Five Faves: die definitiven Musiker

Hier meine Liste der Musiker, die ich für die definitiv wichtigsten halte. Sehr subjektiv natürlich, aber wohl begründet, wie ich meine.

5. David Bowie

Ein Monument und ein Chamäleon wie Bob Dylan. Bei ihm bezieht sich das aber mehr auf seine Bühnenfiguren, bei Dylan auf das ganze Leben. Ein monumentales Opus mit viel Licht und Schatten. Manche spätere Pop-Verirrung möge man ihm verzeihen. Sein Frühwerk ist einfach genial! Ich liebe Ziggy Stardust, besonders in der Live-Version. Phantastisch! Und auch im Alter hatte er stets seine Highlights. Neben Dylan angeblich der am meisten gecoverte Musiker, und der reichste, weil er alle Rechte an seinen Songs besitzt.

Space Oddity

Rock’n Roll Suicide

Station to Station

I’m Deranged

4. Rio Reiser

Viel mehr als nur der „König von Deutschland“. Das beste was Deutschland je an Text, Musik und Gesang zu bieten hatte und hat. Ähnlich wie bei Dylan gab es auch bei ihm den großen Bruch (Ende seiner Band „Ton Steine Scherben“ / Beginn der Solokarriere), den viele Fans nicht mitgehen wollten. Er blieb sich aber auch dabei treu. 1996 viel zu früh gestorben: dank des gandenlosen Raubbaus, den sein übermäßiger Alkoholkonsum anrichtete. Trotz Claudia Roth, die nur zu gerne es jedem sagt, dass sie in der Endzeit der Scherben ihre Managerin war, trotz ihr gibt es viele, für die die anarchistischen Texte seiner Ohrwürmer sehr wohl auch heute noch etwas zu sagen haben: „Keine Macht für niemand!“, „Sklavenhändler“ , „Der Kampf geht weiter“ ….

Macht kaputt, was euch kaputt macht

Wenn die Nacht am tiefsten …

Der Traum ist aus

Ihr macht mich kalt

Zuhause

3. Lou Reed

Schon immer der Prototyp des Anti-Stars: dunkel, wankelmütig, nie nach dem Publikumsgeschmack schielend. Er machte im Laufe seiner Karriere wohl mehr Schlagzeilen durch seine offen ausgelebte Heroinabhängigkeit, seine Bisexualität und seine Beziehung zu Bowie als durch seine Musik. Menschlich soll er ein ziemliches Ekel sein. Sei’s drum. Er schafft immer wieder geniale Musik und ebenso geniale Texte. Was er spielt ist elektrischer Großstadt-Folk vom Allerfeinsten. Er ist der Troubadour New Yorks. Die Spannweite reicht bei ihm vom selbstzerstörerischen „Heroin“ bis zum federleichten „Perfect Day“, von träumerischen Cello-Klängen bis zu den Feedback-Gewittern der „Metal Machine Music“ [Fast unhörbar, gilt aber inzwischen bei den Neutönern als Meilenstein. Ich kenne aber noch immer keinen, der das ganze Ding auf einmal geschafft hat! 🙂 ].

Heroin

Metal Machine Music

Hang on to Your Emotions

Venus in Furs

Men of Good Fortune

2. Frank Zappa

Er brachte der Rockmusik die Neue Musik des 20. Jahrhunderts nahe – und umgekehrt. Mit seinen freizügigen Lästertexten brach er zahllose Tabus und hielt den so von ihm geschmähten „plastic people“ schonungslos den Spiegel vor die selbstgerechte Fratze. Dabei machte Zappa um alle Skandale, die nichts mit seiner Kunst zu tun hatten, einen weiten Bogen: er verabscheute Drogen, außer seinem Kaffee und seinen Zigaretten. Beides bezeichnete er als „food“. In seiner Begleitband, im Studio und bei sich zuhause durften keinerlei Drogen sein. Da konnte er fuchsteufelswild werden. Leider schon 1993 einem Krebsleiden erlegen. Nachfolger für sein Genie gibt es leider keine, am ehesten noch The Mars Volta. Aber an seine monumentale und einmalige Rolle in der Musik des 20. Jhds werden auch sie im 21. Jhd. nie heranreichen können.

Zappas erster Fernsehauftritt

Ein wirklich wichtiges Problem!

Der wahre Bobby Brown

Cosmik Debris

Die Sache mit dem gelben Schnee

1. Bob Dylan

Bob is god! Da geht nix drüber: musikalisch, textlich, stilistisch und in seiner ganzen Rätselhaftigkeit. Schon lange ein Fall für den Literaturnobelpreis. Sich immer wieder neu erfindend, seine Zuhörer neuen Zumutungen aussetzend, enigmatisch wie eh und je: für mich DER Musiker schlechthin. Was kann man da mehr sagen, außer: Listen to the Music! Und wer behauptet, Dylan könne nicht singen, der hat einfach keine Ahnung. [Dieses Dogma muss sein. ;-)]

Als Folkpoet in Newport 1964

Als Revoluzzer in Newport 1965

Der „Jahrhundert“-Song 1966

Rolling Thunder Tour 1975

Modern Times 2006

Und jetzt hoffe ich auf deinen Kommentar, mit guten Begründungen selbstverständlich und die Liste mit deinen Five Faves!

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Ein Kommentar zu “Five Faves: die definitiven Musiker

  1. bwv232 sagt:

    Hi,

    interessante Frage, welche Musiker sind in den letzten 30 Jahren die wichtigsten gewesen?

    Auf Platz 3 käme bei mir Klaus Nomi.

    >http://de.youtube.com/watch?v=C_A6IR58Htg

    Der Mann hatte selbst für Countertenor einen unglaublichen Stimmumfang und war verrückt&kreativ und einer der wenigen, der die Grenzen von E.- und U.-Musik ohne Peinlichkeiten überschritten hat. Leider ist er praktisch schon am Anfang seiner Kariere gestorben, die Aufnahme vom ‚cold song‘ war seine letzte und ein paar Wochen später war er dann schon Tod.

    Als Nummer 2 gälte bei mir der größte noch lebende Pianisten, Alfred Brendl.

    Hier eine Aufnahme von vor 5 Wochen aus London, die leider von aller miesester Qualität ist und trotzdem noch erahnen lässt, wie gut der Mann eigentlich ist.

    >http://de.youtube.com/watch?v=jkoJ8eT3Ac0

    In den 70igern hat er mal heftig gegen die historische Aufführungspraxis von Barockmusik polemisiert und kurzerhand an einem Nachmittag in London 6 Bachwerke mit allen dynamischen Möglichkeiten eines modernen Flügels eingespielt. ‚Brendl plays Bach‘, und wenn Dir das mal in die Finger fällt und du von der ewigen ‚werkgetreuen‘ Aufführungspraxis angenervt bist, dann hör da mal rein. Die Fuge von bwv903 in d-moll spielt er etwa derart unglaublich sauber, selbst in den komplexeste dynamischen Situationen, dass Dir der Atem stockt.

    No. 1 ist und bleibt der Herr Söllner, vielleicht für Dich als Nordlicht nicht ganz verständlich, aber einen besseren haben wir zur Zeit nicht. Er kann nicht richtig singen, Gitarre spielen eh nicht und seine Auftritte sind immer anders und es kann schon mal passieren, das er eine Stunde kein Lied spielt und nur erzählt, aber seine Lieder werden in 100 Jahre immer noch auf der Gitarre am Lagerfeuer geschrammelt werden. Falls du ihn mal sehen willst, am FEHMARN OPEN AIR 2008 wird er am 6.9 spielen, Eintritt ist für lau und unter den 150.000 Besucher werde ich vermutlich mit dabei sein.

    viele Grüße

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