Aphorismus #551

Ich mag mich nicht gern mit der Kirche auseinandersetzen; es hat ja keinen Sinn, mit einer Anschauungsweise zu diskutieren, die sich strafrechtlich hat schützen lassen.

Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

500 mal Aphorismus

Das sind jede Menge Zitate, Veweise, Bilder und Videos. Jede Menge zum Nachdenken, Lachen, Wundern oder auch zum Ärgern. In der ewigen Bestenliste meines Blogs steht Aphorismus #144- Tucholskys Gedicht über „Die freie Wirtschaft“- mit 1.144 Klicks bis heute an erster Stelle , gefolgt in weitem Abstand von #185, einem typischen Un-Sinn mit insgesamt 531 Klicks. Dritter mit nur einem Aufruf weniger ist bis heute #430- Das Wort zum Sonntag#11.
Ich sag ganz einfach mal Danke an alle, die hinter diesen Klicks stehen!
Und wer sich geärgert, aufgeregt, gefreut, gelacht oder gefragt hat, kann dies in Zukunft auch weiterhin gerne tun. Ich bleibe am Ball. Auf meine Weise.

Aphorismus #481

Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.

Kurt Tucholsky, „Die Verteidigung des Vaterlandes“, in „Die Weltbühne„, 6. Oktober 1921, S. 338f
Ein besonderes Dankeschön an den Auto-Anthropophagen, bei dem ich dieses Zitat gefunden habe.

Veröffentlicht in:  on Dienstag, 15. September 2009 at 00:02 Kommentare (1)
Tags: , , , ,

Aphorismus #386

Hier steht Wille gegen Willen.

Kein Resultat, kein Ziel auf dieser Erde wird nach dem logisch geführten Beweis ex argumentis gewonnen. Überall steht das Ziel, gefühlsmäßig geliebt, vorher fest, die Argumente folgen, als Entschuldigung für den Geist, als Gesellschaftsspiel für den Intellekt. Noch niemals hat einer den andern mit Gründen überzeugt. Hier steht Wille gegen Willen: wir sind uns über die Ziele mit allen anständig Gesinnten einig – ich glaube, was an uns bekämpft wird, ist nicht der Kampf: es ist die Taktik.

Kurt Tucholsky (1890 – 1935): Wir Negativen (1919)

Veröffentlicht in:  on Freitag, 12. Juni 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
Tags: , , , ,

Aphorismus #361

Toleranz ist der Verdacht, dass der Andere recht hat.

Kurt Tucholsky (1890 – 1935), bzw.unbekannter Herkunft und ihm nur zugeschrieben

Bild via "Gehorsam kann tödlich sein!"

Veröffentlicht in:  on Montag, 18. Mai 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
Tags: , ,

Zum Amoklauf der Medien…

… passt es wie die Faust aufs Auge, was mal wieder dran ist an ihren sensationsgeilen Berichten, Exklusivgeschichten und Sensatiönchen von der Amok-Front. Denn dran ist so gut wie nichts. Nüscht. Nada. Nullinger. Tim K. hat seinen Amoklauf in keinem Chat angekündigt. Er war tatsächlich ein Einzel-Gänger. Und die „Amok-Freunde“, die ihn jetzt als großen Helden feiern, beweisen entweder nur schlechten Geschmack oder wollen mit ihrem Fake die ganze Journaille vorführen: wie sie sich wieder eine ganze Subkultur zusammenphantasieren, wie sie sich aufgeilen an der Vorstellung von „dunklen Ecken“ im Netz voller Konspiration und Anarchie, wie sie ihr völliges Unverständnis zu Markte tragen und sich dabei noch toll finden.

Was lehrt uns das mal wieder? Es geht bei den Medien nicht um Information, Hintergreundberichte, Analyse. Das ist verzichtbares schmückendes Beiwerk. Es geht in den Medien um den Verkauf von Sensationen, um das Wecken und Schüren von Emotionen, um die möglichst totale Unterhaltung und die ebenso totale Verschleierung der Realität. That’s it!

Wer es nicht glauben will, dem empfehle ich den Artikel „Vee haff wayz to make you feel stoopid“ auf telepolis. Ist ein guter Augenöffner. – Wie durch schlampige Recherche, oder gar keine, und den Multiplikatoren im Netz, Enten entstehen, das habe ich ja selbst einmal mit erleben „dürfen“. Da nicht so heftig und mit rasendem Tempo, aber immerhin ich hatte meine „fünf Minuten“, zumindest virtuell. ;-)

Nachtrag vom 13.3.2009.

Inzwischen, einen Tag nach der kollektiven Fehlleistung von Medien, Politik und Polizei, wird zurückgerudert. Das Offensichtliche wird zugegeben bzw. als möglich diskutiert. Besonders SPON führt einen Eiertanz sondergleichen auf und versucht die Schuld auf Politik und Polizei abzuwälzen: Ermittler verließen sich auf falsche Spur ins Internet.
Lächerlich!
Wenn die selbst ernannte vierte Gewalt im Staate sich ausschließlich auf das verlässt, was sie von der Exekutive aus Polizei und „Landesvater“ als Futter geliefert bekommt, hat sie keinerlei kritische Funktion und ist reiner Erfüllungsgehilfe der Interessen, aus deren Kritik sie doch eine gehörige Portion ihres Anspruchs und Selbstverständnisses ableitet.

Moral? Ehrenkodex? Distanz zur Herrschaft? Kritische Kommentierung? Fehlanzeige! Auf der ganzen Linie. Wenn es um  Quote geht, dem einzig wirklich wichtigen Kriterium in der Diktatur des Kapitals, fallen alle Hemmungen: Mit Schuldzuweisungen,Schauergeschichten und Emotionen, die geschürt werden müssen, lässt sich nun mal schnell, einfach und billig Quote machen.

Veröffentlicht in:  on Donnerstag, 12. März 2009 at 19:12 Kommentare (2)
Tags: , , , , , , , , ,

Aphorismus #287

Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Kriege getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.

Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

ruppertsweiler2Gefallenendenkmal in Ruppertsweiler, Südwestpfalz; am 19. November 2006 der Öffentlichkeit übergeben.

Ist schon klar, dass es auch im neuen Jahrtausend feierlich „gedenket“ heißt und nicht „gedenkt“, und dass es- zumindest ein stilisiertes- Kreuz sein muss, schließlich ist Krieg eine heilige Handlung. Neu ist allerdings, dass es ein „ziviles Opfer“, zwar nicht mit Namen, sondern anonym als Bild auf dieses Denkmal geschafft hat. Wessen Opfer gemeint sind, darüber schweigt sich die Platte aus.

Veröffentlicht in:  on Donnerstag, 5. März 2009 at 00:01 Kommentare (1)
Tags: , , ,

Aphorismus #256

Was die Kirche nicht verhindern kann, das segnet sie.

Dass dieses Wort nur allzu wahr ist, sieht man in diesen Tagen, in denen ein deutscher Papst einen unbelehrbaren Antisemiten wieder heimholt ins Reich der ecclesia catholica.
Kurt Tucholsky (1890 – 1935), Schnipsel

Aphorismus #216

Zwischenstaatlich organisiert sind in Europa nur das Verbrechen und der Kapitalismus.

Da hat sich seit Tucholskys Zeiten, von dem das Zitat stammt, nicht wirklich viel geändert. Bei allen anderslautenden Beteuerungen der Politikerkaste.

Veröffentlicht in:  on Dienstag, 23. Dezember 2008 at 00:01 Kommentar schreiben
Tags: , , ,

Übrigens….

… ist der Ungenannte inzwischen Teil einer Internet-Legende geworden, wenn auch nur ein kleines Teilchen am Rande. Aber immerhin. Ein Anfang ist gemacht. ;-) Das Gedicht von Tucholsky im Aphorismus #144, ein Missverständnis, ein paar Blogger die es weitergaben und fertig ist ein nagelneues Tucholsky-Gedicht, von dem die Literatur bisher nichts wusste.

Wie es genau dazu kam, steht hier.

Veröffentlicht in:  on Mittwoch, 29. Oktober 2008 at 22:32 Kommentar schreiben
Tags: , , ,