Offenbarung? Offenbarung!

Soeben hatte ich eine Offenbarung. Und was für eine! Ich erkannte die Buddha-Natur des Dalai Lama! Ab sofort bin ich ein Wissender!

Alles begann ganz harmlos. Ich sah Kulturzeit auf 3sat. Berichtet wurde von der Massenaudienz des Dalai Lama vor dem Brandenburger Tor. 20.000 staunende und ehrfurchtsvolle Gläubige, Erleuchtete und Wissende waren gekommen. Warum? Was um alles in der Welt wollen sie vom „Ozean des Wissens“? Was finden sie so einmalig an seiner Love-and-Peace-Predigt, die so in jedem billigen Wochenspruchkalender zu lesen ist?

So lieben ihn (fast) alle. Ich nicht!

Während ich noch kopfschüttelnd grübelte, wurden Prominente befragt, auf der Suche nach dem Besonderen des tibetischen Mönches. Es kamen die üblichen Plattitüden so von Judith Holofernes von „Wir sind Helden“ und Sebastian Krummbiegel von „Die Prinzen“: Liebe. Alles ist eins. Frieden. Nur Gewaltlosigkeit ist die Lösung der Weltprobleme….

Und dann, während solcherlei Belanglosigkeiten, in diesem Moment größter Abwesenheit von Geist und Intelligenz, während dieser absoluten Leere, ereilte mich die Offenbarung! Halleluja! Gott sei’s getrommelt und gepfiffen! Endlich begreife ich! Endlich verstehe ich, warum so viele auf die Grinsekatze in Orange-Rot schwören. Es ist die schrankenlose Beliebigkeit seiner Worte, die grenzenlose Dürftigkeit seiner Mission und das absolut Unpolitische in seiner buddhistischen Glossolalie. Endlich kommt einer daher mit von Transzendenz nur so triefenden Worten und hat keinerlei Botschaft. Nur Love and Peace, nur „Habt euch doch bitte alle lieb“! Das reicht zur Veränderung der Welt. Das ist DIE Lösung für ALLE Probleme. Kriege, Hunger, Unterdrückung, Terrorismus – alles ist eins. OM! Alles braucht nur Liebe! Und genau darum ist der Dauerlächler so beliebt bei unserer Prominenz. Da kann man so schön sein schlechtes Gewissen beruhigen: einfach wegmeditieren, einfach von der universalen Liebe daherschwafeln – und schon ist alles gut! Die Welt wird wieder eins. OM!

Die Grinsekatze im Original. So ist er unser Lama.

Etwas dagegen tun und konkret werden muss man dann nicht. Roland Koch und Konsorten, die konservativen und reaktionären Politiker, die Wirtschaftsmanager und Medienmacher sie lieben den DL, weil er sie ihrer ureigensten Verantwortung enthebt. Nur Liebe macht’s. Auch sie können weiter machen wie bisher mit Law and Order, Ausbeutung und maßloser Bereicherung. Die Liebe macht alles gut.

Und darum bin ich gegen diese herumschlurfende Fortschrittsbremse mit dem Englisch-Vokabular eines Grundschülers. Darum geht mir sein ständiges „Friede, Freude, Eierkuchen“ so mächtig auf die Testikel. Denn das alles zementiert nur die bestehenden Verhältnisse. Sorgt so für einen kapitalistischen Gottesstaat weltweit. Was wir stattdessen brauchen ist jedoch:

Kick out the Jams!

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Hier habe ich lesenswerte Links zum Thema Dalai Lama und Tibet zusammengetragen. Alles Seiten, die sich nicht von OM, Love and Peace und einem breiten Grinsen einlullen lassen.

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