„Der Trend zum Kreationismus ist ungebrochen“

Unter dieser Überschrift findet sich auf SPON ein Interview mit Dr. Dittmar Graf, Professor für Didaktik der Biologie an der TU Dortmund, über die Ergebnisse einer (inzwischen zweiten!) Studie, die belegt, dass knapp 15 % der Studierenden im ersten Semester fürs Lehramt (!) grundlegende Elemente der Evolutionstheorie nicht verstehen und ablehnen! Und dies auch unter Biologie Studierenden!
Was werden die einmal den Schülerinnen und Schülern erzählen? Dass Darwin auch „nur“ so eine Theorie ist? Dass Gott die Erde vor 10.000 Jahren geschaffen hat? Dass die Schöpfungsgeschichten der Bibel (Genesis 1 und 2) oder des Koran (Buch 32 Sure 4 und andere), weil göttliche Offenbarung, mehr Wahrheitsgehalt haben? Grausen könnte es einem über soviel Ignoranz und Hinter-dem-Mond-Sein!
Zu hoffen ist nur, dass Graf und seine Kollegen den Studierenden ihren Aberglauben bis zum Examen mit dem Geist der Aufklärung gehörig austreiben können: „Kreationistisches Denken ist gleichzeitig auch antiwissenschaftliches Denken und die Aufgabe der Universität ist natürlich, Wissenschaft zu vermitteln, insofern ist Kreationismus schädlich und muss auch intensiv bedacht und angegangen werden. Es ist ja so, dass Kreationisten vielfach von sich selber behaupten, sie würden Wissenschaft betreiben. Wenn man aber genauer hinschaut, ist es alles andere als Wissenschaft. Es ist Pseudowissenschaft.“
Eine Frage stelle ich mir allerdings schon noch: Wie dürftig ist das, was Gymnasiasten im Unterricht lernen? Ach ja: es wird inzwischen ja, Bertelsmann sei Dank, alles auf Effizienz getrimmt! Könnte diese Ignoranz gegenüber echter Wissenschaft. nicht auch eine Folge des Abiturs nach 12 Jahren sein?

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6 Kommentare zu “„Der Trend zum Kreationismus ist ungebrochen“

  1. Anonymus sagt:

    Kriegt man immer wieder zu hören wenn man den Kapitalismus kritisiert und dann auch noch den Namen Marx erwähnt: der Mensch ist ein Egoist sonst hätte die Evolution ihn lägst ausgerottet…
    da fällt einem dann nix mehr zu ein…
    außer:
    [welche Leute man doch im Internet antrifft…]

  2. ungenannter sagt:

    100% ACK

    Sozial-Darwinismus war m.E. der Versuch des Bürgertums im 19. Jhd. seine Vormachtstellung biologistisch zu begründen. Im Feudalismus musste noch der liebe Gott herhalten als oberster Lehnsherr und Stifter des Königtums (immerhin ein gewisser Fortschritt gegen die ägyptischen Gottkönige und die späteren römischen Kaiser, die sich in Adaption orientalischer Traditionen ebenfalls als Götter verehren ließen), im Kapitalismus reicht ein pseudowissenschaftliches „Argument“, um die alte Unterdrückung aufrechtzuerhalten: „Wir sind zurecht die Stärkeren, Besseren und Reicheren, ihr seid die Schwachen und Verlierer. Seid froh, dass wir euch Arbeit und Essen geben.“
    Hm. Heute heißt so etwas verbrämt (Adolf hat einfach zu viel verbrannte Erde hinterlassen) Elitenförderung.
    Die werden gefördert, bei Hartz IV wird nur gefordert!
    Gerechtigkeit eben.
    Danke, du hast bei mir eine GlühbirneEnergiesparlampe angemacht.
    😛

  3. tetrapanax sagt:

    Der Kreationismus ist nur eine Strömung unter den vielen fundamental-religiösen Gruppierungen welche versuchen, ein völlig rückwärts gewandtes Welt- und Menschenbild zu (re-) installieren. Die Zurückeroberung (bzw. die Stärkung) der Kontrolle über das Sexualleben der Menschen sowie die Deutungshoheit über die Geschlechterrollen gehören ebenfalls dazu und sind nicht minder gefährlich.

    Dieses Phänomen kann man derzeit bei allen abrahamitischen Religionen beobachten, ist also keiner einzelnen Religion zuzuschreiben, sondern eher dem aktuellen Zeitgeist (?) zuzuordnen.

    Ich durfte übrigens viele gläubige Menschen aus dem christlichen oder muslimischen Kontext kennenlernen, die überhaupt und absolut kein Problem mit der Evolutionstheorie oder mit Darwin haben. Warum auch?!

    Hingegen habe ich ein sehr großes Problem mit gewissen Leuten, die Darwins „Kampf ums Dasein“ auf die menschliche Ebene projizieren, dies zu einer Ideologie erheben. Man könnte meinen, der Sozialdarwinismus sei mit dem Ende des zweiten Weltkrieg für immer diskreditiert worden. Leider ist dem nicht so…

    Peter Kropotkin, (Geograph, bekannt geworden als der wichtigste Vertreter des anarchistischen Kommunismus) stellt sein Buch „Mutual Aid: A factor of evolution“ (Dtsch.: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschwelt) dem Werk Darwins gegenüber, ohne damit seine Aussage anzugreifen. Vielmehr fügt Kropotkin den bei Darwin zu kurz gekommenen Aspekt des Überlebensvorteils durch gegenseitige Hilfe hinzu. Dies nur am Rande und als Tip für jene, die gerne alte Schinken lesen 🙂

  4. ungenannter sagt:

    Bitte nicht in meine Einleitung, Interview und Artikel etwas hineininterpretieren, was NIRGENDS gesagt wurde: es ist mit keiner Silbe von deiner unterstellten, ziemlich dürftigen Gleichung „Darwin = (Neo-)Darwinismus = Evolutionstheorie“ die Rede, sondern ausschließlich von Evolution und Kreationismus. Dass erstere von Darwin stammt, und er daher im Darwinjahr zwangsläufig genannt wird, braucht weder Erwähnung noch Begründung. Von Darwinismus, speziellen dem Begriffe nach neuen, aber doch auch schon wieder 100 Jahre alten Neodarwinismus kommt weder inhaltlich noch wörtlich irgendetwas vor.
    Solcherlei Unterstellungen, gegen die der Untersteller anschließend ganz hervorragend angehen kann, vor allem, wenn der Unterstellte die Unterstellung nicht merkt, halte ich für schlechten Stil. Oder würde es duir gefallen, wenn ich behaupte: „Zweifel an der Evolutionstheorie = Ablehnung derselben = ID = Kreationismus?“
    Eben. Lass es bitte.

  5. Besitzstandswahrer sagt:

    Bitte nicht Evolutionstheorie mit Darwin gleichsetzen. Man kann sehr wohl von der Evolution überzeugt sein und trotzdem (fundierte) Zweifel am (Neo-)Darwinismus haben.

  6. Ulf sagt:

    Was mich völlig verstört, ist nicht allein die Blödsinnigkeit der kreationistischen Lehre, sondern daß sie sich hierzulande auch schon ganz offiziell ab „normalen“ Schulen verbreiten lassen darf.

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