Tibet – Links zur anderen Seite von Shangri-La

Dass Tibet der Himmel auf Erden ist, der von friedliebenden und ewig lächelnden Mönchen bewohnt wird. Dass die Chinesen alles böse Besatzer sind, denen die Kultur und der Glaube der Tibeter ein Dorn in ihren bösen Besatzeraugen ist. Dass der Dalai Lama immer selbstlos, immer lächelnd, immer gewaltlos ist. Darin sind sich unsere Medien fast einhellig einig. Stimmen, die diese Tibet-Euphorie kritisch sehen, sind selten und wenn doch, werden sie stante pede als Lüge, Propaganda für China oder gleich unverblümt als Verherrlichung des Maoismus verschrieen. Hier ein paar Links, bei denen jeder selbst entscheiden kann, wie wenig Tibet ein Shangri-La war und ist, und wie wenig der Dalai-Lama der ist, zu dem wir ihn machen.

C. Goldner: Dalai Lama -Fall eines Gottkönigs

Ein verdichtetes Exzerpt der 1. Auflage von Goldners Buch über den Dalai Lama und Tibet.

Interview mit Colin Goldner über die Verklärungen Tibets und des Dalai Lama

Ein Gespräch mit Goldner über sein Buch zum Dalai Lama und Tibet. Interessant ist auch die Diskussion im Forum dazu. Es fliegen dermaßen die Fetzen, dass mehrere Beiträge gesperrt wurden.

Die Dalai Lama Idolatrie

Ein Artikel von Victor und Victoria Trimondi aus der Zeitschrift “Aufklärung und Kritik” (Gesellschaft für kritische Philosophie)

Trübes im Ozean des Wissens

Ein Artikel zu Gerald Lehner: Zwischen Hitler und Himalaya. Die Gedächtnislücken des Heinrich Harrer.

Friendly Feudalism: The Tibet Myth

Die Fakten zum Lamaismus und Tibet. Ausführlich, sehr gut recherchiert und belegt. Zwar auf Englisch, aber sehr lesenswert.

Links & Rights – Fundstücke aus dem Tibet-Sympatisantensumpf

Hier eiin paar spitze Bemerkungen aus der Zeitschrift „konkret“ Ausgabe 6/2008

Veröffentlicht on Montag, 19. Mai 2008 at 23:29 Kommentare (4)

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4 Kommentare Leave a comment.

  1. Ich glaube auch nicht an einen zukünftigen weiblichen Dalai Lama, aber schon die Tatsache, dass so etwas öffentlich in Erwägung gezogen wird(mit ca. zehntausend Buddhisten vor Ort und internationnaler Berichterstattung) zeigt, dass es nicht so schlimm ist, wie Goldner meint. Der ist mit seiner Faktenauswahl halt auch recht einseitig. Das traditionelle Tibet war sicherlich eher mit dem europäischen Mittelalter zu vergleichen als mit dem friedlichen Bild, das sich NewAger davon machen. Das rechtfertigt meiner Meinung nach nicht die Unterdrückung durch die chinesische Besatzung und den Versuch, die tibetische Kultur systematisch zu zerstören. Da liegt meines Erachtens nach das größte Problem mit Goldner: er kann durchaus zeigen, dass Tibet ein brutaler Feudalstaat war, soweit sind andere auch, aber mit diesem Vergangenen Unrechtsstaat einen neuen (China) zu rechtfertigen ist absurd.
    Ausserdem lassen diese historischen Betrachtungen die Möglichkeit ausser acht, dass sich eine Religion ändert. Das Christentum, wie wir es zur Zeit in Deutschland haben ist zu grossen Teilen kaum noch zu vergleichen mit dem des Mittelalters. Eine ähnliche Änderung scheint mir mit dem tibetischem Buddhismus im Exil vorzugehen. Es ist sicher noch zu früh, um zu sagen, ob es sich nur um PR handelt oder um einen ernstgemeinten Wandel, aber aus persönlichen Erfahrungen und Gesprächen mit Exiltibetern vermute(und hoffe für die Betroffenen) ich letzteres.

  2. Zum letzten:
    Ob im TV, in einer Bank oder in Sachen Selbstfindung und Religion: Dauerlächler sind mir da so was von suspekt, das glaubst du nicht. :-)
    Zu Goldner:
    Manchmal hat er eine sehr unduldsame, ans Fanatische grenzende Art. Aber wenn es um die Fakten geht, zeigt er nun mal die andere Seite, die von den Tibetisten ;-) ausgeblendet wird.
    Zu der Lamaismus und die Frauen.
    Der DL kann ganz hervorragend mit gespaltener Zunge sprechen (seine lange abgestrittene Apanage von Seiten der CIA z.B.), zudem ist er ein gewiefter PR-erfahrener Botschafter seiner Sache: ich kaufe ihm einen weibliche Lamin erst ab, wenn er es durchzieht. Beim neuen Panchen-Lama wäre eine gute Gelegenheit gewesen…
    Um nicht nur Goldner anzuführen, habe ich ja auch den Artikel „Friendly Feudalism: The Tibet Myth“
    von Michael Parenti verlinkt.
    Der verhandelt das Thema, die Geschichte Tibets, für mich am besten.

  3. Es ist mit Tibet und dem Dalai Lama wohl wie mit vielen anderen emotional aufgeladenen Themen bestellt. Wenn deutsche Esoterikjünger den Dalai Lama für das Lamm Gottes oder ähnliches halten und Tibet als ehemaligen Ort des Friedens und der Erleuchtung ansehen, dann kann man als halbgebildeter Mensch nur schmunzeln.
    Doch wer versucht, sich ein realistisches Bild zu machen, stösst unvermeidlich auf Goldner und Konsorten, die wiederum den größten Unsinn aus der anderen Richtung verbreiten. Zum Glück treffen beide Lager nur selten aufeinander, anders lässt sich der Unsinn kaum erklären, der andauernd in die Welt gesetzt wird.
    Da ich nicht vorhabe, mir die Arbeit zu machen diesen Sumpf zu lichten(so wichtig ist mir der tibetische Buddhismus nicht) hier nur ein Beispiel aus den verlinkten Texten:
    „Die Frauenfeindlichkeit, die sich im Buddhismus von Anbeginn an findet, ist vom tibetischen Buddhismus ins Monströse gesteigert worden. Dies dokumentiert sich nicht nur in der Theorie, daß Frauen grundsätzlich nicht erleuchtungsfähig sind. Frauen haben im tibetischen Buddhismus nichts zu melden, sie sind Dienerinnen und sie haben zu gehorchen. Es ist kein Zufall, daß es in der Macht-Hierarchie des tibetischen Buddhismus nicht eine einzige Frau gibt. Für einen tibetischen Buddhisten wäre beispielsweise die Vorstellung eines weiblichen Dalai Lamas grotesk, und nicht nur deswegen, weil Chenrezig sich niemals in einer Frau reinkarnieren würde, die per se als niedere Daseinsform des Menschen angesehen wird.“, aus:http://www.cityinfonetz.de/homepages/hammerschmitt/low_goldner.html
    Der derzeitige Dalai Lama hat auf die Frage nach der Rolle der Frauen zu mehreren Gelegenheiten(zum Beispiel anlässlich einer buddhistischen Großveranstaltung in Schneverdingen(Niedersachsen)1998) die Aussicht geäussert, dass es an der Zeit wäre, dass mal eine Frau Dalai Lama wird, falls die Sache mit der Wiedergeburt überhaupt noch in dieser Form weitergeführt werden sollte und nicht durch demokratische Institutionen ersetzt wird.
    Passt wohl nicht ganz zusammen. Aber solange die einen nicht bereit sind, zu akzeptieren, dass ihr Idol in erster Linie ein Mensch ist, der vielleicht auch Fehler hat und die anderen in ihm den Teufel in Person sehen, wird eine wirkliche Überprüfung der Fakten wohl noch eine Weile auf sich warten lassen.(Im Unterschied zu Goldner nutzen echte Wissenschaftler gerne autochtone Quellen und verlassen sich nicht auf die Behauptungen von Exiltibetern oder chinesischen Behörden; das führt dann dazu, dass die Erkenntnisse langsamer zu Tage treten und auch nicht so spektakulär sind, wie es beide Seiten gerne hätten.)

    Wieso wird eigentlich immer wieder darauf rumgehackt, dass er immer lächelt? Ist das schon ein Beleg für seinen schlechten Charakter?

  4. Doch, wenn man seine Ruhe haben will, muss man heutzutage nur sagen, dass man den alten Mann im roten Bademantel nicht für der Weisheit letzten Schluss hält, und schon wird man im weiten Bogen umschifft. Vorteil: Man hat immer genug frische Luft um sich herum.


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