Das Zeitgeistmovie – Eine Kritik Teil 3

Teil 1 gibt es hier, Teil 2 hier.

Nachdem der Film bisher „beweist“, dass Horus so ziemlich alle Eigenschaften hatte, die Jesus nachgesagt wurden, kommt es noch dicker. Kaum zu glauben, aber wahr!

Horus-Plagiate in der antiken Götterwelt

In einem beispiellosen Schnelldurchlauf werden im Anschluss 4 antike Götter verhandelt mit Daten und Eigenschaften versehen, die, wen wundert’s es noch, keiner ernsthaften Überprüfung standhalten. Im einzelnen sind dies:

  • Attis aus Griechenland, 12. Jhd vor Christus

Was wirklich an der Ähnlichkeit mit Horus bzw. Jesus „dran“ ist, kann jeder hier nachlesen. Außer den Motiven „Jüngling“ , „gewaltsamer Tod“ – allerdings nicht durch Kreuzigung, sondern durch Selbstentmannung (!)- und schließlich die „Auferweckung“ gibt Attis rein gar nichts her. Allerdings ist auch seine „Auferweckung“ sehr speziell: entweder sie geschieht durch Kybele oder durch Zeus, entweder komplett, oder nur die weiter wachsenden Haare und der kleine Finger(!) leben weiter! → Da merkt jeder Kenner sofort: das ist klar dieselbe Sache wie bei Jesus! Der hat sich ja bekanntlich auch am Kreuz den Schniedel abgeklemmt. Und hinterher hat sein Leichenfinger die Jünger gekitzelt, so dass sie vor Lachen ihre Evangelien geschrieben haben.

Purer Unfug also. Zudem war 1200 v.C. Attis noch eine Gottheit rein phrygischen Ursprungs. Er stammt aus der heutigen Türkei und wurde erst viel später in die griechische Mythologie eingebaut. Wie ich schon in meinen beiden ersten Teilen sagte: antike Mythologie ist nie etwas statisches, nie festgeschrieben ein für allemal, sondern immer im Fluss, widerspiegelt die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse der jeweiligen Zeit. Davon wissen jedoch die Macher des Zeitgeistmovie nichts.

  • Krishna aus Indien, 9. Jhd v.C.

Entweder liegen dem Film komplett andere Hl. Schriften der Inder vor, oder sie müssen sich das Blut inzwischen komplett aus den Fingern gesogen haben, um diese Dürftigkeiten zu produzieren. Ich überlasse es an dieser Stelle dem geneigten Leser, hier einmal selbst zu erkunden, was von den steilen Thesen stimmt: nämlich nichts. Null Komma Nichts! Es lohnt einfach nicht die Auseinandersetzung. Als Einstieg ist die Wikipedia gut geeignet.

  • Dionysos, Griechenland, 5. Jhd v.C.

Dionysos der alte Schwerenöter, der Gott des Weines, der Ausschweifung, des „Hier und Jetzt“ als Blaupause für Jesus? Das ist so als würde man sagen, die Dramen Shakespeares sind die Vorlagen für den Quatsch Comedy Club! Wenn es nicht so viele Leute für wahr halten würden, wär’s ein Schenkelklopfer, aber so? Und was als „Beleg“ daherkommt, zeigt nur, dass da jemand ein Buch, zudem ein schlechtes (!), über antike Mythologien quer gelesen hat, und nun meint, er wisse Bescheid. Dionysos wurde mitnichten von einer Jungfrau geboren, sondern nach dem gewaltsamen Tod seiner Mutter hat ihn sein Vater Zeus höchst selbst in seinem Schenkel ausgetragen! Aber ist schon klar, ist eine Jungfrauengeburt. Was denn sonst? Und das weitere, was kommt? Breiten wir lieber den Mantel des Schweigens darüber.

  • Und einen letzten Gott gibt es, der uns nicht erspart wird: Mithras, Persien, 12. Jhd v.C.

Der ist allerdings in Persien schon 200 Jahre früher belegt und möglicherweise identisch mit dem altindischen Mitra. Ursprünglich als „Gott des Vertrags“ angerufen, bekam er erst viel später die Mythologie „verpasst“, auf die der Film augenscheinlich verweist: den spätrömischen Mithraskult, der in etwa zeitgleich mit dem Christentum entstand. (Wobei die Zeit von 100 v.C. Bis 200 n.C. Sehr fruchtbar war für neue Kulte und Religionen, wie z.B. dem so vielfältige Gnostizismus.) Eine erste urkundliche Erwähnung erfuhr er Ende des 1. Jhd. n.C. Bei Statius. Rein phänomenologisch gibt es Parallelen zwischen Christentum und Mithraismus, wie weit diese aber auch inhaltlich sind, lässt sich nicht (mehr) sagen: im Gegensatz zum Christentum hat der Mithraskult keine schriftlichen Werke hinterlassen. Man ist allein auf die bildlichen Darstellungen, die dürftigen Bildunterschriften und die Erwähnungen bei anderen antiken Autoren angewiesen. Dies macht, dass alle Aussagen über diesen Mysterienkult höchst spekulativ sind. Ob nun der 25. Dezember zum „Geburtstagsfest“ für den Christus wurde, weil da auch Mithras als „sol invictus“ gefeiert wurde, oder ob sich dieses Datum als sinniges Bild des Sieges des Lichtes über die Dunkelheit quasi aufdrängte, lässt sich heute nicht mehr entscheiden. Wer wie die Zeitgeistmovie-Macher behauptet, er habe eindeutige Antworten, verkennt die Quellenlage, die labilen Machtverhältnisse und den soziokulturellen Umbruch, der zwischen 200 und 400 nach Christus stattfand.

15 Kommentare zu “Das Zeitgeistmovie – Eine Kritik Teil 3

  1. Kritiker sagt:

    Nett und schön…. aber wenn man selbst keine andere Quelle anführt (ich habe jedenfalls nix anderes gefunden) als (ausgerechnet) Wikipedia ist das mindestens das was der Blogger dem Film vorwirft zu sein: Schwach! Sehr schwach!!!

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