Aphorismus #423

Wort zum Sonntag #10

Und Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie sehen das Reich Gottes kommen mit Kraft.

Markus 9,1

Jesus hat also erwartet, dass das „Reich Gottes“, jene paradiesische βασιλεία τοῦ θεοῦ (basileia tou theou), das Königreich Gottes unmittelbar bevorstünde. Und der Schreiber des Markusevangeliums teilte diese Auffassung 40 Jahre später (das Markus-Evangelium wurde um das Jahr 70 verfasst) mehr oder weniger noch immer. Darum belässt er diese Prophezeiung in seinem Evangelium: das Ende ist nahe, verdammt nahe. Wenn Jesus selbst gesagt hat, dass einige seiner Zuhörer den Anbruch der Königreiches Gottes lebend sehen würden, dann würde es bestimmt nicht mehr lange dauern!
Damit wurde die apokalyptische Tradition des Alten Testamentes (Daniel, Makkabäer), vor allem aber die der zwischentestamentlichen Zeit fortgeführt. Und so gehört seit damals zum christlichen Glauben die Erwartung dazu, dass die Welt schon bald ein fürchterliches Ende nehmen werde, bevor Jesus wiederkehren und dann Gott endgültig herrschen werde. In Not- und Kriegszeiten war diese Tradition lebhafter, in ruhigeren Zeiten ging sie zurück. Die Amtskirche, deren Wurzeln einst auch in der Apokalyptik lagen, wurde mehr und mehr immun gegen diese den Status Quo in Frage stellenden Gedanken. Die Erfüllung der biblischen Prophetie vom „tausendjährigen Reich“ (Offenbarung 20) wurde vom Klerus in Gestalt der Kirche, in der Ausbreitung des Evangeliums und in der Entfaltung des christlichen Abendlandes gesehen. Die konkrete Erwartung des nahen Endes und der totalen Wende wanderte aus der Mitte an die Ränder der Kirche(n) und von dort zu diversen apokalyptischen  Sekten. Hier nun eine klein Auswahl der Termine, die ganz total sicher und 100% das genaue Datum des Weltenendes voraussagten. Die einzelnen Daten verdanke ich dieser Zusammenstellung, die es im Netz in verschiedenen Ausführungen gibt, doch leider durchweg ohne Quellenangaben. Daher habe ich eine Auswahl getroffen, die sich 1. auf die Kirchen und ihre Sekten beschränkt, und 2. anderweitig belegen lässt:

Das Ende ist nah! Kleine Geschichte der verpatzten Weltuntergänge

  • 30-ca. 80 n.d.Z.
    • Jesus und die Urgemeinde: das Neue Testament ist ein beredtes Zeugnis hierzu
  • 100 ff
    • Die Offenbarung des Johannes, viele der sog. Kirchenväter
  • ca. 250
  • 31.12.999 Mitternacht
    • Die Angst, dass dann das 1000-jährige Reich der Kirche  vorbei sei und Jesus zum Jüngsten Gericht wiederkommen würde, hatte fast die gesamte Christenheit befallen, auch den Papst Sylvester II.
  • 1420 ff
  • ca. 1500
  • ca. 1530ff
  • Oktober 1844
  • 1874, 1878, 1881, 1910, 1914, 1918, 1925, 1975, 1984, 1993…
  • Jede Menge weiterer Termine im 20. Jahrhundert
  • 1.1.2000 00:00
    • Da ließen sich nicht nur Sektierer zu einer Prophezeiung hinreißen, sondern auch ITler:  Der Millennium-Bug sollte die Welt in den Abgrund stürzen.
  • 21.12.2012
    • Das neueste Fündlein unter den Esos: der Maya-Kalender!  Wird es bis zum Datum eine Hysterie geben? Und wetten zwei Minuten nach dem Ausbleiben der Katastrophe gibt es schon die nächste Prophezeiung?

Und nach jedem Ausbleiben wird gepredigt, dass es jetzt NOCH NÄHER sei das Ende der Welt! Mit solcher apokalyptischer Drohkulisse lässt sich vortrefflich auf Seelenfang gehen und die Schäflein können mit harter Hand geführt werden. Nach dem Wohlgefallen der religiösen Führer, Weisen, Väter, Meister … Aber alles zum Lobe und zur Ehre Gottes!

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9 Kommentare zu “Aphorismus #423

  1. ungenannter sagt:

    Da stehst du in „guter alter christlicher“ Tradition, wie ich in diesem Post hinlänglich gezeigt habe.
    Aber gegen Aberglauben ist nun mal kein Kraut gewachsen.

  2. Christian sagt:

    Hallo!

    Ich habe in den Prophezeiungen Daniels erkannt, dass diese Welt dem Ende zugeht.

    Siehe mein Blog:

    http://christian090676.wordpress.com/

    Die Reihenfolge passt bei den Prophezeiungen Daniels.

    Christian

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