Kanzelmärchen #1

Kurzer Nachtrag: Ein Einwand ohne Belang

Natürlich wird jetzt der Einwand „Bergpredigt“ kommen. Die gilt vielen als wahrhaft leuchtendes Beispiel einer zutiefst christlichen und ethischen Haltung. Nun ja. Nicht böse sein. da muss ich mal wieder den Ent-Täuscher spielen.
Die Bergpredigt wurde als solche nie gehalten. (Enttäuschung 1) Sie ist eine Komposition des Matthäus (Mt 5-7) aus Sprüchen und Gleichnissen von Jesus und vielem anderem, was ihm angedichtet wurde. (Enttäuschung 2) Bei Lukas gibt es nur eine Kurzfassung, die „Feldrede“ (Lk 6,20-49), (Enttäuschung 3) bei Markus fehlt sie ganz, bei Johannes sowieso (Enttäuschung 4). Sein Jesus ist ja von Anfang nicht so ganz von dieser Welt, sondern eher bekifft unterwegs. Upps: natürlich meine ich mystisch, tiefsinnig etc. Um es kurz zu machen. Die Bergpredigt enthält keine Ethik für den Alltag. (Enttäuschung 5) Sie ist vielmehr eine „eschatologische Ethik„: das passende Verhalten der Jünger und Jüngerinnen Jesu im Angesicht des kommenden Reiches Gottes, das Jesus zu seinen Lebzeiten erwartet hat. (Enttäuschung 6) Nebenbei bemerkt: Wie kann man eigentlich auf die verwegene Idee kommen, einem solchen Menschen, der sich dermaßen bei der absolut grundlegenden Frage seines Wirkens- er verkündete nun mal den Anbruch des Reiches Gottes!- so völlig geirrt und damit bis auf die Knochen blamiert hat, wie kann man so jemandem noch irgendein Vertrauen schenken oder gar zu Gottes Sohn stilisieren? (Enttäuschung 7) Eben: ist ziemlich bescheuert. Aber Glaube kriegt auch das hin.
Die Ethik der Bergpredigt von absoluter Gewaltlosigkeit, Besitzlosigkeit und Sorglosigkeit hat nur eine Gruppe der frühen Christen ausprobiert und ist ziemlich auf die Nase gefallen. (Enttäuschung 8 ) Es ist nun mal blöd, wenn man wegen des nahenden Reiches Gottes alles verkauft, wie eine Hippie-Kommune zusammenlebt, nicht arbeitet, nur  vom Ersparten lebt und der fest eingeplante Weltuntergang bleibt aus. (Enttäuschung 9) Genau das ist den Jerusalemern Jesus-People passiert. Hat Paulus der schlaue Fuchs, der eigentliche Erfinder des Christentums, unter seinen heidenchristlichen Gemeinden eine Kollekte erhoben, um die Urgemeinde in Jerusalem zu unterstützen und sich deren o.k. für seine Mission zu holen. Die Gemeinden des Paulus blieben, die in Jerusalem nicht. (Enttäuschung 10) Ein „gelungenes“ Beispiel einer gelebten Ethik der Bergpredigt. Menschen sind eben keine Vögel am Himmel oder Blumen auf dem Feld, wie es Jesus behauptete. (Matthäus 6,25ff)
Statt einer Erneuerung der 10 Gebote gibt es also in der Bergpredigt nur 10 große Enttäuschungen. Aber weil der Mensch nicht gerne enttäuscht wird, hält er lieber an seinem falschen Bild fest, konstruiert sich die Wirklichkeit entsprechend und nennt das dann „Glaube“.

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