bisher auch die umfänglichsten Seelen!
Blutzeichen schrieben sie auf den Weg, den sie giengen, und ihre Thorheit lehrte, dass man mit Blut die Wahrheit beweise.
Aber Blut ist der schlechteste Zeuge der Wahrheit; Blut vergiftet die reinste Lehre noch zu Wahn und Hass der Herzen.
Und wenn Einer durch’s Feuer geht für seine Lehre, – was beweist diess! Mehr ist’s wahrlich, dass aus eignem Brande die eigne Lehre kommt!
Schwüles Herz und kalter Kopf: wo diess zusammentrifft, da entsteht der Brausewind, der »Erlöser«.
Grössere gab es wahrlich und Höher-Geborene, als Die, welche das Volk Erlöser nennt, diese hinreissenden Brausewinde!
Und noch von Grösseren, als alle Erlöser waren, müsst ihr, meine Brüder, erlöst werden, wollt ihr zur Freiheit den Weg finden!
Niemals noch gab es einen Übermenschen. Nackt sah ich Beide, den grössten und den kleinsten Menschen: -
Allzuähnlich sind sie noch einander. Wahrlich, auch den Grössten fand ich – allzumenschlich!
Friedrich Nietzsche (1844 – 1900), Also sprach Zarathustra
Aphorismus #511
Religion ist nicht das Opium, sie ist das Placebo der Massen.
Hugh Laurie als Dr. House in „Der Glaube geht fremd“ Episode5/15
Aphorismus #465
Wort Bilder zum Sonntag #16
Das kennt man ja…
… das auch…
…wenn dann das noch dazu kommt…
… und das noch…
… fehlt noch solches…
…so darf man gespannt sein, was noch alles auf uns zukommen wird. Die religiösen Spinner, Fundamentalisten und Glaubenskrieger, allesamt aber nur eines: Menschenhasser, sie haben noch viel zu tun, um den Rest der Menschheit mit ihrer Wahrheit zu beglücken. Hoffte man blauaügig noch vor einiger Zeit, das Zeitalter der Religionskriege könne bald zu Ende gehen, belehren sie uns eines Besseren! Religion schafft immer Streit, Hass, Unterdrückung und Krieg. Einig sind sie sich diese Wahnsinnigen nur in einem: eine Welt ohne Gott, das wäre furchtbar. Écrasez l’infâme! Der Schlachtruf Voltaires kann gar nicht laut genug ausgerufen werden! Und er meint schon lange nicht mehr nur die christlichen Kirchen, sondern auch den Islam in seinen Spielarten,den Hinduismus und auch den Buddhismus! ALLE Religionen sind infam und niederträchtig, weil sie den Gläubigen Dinge nach dem Tod versprechen, die sie hienieden ihnen vorenthalten, und weil sie allen ihre primitive Weltsicht aufzwingen wollen.
Wir leben wahrhaft in interessanten Zeiten.
Aphorismus #430
Wort zum Sonntag #11
Noch mal zum Nachlesen: Islam in 30 Sekunden
- Glaube an einen Gott, der allmächtig ist, der Schöpfer, Lenker und Herrscher des ganzen Universums
- Er hat die Menschen erschaffen, damit sie ihm dienen
- Er hat Gesandte und Bücher geschickt:Wer an die Gesandten glaubt und den Büchern folgt, wird ins Paradies gehen
- Wer nicht, wird in die Hölle gehen
- Der letzte Bote Gottes: Mohammed mit dem Koran, der letzten Botschaft Gottes
- Das hast du zu glauben
Pierre Vogel, der Meister dieser 30 Sekunden, ist Konvertit und Prediger eines reaktionären aber nicht als aggressiv bekannten Spielart des Islam, auch mit dem entsprechenden Frauenbild. Ziel seiner Arbeit ist es, möglichst viele vor allem junge Menschen zu Allah zu bekehren, ein islamischer Erweckungsprediger also. Auch wenn für manchen sein „Islam in 30 Sekunden“ die Sache total verkürzen mag, hat diese Darstellung doch den Vorteil, dass sie die zentralen Punkte eines orthodoxen Islam auf den Punkt bringt, und dies jenseits des üblichen 5 Säulen-Geblubbers, das nur den äußeren Kultus beschreibt und kaum den Inhalt. Zudem lässt sich an seinem Verhalten und seinen Worten sehr schön nicht nur die „Psychopathologie“ eines islamischen Erweckungspredigers erkennen, sondern auch die seiner christlichen Kollegen: die Strukturen sind gleich, nur die Etiketten sind andere.
Soweit das Vorspiel, kommen wir zum Eigentlichen, dem 30-Sekunden-Islam.
Aphorismus #383
Werdet erwachsen oder geht unter!
Der Schlusssatz von Bill Maher in dem sehr zu empfehlenden Film „Religulous„, über den ich schon einmal geschrieben habe.
Aphorismus #335
The beauty of religious mania is that it has the power to explain everything. Once God (or Satan) is accepted as the first cause of everything which happens in the mortal world, nothing is left to chance… Logic can be happily tossed out the window.
Stephen King, der gehört zwar nicht zu meiner regulären Lektüre, aber Recht hat er trotzdem!
Die Opferung der Vernunft
Die Menschheit begeistert sich schon lange für Blutopfer.
Mit diesen drastischen Worten beginnt der lesenswerte Artikel „The Sacrifice of Reason„von Sam Harris in „The Washington Post“ von 2007, der aber nichts von seiner Aktualität verloren hat. Die deutsche Übersetzung, die leider manchmal etwas holpert, findet sich beim hpd „humanistischer pressedienst„. Lohnt das Lesen!








