Nazivergleiche

Als jemand, der gerne den Dingen auf den Grund geht, vor allem den politischen, den deutschen besonders, muss ich mir oft anhören, dass meine „ständigen Nazivergleiche“, mein andauerndes „Herumreiten auf den 12 Jahren 3. Reich“ nerven, dass doch einmal Ruhe sein muss, dass ich die „Auschwitz-Keule“ zuhause lassen soll. Nutzt nichts. Werde ich nicht, ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil. Ich lasse diese ominöse Keule noch viel zu oft im Schrank, rekurriere viel zu wenig auf die dunkle Vorgeschichte unserer angeblich so famosen Republik, statt deutlich und unmissverständlich zu sagen, was da mal wieder in einer Diskussion schief läuft. Egal, ob sich die anderen düpiert vorkommen oder nicht, verstanden oder in die Ecke gedrängt- manche Dinge müssen eben gesagt werden.

Wie das? Ganz einfach: Wenn nicht die, die über diese 12 Jahre sich ernsthaft Gedanken machen, sie immer und immer wieder reflektieren, sich die Mechanismen im Kleinen wie im Großen ansehen, und die Linien von damals bis in die Gegenwart ziehen; wenn nicht diejenigen, die danach fragen, wie all dies zu verhindern gewesen wäre, nicht zur Selbstkasteiung oder aus anderer sinn- wie zweckloser Nabelschau, sondern um ähnliches in Zukunft zu verhindern; wenn nicht diejenigen, die sich nicht davor drücken das Undenkbare gedanklich zu durchdringen, d.h. die Dinge von damals wie von heute beim Namen zu nennen, dann, ja dann werden die Versatzstücke der allgemeinen dümmlich harmonisierenden bundesrepublikanischen „Aufarbeitungs – und Gedenkmaschinerie“ sich weiter wie Mehltau auf den gesamten politischen Diskurs legen, alles verwertend- diesmal ideologisch und (noch) nicht praktisch- auch die Toten der KZs und der Gaskammern, mit dem vorrangigen Ziel der Entlastung der Deutschen als Täter, und stattdessen dem Ausstellen des ewigen Persilscheins als Opfer, als erstes Opfer der Nazis. Wenn aber nicht mehr die Täter die Täter sind, wenn sie mit ein bisschen billiger Knoppscher und „Event-Movie“-mäßiger Geschichtsklitterung sich selbst den Heiligenschein aufsetzen, stellt sich die Frage, wer sind dann die Schuldigen? Nicht nur damals, sondern heute?

Aus diesem Grund gibt es einen common sense dessen, was Nazivergleiche dürfen und was nicht. Das für den nicht Begriffsstutzigen gar nicht mal Überraschende dabei ist, dass die Liste der erlaubten, nicht erlaubten und gebotenen Nazivergleiche quer durch die politischen Lager ziemlich gleich ist. Nur die Namen sind andere.

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2 Kommentare zu “Nazivergleiche

  1. ungenannter sagt:

    Warst du dabei?

  2. bert ungolf sagt:

    Toll das du gegen Nazis bist, ich auch und bin ebenfalls Jude. Dennoch was meine Leute da in Palästina betreiben ist Völkermord!

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