Aphorismus #750

Wird eine Fußballweltmeisterschaft vom Radio übertragen, deren jeweiligen Stand die gesamte Bevölkerung aus allen Fenstern und durch die dünnen Wände der Neubauten hindurch zur Kenntnis zu nehmen gezwungen ist, so mögen selbst spektakulär verschlampte Gammler und wohlsituierte Bürger in ihren Sakkos einträchtig um Kofferradios auf dem Bürgersteig sich scharen. Für zwei Stunden schweißt der große Anlass die gesteuerte und kommerzialisierte Solidarität der Fußballinteressenten zur Volksgemeinschaft zusammen. Der kaum verdeckte Nationalismus solcher scheinbar unpolitischen Anlässe von Integration verstärkt den Verdacht ihres destruktiven Wesens.

Theodor W. Adorno (Zitiert nach dem lesenswerten Artikel: Daniel Keil, Der „FC Deutschland 06“ -Die Fußball-WM als nationale Massenzeremonie) – Das hat sich bis heute nicht geändert, im Gegenteil: Dank Public Viewing ist es endgültig zum „Normalzustand“ geworden.

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Ein Kommentar zu “Aphorismus #750

  1. Andreas E. sagt:

    Ich stimme Adorno unumwunden zu.
    Mir geht es kaum anders, wenn ich den Schrott sehe, was da als Fußball verkauft wird. Der Sport ist zur Massenhypnose verkommen, ohne Sinn und Zweck, nur noch für den Profit und die Ablenkung des Volkes.

    Dies erinnert fatal an die römischen Kaiser, als das Reich bereits im Sterben lag, und sie mit der Dekadenz und der „Brot-und-Spiele“-Parole noch versuchten zu retten, was zu retten ist. Dennoch wurde Rom kurze Zeit danach von den Barbaren überrannt.

    Dumm nur, daß diesmal schon in Rom (Tadelschund) die Barbaren an der Regierung sind …

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