Und die Kreationisten haben doch Recht!

Ja, richtig gelesen:
Die Kreationisten haben Recht!
Sie haben im Gegensatz zu den vielen anderen weit weniger radikalen Gläubigen erkannt, dass der Glaube an einen Schöpfergott sich mit der Evolutionstheorie beißt, dass beides im Grunde nicht zusammenpasst. Es gibt ihn eben noch immer: den alten Antagonismus aus empirischer, wissenschaftlicher Weltbeschreibung und dem Glauben an transzendente Mächte. Wird Zeit, dass der seitens der Wissenschaft stärker herausgearbeitet wird.

Evolution als offener Prozess aus „Zufall und Notwendigkeit“

Die von Darwin begründete und bis heute unzählige Male empirisch, statistisch und genetisch verifizierte Evolutionstheorie hat u.a. folgende unverzichtbare Axiome:

  • Komplexere Arten sind aus einfacheren entstanden. Es gibt einen evolutionären Stammbaum.
  • Bei der Vererbung von einer Generation zur anderen kommt es immer wieder zu zufälligen Veränderungen.
  • Die Mechanismen dabei sind Rekombimation, Mutation, Selektion und Gendrift.
  • Erfolgreich sind diejenigen Arten, die sich veränderten Umweltbedingungen am besten anpassen.
  • Die Evolution geht unaufhörlich weiter. Wir sind nicht die „Krone der Schöpfung“.
  • Die Evolution ist kein teleologischer Prozess: sie entwickelt sich nicht auf ein irgendwie geartetes Ziel hin.

So ungefähr lauten die wichtigsten Axiome der Evolutionstheorie. In der heutigen Biologie gilt sie als die grundlegende Einsicht in die Natur des Lebendigen und ist Basis für alles weitere.
Philosophisch weitergeführt hat diese Thesen der Biologe und Nobelpreisträger  Jacques Monod in seinem Essay „Zufall und Notwendigkeit„. Er hat diese Mechanismen als Grundprinzip nicht nur des Lebens, sondern als das alles Seienden zusammengefasst in dem berühmten Wortpaar „Zufall und Notwendigkeit“. Das gesamte Universum von den kleinsten Einheiten des Mikrokosmos bis hin zum Ganzen des Makrokosmos folgt diesem Prinzip von einer Kombination aus Bedingungen, Naturgesetzen und Notwendigkeiten auf der einen Seite und den großen und kleinen Zufällen, den Kontingenzen und dem allgegenwärtigen „Quantenrauschen“ auf der anderen.

Der Zufall als Gestaltungsprinzip für alles Natürliche? Das widerspricht nicht nur einer wissenschaftlichen Herangehensweise an die Dinge: „Zufall“ lässt sich eben gerade nicht fassen, nicht in Formeln oder Theoreme bannen. Höchstens Wahrscheinlichkeiten können angegeben werden. Bei der Quantenmechanik ist dies weithin akzeptiert, trotz Einsteins Verdikt, dass „Gott nicht würfle“. Beim Lottospielen auch. In der Chaosforschung ebenfalls. Aber sobald es um Biogenese i.A. und Anthropogenese im Besonderen geht, ist es aus mit der Akzeptanz, besser dem Aushalten der Zufälligkeit von allem und jedem. Am allerwenigsten gibt es Bereitschaft diese Erkenntnisse auf die eigene Existenz anzuwenden. Da muss plötzlich alles „Sinn“ und „Ziel“ haben, da gilt der Zufall als obsolet, nicht weil er an dieser Stelle wissenschaftlich falsch wäre, sondern weil er „Unbehagen“ bereite, eine ontologische Kapitulation bedeute und keine befriedigende Antwort auf die Sinnfrage gebe.

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7 Kommentare zu “Und die Kreationisten haben doch Recht!

  1. Peter sagt:

    In Blick auf die „Tendenz“ bliebe noch zu bemerken, dass selbst ein Betrunkener in diesem Fall was mit einem Bakterium gemein hat: wenn ein Hindernis im Weg ist, wird eine andere Richtung eingeschlagen.

  2. Peter sagt:

    Da kann man nur sagen: GUT, dass sich der Zufall nicht abschaffen lässt. Nicht mal von den Wissenschaftlern. Wisst Ihr was? Das ist ungemein beruhigend!
    Zufall hat nämlich auch was mit Freiheit zu tun.
    Bestünde das Universum nur aus Naturgesetzen, dann wäre es nichts als eine gigantische Maschine, die gleichmässig vor sich hinsurrt. Und dem ist ja nicht so, wie wir wissen.

  3. ungenannter sagt:

    Alles eine Frage des Maßstabs und der Zeitdauer.
    Dass die Plattentektonik das Gebirge genau so geformt hat und nicht anders, verdankt es den Magmaströmen im Inneren, dem Übereinanderschieben der Kontinentalplatten usw usf
    Für mich trifft es Monod mit „Zufall und Notwendigkeit“ am besten.

  4. Julius sagt:

    Zufall
    Ich habe da einen genialen Gedanken im Internet gefunden
    (sprich ist nicht auf meinem Mist gewachsen)

    Wenn ein Felsbrocken herumliegt und man sich fragt warum er dort liegt so ist das ein Zufall das er dort liegt.
    Das Gebirge auf dem er liegt neben all dem Geröll, ist jedoch kein Zufall,
    sondern es unterliegt den Bedingungen
    der tektonischen Plattenbewegung.

    Beste Grüße
    Julius

  5. ungenannter sagt:

    Moiin Julius!
    Danke für dein dickes Lob. Das freut mich natürlich sehr. 🙂
    Die Sache mit dem Zufall ist tatsächlich eine ganz besondere Crux. Wissenschaftlich als Begründung kann und darf „Zufall“ so wenig verwendet werden wie „Gott“ oder andere metaphysischen und darum nicht handhabbare Setzungen. (Vielleicht könnte man ja den Zufall als iso etwas wie eine immanente Metaphysik bezeichnen?) Und doch funkt er immer wieder dazwischen, um es flapsig auszudrücken.
    Für mich stellt sich die Sache so dar: Naturwissenschaft i.A., in diesem Fall die Evolutionsbiologie, versucht dem „Zufall“ auf die Schliche zu kommen, indem sie ihr ganzes Methodenarsenal anwendet. Dabei findet sie immer Neues und Faszinierendes heraus, macht die Notwendigkeit, d.h. die Gesetzmäßigkeiten der Evolution greifbarer und genauer, und wird doch nie den Zufall „abschaffen“ können. Der lässt sich einfach nicht bändigen, nicht zähmen. Kein Wunder in einer Welt, die in ihren kleinsten Einheiten, den Quantenzuständen den Zufall zur obersten Doktrin hat.

    Für mich ist das eine weitere Facette der „Dialektik der Aufklärung“.

  6. Julius sagt:

    Moin Ungenannter !
    Erstmal, ich bin ein großer Fan deiner Seite !

    Doch zu diesen Artikel muss eine kleine Kritik anbringen.
    Kann es sein das du den Zufall als Methode einführst ?
    Diese Kritik ist eher ein Schuss aus der Hüfte, meine
    aber mal gelesen zu haben das man das in wissentschaftlichen Abhandlungen nicht machen darf.

    Ansonsten bitte weiter so !

    Beste Grüße Julius

  7. Anonymus sagt:

    Ich glaube Frank Schätzing hat mal eine herrliche Veranschaulichung der Tatsache, dass die Evolution keinen „Zweck“ hat gebracht:
    wenn ein Betrunkener auf dem Gehsteig entlangtorkelt und links neben sich eine Häuserwand hat sagen wir ja auch nicht er habe eine Tendenz nach rechts zu laufen
    Die Wand symbolisiert die maximale „Einfachheit“ eines Bakteriums….

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