Aphorismus #486

Wort zum Sonntag #19

Von David, vorzusingen.
Die Toren sprechen in ihrem Herzen:
»Es ist kein Gott.«
Sie taugen nichts; ihr Treiben ist ein Gräuel;
da ist keiner, der Gutes tut.
Psalm 14, 1

Ja, so ist sie, die Bibel: gerade heraus. Sie verachtet unumwunden jeden, der nicht ihren Worten Folge leistet. Wehe ein Atheist beschimpft Glaubende als Deppen, als Menschen der Niedertracht und Bosheit. Wehe! Was würde das für ein Geschrei geben! – Aber der Atheist, der Agnostiker, der Humanist sie alle müssen sich solche wüsten Beschimpfungen im Namen eines Gottes gefallen lassen.

Was macht aber den Bibelglauben- verkörpert und umgesetzt in den Worten und Taten der Gläubigen- so wütend auf alle Gottlosen? Was ist das Verbrechen desjenigen, der den Helm nicht abnimmt zum Gebet, der keinen Eid auf die Bibel schwört, der seine Kinder nicht taufen lässt und auch nicht in den Religionsunterricht schickt? Was tut dieser freie und denkende Mensch ach so Böses und Verwerfliches, dass er sich seit mehr als 2000 Jahren den Zorn und die Wut der „Gerechten“ im Namen Gottes auf sich zieht? Gott, muss unsereins ein Monster sein! Und so sind ja die anders Denkenden in der Geschichte der Religionen gerne behandelt worden.
Im Folgenden eine gottlose Auslegung des  Psamlmverses.

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6 Kommentare zu “Aphorismus #486

  1. ungenannter sagt:

    In ihrer unnachahmlich toleranten Art hat dies schon die Bibel übernommen:
    „9 Die Götzenmacher sind alle nichtig; woran ihr Herz hängt, das ist nichts nütze. Und ihre Zeugen sehen nichts, merken auch nichts, damit sie zuschanden werden. 10 Wer sind sie, die einen Gott machen und einen Götzen gießen, der nichts nütze ist? 11 Siehe, alle ihre Genossen werden zuschanden; die Meister sind auch nur Menschen. Wenn sie auch alle zusammentreten, sollen sie dennoch erschrecken und zuschanden werden.
    12 Der Schmied macht ein Messer in der Glut und formt es mit Hammerschlägen. Er arbeitet daran mit der ganzen Kraft seines Arms; dabei wird er hungrig, sodass er nicht mehr kann, und trinkt auch kein Wasser, sodass er matt wird. 13 Der Zimmermann spannt die Schnur und zeichnet mit dem Stift. Er behaut das Holz und zirkelt es ab und macht es wie eines Mannes Gestalt, wie einen schönen Menschen; in einem Hause soll es thronen. 14 Er haut Zedern ab und nimmt Kiefern und Eichen und wählt unter den Bäumen des Waldes. Er hatte Fichten gepflanzt und der Regen ließ sie wachsen. 15 Das gibt den Leuten Brennholz; davon nimmt er und wärmt sich; auch zündet er es an und bäckt Brot; aber daraus macht er auch einen Gott und betet’s an; er macht einen Götzen daraus und kniet davor nieder. 16 Die eine Hälfte verbrennt er im Feuer, auf ihr brät er Fleisch und isst den Braten und sättigt sich, wärmt sich auch und spricht: Ah! Ich bin warm geworden, ich spüre das Feuer. 17 Aber die andere Hälfte macht er zum Gott, dass es sein Götze sei, vor dem er kniet und niederfällt und betet und spricht: Errette mich, denn du bist mein Gott!
    18 Sie wissen nichts und verstehen nichts; denn sie sind verblendet, dass ihre Augen nicht sehen und ihre Herzen nichts merken können. 19 Er kommt nicht zur Einsicht; keine Vernunft und kein Verstand ist da, dass er dächte: Ich habe die eine Hälfte mit Feuer verbrannt und hab auf den Kohlen Brot gebacken und Fleisch gebraten und gegessen, und sollte die andere Hälfte zum Götzen machen und sollte knien vor einem Klotz? 20 Wer Asche hütet, den hat sein Herz getäuscht und betört, sodass er sein Leben nicht erretten und nicht zu sich sagen wird: Ist das nicht Trug, woran meine Rechte sich hält?“
    Jesaja 44,9-20
    Womit die Bibel durchaus recht hat, nur sieht der Schreiber nicht den Balken im eigenen Auge, um einen späteren Guru zu zitieren.

  2. Jemand sagt:

    Die Polythesiten haben auch ein Recht auf Beleidigung!

  3. wk sagt:

    AAA- men to that!

    Hallelulia!

    AAA- men!

    Hi U.

    da rede ich aus Erfahrung; predigen macht einfach Spass! Und Du machst das gut. Als alter Holyroller kenne ich mich da aus.

    Keep on rockin´

    W.

  4. ungenannter sagt:

    Was soll ich dazu sagen?
    Du hast mich gründlich missverstanden.
    1. Habe ich keinen Hass auf Christen, sondern ich habe was gegen den Absolutheitsanspruch des Christentums im Besonderen und den der Religion i.A. Ich stehe immer wieder mit Gläubigen in der Diskussion, die finden zwar meine Positionen nicht richtig, aber eines bescheinigen sie mir, dass ich zwischen Person und Meinung sehr gut unterscheiden kann. Also keine Angst: ich bin nicht der Antichrist, der nur darauf brennt, alle Christen in den Abyss zu stürzen.
    Höchstens sein Prophet. 😛
    2. Kann ich darum sehr wohl differenzieren, jedoch DAS tun die Kirchen auch nicht, so lange sie genügend Macht haben. Warum sollte ich also feingeistig daherkommen, wenn christliche Prediger mit dem Baseballschläger hinter der nächsten Ecke stehen?
    Auf einen groben Klotz gehört nun mal ein grober Keil.
    3. Kannst du hier nachlesen, was ich mit diesem Blog bezwecke. Es steht im ersten Abschnitt „Was gibt’s hier und was nicht?“:
    https://ungenannter.wordpress.com/
    4. Ist deine Auslegung des Psalmverses ein sehr schönes Beispiel, wie durch einen ahistorischen Rückbezug auf einen konstruierten, angeblichen übergreifenden Kontext der gesamten Bibel inkl. NT (Dein Rekurierren auf den jesuanischen Begriff „Nächstenliebe“ verrät dich.)- also ein nicht hinterfragter Blick weg vom einzelnen iota hin aufs Ganze- verhindert, dass das Besondere des einzelnen Verses zur Sprache kommen kann. Diese Art des hermeneutischen Zirkels ist bei Kirchens so weit verbreitet, und dies obwohl schon seit Jahrzehnten darüber reflektiert wird, dass es einem so lange nicht auffällt, solange man nicht herabsteigt von den geistigen Höhen der dogmatischen Spekulationen in die Niederungen der Einzelauslegung.
    Mit anderen Worten: Der vorgebliche David kannte vielleicht die 10 Gebote, aber ganz bestimmt nicht die „Bergpredigt“. Beides wird nachträglich in den Text eingetragen und verstellt, was er sagt.
    5. Wenn der Psalm und im Gefolge die Theologie sowohl des Juden- als auch des Christentums für sich beansprucht, zu definieren, wer oder was ein „Tor“ ist, dann habe ich umgekehrt exakt dasselbe Recht. Und im Gegensatz zur Geschichte dieses Begriffes in Theologie und Kirche habe ich mich vornehm zurückgehalten. Warum soll ich also die andere Wange hinhalten, wenn umgekehrt die Gegenseite, die solches für sich als Tugend beansprucht, dies nicht tut, sondern rücksichtslos auf alles, und das nicht nur verbal, einprügelt, was sich gegen ihren anmaßenden und ideologischen Absolutheitsanspruch stellt?
    6. Es wäre eine noch weit größere Anmaßung von gläubiger Seite, wenn ich die Bibel auch nur im Ansatz zu respektieren hätte. Für mich ist es kein heiliges Buch, sondern ein Dokument dessen, was Menschen in vergangenen Zeiten glaubten, und was sie bis heute daraus machen. So wenig wie der Koran, das Buch Mormon, die Veden oder sonstige „Heilige Schriften“ haben für mich außerhalb ihres Kontextes als Zeitdokument und ihrer Wirkungsgeschichte keinerlei Relevanz und Wert.
    Blasphemie mag zwar im Sinne der Religion(en) ein Verbrechen sein. Für mich als Gottlosen außerhalb dieses Begründungszuammenhanges ist sie es nicht. Ich kann niemanden beleidigen, des es nicht gibt. Wenn ich mich also durchaus zurückhalte, dann nur, um der Menschen willen. (So habe ich lange überlegt, ob ich bei meiner Transkription eines atheistischen Ps 14,1 statt „Toren“ liber Deppen oder Idioten schreiben soll. Ich habe es verworfen, denn SO möchte ich das ius talionis nicht für mich in Anspruch nehmen.)

    Zum Abschluss ein wenig Adorno, muss man öfter lesen, aber lohnt sich:
    „Das Ganze ist das Unwahre.“
    Minima Moralia Nr. 29
    „Bangemachen gilt nicht. – Was objektiv die Wahrheit sei, bleibt schwer genug auszumachen, aber im Umgang mit Menschen soll man davon nicht sich terrorisieren lassen. Es gibt da Kriterien, die fürs erste ausreichen. Eines der zuverlässigsten ist, daß einem entgegengehalten wird, eine Aussage sei »zu subjektiv«. Wird das geltend gemacht und gar mit jener Indignation, in der die wütende Harmonie aller vernünftigen Leute mitklingt, so hat man Grund, ein paar Sekunden mit sich zufrieden zu sein. Die Begriffe des Subjektiven und Objektiven haben sich völlig verkehrt. Objektiv heißt die nicht kontroverse Seite der Erscheinung, ihr unbefragt hingenommener Abdruck, die aus klassifizierten Daten gefügte Fassade, also das Subjektive; und subjektiv nennen sie, was jene durchbricht, in die spezifische Erfahrung der Sache eintritt, der geurteilten Convenus darüber sich entschlägt und die Beziehung auf den Gegenstand anstelle des Majoritätsbeschlusses derer setzt, die ihn nicht einmal anschauen, geschweige denken – also das Objektive.“
    Minima Moralia Nr. 43
    beides: http://www.innternet.de/~peter.patti/adornotheodor-minimamoralia.htm

    „Denn Denken hat das Moment des Allgemeinen. Was triftig gedacht wurde, muß woanders, von anderen gedacht werden: dies Vertrauen begleitet noch den einsamsten und ohnmächtigsten Gedanken. Wer denkt, ist in aller Kritik nicht wütend: Denken hat die Wut sublimiert. Weil der Denkende es sich nicht antun muß, will er es auch den anderen nicht antun. Das Glück, das im Auge des Denkenden aufgeht, ist das Glück der Menschheit. Die universale Unterdrückungstendenz geht gegen den Gedanken als solchen. Glück ist er, noch wo er das Unglück bestimmt: indem er es ausspricht. Damit allein reicht Glück ins universale Unglück hinein. Wer es sich nicht verkümmern läßt, der hat nicht resigniert.“
    Band 10: Kulturkritik und Gesellschaft I/II: Kritische Modelle 3. Digitale Bibliothek Band 97: Theodor W. AdornoGesammelte Schriften, S. 8732
    zitiert nach: http://notizen.phil-splitter.com/html/notizen_adorno.html

  5. danker sagt:

    David scheint genau soviel Zeit übrig gehabt zu haben wie du 🙂

    Wenn Tore nicht an Gott glauben sagt es noch lange nicht aus das alle Ungläubige Tore sind.
    Oder verständlicher gesagt es gibt mehr Gründe nicht an Gott zu glauben als Torheit.

    Abgesehen davon mißbrauchst du den Psalm gewaltig.
    Eigentlich geht es um ein Allzeit wichtig Thema, um die Underdrückung eines Volkes bzw der Freiheit (v4).

    Hier stellt sich Gott auch nicht auf zwingend auf Seite von „Gläubigen“ sondern auf die Seite der Armen und Underdrückten(v5+6).

    Jeztz kommen wir erst wieder zu deiner vorgeschobenen Kritik gegen tore (dumme) Ungläubige (Atheisten).
    David (oder wer auch immer das geschieben hat was total egal ist) bezieht sein Werte System eben auf Gott = 10 Gebote = Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst. Die in diesen Psalm kritisierten Underdrücker halten sich aber nicht daran, eben weil sie Gottlos sind und ihr einziges Wertesystem auf ihre eigenen Gedanken gründet. Darin sehe ich eben auch die Nachteile im Atheismus bzw im Humanismus- man hat ein beliebiges Wertesystem. Das man auch zB das christliche Wertesystem mißbrauchen kann und es schon kräftig mißbraucht wurde ist mir klar, aber doch sehe ich darin eine Wertgemeinschaft die eben durch das Fundament nicht in sich selbst durch Gott geschüzt ist.
    Btw in der Bibel gibt es auuch Ungläubige Typen, die nicht schlecht wegkommen. Also Personen die nicht an den Gott Israels glauben und denoch als „Atheisten“ nicht als Toren bezeichnet werden.

    PS: Ich weiß nicht warum du einen Hass auf Christen zu haben scheinst, und deswegen weiß ich auch nicht ob du solche Komentare hier willst. Bzw ich weiß nicht ob du nur deine Gedanken los werden willst oder ob du Meinungsaustausch suchst. … ich kann mich auf Wunsch auch ruhig verhalten 🙂

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