Kanzelmärchen #2

Gottlos leben heißt sinnlos leben!?

So tönt es nur zu gerne von den Kanzeln. So lassen es sich die Lohnschreiber unserer Zeitungen und Zeitschriften bereitwillig in die Feder diktieren von den Beauftragten des kirchlichen Wahrheitsministeriums. So versichern es die kirchlichen Amtsinhaber in ihren wöchentlichen Kolumnen der Tageszeitungen, in ihren 3 Minuten „Gedanken zum Tag“ und anderen Propagandasendungen im Radio*. So bekommt man es wie selbstverständlich vom Fernsehen aufgetischt: angefangen beim unvermeidlichen Wort zum Sonntag, über „Kerners Pfaffen“, Meischbergers Betroffenheitsgurus und all dem anderen Plaudertaschen mit geistlichem Beistand.
Gottlos = sinnlos, das ist ein beliebtes Mantra, ja mehr als das. Es ist ein Panier, hinter dem sich viele nur zu gerne einreihen: sowohl der Papst und seine Bischöfe, als auch ein verhinderter Fernsehprediger wie der evangelikale Peter Hahne** und die vielen  anderen, die mal mehr mal weniger für ihre Kirche, für eine allgemeine Religiosität oder bei den „Gebildeten unter ihren Bewunderern“ für den Dalai Lama „Zeugnis ablegen“. Aber wie so oft stellt sich die Frage:

Muss es automatisch wahr sein, wenn alle es sagen?

Nein, natürlich nicht. Jeder Atheist, der ein erfülltes Leben hat, der diesem höchstselbst einen Sinn abgewinnen kann, und das ganz ohne Gott und Glaube; jeder Gottlose, der weiß, dass diese „Wahrheit“ vom ach so sinnlosen Leben der Gottlosen, Stuss ist, beweist das Gegenteil. Aber es hilft ja nichts, manchmal ist es nötig, dem Gegenüber in seinem arroganten- ich hab die Wahrheit!- Bekehrungseifer seine Behauptungen argumentativ zu zerlegen. Dazu braucht es erst einmal Fakten, Fakten, Fakten, und dann gilt es, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dieser Text will beides an die Hand geben. Er kann aber eigenes Nachdenken nicht ersetzen. Atheismus kann manchmal ganz schön anstrengend sein, man kann ja nicht, wenn es brenzlig wird, solche universellen Joker wie „Gott“, „Wahrheit“ und „Glaube“ aus den Ärmeln holen. Man muss selbst denken. Und sollte sich nicht auf andere verlassen.

Dieser Text richtet sich ausdrücklich NICHT an gläubige Menschen, außer sie sind bereit, herabzusteigen von ihrem persönlichen Berg Horeb, der aufgetürmt ist aus tatsächlicher Arroganz und behaupteter Offenbarung. Herabzusteigen in die Niederungen von Fakten und Argumenten! 

Cogito ergo impius! – Ich denke, also bin ich gottlos.

______________

*  Dieses ganz besondere Genre „Radio-Andacht“ oszilliert in seinem Erscheinungsbild meist irgendwo wischen Lächerlichkeit, Anbiederung und frommer Überheblichkeit, wie z.B. auf NDR 2 das tägliche Quantum Trost namens „Moment mal!“ oder auf  Bayern 3 die nicht minder mediokre Reihe „Auf ein Wort“. Schlägt das drumherum gesendete gruselige Musikangebot noch um Längen! Und das will was heißen…

** Bücher von ihm heißen z.B: „Was wirklich wichtig ist.“ oder „Leid, warum lässt Gott das zu?“- Das frage ich mich auch, wie es Gott zulassen kann, solch einen Rohrkrepierer als Sprachrohr für seine Anliegen zu haben! Allein das ist schon ein Beweis gegen die Existenz eines intelligenten und liebenden Gottes! Und noch was. So ein Frömmler wie er hat natürlich kein Problem damit, in der BamS seine eigene Kolumne zu haben. Aber vielleicht meint er ja, sein Mist würde weniger stinken in dem ganzen Dreck drumherum?

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4 Kommentare zu “Kanzelmärchen #2

  1. ungenannter sagt:

    Gott verschone mich vor den selbst ernannten Heilern und Mediziauskennern.

    Mist, da geht es mir jetzt so wie Rober Wilson
    Aphorismus #150

  2. da fällt mir ein... sagt:

    ich schreibe das mal hier hin, wenngleich es vielleicht mit dem artikel nichts zu tun hat. aber da ich öfter auf deine seite stoße und immer wieder was von depression lese, will ich dir mal was schreiben, nicht um dich zu dissen oder was, sondern weil es gerade mein interesse ist.

    ich würde dir zb mal empfehlen, solche genialen köpfe wie Epikur oder Seneca auszugraben. ersterer hat äußerst durchdachtes zur „überwindung der angst“ geschrieben, zweiteres nicht wenig zb zum „zorn“. empfehlung aber nicht zu verstehen als klugschiss, das ist mir nämlich völlig wurscht was du mit deinem verstand so machst, sondern als hilfsmittel eines, wie seneca mal meinte „menschen, der in einem haus für kranke liegt und einem anderen erzählt, was für eine medizin er nimmt, weil beide an ähnlichen krankheiten leiden“ (so ähnlich hat er das in seinen epistula ad lucillum gesagt, die außerordentlich sind!)

    eine zweite sache, die mir einfiel sind zwei philosophen, die noch keine 20 jahre tot sind und aus den gleichen gründen, nur noch extremer als adorno und co ignoriert oder, falls nicht ignoriert, konsequent missverstanden werden: gilles deleuze und felix guattari. die haben ganz abgefahrenes geschrieben und obs leicht zugänglich ist oder nicht, ist eine frage die man selbst experimental angehen muss. falls es dich aber interessiert: es gibt von eugen w. holland sowas wie einen wekrzeugkasten (introduction into schizoanalysis) in englisch, der aber äußerst aufschlußreich ist.

    so medizinisiere ich mich. „der vorteil, klugscheisser?“: du siehst, wie die medikamente hergestellt werden und du siehst, wie sie wirken. nichts kann dazwischen gepanscht werden und mit verlaub ist es unmöglich zu behaupten, wir hätten nur reine pharmazeutische erzeugnisse, sodass sie sicher wären, wenngleich sie vielleicht nicht extremst schädigen, vielleicht doch. wer weiß das schon. verwirft man die wissenschaft der einen, darf man die andere deswegen nicht idealisieren, sondern muss sie ebenfalls herabstufen. sonst ergibt man sich einer sache, die man weder selbst bestimmt noch unter eigener kontrolle hat.

    mit den „medics“ die ich dir gegeben habe, hast du das schon, auch wenn es etwas anders ist als therapie. die warhscheinlichkeit aber,zumindest sich selbst zu retten durch seine eigene fähigkeit zu handeln (die verschwindet nicht, auch nicht durch eine major depressive disorder, MDD, wird höchstens eingeschränkt) ist höher und den vorwurf der trägheit oder willensschwäche braucht man sich nicht mehr angedeihen zu lassen.

    gute besserung! 🙂

  3. ungenannter sagt:

    Danke für den Hinweis.
    Man sollte als letzte Korrektur einen Text nicht auf dem 7″ Display eines eeePC 701vornehmen. Da geht so manches unter…

    Mangelnde Lateinkenntnisse nicht, eher nachlassende. Das bringt die Zeit mit sich, aber von Hause aus habe ich Latinum und Graecum.

  4. ergo sum sagt:

    kurzer hinweis (brauchste nicht veröffentlichen):

    Cogito == Ich denke
    Gogito == ???

    oder irrt hier meine nicht existente lateinkenntnis?

    ist mir nur gerade aufgefallen.

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