Es bleibt dem TV-Konsumenten nichts erspart

Aber nach dem enormen Erfolg seiner dünnen Bücher, dünn ist vor allem der Inhalt aus Allgemeinplätzen aufgeblasen zur eklektischen Philosophie light,  nach seinen zahllosen Besuchen in Morgens-, Mittags, Abends- und Mitternachtsmagazinen, nach seiner medialen Omnipräsenz in den letzten Wochen (ich weiß gar nicht mehr wie viel Sendungen mit ihm ich weggezappt habe!) nun das: eine eigene Sendung für Herrn Dr. Richard David Precht, studierter Germanist und Philosoph. Promoviert nicht in Philosophie, sondern in Germanistik. Das befähigt einen nun mal viel besser im Verkauf von Philosophie im Buchhandel und im Fernsehen. Sloterdijk und Safranski, die meist schlechtere Hälfte des philosophischen Quartetts, machten es vor: beiden promovierten mit sprachwissenschaftlichen Arbeiten und verkaufen sich als große Philosophen, die sie einfach nicht sind.
Nun also Precht. Zuerst nur eine Pilotsendung. Aber es wird schon jetzt eine regelmäßige Sendung mit ihm angedroht. Und es geht darin genau über die Themen, um die sich Precht bisher erfolgreich gedrückt hat- bis auf die autobiographische Version in „Lenin kam nur bis Lüdenscheid“. Es geht um Gesellschaft und Politik . Das kann ja heiter werden. Eher langweilig und vor allem flach. So flach wie die norddeutsche Tiefebene. So flach wie der Rest seiner literarischen Produktion. Und politisch wie soziologisch wirklich Wichtiges wird auch nichts abfallen. Aber schön sagt er das. So gebildet. So adrett anzusehen und zu hören.

Wer wirkliche Philosophie will, bekommt die dummerweise nicht als Instant-Pulver zum Aufbrühen. Ein wenig, manchmal sogar verdammt viel Mühe muss man sich schon machen, will man in die Gedankenwelt der Philosophie einsteigen. Zum eigenen Quellenstudium gibt es nicht wirklich eine Alternative. Aber man wird, so man zu den richtigen Büchern greift, reich belohnt durch neue Erkenntnisse und einen geschärften Blick auf die Welt. Meine Empfehlung ist für den regelmäßigen Leser dieses Blogs sicher keine Überraschung: Adorno/ Horkheimer: Dialektik der Aufklärung und natürlich Marx und Engels, alles online zu haben, obwohl „richtige Philosophen“ waren die ja nicht. Vermutlich sind sie aber daher so aktuell. Noch früher geht es auch: die Aufklärer, die Römer, die Griechen. Alles keine schlechte Wahl. Hauptsache man macht um Nietzsche und Heidegger einen weiten Bogen. Übermenschen und allertiefste Seinsgründe sind verzichtbare Phantasmen deutschen Ungeistes.

Eine ganz entzückende, will heißen bitterböse Kritik über Prechts neuestes Elaborat: „Liebe. Ein unordentliches Gefühl“ ist in konkret 5/2009 erschienen und auch online verfügbar.

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8 Kommentare zu “Es bleibt dem TV-Konsumenten nichts erspart

  1. Roland sagt:

    So oberflächlich wie diese Kritik kann kein Sloterdijk oder Safranski je werden. Um Nitsche und Heidegger einen weiten Bogen machen? Philosophen als Hasenfüsse.tz,tz,tz.

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