Aphorismus #521

Wort zum Sonntag #24

Die 7 kosmischen Gesetze der Esoterik und anderer Wahnsinn

0. Irdische Vorbemerkung

Welche? WELCHE? WELCHE  DIESER ANGEBLICH EWIGEN WAHRHEITEN GELTEN DENN JETZT? Im Netz spuken verschiedene verschiedene Varianten herum, aber alle mit dem Anspruch universaler Gültigkeit. Aber jede für sich erheb den Anspruch: DAS ALLEIN ist die Wahrheit, wenn nicht göttlich, so doch mindestens kosmisch, und sie allein bestimmt dein Leben! Aber welche denn, verdammt noch mal?  Ähnlich wie in der Bibel mit ihren oft sich komplett widersprechenden Angaben zu ein und derselben Geschichte oder zu ein und derselben Glaubenslehre ist es auch hier: die ewige Wahrheit gibt es in vielen Varianten, aber ALLE beanspruchen DIE EINE EWIGE GÜLTIGE zu sein. Lächerlich.
Da in so mancher Diskussion nicht nur im privaten Rahmen, sondern immer wieder auch im öffentlichen, und sei es nur beim 3sat-Guru Scobel, Dinge gesagt werden, denen diese kosmischen Gesetzen zu Grunde liegen, gebe ich hier eine kleine Handreichung in bewährt bissiger Manier. Von den verschiedenen Versionen habe ich mich für die gängigste entschieden, die angeblich vom Hermes Trismegistos stammt. Mehr muss man wirklich nicht kennen, denn bei allen Unterschieden im Kleinen ist es doch irgendwie immer das gleiche Eso-Geblubber. Weil ich nicht weiß, wie es sich mit den Urheberrechten an diesen Dämlichkeiten verhält, werde ich nicht den gesamten Text zitieren. Habe keine Lust für so einen Stuss auch noch abgemahnt zu werden. Der Leser kann ja ein Fensterlein oder ein Tabilein  mit jener hermetischen Seite aufmachen und en detail nachlesen, wenn er denn genug leidensfähig ist.
In der Hoffnung dem geneigten Leser für das nächste Gespräch mit den Reiki/ Heilsteine/ Tarot/ Astrologie/ Kristallkinder/ Channeling oder sonstwas Begeisterten Futter zu liefern! So sei es, frisch ans Werk!

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Aphorismus #514

Wort zum Sonntag #23

Das Wort zum Sonntag diesmal nicht von mir, sondern von einem Philosophen, der bestimmt nicht zu meinen Favoriten zählt, jedoch seine Kirchen- und Religionskritik ist oft sehr zutreffend und kommt in bildgewaltiger Sprache. Wie ich finde: ein Sonntags-Braten ganz eigener Art. Viel Vergnügen!

Von den Priestern

Und einstmals gab Zarathustra seinen Jüngern ein Zeichen und sprach diese Worte zu ihnen:

»Hier sind Priester: und wenn es auch meine Feinde sind, geht mir still an ihnen vorüber und mit schlafendem Schwerte!
Auch unter ihnen sind Helden; Viele von ihnen litten zuviel -: so wollen sie Andre leiden machen.
Böse Feinde sind sie: Nichts ist rachsüchtiger als ihre Demuth. Und leicht besudelt sich Der, welcher sie angreift.
Aber mein Blut ist mit dem ihren verwandt; und ich will mein Blut auch noch in dem ihren geehrt wissen.« -
Und als sie vorüber gegangen waren, fiel Zarathustra der Schmerz an; und nicht lange hatte er mit seinem Schmerze gerungen, da hub er also an zu reden:
Es jammert mich dieser Priester. Sie gehen mir auch wider den Geschmack; aber das ist mir das Geringste, seit ich unter Menschen bin.
Aber ich leide und litt mit ihnen: Gefangene sind es mir und Abgezeichnete. Der, welchen sie Erlöser nennen, schlug sie in Banden: -
In Banden falscher Werthe und Wahn-Worte! Ach dass Einer sie noch von ihrem Erlöser erlöste!
Auf einem Eilande glaubten sie einst zu landen, als das Meer sie herumriss; aber siehe, es war ein schlafendes Ungeheuer!
Falsche Werthe und Wahn-Worte: das sind die schlimmsten Ungeheuer für Sterbliche, – lange schläft und wartet in ihnen das Verhängniss.
Aber endlich kommt es und wacht und frisst und schlingt, was auf ihm sich Hütten baute.
Oh seht mir doch diese Hütten an, die sich diese Priester bauten! Kirchen heissen sie ihre süssduftenden Höhlen.
Oh über diess verfälschte Licht, diese versumpfte Luft! Hier, wo die Seele zu ihrer Höhe hinauf – nicht fliegen darf!
Sondern also gebietet ihr Glaube: »auf den Knien die Treppe hinan, ihr Sünder!«
Wahrlich, lieber sehe ich noch den Schamlosen, als die verrenkten Augen ihrer Scham und Andacht!
Wer schuf sich solche Höhlen und Buss-Treppen? Waren es nicht Solche, die sich verbergen wollten und sich vor dem reinen Himmel schämten?
Und erst wenn der reine Himmel wieder durch zerbrochne Decken blickt, und hinab auf Gras und rothen Mohn an zerbrochnen Mauern, – will ich den Stätten dieses Gottes wieder mein Herz zuwenden.
Sie nannten Gott, was ihnen widersprach und wehe that: und wahrlich, es war viel Helden-Art in ihrer Anbetung!
Und nicht anders wussten sie ihren Gott zu lieben, als indem sie den Menschen an’s Kreuz schlugen!
Als Leichname gedachten sie zu leben, schwarz schlugen sie ihren Leichnam aus; auch aus ihren Reden rieche ich noch die üble Würze von Todtenkammern.
Und wer ihnen nahe lebt, der lebt schwarzen Teichen nahe, aus denen heraus die Unke ihr Lied mit süssem Tiefsinne singt.
Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine jünger aussehen!
Nackt möchte ich sie sehn: denn allein die Schönheit sollte Busse predigen. Aber wen überredet wohl diese vermummte Trübsal!
Wahrlich, ihre Erlöser selber kamen nicht aus der Freiheit und der Freiheit siebentem Himmel! Wahrlich, sie selber wandelten niemals auf den Teppichen der Erkenntniss!
Aus Lücken bestand der Geist dieser Erlöser; aber in jede Lücke hatten sie ihren Wahn gestellt, ihren Lückenbüsser, den sie Gott nannten.
In ihrem Mitleiden war ihr Geist ertrunken, und wenn sie schwollen und überschwollen von Mitleiden, schwamm immer obenauf eine grosse Thorheit.
Eifrig trieben sie und mit Geschrei ihre Heerde über ihren Steg: wie als ob es zur Zukunft nur Einen Steg gäbe! Wahrlich, auch diese Hirten gehörten noch zu den Schafen!
Kleine Geister und umfängliche Seelen hatten diese Hirten: aber, meine Brüder, was für kleine Länder waren bisher auch die umfänglichsten Seelen!
Blutzeichen schrieben sie auf den Weg, den sie giengen, und ihre Thorheit lehrte, dass man mit Blut die Wahrheit beweise.
Aber Blut ist der schlechteste Zeuge der Wahrheit; Blut vergiftet die reinste Lehre noch zu Wahn und Hass der Herzen.
Und wenn Einer durch’s Feuer geht für seine Lehre, – was beweist diess! Mehr ist’s wahrlich, dass aus eignem Brande die eigne Lehre kommt!
Schwüles Herz und kalter Kopf: wo diess zusammentrifft, da entsteht der Brausewind, der »Erlöser«.
Grössere gab es wahrlich und Höher-Geborene, als Die, welche das Volk Erlöser nennt, diese hinreissenden Brausewinde!
Und noch von Grösseren, als alle Erlöser waren, müsst ihr, meine Brüder, erlöst werden, wollt ihr zur Freiheit den Weg finden!
Niemals noch gab es einen Übermenschen. Nackt sah ich Beide, den grössten und den kleinsten Menschen: -
Allzuähnlich sind sie noch einander. Wahrlich, auch den Grössten fand ich – allzumenschlich!

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900), Also sprach Zarathustra

Aphorismus #477

Tut mir leid, dass wir das aufgeklärt haben. Tut mir sehr leid.

Das ist- aus dem Mund von Gil Grissom- der philosophische Schluss der 188. CSI-Folge/ Staffel 9.06Say Uncle“ (Deutsch: Mein eigen Fleisch und Blut).

Veröffentlicht in:  on Freitag, 11. September 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
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Kanzelmärchen #2

Gottlos leben heißt sinnlos leben!?

So tönt es nur zu gerne von den Kanzeln. So lassen es sich die Lohnschreiber unserer Zeitungen und Zeitschriften bereitwillig in die Feder diktieren von den Beauftragten des kirchlichen Wahrheitsministeriums. So versichern es die kirchlichen Amtsinhaber in ihren wöchentlichen Kolumnen der Tageszeitungen, in ihren 3 Minuten „Gedanken zum Tag“ und anderen Propagandasendungen im Radio*. So bekommt man es wie selbstverständlich vom Fernsehen aufgetischt: angefangen beim unvermeidlichen Wort zum Sonntag, über „Kerners Pfaffen“, Meischbergers Betroffenheitsgurus und all dem anderen Plaudertaschen mit geistlichem Beistand.
Gottlos = sinnlos, das ist ein beliebtes Mantra, ja mehr als das. Es ist ein Panier, hinter dem sich viele nur zu gerne einreihen: sowohl der Papst und seine Bischöfe, als auch ein verhinderter Fernsehprediger wie der evangelikale Peter Hahne** und die vielen  anderen, die mal mehr mal weniger für ihre Kirche, für eine allgemeine Religiosität oder bei den „Gebildeten unter ihren Bewunderern“ für den Dalai Lama „Zeugnis ablegen“. Aber wie so oft stellt sich die Frage:

Muss es automatisch wahr sein, wenn alle es sagen?

Nein, natürlich nicht. Jeder Atheist, der ein erfülltes Leben hat, der diesem höchstselbst einen Sinn abgewinnen kann, und das ganz ohne Gott und Glaube; jeder Gottlose, der weiß, dass diese „Wahrheit“ vom ach so sinnlosen Leben der Gottlosen, Stuss ist, beweist das Gegenteil. Aber es hilft ja nichts, manchmal ist es nötig, dem Gegenüber in seinem arroganten- ich hab die Wahrheit!- Bekehrungseifer seine Behauptungen argumentativ zu zerlegen. Dazu braucht es erst einmal Fakten, Fakten, Fakten, und dann gilt es, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dieser Text will beides an die Hand geben. Er kann aber eigenes Nachdenken nicht ersetzen. Atheismus kann manchmal ganz schön anstrengend sein, man kann ja nicht, wenn es brenzlig wird, solche universellen Joker wie „Gott“, „Wahrheit“ und „Glaube“ aus den Ärmeln holen. Man muss selbst denken. Und sollte sich nicht auf andere verlassen.

Dieser Text richtet sich ausdrücklich NICHT an gläubige Menschen, außer sie sind bereit, herabzusteigen von ihrem persönlichen Berg Horeb, der aufgetürmt ist aus tatsächlicher Arroganz und behaupteter Offenbarung. Herabzusteigen in die Niederungen von Fakten und Argumenten! 

Cogito ergo impius! – Ich denke, also bin ich gottlos.

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*  Dieses ganz besondere Genre „Radio-Andacht“ oszilliert in seinem Erscheinungsbild meist irgendwo wischen Lächerlichkeit, Anbiederung und frommer Überheblichkeit, wie z.B. auf NDR 2 das tägliche Quantum Trost namens „Moment mal!“ oder auf  Bayern 3 die nicht minder mediokre Reihe „Auf ein Wort“. Schlägt das drumherum gesendete gruselige Musikangebot noch um Längen! Und das will was heißen…

** Bücher von ihm heißen z.B: „Was wirklich wichtig ist.“ oder „Leid, warum lässt Gott das zu?“- Das frage ich mich auch, wie es Gott zulassen kann, solch einen Rohrkrepierer als Sprachrohr für seine Anliegen zu haben! Allein das ist schon ein Beweis gegen die Existenz eines intelligenten und liebenden Gottes! Und noch was. So ein Frömmler wie er hat natürlich kein Problem damit, in der BamS seine eigene Kolumne zu haben. Aber vielleicht meint er ja, sein Mist würde weniger stinken in dem ganzen Dreck drumherum?

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Aphorismus #348

Das Ganze ist das Unwahre.

Nach zweimal Wittgenstein heute Theodor W. Adorno: mehr als nur ein Fazit. Zu finden in „Minima Moralia- Reflexionen aus dem beschädigten Leben.“

Veröffentlicht in:  on Dienstag, 5. Mai 2009 at 00:02 Kommentar schreiben
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Aphorismus #319

Respekt ist eine Haltung, die am häufigsten von Religionsvertretern und schlechten Rappern eingefordert wird. Wofür eigentlich? Für hinter zusammengebissenen Zähnen hervorgenuschelte Verbalinjurien? Für Inquisition und jahrzehntelange Fernsehfolter durch das „Wort zum Sonntag“? Für die arrogante Sicherheit, im Besitz der allein selig machenden Wahrheit zu sein? Oder soll man bloß deswegen Respekt zeigen, weil man sonst physisch bedroht wird? Im Fall hysterisch empfindsamer Muslime mit einer Brutalität, zu der sich seit dem Mittelalter keine Religion mehr verstiegen hat.

So beginnt der absolut lesenswerte Essay „Welt ohne Gott“ von Karen Duve, Spiegel 14/2009 S. 142f , den es inzwischen hier auch online zu lesen gibt.

Aphorismus #311

Wir wissen nun, dass die Kunst nicht die Wahrheit ist. Die Kunst ist eine Lüge, die uns erlaubt, uns der Wahrheit zu nähern, zumindest der Wahrheit, die uns verständlich ist.

Pablo Picasso (1881 – 1973)

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Veröffentlicht in:  on Sonntag, 29. März 2009 at 00:03 Kommentar schreiben
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Aphorismus #310

Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme – ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muss der Mensch die Wahrheit, i.e. die Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit des Denkens -  das von der Praxis isoliert ist – ist eine rein scholastische Frage.

Karl Marx, Thesen über Feuerbach

Karl Marx höchstpersönlich erklärt, was Kommunismus ist!

Aphorismus #279

Die mystischen Erklärungen gelten für tief; die Wahrheit ist, dass sie noch nicht einmal oberflächlich sind.

Auch bei Nietzsche findet sich die eine oder andere Perle. Dieser Weisheit aus „Die fröhliche Wissenschaft“ kann ich ohne Bedenken zustimmen. Ergänzend jedoch muss ich hinzufügen: Das sagt der „Richtige“!

Aphorismus #271

Es gibt keine ewigen Wahrheiten, ewige Lügen schon.

Stanislaw Jerzy Lec (1909 – 1966),  gefühlte drei Zitate als Aufsatzthema bei jeder Klausur in Deutsch ab der 10. Klasse haben es nicht verhindern können, dass ich viele seiner treffenden Aphorismen sehr schätze. Das ist einer davon. Zudem ein sehr wahrer …..