… passt es wie die Faust aufs Auge, was mal wieder dran ist an ihren sensationsgeilen Berichten, Exklusivgeschichten und Sensatiönchen von der Amok-Front. Denn dran ist so gut wie nichts. Nüscht. Nada. Nullinger. Tim K. hat seinen Amoklauf in keinem Chat angekündigt. Er war tatsächlich ein Einzel-Gänger. Und die „Amok-Freunde“, die ihn jetzt als großen Helden feiern, beweisen entweder nur schlechten Geschmack oder wollen mit ihrem Fake die ganze Journaille vorführen: wie sie sich wieder eine ganze Subkultur zusammenphantasieren, wie sie sich aufgeilen an der Vorstellung von „dunklen Ecken“ im Netz voller Konspiration und Anarchie, wie sie ihr völliges Unverständnis zu Markte tragen und sich dabei noch toll finden.
Was lehrt uns das mal wieder? Es geht bei den Medien nicht um Information, Hintergreundberichte, Analyse. Das ist verzichtbares schmückendes Beiwerk. Es geht in den Medien um den Verkauf von Sensationen, um das Wecken und Schüren von Emotionen, um die möglichst totale Unterhaltung und die ebenso totale Verschleierung der Realität. That’s it!
Wer es nicht glauben will, dem empfehle ich den Artikel „Vee haff wayz to make you feel stoopid“ auf telepolis. Ist ein guter Augenöffner. – Wie durch schlampige Recherche, oder gar keine, und den Multiplikatoren im Netz, Enten entstehen, das habe ich ja selbst einmal mit erleben „dürfen“. Da nicht so heftig und mit rasendem Tempo, aber immerhin ich hatte meine „fünf Minuten“, zumindest virtuell.
Nachtrag vom 13.3.2009.
Inzwischen, einen Tag nach der kollektiven Fehlleistung von Medien, Politik und Polizei, wird zurückgerudert. Das Offensichtliche wird zugegeben bzw. als möglich diskutiert. Besonders SPON führt einen Eiertanz sondergleichen auf und versucht die Schuld auf Politik und Polizei abzuwälzen: Ermittler verließen sich auf falsche Spur ins Internet.
Lächerlich!
Wenn die selbst ernannte vierte Gewalt im Staate sich ausschließlich auf das verlässt, was sie von der Exekutive aus Polizei und „Landesvater“ als Futter geliefert bekommt, hat sie keinerlei kritische Funktion und ist reiner Erfüllungsgehilfe der Interessen, aus deren Kritik sie doch eine gehörige Portion ihres Anspruchs und Selbstverständnisses ableitet.
Moral? Ehrenkodex? Distanz zur Herrschaft? Kritische Kommentierung? Fehlanzeige! Auf der ganzen Linie. Wenn es um Quote geht, dem einzig wirklich wichtigen Kriterium in der Diktatur des Kapitals, fallen alle Hemmungen: Mit Schuldzuweisungen,Schauergeschichten und Emotionen, die geschürt werden müssen, lässt sich nun mal schnell, einfach und billig Quote machen.