Mal wieder was gelernt!

Diese Woche ist auf 3sat aus Anlass des Darwin-Jahrs 2009 ein Programmschwerpunkt „Der Darwin-Code“. Und was ich bisher gesehen habe, war sehr informativ und aufschlussreich: auch in Sachen Evolutionstheorie bleibt die Forschung nicht stehen, sie verfeinert die Merhodik, macht neue Entdekungen, bringt neue Erklärungen. Hier in Stichworten die Themen, für die ich mich am meiste interessierte, abgerundet mit Links zum Nachlesen und Nachsehen:

  • Epigenetik: der „kurze und schnelle Weg der Evolution“. Dabei geht es um die Erkenntnis, dass äußere Umstände das Erbgut verändern können, indem bestimmte Eiweißbausteine einzelne Gene ein- oder ausschalten. Dieses Phänomen ist bekannt. Es gibt aber inzwischen statistische (beim Menschen) und experimentelle (z.B. bei Drosophila) Hinweise, die darauf schließen lassen, dass epigenetische Veränderungen bei der Zeugung mit vererbt werden! Lamarck könnte also ein bisschen Recht haben! Noch will kein Wissenschaftler sich zu weit aus dem Fenster lehnen, aber vieles spricht für die Thesen der Epigenetiker. Die Sendung gibt es hier zum Anschauen. Zum Nachlesen habe ich gleich zwei Beiträge beim Deutschlandradio gefunden: einer von 2006 als pdf und ein zweiter von 2007. Und wer vor Fachbegriffen und einem Exzerpt-Stil (Power-Point) nicht zurückschreckt, kann sich hier über neue Thesen zu „Epigenetische Regulationsmechanismen psychischer Erkrankungen“ informieren.
  • Das zweite spannende Thema, wie ich finde, waren die neuesten Ergebnisse zur Herkunft unseres sozialen und ethischen Verhaltens. Diese Thesen der Forscher stehen im krassen Widerspruch zur christlichen Lehre von der sog. Erbsünde, aber auch zum bisherigen entwicklungspsychologisch begründeten Postulat von der „kleinen Egoisten“. Beides ist ganz falsch. Als soziale Wesen, die wir sind, ist uns ein Teil unseres Sozialverhaltens angeboren. Dieses Erbe teilen wir auch mit den Schimpansen. Für mich sehr eindrucksvoll war das Experiment mit dem heruntergefallenen Gegenstand des Experimentators: wie ein 18 Monate altes Kind genauso wie der Schimpanse spontan aufsteht, hingeht, den Gegenstand aufhebt und dem Experimentator gibt! Weder hatten Kind und Schimpanse einen Vorteil davon, noch gab es eine Belohnung. Und auch beim zweiten- und drittenmal klappte das Experiment! – Um ein Missverständnis von vorneherein auszuschließen: natürlich halte ich nicht die gesamte menschliche Ethik für angeboren. Aber die Keime unseres Sozialverhaltens sind uns in den Genen mitgegeben. Darauf baut alle philosophische wie religiöse Ethik auf, bzw. schafft es letztere, dass wir lernen gegen sie zu verstoßen, indem wir Andersgläubige hassen, unsinnige Vorschriften befolgen etc
  • Im Zusammenhang mit unserem Sozialverhalten wird inzwischen die These aufgestellt, dass besonders unser soziales Verhalten die Gehirne der Hominiden so rasch anwachsen ließ. Zum Video, zum Text.
  • Auch zur Evolution allgemein, nicht nur zu der des Menschen, wurden eindrucksvolle Bilder und ebenso eindrucksvolle Forschungsfelder präsentiert. So z.B. über die Evolution des Auges mit einem Exkurs zum Sehen überhaupt. Dass wir z.B. nicht die Wirklickeit sehen, sondern nur das, was unser Gehirn wahrnehmen kann (eben kein ultraviolettes Licht) und was das Gehirn „durchlässt“, was es für wichtig erachtet.  Wie der Mensch massiv und kontraproduktiv selbst zum Selektionsfaktor wird, wurde am Beispiel des Angelns gezeigt.

Immer wenn man der Meinung ist, die Forschung auf diesem oder jenem Gebiet habe nicht mehr viel Aufregendes zu bieten, wird man eines besseren belehrt! – Wir leben in interessanten Zeiten. Und das meine ich ganz positiv!

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