Glatt vergessen

Da muss mich heute morgen erst mein tägliches Käseblatt drauf aufmerksam machen, dass heute vor 75 Jahren, am 10. Juli 1934 Erich Mühsam im KZ Oranienburg ermordet wurde. Bevor ich mich in Lobhudeleien über den großen Anarchisten und noch größeren Meister der kleinen Form des Schüttelreimes ergehe, lasse ich ihn lieber selbst zu Wort kommen (so wie ich es schon mehrfach getan habe):

Selbstportrait via link

Der ist ein großer Schweinehund,
dem je der Sinn für Heine schwund.

Die Liebe und das Leben ehren –
Das möchten wir Euch eben lehren.

Man soll sich nicht in Häuschen laben,
Wo die Bewohner Läuschen haben.

Hier sitzen wir selband
uns schmückend und salbend,
wobei ich vom Elbsand
Dir Grüße zur Alb send.

Indem, wer aus dem Fenster speit,
sich gegen die Gespenster feit.

Alle Schüttelreime aus: Mühsam’s Geschütteltes – Schüttelreime und Schüttelgedichte von Erich Mühsam. Zusammengestellt und mit einem Reimregister versehen von Reiner Scholz. Mit einem Vorwort von Alfred Estermann.

2 Kommentare zu “Glatt vergessen

  1. ungenannter sagt:

    Gefällt mir gut!

  2. Marlies sagt:

    Erich Mühsam hat auch mal mehrere Sprichwörter durchgeschüttelt. Das schönste Ergebnis ist dieses:

    Was ich selber denk und tu,
    ist menschlich.
    Irren trau ich andern zu.

    Ich zitiere es immer bei passender Gelegenheit.

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