Aphorismus #669

Die einfachste surrealistische Handlung besteht darin, mit Revolvern in den Fäusten auf die Straße zu gehen und blindlings soviel wie möglich in die Menge zu schießen. Wer nicht wenigstens einmal im Leben Lust gehabt hat, auf diese Weise mit dem derzeit bestehenden elenden Prinzip der Erniedrigung und Verdummung aufzuräumen – der gehört eindeutig selbst in diese Menge und hat den Wanst ständig in Schußhöhe.

André Breton (1896 – 1966), Zweites surrealistisches Manifest (1930), zitiert nach: Monika Schmitz-Emans, Surrealismus

Zum besseren Verständnis, nicht dass morgen ein SEK vor der Tür steht:
„Auf den ersten Blick und überflogen könnte ähnliches von einem Futuristen wie Marinetti oder sonst einem Faschisten geschrieben worden sein. Doch die Gewalt der Schwarz- und Braunhemden war nicht ziellos, wenn auch willkürlich, war nicht Ausdruck größter Verzweiflung, sondern Programm, um ein Ziel, um die Macht zu erreichen. Die absolute Revolte, die Bretons Satz ausspricht, richtet sich nicht gegen bestimmbare Mißstände der bürgerlichen Gesellschaft, sondern gegen das Leben an sich, gegen die „conditions dérisoires, ici-bas.“, die unzumutbaren Zustände hier unten. […] Kein Surrealist wurde je Revolverheld, kein Surrealist wollte je Welt oder Leben retten… Es galt einfach, sich allen Zielen zu verweigern, die angestrebte Revolution als Verweigerung aller Ziele zu setzen. Nur das Individuum, mit sich selbst, ist einer solchen Weigerung fähig, wenn es nichts mehr tut, was außerhalb seiner eigenen Triebe, seines eigenen Willens steht, wenn es die eigene Verzweiflung in der Welt aus Poesie, Liebe und Freiheit austobt.“
Alexander Schürmann-Emanuely, Die Wut im Bauch – Surrealismus überallTeil 3 – Es lebe die Langeweile, Es lebe die Leidenschaft

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