Zwei Weihnachtsmärchen

In den Kirchen in unserem Land geht alle Jahre wieder an Weihnachten die große Heuchelei los. Obwohl es jeder Theologe aus seinem Studium besser weiß, und obwohl jeder denkende Mensch es von A bis Z merkt, dass da etwas, ja fast alles nicht stimmen kann, also obwohl die allermeisten wissen, dass die biblischen Weihnachtsgeschichten dem Reich der Dichtung, und nicht dem der Fakten entstammen, obwohl also alle um die Absurdität der ganzen Veranstaltung wissen, wird doch so getan, als seien die Weihnachtsgeschichten des Neuen Testaments tatsächlich passiert. Als habe es wirklich diese ominöse Volkszählung gegeben, von der nur Lukas zu berichten weiß, aber sonst kein antiker Geschichtsschreiber. Als habe es die Weisen gegeben, die einem Stern gefolgt sind, und die ein Neugeborenes als „König der Juden“ anbeteten. Und als habe daraufhin der grausame Herrscher Herodes ein Massaker unter den Säuglingen Bethlehems veranstaltet. Nichts von alldem ist passiert. Nichts von alldem lässt sich irgendwo außerhalb der biblischen Schriften belegen.

Was wir lediglich wissen können, ist, was Lukas und Matthäus mit diesen Geschichten bezwecken wollten. Darum wurden sie so geschrieben, darum stehen sie in der Bibel, und darum, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht, tun vernunftbegabte, erwachsene Menschen einmal im Jahr, als wären sie kleine Kinder, die noch an den Weihnachtsmann glauben. Viel mehr Gehalt haben die Weihnachtsgeschichten nämlich nicht, lässt man die Intention der Verfasser beiseite.

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9 Kommentare zu “Zwei Weihnachtsmärchen

  1. ungenannter sagt:

    Hübsche Fleißaufgabe, aber redundant.
    In meiner (vernichtenden) Kritik zum religiösen Zeitgeistmovie habe ich ähnliches geschrieben.
    Freilich ohne fromme Salbaderei über den „Heiland“.
    Hier geht’s los:
    https://ungenannter.wordpress.com/2008/07/12/das-zeitgeistmovie-eine-kritik-teil-1/

  2. ungenannter sagt:

    In dem Punkt sind wir uns einig: Marx ist ein sehr interessanter Mann. Er war übrigens Kind eines bedeutenden Rabbiners…
    Korrektur:

    Karl Marx wurde 1818 als drittes Kind des Anwaltes (Hirschel) Heinrich Marx (* 1777; † 1838) und Henrietta Marx (* 1788; † 1863; geborene Presborck) in Trier geboren. Heinrich Marx stammte aus einer bedeutenden Rabbinerfamilie (ursprünglich Marx Levi). 1816 (oder 1817) konvertierte der Vater zum Protestantismus, da er als Jude unter der preußischen Obrigkeit sein unter napoleonischer Regierung angetretenes Amt als Justizrat nicht hätte weiterführen dürfen. 1824 wurden die Kinder, auch Karl, konvertiert.

    Nachzulesen in der Wikipedia oder in jedem anderen Lexikon.

    Nun hab ich einige Jahre im real existieren Sozialismus gelebt und bin etwas ernüchtert.
    Kann ich nachvollziehen. Der Staatskommunismus sowjetischer Prägung hatte nur marginal mit Sozialismus zu tun: Es ging nur am Anfang um die Befreiung des Menschen, was folgte sprach den Ideen Marx’ weitgehend Hohn.
    Also mit Kritik ist es nicht getan. Verhältnisse können sich nur ändern, wenn Du eine Alternative vorzuweisen hast. Die Oktoberrevolution hatte lange vorher Anlauf genommen und Marx war der Ideenlieferant.
    Natürlich ist es nicht mit Kritik getan. Aber solange es eine dermaßen große Uneinigkeit in der deutschen und internationalen Linken gibt, solange kann es nur Kritik geben, vielleicht den einen oder anderen Ansatz von aktiver Arbeit bei und mit denen, die die Verlierer der schönen neuen neoliberalen Welt sind. Ich muss zugeben, dass ich da derzeit auch nicht groß weiter weiß, aber ich habe die Hoffnung, dass sich schon bald der Widerstand auch bei uns regt.
    Die Esoteren: Auch nicht so meine Wellenlänge – zu sensibel und leichtgläubig…
    Von Deiner Reaktion her bist Du in einem kirchlichen Umfeld großgeworden – stimmt das?
    Jepp. “Gut” katholisches Elternhaus. Mit Beichten und allem pipapo.
    Noch ein Plädoyer für falsche Geschichten: Angenommen, Du hast eine faszinierende Wahrheit erkannt und versuchst sie anderen nahezubringen (besonders schwierig, sie Kindern begreiflich zu machen. Aber nötig, weil nur Kinder Wahrheiten noch gänzlich aufnehmen können, Erwachsene haben da total Mühe)
    Also wirst Du Beispiele suchen, die die anderen verstehen, Du wirst vereinfachen, Du wirst überspitzen usw. Dasselbe passiert in jeder Unterrichtsstunde in der Schule, z.B. Physik Atommodell. Oder die Zahlenlehre in Mathe. Und immer denken die Schüler, jetzt hab ich die ganze Wahrheit erkannt.
    ABER: Analogien sind manchmal hilfreiche Krücken, aber gehen früher oder später am Kern voll vorbei. Beispiel Bohrs Atommodell. Die Sache mit den Kügelchen auf den Schalen ist am Anfang sicher hilfreich, aber später, wenn es um Bindungen, Energieniveaus oder gar um Quantenmechanik geht, können solche Vorstellungen ein Klotz am Bei sein, der nur behindert.
    ANALOGIEN, BILDER, PARABELN, GLEICHNISSE, ELLIPSEN, METAPHERN… sind Krücken, mehr nicht. Sie in den Kontext einer ominösen Wahrheit (Die Antwort darauf bleibst du schuldig, was denn die Wahrheit ist!) zu bringen, sie als Vehikel von metaphysischen Spekulationen zu benutzen, ist m.E. nicht nur intellektuell unredlich, sondern der Nutzer solcher pseudologischer Figuren begibt sich auf eine von ihm als höher proklamierte Ebene und unterstellt dem, der solcherlei transzendenter Klimmzüge nicht mitmacht, er würde “am Eigentlichen vorbei gehen”, “die tiefere Bedeutung nicht erkennen”, “blind für die Wahrheit sein” etc. p.p.
    Und spätestens, wenn eine Diskussion an diesen Punkt angelangt ist, heißt es tschüß sagen: Wer die Wahrheit gepachtet hat, zumal eine göttliche, ist nicht diskussionsfähig. Er hat immer eine Rückzugsmöglichkeit, einen deus ex machina, den er jederzeit aus der Tasche zaubern kann. – Jetzt habe ich Bilder verwendet, aber: sie erläutern, illustrieren, verdeutlichen. Sie haben keine irgendwie geartete tiefere Bedeutung. Und das ist gut so.
    Letzter Gedanke: Die Kirche zu kritisieren ist vernünftig (die Machtstrukturen sind halt zu Kotzen und nicht im Erfinders Sinn…). Aber die Macht der Kirche hat total abgenommen und stattdessen der ungezügelte Egoismus sich breitgemacht. Aus welcher Wurzel entstammt er, aus dem Christentum eher nicht. Lass mal etwas Kritik dazu hören.
    Wie die PR-Abteilung des Christentums/ der Kirche dieses tolle Gerücht in die Welt gesetzt hat, und wie selbst Kirchenferne darauf hereinfallen, ist schon allererste Sahne.
    Ungezügelter Egoismus vs. Glauben und Hingabe. Tja, das hat nix mit Gott und Teufel, mit Jesus und Dawkins zu tun, sondern ganz einfach mit dem, wie wir Menschen nun mal “gestrickt” sind. Wie sind einerseits egoistische Einzelwesen, die auf ihren Vorteil bedacht sind, andererseits sind wir “Hordentiere”, soziale Wesen, die sich für die eigene Brut, aber auch für die anderen Exemplare der eigenen Spezies den Arsch aufreißen. Was vor 3000 oder 2000 Jahren über die menschliche Natur gesagt wurde, schon gleich nicht, was Paulus, dieser frauenfeindliche Sexualneurotiker und sein gelehriger manichäischer Schüler Augustin darüber sagten, kann heute Maßstab sein! Das ist so, als würden überall in D Schienen liegen für den ICE, aber alle würden noch Kutschen benutzen!
    Dank Psychologie, Soziologie und vor allem dank der Neurowissenschaften wissen wir heute 1000 mal besser als ein paar alte Bücher und verklemmte “Kirchenväter” wie der Mensch tickt, was sein Antrieb ist und was seine Hoffnungen, Ängste und Nöte.
    Aber nein: da gibt es die Vereine namens Kirchen, in denen übervorgestrige alte Knacker in Frauenkleidern über die Moral, das Verhalten, die Politik aller Menschen bestimmen wollen!

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