Was tun? – Part 1

Eine wütende Analyse

Was tun? So hat schon Lenin 1901/1902 gefragt. Damals ging es um den Fortgang der russischen Sozialisten, als diese an einen Wendepunkt in ihrem Verhältnis zum zaristischen Russland angelangt waren: Hoffnung auf einen Wandel durch sozialdemokratische Reformen, oder totale Konfrontation und sich daraus ergebende Revolution. Die russischen Sozialisten spalteten sich 1903 darüber. Siegen sollten später Lenins Bolschewiki. Ich will nicht schön reden, was schließlich aus der KPdSU spätestens unter Stalin wurde, wie sie zum Beifalls- und Zustimmungsverein für die Vorgaben des ZK  wurde, wie aus der Diktatur des Proletariats eine ganz profane Diktatur wurde.

Aber auch der sozialdemokratische Weg, Staat und Kapital zu „Reförmchen“ und Zugeständnissen zu bewegen, war ein wiederholtes Scheitern an den eigenen Ansprüchen und ein Verrat an den sozialistischen Idee, die Patin an ihrer Wiege war. Die Liste der Versäumnisse, Fehleinschätzungen und Kollaborationen mit dem Kapital ist lange, viel zu lange, als dass man es ihr nachsehen könnte. Das „Mehr Demokratie wagen“ unter Brandt war nur ein kurzes Aufblühen, dem die Politik des ehemaligen Wehrmachtsoffiziers Helmut Schmidt folgte.

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10 Kommentare zu “Was tun? – Part 1

  1. archenoe sagt:

    Klarer Überblick über die deutsche Sozialdemokratie. Danke!

    Was tun?

    Ok, es haut nicht vom Hocker, aber es ist nun mal, wie es ist. Es wird wieder nicht ohne die üblichen Praxisentwicklungen gehen. Es bedarf der Eltern, die für ihre Kinder streiten, z.B. gegen die unsägliche Entwicklung in Kindertagesstätten, die immer mehr Anforderungen ohne entsprechendes Personal und ohne entsprechende Mittel stemmen sollen. Es bedarf der Eltern, die für ihre Kinder streiten, z.B. gegen die völlig verdrehte Bildungspolitik, gegen das dreigliedrige Schulsystem, gegen die Zu- Abrichtung der Kinder zu Keimformen ausbeutbarer zukünftiger Lohnabhängiger in Turbobildungsgängen usw. Es bedarf der Schülerinnen und Schüler, die sich gegen unhaltbare Zustände in Schulen wehren, es bedarf der Studentinnen und Studenten, die sich gegen den Bologna-Prozess/die Bachelorpaukerei, die finanziell unzumutbaren Verhältnisse usw. auflehnen. Es bedarf der Lohnabhängigen-Initiativen (vielleicht gar der Gewerkschaften), die sich gegen die drastischer werdenden Formen der Ausbeutung wenden. Es bedarf der Alten, die sich nicht wie Müll auf die Entsorgungsanlagen werfen lassen wollen usw. usw.

    Und es bedarf dann der allmählich keimenden Einsicht aller Aktiven, dass sich im Kapitalismus eben nur etwas mildern, nicht aber lösen lässt, um von diesem Kampf zur Veränderung der Verhältnisse zu kommen.

    Was soll sonst sein? Wie soll es sonst anders gehen? Alle Phantasien über angeblich neue Wege, Formen etc. sind Hirngespinste. Scharlatanen muss eine klare Absage erteilt werden. Es ist, wie es ist. Es führt kein Weg an dem Versuch der Abwehr des Schlimmsten und der daraus entwickelten politischen Praxis der einschneidenden Umwälzung vorbei, also ein Weg, auf dem sich die Veränderungswilligen zur Abschaffung von Lohnarbeit, Warenproduktion, kapitalistischem Geld und Wertverwertung zugunsten der Besitzenden voranarbeiten müssen.

    Alternative dazu?
    Never!

  2. El Normeo sagt:

    Was ist mit Chavez oder der EZLN in Mexico.
    Die haben sehr wohl sehr gute Verfassungen zu stande gebarcht. Die Verfassung Venezuelas ist demokratischer und gerechter als die Deutsche.
    Den 3. Weg des Sozialismus des 21. Jahrhunderts ist eine sehr gute Möglichekit, aus den Fehlern der SPD zu lernen.
    Leider gibt es sowas wie einen Simon Bolivar in Deutschland nicht, eventuell noch der Bundschuh-Bund oder die gescheiterte Revolution von 1848. Das problem mit Deutschland is, es ist zu verknöchert. Man hat 1989 DIE Chance hemmunglos verpaßt, ein neues vereintes Deutschland mit neuer Verfassung, neuen prinzipien und Werten zu schaffen. Beide Altstaaten wären aus dem Schneider gewesen, aber nein, man mußte dem Ami noch wieter in den Arsch kriechen. Deutschland ist weiterhin ein Büttel amerikanischer politik und hat auch noch den letzten Funken Anstand, Bildung und Ethik mit ins Grab genommen….
    Für Deutschland sehe ich nur ein Weg aus dieser Misere: Bürgerkrieg, in diesem Fall Die Bürger gegen den Schei*haufen von Regierung, ihrer Büttel und Speichellecker.

  3. ungenannter sagt:

    Das ist sehr böse gesagt, aber vielleicht ist ja auch was dran. Als für mich positives Beispiel eines Revolutionärs, der hinterher brauchbare Politik gemacht hat, fällt mir nur Fidel ein. (Was nicht heißt, dass ich ALLES in Kuba für gut heiße!)

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