Aphorismus #498

Gleiches zieht Gleiches an und wird durch Gleiches verstärkt. Ungleiches stößt einander ab.

Das persönliche Verhalten bestimmt die persönlichen Verhältnisse und die gesamten Lebensumstände. Deine Negativität zieht Negatives, Dunkles an und kann zu Depression und Tod führen.

Dieser Schwachsinn, das Prinzip der Resonanz, ist das vierte der sog. 7 kosmischen Gesetze, die in vielfacher Art durch das Internet geistern. Man könnte mit einem süffisanten Lächeln zur Tagesordnung übergehen. Wenn, ja wenn nicht so viele dieses transzendentale Geraune glauben würden. Und wenn ein Depressiver dies tut, wird es endgültig kriminell: seine Krankheit ist es ja, dass er nicht positiv denken geschweige denn sein kann! Da kann er noch so sehr zum Reiki-Meister rennen, sich „Heilsteine“ auf die Brust legen lassen, fasten, schmanische Rituale vollführen oder auf einem Bein um den Äquator hüpfen. Nützt alles nichts. Schade um Geld und Zeit. Wie man heute eine Depression behandelt, findet sich hier  in der Kategorie „Leben mit der Depression„. Dass solch hanebüchener Unsinn nicht nur esoterisch daherkommt, beweisen die Theorien des Psychologen Irving Kirsch, der behauptet, Antidepressiva würden nur wie Placebos wirken: weil man Positives erwartet, wird es auch geschehen. Als Psychologe ist er ja der richtig ausgebildete Fachmann, um Medikamente und ihre Wirkung zu beurteilen. Demnächst lass ich mir vom Klempner die Zähne ziehen. Lächerlich! In einer major depression erwartet man NICHTS mehr, auch nicht von Medikamenten. Höchstens den eigenen Tod erwartet man.  Und den möglichst bald. –  Ich weiß im Gegensatz zu diesem wissenschaftlichen Schwergewicht, wovon ich rede. Schlimm genug, was er da alles verzapft. Schlimmer noch ist, dass telepolis diesem Unsinn mal wieder eine Plattform gibt. Psychopharmaka-Bashing ist, so scheint es, eines der Hobbys des Redakteurs. Langsam vergeht mir die Lust als „Wächter der Nacht“ dort zu schreiben und immer wieder und wieder die gleichen Vorurteile zu widerlegen.

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5 Kommentare zu “Aphorismus #498

  1. ungenannter sagt:

    Klasse Satire.
    Ernst nehmen kann ich davon kein einziges Wort.
    Kann halt nicht jeder mit den 2 kg vernünftig umgehen.

  2. matthias sagt:

    Wirklich schade, das so eine Koryphäe ungestraft diesen Mist absondern darf. Als selbst betroffener weis ich, wie schwierig es ist, die Krankheit erst mal annehmen zu können. Heute kann ich wieder ein fast normales Leben führen – dank Medikation.

    Gruß und mach weiter so

    Matthias

    P.S. Könntest du evtl. in deinen Blog so eine kleine interaktive Grafik einfügen, mit den jeweils aktuellen Zahlen zu Kirchenaustritten, Kirchenschliessungen und so ? Einfach nur so, für die kleinen boshaften Momente…. 🙂

  3. Andreas E. sagt:

    Ich finde das schon richtig lustig, das jemand, der an NICHTS glaubt – und deshalb Depressionen hat – ausgerechnet dann an die heilende Wirkung von Psychopharmaka glaubt!

    Mir sind genug Fälle bekannt, in denen Psychopharmaka das genaue Gegenteil bei Depression erreichte, wie es eigentlich vorgesehen war.

    Hier scheiden sich die Geister. Alles nur auf die Chemie von 2 kg Eiweiß zu schieben und damit glücklich zu werden, ist die ureigenste Entscheidung jedes Lebewesens. Wer damit glücklich wird, auch einverstanden. Dieses Ketzertum dann jedoch noch öffentlich breit zu treten, kann ich nicht befürworten.

    Ok, die Psychopharmaka sind in den vergangenen 10 Jahren bedeutend sicherer geworden (heutzutage gehen nur noch 9 von 10 medikamentös behandelten Patienten an den Nebenwirkungen drauf), aber dies heißt nicht, das ich, wenn ich bei klarem Verstand bin, mir dann davon eine Dosis gebe, damit ich mein verkorkstes Leben weiterhin so leben kann, wie es mein Chef von mir erwartet. Wer so denkt, nimmt diesen gehirnwäschefördernden Scheiß vollkommen zurecht. Es gibt nichts, mit dem der menschliche Geist nicht auch ohne zusätzliche Chemie fertig wird. Wer das Gegenteil behauptet, mißbraucht seine 2 kg Fett und Protein, die er da mit sich herum schleppt.

    mfg

  4. ungenannter sagt:

    Danke für die Ermutigung.

  5. Gnü sagt:

    Das wäre schade – ich bin durch deine Kommentare auf deinen Blog aufmerksam geworden und schaue immer öfter vorbei.
    Schreib weiter als Wächter der Nacht!

    Viele Grüße!
    Matthias

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