übrigens…

… gibt es mal wieder eine neue Kategorie beim Ungenannten: „übrigens…“ sammelt außergewöhnliche, verblüffende, schräge oder einfach nur interessante Fundstücke aus dem Netz. Viel Vergnügen, Verblüffung, Verständnis und Verwunderung wünscht

der ungenannte

Jahwe Gatte der Aschera?

Das legen zumindest Funde nahe, die vor einiger Zeit gemacht wurden. Dass die Anfänge der jüdischen Religion sich in zahllosen Stammesreligionen mit je eigenen „elohim“ (Göttern) verlieren, und erst später in der Verehrung Jahwes zu einer monotheistischen Religion zusammengeführt wurden,  ist schon lange Allgemeingut in der Forschung, dass aber viel später von Jahwes Frau Aschera die Rede ist, das war mir neu. Im Wissenschaftlichen Bibellexikon* der Deutschen Bibelgesellschaft, wahrlich keine Ansammlung von Ketzern, Atheisten und Kirchengegnern heißt es:

„Die Textfunde von Kuntillet ‘Ağrūd (Kuntillet ‘Ağrūd [Kuntillet Agrud]) und Chirbet el-Qōm (Chirbet el-Qōm) haben ein unerwartetes Licht auf die israelitische Religion geworfen. Sie verweisen auf „Jahwe und seine Aschera“. Außerdem ist eine große Anzahl von Pfeilerfigurinen gefunden worden, die Frauen mit großen Brüsten zeigen und eine dea nutrix („nährende Göttin“) darstellen. Die Texte und die Artefakte haben in der alttestamentlichen Wissenschaft eine Debatte entzündet, ob der Jahwismus ursprünglich monotheistisch war oder nicht. Obwohl es noch einige Unsicherheiten in der Detailinterpretation gibt, wird inzwischen allgemein akzeptiert, dass der Jahwismus lange Zeit nicht monotheistisch war. Sowohl in der Familienreligion als auch im höfischen Bereich (vgl. Jer 44) wurde – mindestens bis zur Exilszeit – Jahwe als der Gatte Ascheras angesehen und verehrt.“

Nachzulesen im Artikel „Jahwe“ im WiBiLEx. Ich habe lediglich die Verweise weggelassen. Ein Bild der erwähnten Tafel ist auch dabei.

*Den Vollzugriff gibt es leider erst nach kostenloser und unproblematischer Anmeldung. Wer wissen will, welche „Ketzereien“ wissenschaftlich akzeptiert sind und eben nicht auf den Kanzeln verkündet werden, wird hier viele gute Argumente gegen die kirchliche religiöse Verdummung finden. Außerdem gibt es hier sieben Online-Bibeln einschließlich der Urtexte.

Advertisements

4 Kommentare zu “übrigens…

  1. ungenannter sagt:

    Danke für deine Ausführungen und Dank an deine Frau Gemahlin.
    Vieles davon war mir schon mehr oder weniger bekannt, und ich sehe das ähnlich. Allerdings dass die Geschichte mit dem Matriarchat schon im 19. Jhd. aufkam, das war mir neu. Ich dachte immer, dass Frau Schwarzer persönlich… 😉
    Maria und die Heiligen bei den Katholen sind m.E. der alte Götterhimmel „light“. So kann jeder zu seinem Hausheiligen resp. Hausgott beten ganz wie die Römer einst zu den Penaten.
    Dass die Protestanten all dies abgeschafft haben, hat das Christentum, das vorher eine feudalistische Religion war, zu einer Buch-Religion gemacht. Mit allen Vorteilen (Bildung, Kritik, Aufklärung) und Nachteilen (Fundamentalismus, Streitigkeiten um irgendwelche Hirnfürze, Gesetzgebung auf Grund der Bibel) und als Nebenprodukt fiel noch ein wenig Geburtshilfe beim Kapitalismus ab, obwohl ich da Max Weber nicht zu sehr folgen will. 😉

  2. tetrapanax sagt:

    Hallo ungenannter,

    Leider weiß meine Frau auch keine Details und kennt nicht den neusten Forschungsstand. Leider konnte sie auch keine wissenschaftlichen Quellen aus dem Ärmel schütteln, das Studium ist halt schon ein bisschen her 🙂 Aber folgendes konnte sie mir erzählen (natürlich nur unter Vorbehalt, siehe oben)

    Also: Einer der größten gesellschaftlichen Umbrüche bedeutete der Übergang von der Jäger- und Sammlergesellschaft zur sesshaften Ackerbaugesellschaft mit sehr differenziert ausgebildeter Abeitsteilung. Das war natürlich ein Prozess, der sich über tausende von Jahren erstreckte und abhängig von verschiedenen Voraussetzungen war, z. B. Klima, kultureller Austausch durch Wanderbewegung, bzw. Technologietransfer, usw. Mit der Entdeckung und Etablierung der Landwirtschaft entstand erstmals eine Gesellschaft, in der Anspruch auf ein Stück Boden erhoben wurde, außerdem wurden Ernteüberschüsse aus gehortet, die evtl. gegen andere Gruppen verteidigt werden mussten. Der Mensch entdeckte den Besitz, die Grundlage für das „Privateigentum“. Durch verbesserte Ernährung kam es zu einem Bevölkerungswachstum. Das förderte indirekt eine stärker ausgeprägte Hierarchie… usw, usw… Aber nun zur Religion:

    Die Theorie, daß das Matriachat vom Patriachat abgelöst wurde, stammt aus den 1880er Jahren und geistert heute noch durch die Gesellschaft, obwohl dies wissenschaftlich nicht mehr haltbar ist. Inzwischen wird angenommen, daß sich das Patriachat mit dem Wechsel zur Ackerbaukultur langsam (!) durchzusetzen begann.

    Das Patriachat setzte sich aber nicht wie bisher angenommen, gegen Matriachat durch, sondern alles deutet darauf hin, daß ein relatives Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Gottheiten gab, natürlich abhängig von der jeweiligen Kultur. Religionen spiegeln immer die Gesellschaft wieder, und so kann man davon ausgehen, daß es auch in der damaligen Gesellschaft keine Dominanz eines Geschlecht über das Andere gegeben hat. Männer und Frauen waren höchstwahrscheinlich gleichwertig.

    Mutter- und Fruchtbarkeitsgottheiten, das weibliche Prinzip, wurden trotz langsamer Verschiebung hin zu dominierenden männlichen Gottheiten von beiderlei Geschlecht verehrt. Wann in etwa die männlichen Gottheiten die absolute Oberhand gewannen, wann es anfing, daß weibliche Gottheiten verbannt und Frauen unter die Herrschaft von Männern gerieten, dazu konnte meine Frau leider nichts sagen.

    Selbst in der kath. Kirche, zu Zeiten der Hexenverbrennungen oder anderer Exzesse, die sich vorrangig (aber nicht nur) gegen Frauen gerichtet haben, konnte der letzte Rest des weiblichen Prinzips aus dieser schwer patriachalischen Religion nicht ausgerottet werden: Maria. Die Marienverehrung innerhalb der kath. Kirche ist das ärmliche Überbleibsel der alten und mächtigen Göttinnen.

    Mit der Reformation wurde selbst dieses bisschen Weiblichkeit aus der Religion entfernt. Unter den Protestanten ist Maria die Mutter von Jesus. Punkt. Keine Verehrung. Nix, Nada. Tja, und merkwürdigerweise waren die Calvinisten mit ihrer Arbeitsethik die Wegbereiter des heutigen Kapitalismus…

    Soweit. Ich hoffe, niemand wird sich auf mich berufen, denn wie gesagt, diese Aussagen kommen aus dem Gedächtnis meiner Frau und werden hier nicht belegt!

    Gruß
    tetrapanax

  3. ungenannter sagt:

    Wie sähe wohl das Juden- und das Christentum aus, wenn Jahwe seine Aschera behalten hätte? Hätte es die Frauenfeindlichkeit mit all ihren Exzessen in der jüdischen und christlichen Religion überhaupt gegeben?

    Das ist vermutlich ein Henne-Ei-Problem: je frauenfeindlicher die Gesellschaft, desto weniger hatten die Göttinnen zu melden. Und je weniger Göttinnen präsent waren, desto weniger hatten die Frauen zu sagen.

    Auf jeden Fall gilt: jede monotheistische Religion ist strikt patriarchalisch und ergo werden die Frauen unterdrückt. Das gilt für Christentum, Judentum und Islam gleichermaßen. Erstere beiden mussten- gezwungen durch die Aufklärung- bereits umlernen, und bis auf die Fundis in allen Ausfertigungen: Orthodoxe, Chassidim, Pfingstler, Pius-Brüder und die römishce Amtskirche ist dies ja auch weitgehend geschehen.. Der Islam ist für mein Dafürhalten nicht viel über die Gesellschaftsordnung und das Frauenbild der Gründungszeit hinausgekommen. Bzw. wieder dorthin zurückgefallen! Dass es mal so was wie eine Aufklärung zwischen dem 9. und dem 12. Jhd im Islam (Avicenna, Averroës) gab, dass diese Muselmanen den mittelalterlichen Christen die längst vergessenen griechischen Philosophen wiederbrachten, das weiß von den heutigen Imamen keine alte Sau mehr. – Dafür können sie den Koran auswendig. Ist ja lebensnotwendig für das 21. Jahrhundert.

    Ich muß da mal meine Frau befragen, die hat das studiert…

    Tu das bitte, selbiges interessiert mich auch. 😉

  4. tetrapanax sagt:

    Schau an, der alte, zornige Jahwe hatte also eine Frau! Das macht ihn mir direkt sympathischer!

    Was ist wohl mit der vollbusigen Aschera geschehen? Warum hat sie ihn verlassen? Vielleicht, weil Jahwe mit Maria fremd gegangen und einen Sohn mit ihr gezeugt hat?

    An Ascheras Stelle wäre ich auch stinkesauer gewesen und hätte meinem untreuen Gatten die Arschkarte gezeigt! Wie sähe wohl das Juden- und das Christentum aus, wenn Jahwe seine Aschera behalten hätte? Hätte es die Frauenfeindlichkeit mit all ihren Exzessen in der jüdischen und christlichen Religion überhaupt gegeben?

    Ohne viel darüber zu wissen – aber war es nicht generell so, daß ab einer bestimmten Zeit die weiblichen Gottheiten Stück für Stück aus dem Glauben der Menschen zurückgedrängt wurden, bis die Götterwelt von männlichen Gottheiten völlig dominiert wurde? Ich muß da mal meine Frau befragen, die hat das studiert…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s